Schlimmste Erbkrankheiten

09.11.08 16:30 #1
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Schlimmste Erbkrankheiten
Weiblich KimS
Hallo Gerold, hallo Zusammen,

Carrie schrieb:
Was ist der Zweck dieses Threads?
und das frage ich mich eigentlich auch.

Wenn es um Erblichkeit geht, denke ich, wie in ganz vielen Fällen das der Faktor "Erblichkeit" beim Krankheitsentstehen "ziemlich", also eher weit, überschätzt wird. Eine sog. "Genetische Disposition" ist nochmal etwas ganz ganz anderes als eine wirkliche Genetische Krankheit.

Herzliche Grüsse,
Kim

Schlimmste Erbkrankheiten

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Gerold,
danke für Deinen Beitrag. Bitte gestatte mir ein paar Anmerkungen aus quasi fachlicher Perspektive.

Keine der von Dir benannten "Krankheiten", oder sagen wir besser Syndrome bzw. Symptombilder, sind Erbkrankheiten! (Pita, danke für Deinen Verweis auf diesen Thread http://www.symptome.ch/vbboard/gene-...sposition.html) Es wird lediglich - und zwar als ein möglicher Faktor - die Beteiligung einer genetischen Disposition angenommen! Sämtliche psychischen "Erkrankungen" gelten nach meinem Wissen als multifaktorell bedingt.
http://www.symptome.ch/vbboard/psych...-ausl-ser.html

Als schlimmste Erbkrankheiten sehe ich bestimmte psychische Erkrankungen an, wie: Manie, Schizophrenie, Depressionen.
Mir ist nicht ganz klar, was genau Du mit "Manie" meinst. Sollte es sich dabei um die früher so genannte "Manische Depression" - heute Bipolare Störung handeln? Bipolare Störung ? Wikipedia

Dazu gibt es hier http://www.symptome.ch/vbboard/psych...e-st-rung.html bereits einen regen Austausch.

Besonders unangenehm für die Angehörigen sind die beiden erstgenannten, da sowohl für Maniker als auch für Schizophrene im Gegensatz zu den Depressiven fehlendes Krankheits- und Unrechtsbewußtsein kennzeichnend sind:
Die bipolare Störung gilt als affektive Störung und die Betroffenen sind zwischen den "Schüben" durchaus gut ansprechbar und einsichtsfähig, so dass in vielen Fällen sogar die Möglichkeit besteht, dass sie vor Eintritt in die "Manische Phase" dies merken und dann Schutzmaßnahmen für sich selbst treffen können.
Auch für das Symptombild der Schizophrenien http://www.symptome.ch/vbboard/psych...ystematik.html gilt dies nicht so rigoros, wie zum Beispiel die Geschichte des Nobelpreisträgers John Nash http://www.symptome.ch/vbboard/thera...-therapie.html zeigt.

Es sind immer die anderen, die alles falsch machen und einem mißverstehen. ...
Das ist meiner Ansicht nach kein Phänomen, das sich auf psychische Auffälligkeiten beschränkt, sondern ist ganz allgemein menschlich. Und man muss, so denke ich, schon sehr reflektiert sein, um nicht spontan die Verantwortung beim jeweils Anderen zu suchen!

Durch ihr Verhalten irritieren die daran Erkrankten ihre Mitmenschen nicht nur, sondern bereiten diesen oft auch Angst.
Bzw. beängstigen die Symptome jene Menschen, die darüber nicht ausreichend informiert sind. Deshalb sind Aufklärungskampagnen und Angehörigengruppen, meiner Meinung nach sehr wichtig. Auch online - Präsenzen wie zum Beispiel diese hier das-beratungsnetz.de - psychosoziale Onlineberatung durch Experten /institut/listfirms.php können meines Erachtens hilfreich sein!

