{"id":1977,"date":"2013-06-10T00:07:36","date_gmt":"2013-06-09T22:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.symptome.ch\/blog\/?p=1977"},"modified":"2020-01-18T06:22:52","modified_gmt":"2020-01-18T05:22:52","slug":"schadet-sonnenlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/schadet-sonnenlicht\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen von der b\u00f6sen, Unheil bringenden Sonne"},"content":{"rendered":"<p>Kaum l\u00e4sst der Dauerregen nach und die Sonnenstrahlen beginnen nicht nur die Bescherung wieder aufzulecken, sondern auch K\u00f6rper und Seele zu w\u00e4rmen, erhebt sich ein vielstimmiger Chor von besorgten Stimmen, die vor den schrecklichen Folgen des Sonnengenusses warnen: In einer Flut von wiederkehrenden Meldungen wird vermittelt, dass durch die UV-Strahlung nicht nur die Haut vorzeitig alt und schrumpelig wird, sondern es droht Krebs \u2013 Hautkrebs, der (angeblich) h\u00e4ufigste und b\u00f6sartigste Krebs der Menschheit.<\/p>\n<p>Zudem wird die Pr\u00e4senz dieses gruseligen Medienm\u00e4rchens immer penetranter: Ende letzten Jahres hat ein Fernsehsender zusammen mit Experten aus dem Kreis der Haut\u00e4rzte und unterst\u00fctzt von der Deutschen Krebsgesellschaft in einem angeblichen Experiment ein Schwein so schminken lassen, als ob es einen b\u00f6sartigen Hauttumor vom UV-Licht bekommen habe, um den eindringlichen Warnungen vor UV-Licht von Sonne und Solarium weiteren Nachdruck zu verleihen. Die Zuschauer wurden erst im Nachhinein \u00fcber die Maskerade aufgekl\u00e4rt. Anfang des Jahres war sich dann das Magazin \u201eDer Spiegel\u201c nicht zu schade, die UV-Strahlung in den Sonnenb\u00e4nken gar als Todesstrahlen zu bezeichnen.<\/p>\n<p>Ein solches Vorgehen kann man nur noch als pervers bezeichnen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Sonne scheint dem Menschen seit Millionen von Jahren auf den Pelz (Abb. 1) und hat uns offensichtlich so gut getan, dass die Menschheit sich \u00fcber den gesamten Erdball ausbreiten konnte. W\u00e4re die Sonne der B\u00f6sewicht, als der sie in diesem Medienm\u00e4rchen hingestellt wird, h\u00e4tte sie uns l\u00e4ngst umgebracht und nicht bis zum 21. Jahrhundert gewartet. Auch das immer wieder bem\u00fchte Ozonloch ist nicht der \u00dcbelt\u00e4ter, wie die \u00dcberpr\u00fcfung norwegischer Wissenschaftler ergab: die H\u00e4ufigkeit der Hauttumore nahm zu, bevor das Ozonloch auftauchte. Dar\u00fcber hinaus finden sich in den s\u00fcdlichen, also sonnenreicheren Anteilen Norwegens, weniger Hauttumore als im sonnenarmen Norden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1978\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_sonne-evolution-1024x399.jpg\" alt=\"Sonne Evolution\" width=\"819\" height=\"319\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_sonne-evolution-1024x399.jpg 1024w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_sonne-evolution-200x78.jpg 200w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_sonne-evolution.jpg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 1: Die Urgewalt der Sonne als eine der Lebensquellen auf der Erde, die die Evolution erm\u00f6glicht haben (Zeichnung Emde Grafik).