Thalassämie Symptome und Therapie

21.01.08 08:41 #1
Neues Thema erstellen

pita ist offline
Beiträge: 2.886
Seit: 08.04.07
Allgemeines
Thalassämien sind eine Gruppe genetisch bedingter Erkrankungen, die von den Eltern auf ihre Kinder übertragen werden.
Die meisten Formen werden autosomal und bis auf wenige Ausnahmen rezessiv vererbt. Gemeinsam ist ihnen ein genetischer Fehler in der Zusammensetzung des Hämoglobins mit daraus resultierenden Störung der Globinkettensynthese.
Es kommt aufgrund dieser Fehlbildung und verstärktem Abbau der roten Blutkörperchen zu sogenannter Anämie (Blutarmut). Thalassämie wird auch Mittelmeeranämie bzw. Coley-Anämie genannt.
Es gibt die häufiger - vor allem im Mittelmeerraum - auftretende beta -Thalassämie (β-Thalassämie) und die seltenere - vor allem in Südostasien auftretende - alpha -Thalassämie (α-Thalassämie).
Ist die β -Thalassämie homocygot ausgebildet, d. h. die von beiden Elternteilen vererbten Gene sind betroffen, spricht man von Thalassaemia major oder Cooley-Anämie, die auch als die klinisch bedeutsamste Erkrankung, bei heterozygoter Ausbildung, d. h. nur eines der beiden Gene ist betroffen, von Thalassaemia minor.
Thalassämien treten vor allem im Mittelmeerraum, im vorderen Orient und bei der afrikanisch-stämmigen Bevölkerung auf.
Symptome
Die Thalassaemia major manifestiert sich meist innerhalb der ersten Lebensjahre mit Blässe, Ikterus (Gelbsucht), Gedeihstörung und Hepatosplenomegalie.
Bei unzureichender Therapie kommt es zur weiteren Symptome der Erkrankung wie Wachstumsretardierung und gehäuften Infektionen.

Aufgrund dieser Hämoglobinstörung kommt es zu:

1. Sauerstoffmangel im Blut führt zu einer reaktiven Zunahme des blutbildenden Gewebes. Durch diese Zunahme vergrößert sich der Knochenmarksraum mit spezifischen Knochendeformationen und die eigentliche Knochensubstanz verringert sich. Bei schweren Verläufen kommt es daher zu Wachstumsstörungen und erhöhter Knochenbrüchigkeit. Durch die zunehmende Blutbildung in Milz und Leber nehmen diese Organe an Größe zu (Hepatosplenomegalie).

2. Blutarmut ( Anämie) verursacht Schwindel, Kopfschmerzen und eine reduzierte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Daneben bestehen Atembeschwerden, die bei Belastung oder sogar in Ruhe auftreten.

3. Vermehrter Blutabbau verursacht eine Gelbverfärbung der Haut ( Ikterus) und einer Vergrößerung der Milz. Ebenso lagert sich dadurch Eisen in einigen Organen wie etwa der Leber und dem Herzen ab, was zu einer Minderleistung dieser Organe führt. Außerdem besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte, eine Neigung zu rheumatischen Erkrankungen, Hautschäden und Hautpigmentierungen.
Therapie
Thalassaemia minor:
Die Thalassämia minor bedarf meist keiner Behandlung.
Beim Auftreten von Anämien nach schweren Infektionen oder in der Schwangerschaft auf, genügt meist eine Bluttransfusion.

Thalassaemia major:
Symptomatische Behandlung

* Regelmäßiges Transfusionsprogramm

* Chelattherapie
Thalassämie | Das Informationsportal

Thalassämie

pita ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.886
Seit: 08.04.07
Die Thalassämia major ist eine schwere Erkrankung, die nur mit grossem (auch finanziellem) Aufwand behandelbar ist.

In den Mittelmeerländern versucht man seit langem, die Zahl der Neuerkrankungen mittels Prävention zu vermindern.
Hier das Beispiel von Zypern:
Zypern ist ein Land mit besonders hoher Prävalenz der β-Thalassaemia major, einer vererbten Bluterkrankung die nur mit sehr hohem Aufwand behandelbar ist. Anfang der 1970er Jahre zeichnete sich ab, dass durch neue Therapien die Zahl der Erkrankten rapide Anstieg, weil diese immer länger überlebten. Es wurde mit einer Verdopplung der Zahl der Erkrankten in etwa 8 Jahren gerechnet, damit war absehbar, dass die Kosten der Versorgung der Thalassämieerkrankten ohne weitere Maßnahmen zum Kollaps des Gesundheitssystems führen würden.

Seit 1976 gibt es darum auf Zypern ein Programm zur Aufklärung und freiwilligem genetischen Screening und auch die Pränataldiagnostik wurde gezielt ausgeweitet. Die Gentests, die vorgeburtliche Diagnostik und eine eventuelle Abtreibung sind kostenlos. Seit einigen Jahren ist auf Zypern anstelle der Pränataldiagnostik mit anschließender Abtreibung auch die Präimplantationsdiagnostik als Alternative verfügbar. Etwa 200 Pränatale Untersuchungen werden pro Jahr auf das Vorliegen einer Thalassämie durchgeführt und führen jährlich in etwa 50 Fällen zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Anfängliche Widerstände der orthodoxen Kirche gegen eine drohende Ausweitung der Schwangerschaftsabbrüche wurden soweit überwunden, dass seit 1983 die Kirche von allen Brautpaaren vor einer Heirat eine Bescheinigung über die Teilnahme am Screening und einer entsprechenden humangenetischen Beratung verlangt. Tatsächlich verzichten offensichtlich einige Paare (unter 3 %) nach einer solchen Beratung auf eine Heirat.