Tatsächlich werden Maniker und Schizophrene im Sinne des StGB als unzurechnungsfähig angesehen. Darum seid auf der Hut, mit wem Ihr Euch einlaßt, da die Anlage hierfür mit etwa 15 Prozent Wahrscheinlichkeit auf die Kinder übertragen wird.
Hmmm, und spätestens hier frage ich mich auch mit Carrie "Was ist der Zweck dieses Threads"? Soll sanft ausgedrückt werden, dass psychisch auffällige Personen kein Recht auf Sexualität und Nachkommen haben? Welcher Gedanke steckt dahinter? Und was heißt das für andere erblich mitbeeinflusste Auffälligkeiten, wie zum Beispiel die von Uta angesprochenen Allergien und Intoleranzen?


Herzliche Grüße von
Leòn
__________________
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

Geändert von Leòn (10.11.08 um 05:48 Uhr)

Schlimmste Erbkrankheiten

Oregano ist offline
Beiträge: 62.176
Seit: 10.01.04
Zitat Leon:
[Es sind immer die anderen, die alles falsch machen und einem mißverstehen. ...]

Das ist meiner Ansicht nach kein Phänomen, das sich auf psychische Auffälligkeiten beschränkt, sondern ist ganz allgemein menschlich. Und man muss, so denke ich, schon sehr reflektiert sein, um nicht spontan die Verantwortung beim jeweils Anderen zu suchen!
Jein. Es ist zwar allgemein menschlich, daß man ganz gerne die eigenen Fehler übersieht und dafür andere mit Fehlern belastet.
Bei Kranken in Richtung Schizophrenie u.a. ist es aber nach meinen wenigen Erfahrungen so krass, daß eben nie das eigene Verhalten Ursache von Folgen ist sondern wirklich immer das Verhalten von anderen Personen.
Das macht das Leben mit dem Kranken sehr schwierig, weil dessen Verhalten damit oft verletzend ist, z.T. sogar rufmörderisch (sie schlägt mich, sie bestiehlt mich...). Versucht man dann, darauf hinzuweisen, daß der Kranke selbst etwas tun müßte, z.B. Therapie, Medikamente, dann wird das nicht angenommen und die Beschuldigungen (Du willst mich ins Irrenhaus bringen; jaja, Ihr wollt mich los werden - was dann letzten Endes auch stimmt) verschärften sich.

Ich glaube, daß Gerold darauf hinaus will.

Gruss,
Uta

@ Gerold: vielleicht könnte man den Thread umtaufen in "Wie gehe ich mit Schizophrenie im engeren Umfeld um?" - wenn es das trifft.

Geändert von Oregano (10.11.08 um 08:44 Uhr)

Schlimmste Erbkrankheiten

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Uta,

Bei Kranken in Richtung Schizophrenie u.a. ist es aber nach meinen wenigen Erfahrungen so krass, daß eben nie das eigene Verhalten Ursache von Folgen ist sondern wirklich immer das Verhalten von anderen Personen.
Das macht das Leben mit dem Kranken sehr schwierig, weil dessen Verhalten damit oft verletzend ist, z.T. sogar rufmörderisch (sie schlägt mich, sie bestiehlt mich...). Versucht man dann, darauf hinzuweisen, daß der Kranke selbst etwas tun müßte, z.B. Therapie, Medikamente, dann wird das nicht angenommen und die Beschuldigungen (Du willst mich ins Irrenhaus bringen; jaja, Ihr wollt mich los werden - was dann letzten Endes auch stimmt) verschärften sich.

ja - da gebe ich Dir vollkommen Recht. Insbesondere wenn (was bei Schizophrenien, anderen Psychosen, der Bipolaren Störung und manchen Depressionen) eine Wahnentwicklung hinzukommt (siehe auch www.symptome.ch/vbboard/psyche-gesundheit/10963-zwangserkrankungen-unterschiede-zwischen-neurose-psychose.htm)
kann es sicher für Angehörige sehr, sehr schwer, ja sogagar verzweifelnd werden. Deshalb halte ich auch möglichst viel Wissen um die Krankheitsbilder und ein hilfreiches Unterstützungssystem, für wichtig! Manche Krankenkassen finanzieren eine zeitlich befristete, therapeutische Begleitung von Angehörigen, ansonsten sind Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für diesen Personenkreis, sicher auch hilfreich.