<\/p>\n<h2>Die Interessenlage<\/h2>\n<p>Wer wissen m\u00f6chte, wie dieses M\u00e4rchen zustande kam und wer daran beteiligt ist, muss sich nur die Argumente der verschiedenen Gruppen in unserer Gesellschaft anschauen, f\u00fcr die das Thema Relevanz hat. Beginnen wir mit der Kosmetikindustrie und dem von ihr lauthals propagierten Sonnenschutz durch Cremes und Lotionen. Ihnen wird nachgesagt, dass sie nicht nur die Haut pflegen und vor einem Sonnenbrand sch\u00fctzen, sondern auch die Entstehung der b\u00f6sartigen Hauttumore verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie die Abb. 2 zeigt, hat jedoch alle Hautcreme dieser Welt nicht vermocht, der Zunahme des Hautkrebses Einhalt zu gebieten. Wie auch? Die ersten Sonnenschutzmittel im vergangenen Jahrhundert konzentrierten sich auf die Reduzierung der UVB-Strahlen und lie\u00dfen die gef\u00e4hrlicheren UVA-Strahlen ungefiltert passieren. Als Folge hat die Strahlenbelastung der Haut sogar noch zugenommen, da sich die Menschen in (falscher) Sicherheit w\u00e4hnend l\u00e4nger in der Sonne aufgehalten haben. Erst vor wenigen Jahren wurden die heute \u00fcblichen Mittel mit UVA- und UVB-Schutz entwickelt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1983\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_einsatz-von-sonnencreme.png\" alt=\"Einsatz von Sonnencreme\" width=\"595\" height=\"420\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_einsatz-von-sonnencreme.png 595w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_einsatz-von-sonnencreme-200x141.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 2: Entwicklung der Verkaufszahlen f\u00fcr Sonnenschutzmittel und H\u00e4ufigkeit von schwarzem Hautkrebs. Der parallele Verlauf der Entwicklung ist sicherlich kein Beweis f\u00fcr einen urs\u00e4chlichen Zusammenhang, stimmt jedoch zumindest nachdenklich und belegt, dass der vermehrte Einsatz von Sonnencreme die Entwicklung des schwarzen Hautkrebses nicht verhindern konnte (nach Sorenson 2006).<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. Prof. Lademann von der Dermatologischen Klinik der Charit\u00e9 und weitere internationale Experten weisen darauf hin, dass h\u00f6chstens die H\u00e4lfte der Strahlenbelastung der Haut von der unsichtbaren UV-Strahlung hervorgerufen wird. Der Rest stammt vom sichtbaren Spektrum des Sonnenlichtes und wurde bislang \u00fcberhaupt nicht bei den Schutz\u00fcberlegungen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Das soll nun anders werden, ist jedoch kosmetisch schwierig, da solche Schutzcremes das sichtbare Licht reflektieren m\u00fcssen, wodurch die eingecremte Haut ganz wei\u00df erscheint \u2013 wie bei einem Zombie. Abhilfe sollen neu entwickelte Pr\u00e4parate bringen, die aber erst erprobt werden m\u00fcssen. Hilfe kommt jedoch aus der Haut selbst: finden sich dort Antioxidantien in ausreichender Menge, werden die durch das Sonnenlicht entstehenden freien Radikale abgefangen, bevor sie Schaden anrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kommt jetzt noch eine weitere \u201eWunderdi\u00e4t\u201c als Sonnenschutz? Wohl kaum! Es handelt sich um die gleichen Antioxidantien, die uns vor Arteriosklerose und Alzheimer bewahren \u2013 f\u00fcr den Fall, dass wir sie mit unserer Nahrung zuf\u00fchren. Dies ist allerdings angesichts des Verzehrs von 70% industriell verarbeiteten Lebensmitteln anstelle reichlich frischem Obst und Gem\u00fcse in Deutschland und anderen L\u00e4ndern Europas (USA 90%!) kaum noch gegeben. Wissenschaftler der Uni D\u00fcsseldorf haben schwarze Schokolade mit solchen Antioxidantien (Flavonoiden) an Studenten \u201everf\u00fcttert und sie anschlie\u00dfend auf den Grill\u201c gelegt. Die solcherma\u00dfen \u201egedopten\u201c Studenten konnten 20% l\u00e4nger der UV-Strahlung ausgesetzt werden, bevor sich eine erste Hautr\u00f6tung zeigte, als die Studenten ohne Schokolade.