Selbstsucht

06.05.07 22:38 #1
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Oregano ist offline
Beiträge: 63.724
Seit: 10.01.04
Bisher war mehr von körperlichen Süchten die Rede. Mir fiel gerade die Selbstsucht ein, die auf jeden Fall vom Namen her auch zu den Süchten gehört.
"Selbstsucht bedeutet nicht, zu leben wie man wünscht, sondern von anderen zu verlangen, dass sie so leben, wie man es wünscht." - Oscar Wilde, Der Sozialismus und die Seele des Menschen
Dieser Spruch von Oscar Wilde sagt das aus, was ich unter Selbstsucht verstehe.

Hier gibt es noch viele andere Sprüche dazu:
Selbstsucht - Wikiquote

Wie werden Menschen selbstsüchtig? Welche Auswirkungen hat das - z.B. auf Kinder?

Gruss,
Uta

Geändert von Oregano (06.05.07 um 22:40 Uhr)

Selbstsucht
Männlich Bodo
Selbstsucht hat viel mit Egoismus gemein. Eine große Chance, selbstsüchtig zu werden, liegt darin begründet, wenn Kinder ohne Geschwister aufwachsen.
Rücksichtnahme, Empathie und das Teilen können werden nur erschwert erlernt, einem Freund oder einer Freundin kann ehr aus dem Weg gegangen werden als dem Geschwisterchen.

Ausgewachsene Selbstsüchtige sind meist intolerant, geizig und innerlich vereinsamt.

Bei Drogensucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte, Drogen zu konsumieren, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Selbstsucht

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
bei sucht gehts im wesendlichen um 2 elemente.
das eine ist der mangel an etwas das wir brauchen und mit einem ersatz zu stillen versuchen.
das andere ist das ringen um autonomie. (eben das gegenteil von abhängikeit=sucht).
eigendlich geht es ja hierbei um eine störung in der ich bildung, die dann zur "sucht" ausartet.

der mangel könnte hier, ähnlich wie es auch bei anderen süchten der fall sein kann, eine unzureichende eigenwahrnemung sein.
klingt evtl. etwas paradox wenn man bedenkt das sich doch beim selbstsüchtigen immer alles um ihn drehen muß, oder auf ihn bezogen sein soll.
dies ist aber vieleicht nur der ersatz für den verlust, der versuch sowas wie ein inneres loch zu stopfen.
hilfreich könnte für den betroffenen sein, sich selbst im kontakt mit anderen zu erfahren. sozusagen das "nachhilfestunden gegenmodell" zum "einzelkindersyndrom".
will sagen, mir fällt als eine möglichkeit gruppentherapie ein. schon das hören von den problemen anderer wäre da die halbe miete.
hierbei wird der bereich der spiegelneuronen in unserm gehirn trainiert. das ist der bereich der mit empathie zu tun hat.

es ist natürlich keinesfalls zwingend das einzelkinder zu selbstsüchtigen werden (auch wenns oft passiert).
unserer tochter wurde z.b. vom kindergarten und der grundschule an, immer bescheinigt das sie eine große soziale kompetenz hat.


selbstsüchtige sind aber eben auch abhänig von anderen. auch wenn sie dies oft durch rücksichtslosigkeit verdecken.
siehe o. wilde:
"Selbstsucht bedeutet nicht, zu leben wie man wünscht, sondern von anderen zu verlangen, dass sie so leben, wie man es wünscht".
er braucht eben dringend andere.
auch dies könnte mit der obigen empfelung nachgelernt werden.
ich glaube parallel dazu wäre auch eine bewußtmachung dieser genannten mechanismen hilfreich.


lieber gruß
andreas

Selbstsucht

chiara ist offline
Beiträge: 259
Seit: 22.02.07
Selbstsucht hat viel mit Egoismus gemein. Eine große Chance, selbstsüchtig zu werden, liegt darin begründet, wenn Kinder ohne Geschwister aufwachsen.
Rücksichtnahme, Empathie und das Teilen können werden nur erschwert erlernt, einem Freund oder einer Freundin kann ehr aus dem Weg gegangen werden als dem Geschwisterchen.
Lieber Bodo,

da widerspreche ich dir. Ich bin der Meinung, Selbstsucht ist durchaus auch bei Geschwisterkindern möglich. Selbstsucht entsteht meiner Meinung nach, wenn man sich selbst nicht angenommen fühlt, wenn Defizite entstanden sind. Dies ist nicht zwingend erforderlich bei Einzelkindern. Es liegt auch in der Hand der Eltern die Kinder zu liebevollen, sozial kompetenten Menschen zu erziehen. Da der Trend zum Einzelkind geht, wäre das ja fatal - dann wäre diese Welt ja bald nur mit selbstsüchtigen Menschen besetzt. Ich finde es sehr viel wichtiger, dass man die Kinder miteinandern spielen läßt, ihnen das Gefühl vermittelt ein Teil eines Ganzen, aber für gewisse Menschen etwas Besonderes zu sein. Allerdings denke ich, dass hier nicht nur die Eltern gefragt sind, sondern dass von staatlicher Seite wesentlich mehr Anreize geschaffen werden müßten als derzeit der Fall ist. Kennst du den Begriff "Medienverwahrlosung"? Denke, dass dadurch ein großes Potential zur Selbstsucht geschaffen wird. Wenn jedoch immer mehr Jugendzentren geschlossen werden, Spielplätze und Schulen verwahrlosen, die Sportvereine immer weniger subventioniert werden, der Personalschlüssel für Erzieher immer weiter heruntergeschraubt wird usw. dann erfolgt die Flucht in die Sucht... egal welche.