Herzliche Grüße von
Leònl
__________________
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

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Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo,

hier http://www.symptome.ch/vbboard/philo...tml#post218234 findet sich ein anderer Versuch, sich dem Thema Schizophrenie zu nähern.

Herzliche Grüße von
Leòn
__________________
Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

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Julia84 ist offline
Beiträge: 60
Seit: 05.11.08
Es gibt in der Tat schlimme Erbkrankheiten. Schizophrenie und Bipolare Störung gehört nicht dazu.

Schlimme Erbkrankheiten sind zum Beispiel Chorea Huntington. Ein Todesurteil in Qualen. Bei Depressionen und Bipolaren Störung besteht oft ne gute Heilungschance, bei Huntigton nicht und Huntington ist nunmal sogar auch ne Erbkrankheit. Ne Psychose gibt bei Huntington meist gratis dazu.

NBIA oder stark ausgeprägte Harnstoffzyklusdefekte sind auch Erbkrankheiten die meistens sicher zu einem qualvollen Tod führen und da gibts noch hunderte. Und all das sind wirklich Erbkrankheiten.... nicht so wie Schizophrenie. Natürlich häufen sich auch zB erworbene Erkankungen in einem gewissen Umfel, wie eine Familie. Das liegt aber auch zum grossen an einem ähnlichen Lebenswandel und einer ähnlichen Umwelt. Solang sie nicht als Erbkrankheiten qualifiziert sind, sind es keine.

Ein weniger stark ausgeprägter Harnstoffzyklusdefekt oder Morbus Wilson sind nur gefährlich wenn sie nicht erkannt werden, was wohl häufig Fall ist. Aber dort ist eine Diagnose nicht das Ende, sondern der Anfang....

Geändert von Julia84 (02.03.09 um 23:41 Uhr)

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Amalgameter ist offline
Beiträge: 8
Seit: 02.03.09
Zitat von margie Beitrag anzeigen
Es müßte dann dafür nachgewiesene Gendefekte geben, d.h. genau bezifferbare Lokalisationen des Gendefektes auf einem genau (d. h. mit Nummer) anzugebenden Chromosom, z. B. Chromosom 13, auf dem sich das Wilson-Gen aber auch die Gene für Brustkrebs, Troyer-Syndrom, etc. befinden.
Man kann den genetischen Anteil errechnen indem man die Differenz in der Konkordanzrate zwischen Ein- und Zweiiigen Zwilligen mal zwei nimmt; dann kommt man bei Schizophrenie auf einen genetischen Anteil von ca. 70%.

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Oregano ist offline
Beiträge: 62.176
Seit: 10.01.04


Kannst Du das auch für nicht so rechnerisch begabte Personen erklären?

Gruss,
Uta

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Amalgameter ist offline
Beiträge: 8
Seit: 02.03.09
Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Kannst Du das auch für nicht so rechnerisch begabte Personen erklären?
Keinen Bock das zu erklären; aber schau dir mal folgendes an:
br-Aplha, Geisd und Gehirn, Folge 74: Zwillingsforschung

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alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.919
Seit: 09.09.08
wuhu ;-)
Zitat von Tobi09 Beitrag anzeigen
Wie kommst du darauf, dass psychische Erkrankungen vererbt werden?
passend zu diesem thread: http://www.symptome.ch/vbboard/gene-...tml#post280301
Zitat von arte.tv
... "Epigenetik". Die Folgen daraus können dramatisch sein. Krankheiten wie Krebs, Diabetes Typ 2, Herzinfarkt, Schizophrenie oder Autismus brechen aus. Doch damit nicht genug: Manche dieser tückischen Schalterstellungen sind anscheinend über mehrere Generationen vererbbar...
es kann demnach viel mehr vererbt werden, als bisher angenommen...
__________________
» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller


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