<\/p>\n<h2>Hautkrebs-Screening: alles in einen Topf<\/h2>\n<p>Kommen wir zum zweiten Band dieses M\u00e4rchens, in dem ein weiterer, ganz wesentlicher Aspekt abgehandelt wird. Da die Lust am Sonnen bei weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung nicht v\u00f6llig unterdr\u00fcckt werden konnte, wurde erfolgreich eine zweite Front im Kampf gegen den Hautkrebs aufgebaut: die Einf\u00fchrung des fl\u00e4chendeckenden Hautkrebs-Screenings. Mit statistischen Manipulationen (da wird jede Hautver\u00e4nderung zum Hautkrebs stilisiert um den Krebshorror publizistisch optimal nutzen zu k\u00f6nnen) und grotesken Falschinformationen aus veralteten Studien wurde eine riesige medizinische Maschinerie erfolgreich in Gang gesetzt!<\/p>\n<p>So wird vollmundig behauptet, dass Hautkrebserkrankungen die h\u00e4ufigsten und b\u00f6sartigsten Tumore des Menschen seien. Dabei wird geflissentlich unterschlagen, dass die gro\u00dfe Mehrzahl der Hauttumore (der so genannte wei\u00dfe Hautkrebs wie z. B. das Basaliom) relativ gutartig ist, da sie so gut wie nie metastasieren. Au\u00dferdem w\u00e4chst das Krebsgeschw\u00fcr sichtbar auf den so genannten Sonnenterrassen des Kopfes, wenn dort zu viel Sonne angekommen ist (Stirn, Nase, Ohren). Daher wird es in aller Regel fr\u00fchzeitig bemerkt und beobachtet. W\u00e4chst es wirklich konstant weiter, kann man den Tumor operativ entfernen. Damit ist das Problem erledigt.<\/p>\n<p>Ganz anders verh\u00e4lt sich der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom. Es ist im Vergleich zum wei\u00dfen Hautkrebs recht selten, in der Tat jedoch sehr b\u00f6sartig, da es fr\u00fchzeitig metastasiert und die Metastasen kaum einer Behandlung zug\u00e4nglich sind. Allerdings ist hier der Zusammenhang mit der Sonnenbestrahlung unklar, da das maligne Melanom an Hautstellen w\u00e4chst, die \u00fcberhaupt keine Sonne abbekommen (in der Fu\u00dfsohle, im Auge und in der Pofalte). Ferner finden sich in der Berufsgruppe der B\u00fcroarbeiter h\u00e4ufiger maligne Melanome als bei G\u00e4rtnern und Bauarbeitern. Die amerikanische Navy verzeichnet bei der Besatzung ihrer Flugzeugtr\u00e4ger mehr b\u00f6sartige Tumore bei den Soldaten, die ohne Sonne unter Deck arbeiten, als bei solchen, die auf Deck in der Sonne arbeiten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt es schon deutlich schwerer einen schl\u00fcssigen Zusammenhang zu finden. Hier werden dann Sonnenbr\u00e4nde in der Kindheit verantwortlich gemacht und zus\u00e4tzlich mit dem ausgestreckten Finger auf die Solarien gezeigt. Dabei finden sich so typische Aussagen wie: &#8222;50 Prozent aller 14j\u00e4hrigen M\u00e4dchen nutzten regelm\u00e4\u00dfig die Sonnenbank&#8220;, tats\u00e4chlich waren das damals weniger als 1 Prozent und heute ist die Nutzung von Solarien vom Gesetzgeber so gut wie ausgeschlossen. Ferner hat sich die Zusammensetzung der UV-Strahlung in den Solarien in den letzten Jahren ganz wesentlich ge\u00e4ndert, so dass ein Vergleich von damals und heute gar nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h2>Erfolgsstatistik mit Fragezeichen<\/h2>\n<p>Diese offenen Fragen und Diskrepanzen tun jedoch dem Eifer der niedergelassenen Haut\u00e4rzte keinen Abbruch: zum Teil werden bis zu 20 \u201eunschuldige\u201c Pigmentver\u00e4nderungen entfernt, bis ein b\u00f6sartiger Tumor dabei ist. In Universit\u00e4tskliniken betr\u00e4gt dieses Verh\u00e4ltnis in der Regel drei zu eins. Doch damit nicht genug. Inzwischen wurde es n\u00e4mlich selbst einigen involvierten Spezialisten etwas mulmig zumute, wenn sie die \u201eErfolgszahlen\u201c des Hautkrebs-Screenings auf das b\u00f6sartige Melanom (schwarzer Hautkrebs) kritisch betrachteten (Abb. 3).