Liebe Grüße

Chiara

Selbstsucht

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
hi chiara,
selbstverständlich hast du recht.
es gibt das auch , zunemend bei kindern mit geschwistern.
hat es auch immer gegeben.
ich glaube der gesllschaftliche aspekt spielt auch eine zusätzliche rolle. weil unsere werte immer mehr hin zu dingen wie gewinnmaximierung gehen.
andererseits ist die gesellschaft auch die summe der einzelnen. da verstärkt sich gerade etwas gegenseitig fürchte ich.
aber ist nicht auch wahr das eltern die ihre kleinen vor dem tv verwahrlosen lassen schon auch selbstsüchtig sind?

lieber gruß
andreas

Selbstsucht

chiara ist offline
Beiträge: 259
Seit: 22.02.07
Lieber Andreas,

andererseits ist die gesellschaft auch die summe der einzelnen. da verstärkt sich gerade etwas gegenseitig fürchte ich.
Tatsächlich sehe ich es auch so. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen / Eltern / Staat dem entgegenwirken. Ich persönlich finde es immer sehr unproduktiv langfristig zu meckern, aber selbst nichts zu tun. Oftmals fehlt nur einfach jemand der die Initiative ergreift. Wir stehen z. B. derzeit kurz davor eine Initiative "Pro Kind" (gute Vorschläge zur Namenswahl werden noch entgegengenommen ;-)) zu gründen. Dort werden wir gewiße Mißstände von Seiten der Kommune / Staat aufzeigen, jedoch auch sehr konkrete Vorschläge zur Verbesserung u. Mithilfe unterbreiten. Wir stehen noch am Anfang, jedoch sind wir der Meinung, dass es an der Zeit ist, schnellstmöglich etwas zu unternehmen. Wir, das waren zunächst meine Wenigkeit und eine weitere Mutter... mittlerweile sind wir auf über 40 interessierte Mütter / Eltern angewachsen und wir haben die Sache bisher nur im kleinsten Rahmen publik gemacht - eine medienwirksame Veröffentlichung steht noch an und wir sind schon am überlegen wie wir mit der jetzt schon absehbaren Vielzahl an Interessierten umgehen werden. Ich denke, das zeigt schon sehr klar, wie hoch der Bedarf ist. Die meisten Menschen haben nämlich schon erkannt, dass etwas getan werden muß. Insofern ist der Punkt: "Selbstsucht" ein Punkt, der immer weitere Ausmaße annehmen wird, wenn man keine konkreten Maßnahmen ergreift.

Liebe Grüße

chiara

Selbstsucht

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
guter ansatz,
man kann ungute kreisläufe ja an vielen stellen unterbrechen. meine frau bildet eltern, erzieher/innen u. lehrer/innen fort.
ich arbeite in im mom. in gruppen mit menschen.
ich wäre fast schon für sowas wie einen eltern führerschein. bei dem die grundlagen dessen gelehrt werden was kinder brauchen. natürlich freiwillig mit anreiz evtl. für verbilligten kindergartenplatz oder so.
finde toll das du aktiv wirst.

lieber gruß
andreas

Selbstsucht

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hi,

wie an anderer Stelle schon öfter gesagt wurde, kommt der Begriff "Sucht" zunächst einmal vom Suchen.
So ist denn die Selbstsucht auch erst mal die "Suche nach sich selbst", also die Möglichkeit, sich auf sich zu beziehen.

Ebenso wie beim Egoismus und bei allen Eigenschaften auch, bei denen die janusköpfige Medallie der Stärke auf der einen, der Schwäche auf der anderen Seite vorzufinden ist, verhält es sich - meiner Ansicht nach - mit der Selbstsucht.

Es kommt auch hier wieder auf ein ausgewogenes Verhältnis an: der Mensch ist ja zum Einen ein individuelles (auf sich selbst bezogenes) und zum Anderen ein soziales (auf die Gemeinschaft bezogenes) Wesen.
Wird das Eine zu Ungunsten des Anderen überbetont, entstehen die Probleme.

Herzliche Grüße von
Leòn

Selbstsucht

chiara ist offline
Beiträge: 259
Seit: 22.02.07
Lieber Andreas,

ich vertrete die Auffassung, dass jeder Mensch im Grunde die Verpflichtung hat, für ein gutes, lebens- und liebenswertes Umfeld zu sorgen. Und tatsächlich fände ich es absolut wünschenswert, wenn noch ganz viele Menschen aktiv würden. Ich betrachte das eher als Hilfe zur Selbsthilfe... denke, davon würden auch die Eltern profitieren, die eigentlich einen "Führerschein" brauchten ;-) Und wie recht du hast - es gibt so viele Ansätze... irgendwie müßte es doch mal möglich sein, diese Ansätze zu bündeln.

Liebe Grüße

chiara

Selbstsucht
Männlich Bodo
Hallo Chiara.

Natürlich hast Du Recht - es gibt auch selbstsüchtige Kinder mit Geschwistern.
So pauschal habe ich das allerdings auch nicht formuliert. Ich schrieb, dass
die Chance auf Selbstsucht bei Einzelkindern höher ist. Die vielen Einzelkinder,
die nicht als selbstsüchtig zu bezeichnen sind, ändern Nichts an der Aussage.

Hierzu ein Spiegeltitelbild vom März 06. Ich habe das Heft aufbewahrt, da hier
das angesprochene Thema exzellent thematisiert wird.

Liebe Grüße, Bodo

www.spiegel.de/static/epaper/SP/2006/10/ROSPANZ20060100001-312.jpg


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