Medikamente

24.10.06 15:24 #1
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oli
Abhängig kann man auch von Medikamenten sein. Nicht weil sie einem helfen, sondern, weil man dadurch weniger Angst hat oder sich fröhlicher fühlt o.ä.

Wie sind Eure Erfahrungen mit Medikamenten-Abhängigkeiten ?

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Anne B.
Meine Tochter war mal eine Zeit lang von Baldrianperlen abhängig. Sie benötigte jeden Abend eine Perle, um einschlafen zu können. Sie hatte mir damit unbewußt eine ziemlich schwere Aufgabe aufgegeben, die ich aber unbedingt lösen wollte... Seit Erledigung dieser, "meiner Hausaufgabe" schläft sie supergut und benötigt keinerlei Einschlafhilfen mehr - von einem Tag zum anderen.

Ich denke, was für Kinder gilt, das gilt erst recht für Erwachsene. In Sachen Abhängigkeit sind wir oft auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Oft wird jedoch den Abhängigen suggeriert, sie seien grundsätzlich selbst schuld an ihrer Sucht. Bei Medikamentenabhängigkeit wird das Schuldgefühl genommen.

Geändert von Anne B. (24.10.06 um 20:19 Uhr) Grund: hatte mich falsch ausgedrückt - habe meine Medikamente nicht genommen ;-)

Bei Drogensucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte, Drogen zu konsumieren, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo,

ich hatte mal einen studienkollegen, welcher ohne bachblüten-notfalltropfen kein konzert spielen kann.
auch für sein abitur brauchte er die notfalltropfen, doch er nahm so viele - eine ganze flasche -, dass er davon besoffen war und die prüfung fast nicht schreiben konnte.

ich denke, dass man bei lampenfieber nicht unbedingt medikamente braucht. doch sie helfen einem psychisch. man redet sich ein, dass man dann nicht mehr nervös ist. ohne diese medikamente kann man nicht spielen.
ich nahm auch eine weile schüsslersalz nr. 7 vor einem konzert. doch weil es nicht wirklich was brachte, nahm ich es nicht mehr. dafür konnte ich nur in bestimmten schuhen klavierkonzerte spielen. ich denke, das ist so ähnlich wie eine antilampenfiebermedikamentensucht. doch das ist normal, denke ich. fast jeder musiker hat so eine sucht. im basler sinfonieorchester ist ein geiger, welcher immer mit einem doppeltem geigenkasten rumläuft. in einem fach die geige, im anderen die ledersohlenschuhe. ohne die kann er nicht spielen. bei mir hörte das mit den schuhen auf, als ich nicht mehr so viel gewicht auf das klavierspiel legte. dafür musste ich eine weile ein putztüchlein mit auf die bühne nehmen, um mein horn ab zu wischen. doch als ich ein anderes instrument hatte, welches nicht so viel tropft, war es dann die tatsache, dass ich ohne fingerring nicht mehr spielen konnte.

ob medikament, ein kleidungsstück, ein schmuck oder was auch immer; ich denke, antilampenfieberritual ist eine normale sucht.
so lange es keine betablocker sind... was leider auch ein verschwiegenes kapitel unter musikern ist...
ist das auch eine sucht, wenn man wegen dem konkurenzkampf zu jedem konzert betablocker nimmt?

viele liebe grüsse von shelley

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Joop ist offline
Beiträge: 39
Seit: 08.08.06
ich praktiziere sie leider, die sucht.
medikamente sind ein bestandteil meines lebens geworden. ich glaube nicht, dass ich auch nur einen tag ohne sein könnte.
von benzos, barbituraten, aphetaminen etc. habe ich leider alles durch.
ich bin einfach "suchtanfällig" und habe in der sucht dinge gesucht, die ich im wirklichen leben vermisse. sucht = suchen, ersticken, flüchten, betäuben, glück, wärme, liebe uvam., zumindest für mich. ich bin sogar von laxantien abhängig. körperlich und psychisch. hab ich diese dinger nicht im haus, drehe ich durch. ich geh nachts um drei dafür in die apotheke.

lg, joop

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo joop,

wie hat es mit deiner sucht angefangen? bekamst du medikamente gegen eine krankheit?

ich dachte, wenn man medikamente wirklich braucht, wird man nicht abhängig davon. ich bekam auch schon amphetamine, doch ich wurde nicht abhängig davon, weil ich sie einfach brauchte, als meine krankheit sehr schlimm war und ich trotzdem was machen wollte. ich konnte sie problemlos absetzen und wenn ich sie wieder brauchte, sie einschleichen bis zu einer bestimmten dosis. ich war immer froh, wenn ich sie absetzen konnte wegen den nebenwirkungen.
ich bekam auch morphin, doch ich bin nicht abhängig davon. wenn ich es nicht nehme, habe ich einfach voll die schmerzen, aber ich habe nie das bedürftnis danach. nur einmal nahm ich extra ganz viel davon, als ich wollte, dass mir alles scheissegal wird.