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1980\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_malignes-melanom-haufigkeiten-1024x660.png\" alt=\"malignes Melanom H\u00e4ufigkeiten\" width=\"614\" height=\"396\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_malignes-melanom-haufigkeiten-1024x660.png 1024w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_malignes-melanom-haufigkeiten-200x128.png 200w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_malignes-melanom-haufigkeiten.png 1387w\" sizes=\"auto, (max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 3: Anstieg der H\u00e4ufigkeit von malignen Melanomen in der Bev\u00f6lkerung der USA (Rate pro 100.000 Einwohner). Wie die Kurven ausweisen, beruht der Anstieg ausschlie\u00dflich auf einer Zunahme der Fr\u00fchformen, w\u00e4hrend die Sp\u00e4tformen und die Mortalit\u00e4t keinen korrespondierenden Anstieg aufweisen (nach Glusac 2011).<\/p>\n<p>Der amerikanische Dermato-Pathologe EJ Glusac, der zu einer kleinen, auf die Haut spezialisierte Gruppe von Pathologen geh\u00f6rt, die also wissen, wovon sie reden, hat seine Bedenken in der renommierten Zeitschrift Journal of Cutaneous Patholology in der Form einer Frage ge\u00e4u\u00dfert: k\u00f6nnte es sein, dass wir beginnende Ver\u00e4nderungen der Haut als Hautkrebs bezeichnen, die noch gar kein Hautkrebs sind und auch nie werden?<\/p>\n<p>Ihm war die in Abb. 3 eindrucksvoll dokumentierte Diskrepanz aufgefallen, dass in den vergangenen Jahren nur die Fr\u00fchform des Krebses zugenommen hat, nicht jedoch die sp\u00e4ten Stadien und die Todesf\u00e4lle. Da es bislang keine wirkungsvolle Therapie gegen diese Art Krebs gibt, h\u00e4tten konsequenterweise auch die weiter fortgeschrittenen Stadien und die Todesf\u00e4lle zunehmen m\u00fcssen, wenn es wirklich zu einem solch gewaltigen Anstieg an Melanomerkrankungen in der Bev\u00f6lkerung gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Welch eine Perspektive! Nicht nur wegen der f\u00fcr ein unn\u00fctzes Screening und Operationen vergeudeten Gelder, sondern auch wegen des uns\u00e4glichen Leides, in das die Menschen gest\u00fcrzt werden, die die (falsche) Diagnose eines b\u00f6sartigen Tumors mitgeteilt bekommen. Eine \u00e4hnliche Diskussion bahnt sich derzeit \u00fcbrigens auch bei den b\u00f6sartigen Brusttumoren der Frau an (Mamma-Ca). Auch hier werden kompetente Stimmen laut, dass der Schaden des Mammografie-Screenings gr\u00f6\u00dfer als der Nutzen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die deutschen Dermatologen plagen diese Zweifel offensichtlich noch nicht. Auf ihrer Jahrestagung 2013 verk\u00fcnden sie stolz einen 20-prozentigen Anstieg der erfassten b\u00f6sartigen Tumoren im Vergleich zum Start des Screenings im Jahr 2008. Einen Vergleich mit Problemen beim Brustkrebs-Screening weisen sie als Verallgemeinerung zur\u00fcck. Immerhin soll nun (f\u00fcnf Jahre nach Beginn des Screenings!) mit Studien zu Kosten-Nutzen-Aspekten und zum prognostischen Gewinn auf lange Sicht begonnen werden.<\/p>\n<h2>Die Dosis macht das Gift<\/h2>\n<p>Ist die Sonne nun absolut harmlos und beliebig zu genie\u00dfen? Beliebig sicherlich nicht, sondern wie alle guten Dinge in Ma\u00dfen. Ein Vergleich mit der positiven Wirkung des Rotweins passt hierher: ein Schoppen zum Essen f\u00f6rdert nachweislich die Gesundheit, drei Flaschen am Tag hingegen die Leberzirrhose. Wer das ganze Jahr \u00fcber wie ein Grottenolm oder U-Boot-Fahrer in geschlossenen R\u00e4umen lebt, der muss sich nicht wundern, wenn im Urlaub ein unbedarfter, ganzt\u00e4giger Aufenthalt am Strand seiner Haut schadet. Nicht zuletzt unter Ber\u00fccksichtigung der nachstehenden Ausf\u00fchrungen muss das Motto f\u00fcr den Umgang mit der Sonne also lauten: m\u00e4\u00dfig, aber regelm\u00e4\u00dfig, und Sonnenbr\u00e4nde sind zu vermeiden. Was f\u00fcr die gro\u00dfe Sonne gilt, gilt genauso auch f\u00fcr die kleine Schwester im Solarium.