Durch all diese Maßnahmen konnte eine Reduzierung der Neuerkrankungen von 70 pro Jahr Mitte der 1970er Jahre auf heute etwa 2 pro Jahr erreicht werden. Die Ausgaben für das Thalassämiemedikament Desferal sind um die Hälfte gesunken, die Zahl der Patienten seit einiger Zeit konstant bei etwa 630. Da auf Zypern nahezu jede Familie von der Thalassämie betroffen ist, gibt es gegen diese freiwillige Eugenik keinen nennenswerten Widerstand in der Bevölkerung. Nahezu jeder erwachsene Einwohner im heiratsfähigen Alter kennt aufgrund eines Gentests seinen eigenen Thalassämie-Status, weiß also, ob er Träger des Gendefektes ist.

Pränataldiagnostik - Wikipedia

Kinder nur nach Gentest
Christian Schüle

Zypern betreibt seit 1976 freiwillige Eugenik. Die Mediziner sind begeistert, die Ethiker entsetzt - und die Geistlichen geben ihren Segen

Kinder nur nach Gentest : Zypern betreibt seit 1976 freiwillige Eugenik. Die Mediziner sind begeistert, die Ethiker entsetzt - und die Geistlichen geben ihren Segen | ZEIT online

Thalassämie

phil ist offline
Beiträge: 1.702
Seit: 25.01.05
Warum kommt diese Krankheit auf Cypern häufiger vor als anderswo? Liegt's an den Genen oder bildet es sich lediglich in den Genen ab und ist die Ursache ganz wo anders zu finden?

Da stellt sich aus ethischer Sicht auch die Frage, wie weit man bereit ist, auch eine kinderlose Partnerschaft miteinander einzugehen?

Thalassämie

pita ist offline
Themenstarter Beiträge: 2.886
Seit: 08.04.07
Hallo Phil

Vordergründig liegt es ganz klar und einwandfrei nachweisbar an den Genen.

Zypern und Italien haben ja durch diese Präventionsprogramme einen starken Rückgang zu verzeichnen, dafür breitet sich die Krankheit jetzt in anderen Ländern eher aus:
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich in Nordeuropa ein unerwarteter Bedarf nach einer Neuorientierung der Kontrollprogramme ergeben. „Bedingt durch die Migration von Menschen aus Ländern mit hoher Prävalenz ist die Thalassaemie jetzt für alle europäischen Länder zu einem nicht unerheblichen Gesundheitsproblem geworden. Bisher hatten die nationalen Gesundheitsdienste keine Kontrollprogramme entwickelt, weil die Krankheit in der eigenen Bevölkerung entweder sehr selten war oder überhaupt nicht existierte. Deshalb haben jetzt die Patienten in einigen Ländern Nordeuropas eine sehr schlechte Lebensqualität, obwohl die Qualität des Gesundheitswesens dort doch sehr hoch ist“, stellt Dr. Eleftheriou fest. Nachdem es also durch große Mühe gelungen war, die Thalassaemie im Mittelmeerraum und in Entwicklungsländern zu kontrollieren, ist TIF jetzt nach Europa zurückgekehrt.

www.eurordis.org/article.php3?id_article=1460
Gene und Ethik - ja, ein spezielles Thema. Ich werde dazu demnächst einen Tread eröffnen.

Liebe Grüsse
pita

Thalassämie

NellyK ist offline
Beiträge: 2.901
Seit: 02.08.06
Liebe Pita,
ich lese deine Threads über Erbkrankheiten sehr gern. Eine sehr interessante und spannende Ecke.

Thalassämie

Oregano ist offline
Beiträge: 62.210
Seit: 10.01.04
Bei den Erkrankten ist nun durch den vererbten Defekt die Bildung des normalen Blutfarbstoffes gestört bzw. er wird zuwenig produziert. Die ersatzweise gebildeten unreifen und fehlerhaften Blutfarbstoffe reichen als Ausgleich nicht aus und führen außerdem zu einem verfrühten Absterben der Blutkörperchen. Anstelle der normalen Lebensdauer von etwa 120 Tagen haben die Blutkörperchen nur noch eine Lebensdauer von 30 bis 40 Tagen. Bei diesem verfrühten Absterben wird Eisen freigesetzt, das sich teilweise in den inneren Organen und der Haut ablagert und diese schwer schädigt.
Der Verein "Deutsche Thalassämiehilfe e.V."

Deshalb also wird Eisen angesammelt, das dann wieder entfernt werden muss.

Therapie: Der Verein "Deutsche Thalassämiehilfe e.V."

Gruss,
Uta

Thalassämie

anila111 ist offline
Beiträge: 2
Seit: 04.11.08
Hallo

ich selber habe die ß-Thalassämie major, also die schwerste Form dieser Krankheit.

Ich muss aber dazu sagen dass es mir sehr gut geht, das verdanke ich meinen Eltern die sehr diszipliniert diese Therapie mit mir durchgezogen haben, von klein auf!Darum sieht man es mir auch nicht an. Natürlich fühle ich mich bereits ein bis zwei wochen nach der Transfusion wieder ziemlich schlapp, aber damit kann man leben.

Leider ist im internet oft zu lesen dass diese Kinder eine geringe Lebenserwartung haben. Das war vielleicht noch vor 30 Jahren so. Jetzt nicht mehr. Ich bin 27 und kenne einen der mittlerweile über 50 jahre alt ist. mit einer konsequenten Bahandlung kann man ein fast unbeschwertes Leben führen.

Gerne könnt ihr euch mal auf unserer VereinsPage umschauen und euch mit andere Patienten austauschen

Thalassämieverin Ulm e.V. - Thalassämie

lg


Optionen Suchen


Themenübersicht