<\/p>\n<h2>Das dicke Ende kommt wie immer hinten nach<\/h2>\n<p>Im Falle dieses Medienm\u00e4rchens sind leider nicht der guten Dinge drei, sondern der schlechten Dinge, da es noch einen dritten, ganz wesentlichen negativen Aspekt der geschilderten Medienkampagnen gibt: die Haut ist nicht nur die Grenze unseres K\u00f6rpers und ein Schutzorgan, sondern die Haut ist auch eine Dr\u00fcse, die die Vorstufe eines Hormons herstellt: Vitamin D.<\/p>\n<p>An anderer Stelle auf der Plattform symptome.ch ist schon ausf\u00fchrlich \u00fcber die Bedeutung von Vitamin D f\u00fcr unsere Gesundheit berichtet worden, so dass hier keine Einzelheiten wiederholt werden m\u00fcssen. Entscheidend ist jedoch das Zusammenspiel der ausgepr\u00e4gten Wirkung von Vitamin D bei nahezu allen chronischen Krankheiten in Verbindung mit dem bev\u00f6lkerungsweiten Mangel. Dieser Mangel wurde \u00fcbrigens nicht von den Vitamin D- Herstellern erfunden, sondern von einer staatlichen Deutschen Institution dokumentiert.<\/p>\n<p>Frau Hintzpeter vom Robert-Koch-Institut hat in zwei umfangreichen repr\u00e4sentativen Bev\u00f6lkerungsstudien bereits vor einigen Jahren nachgewiesen, dass lediglich unsere Kleinstkinder, die routinem\u00e4\u00dfig Vitamin D-Supplemente gegen die Rachitis erhalten, keinen Mangel aufweisen. Alle anderen Kinder und die Erwachsenen aller Altersgruppen zeigten insbesondere im Winter mehrheitlich einen Vitamin D-Mangel. Diese Ergebnisse wurden allerdings nicht wie die Zahlen der Schweinegrippe in der Bild-Zeitung ver\u00f6ffentlicht \u2013 wo sie wegen der Bedeutung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung hingeh\u00f6rt h\u00e4tten \u2013 sondern in renommierten amerikanischen Fachzeitschriften! Wozu die deutsche Bev\u00f6lkerung \u00fcber so etwas informieren? Das k\u00f6nnte ja nach Konsequenzen rufen. Abb. 4 zeigt eigene Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2009 bei \u00fcber 5.000 Personen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die mit den Ergebnissen des Robert Koch Institutes weitgehend identisch sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1982\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_vitamin-d-spiegel.png\" alt=\"vitamin-d-spiegel\" width=\"590\" height=\"420\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_vitamin-d-spiegel.png 590w, https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_vitamin-d-spiegel-200x142.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 4: Unzureichende Vitamin D-Spiegel bei \u00fcber 5.000 Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet im Alter zwischen einem halben bis 95 Jahren. Lediglich die Kleinstkinder im ersten Lebensjahr haben einigerma\u00dfen regelrechte Werte dank der routinem\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrten Vitamin D-Supplementation zur Vorbeugung gegen die Rachitis. Der rote Pfeil zeigt auf die untere Grenze des Referenzwertes von 30 ng\/ml (Dissertation U. Lemke 2012).<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr diese zun\u00e4chst unwahrscheinlich erscheinende Mangelsituation ist schnell gekl\u00e4rt: unser Lebensstil. Wir halten uns \u00fcberwiegend in Geb\u00e4uden und Fahrzeugen auf und wenn es die Freizeit erlaubt, dass wir einmal im Freien sind, wird reichlich Sonnencreme aufgelegt, um einen Sonnenbrand zu verhindern. Wie bereits ausgef\u00fchrt, macht der Sonnenblocker seinem Namen alle Ehre und blockiert die UV-Strahlung und damit die Vitamin D-Bildung zu fast 100%. Zudem verschwindet bei \u00dcbergewichtigen das Vitamin D im Fettgewebe, sodass sich das Risiko eines Mangels verdoppelt. Ein weltweiter Vitamin D-Mangel in allen industrialisierten L\u00e4nder ist die Folge.<\/p>\n<p>\u00dcber die bereits bekannten Auswirkungen von Vitamin D auf die Entwicklung der chronischen Krankheiten hinaus erhebt sich \u00fcbrigens die bange Frage, was in einem kindlichen K\u00f6rper wohl passiert, wenn er praktisch w\u00e4hrend der gesamten Wachstumsphase von einem Vitamin D-Mangel betroffen ist. Die Zukunft wird es zeigen.<\/p>\n<p>Damit genug von dieser Gruselgeschichte. Da die geschilderten Fakten wissenschaftlich dokumentiert und inzwischen hinreichend bekannt sind, ohne dass das M\u00e4rchen aus den Medien verschwindet, mag sich der gesch\u00e4tzte Leser sein eigenes Urteil \u00fcber die Motive der Beteiligten bilden.<\/p>\n<h2>B\u00fccher<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_buch1-vitamin-d1.png\" alt=\"Buch1-Vitamin-D\" width=\"150\" height=\"218\" title=\"\">Spitz, J\u00f6rg (2009): Vitamin D. Das Sonnenhormon f\u00fcr unsere Gesundheit und der Schl\u00fcssel zur Pr\u00e4vention. 2., erw. Schlangenbad: Ges. f\u00fcr Medizinische Information und Pr\u00e4vention. Das Buch kann \u00fcber den Buchhandel bezogen werden oder direkt \u00fcber die gemeinn\u00fctzige Stiftung des Autors: <a href=\"mailto:info@dsgip.de\">info@dsgip.de<\/a>. Der Reinerl\u00f6s flie\u00dft dann der Stiftung zu.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/symptome_buch2-ohne-sonne-kein-leben1.png\" alt=\"Buch2-ohne-sonne-kein-leben\" width=\"150\" height=\"227\" title=\"\">Spitz, J\u00f6rg (2012): Ohne Sonne kein Leben \u2013 Die Bedeutung des Sonnenlichts und des \u201eSonnenhormons\u201c Vitamin D f\u00fcr unsere Gesundheit. Schlangenbad: Ges. f\u00fcr Medizinische Information und Pr\u00e4vention (derzeit noch nicht im Handel, aber \u00fcber den Autor und seine Stiftung bereits beziehbar: info@dsgip.de).<\/p>\n<h2>Quellenverzeichnis<\/h2>\n<p>Bleyer, Archie; Welch, H. Gilbert (2012): Effect of Three Decades of Screening Mammography on Breast-Cancer Incidence. In: N Engl J Med 367 (21), S. 1998\u20132005.<br \/>\nGlusac, Earl J. (2011): The melanoma &#8218;epidemic&#8216;, a dermatopathologist&#8217;s perspective. 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Vitamin D viel gr\u00f6sser?<\/p>\n","protected":false},"author":55,"featured_media":2033,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,99,17,15,16,29,65,80,63],"tags":[505,499,504,507,506,500,235,498,502,501,503,172],"class_list":["post-1977","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-alltagstipps","category-gesundheit-babys-und-kinder","category-gesundheit-frauen","category-gesundheit-maenner","category-koerperpflege-kosmetik","category-krankheitsbilder-allgemein","category-krebs","category-oxidativer-nitrosativer-stress","tag-basaliom","tag-hautkrebs","tag-hautkrebs-screening","tag-mammografie","tag-melanom","tag-ozonloch","tag-solarium","tag-sonne","tag-sonnencreme","tag-sonnenschutz","tag-uv-strahlung","tag-vitamin-d"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1977","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/55"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1977"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1977\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3995,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1977\/revisions\/3995"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.symptome.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}