wie ist das bei dir?
brauchst du den kick von amphetamin? geben andere medis auch so einen kick? oder nimmst du sie einfach so wie ich gummibärchens esse, wenn ich mich trösten will? stören dich die nebenwirkungen nicht?

was sind laxantien? und barbiturate und benzos? wie kommst du einfach so an die sachen ran? ich meine man bekommt es ja nur vom arzt, wenn man es auch braucht. hat dir dein arzt noch nie die rezepte verweigert? oder spielst du ihm einfach depression oder was vor? oder weiss er, dass du die medis brauchst, weil du sonst entzugserscheinungen bekommst?

viele liebe grüsse und danke, dass du so offen warst! shelley

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kaba ist offline
Beiträge: 234
Seit: 16.08.06
Hallo Joop
ich zitiere: (hab`s immer noch nicht raus, wie das blau hinterlegt geht)
"suchtanfällig" und habe in der sucht dinge gesucht, die ich im wirklichen leben vermisse. sucht = suchen, ersticken, flüchten, betäuben, glück, wärme, liebe uvam., zumindest für mich. ich bin sogar von laxantien abhängig. körperlich und psychisch. hab ich diese dinger nicht im haus, drehe ich durch. ich geh nachts um drei dafür in die apotheke."


Wenn man einen Weg sucht, so ist es manchmal eine Hilfe, etwas von der Reisestrecke zu erfahren, die ein Anderer zurückgelegt hat.

Ich suche auch schon seit meiner frühesten Kindheit. So richtig vollgedröhnt habe ich mich eigentlich nur, solange ich es nicht besser wusste, oder solange ich mich durch meine Unwissenheit in körperliche Abhängigkeiten hineinbegeben hatte, und mich den "Unannehmlichkeiten" der Wirklichkeit nicht stellen wollte.
Es ist für mich eine traurige Erfahrung, so unvollkommen zu sein. Ich bräuchte nicht lange zu überlegen, um verschiedene Sachen aufzuführen, wonach es mir mangelt.
Ich habe gelernt, dass ich mich selber ausbremse, wenn ich immer wegsehen will. Und es macht krank und tot. Es hilft also nicht.
Aber es ist auch so, je unvollkommener wir sind, um so eher wird das Rad der Evolution angetrieben.
Ich habe jetzt endlich den richtigen Weg für mich gefunden. Aber er ist fremd und ich weiß ihn auch nicht so richtig zu gehen. Es ist, als würde ich anfangen, neu laufen zu lernen. Neu denken zu lernen.
Der Weg heißt so ungefähr: " Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott "
Aber wie das nun genau geht, das weiß ich noch nicht.
Irgendwie bin jetzt schon fast überzeugt, dass es keine andere Möglichkeit gibt.
Wenn ich süchtig werden könnte nach Gott.... was wäre daran falsch?

Kaba

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Joop ist offline
Beiträge: 39
Seit: 08.08.06
hallo ihr zwei!

auf den beitrag hatte ich total vergessen, tut mir leid.

@ shelley

laxantien sind abführmittel, benzos beruhigungsmittel und barbiturate schlafmittel. mit amphetaminen hast du ja erfahrung.
eigentlich bin ich aufgrund meines essproblems in die "szene" hineingeschlittert. das ständige hungern schaffte ich nicht mehr so richtig und war nur mehr nervös. mit den pillen nahm ich mir die unruhe. mit den a. den hunger. irgendwann hatte ich dann paradoxe reaktionen, dh. ich wurde auf schlafmittel wach und bin auf a. eingeschlafen. heute wirkt da zeug so gut wie gar nicht mehr. die abführtabletten schlucke ich noch immer. manchmal 100 stk. am tag, seit 21 jahren.
und jetzt, wo ich ohnehin andere gesundheitliche probleme habe, schlucke ich weiter. ist eigentlich eh schon egal. ich habe das sekundäre raynaud-syndrom und schon massive durchblutungsstörungen. die a. waren sicherlich wesentlich daran beteiligt. habe von den a. 10 dinger am tag geschluckt. natürlich verengen sich da die gefäße.
mit größter wahrscheinlichkeit habe ich noch eine autoimmunerkrankung. dies wird sich ja demnächst herausstellen.
darf ich fragen welche krankheit du hast?

@ koba: ich habe zwar auch deine denkweise, aber ich schaffe das einfach nicht. mit so vielen süchten werde ich nicht fertig. ich bin tab.süchtig, essgestört: anorektisch oder bulimisch. alles was ich anfange wird zur sucht. die eine kommt zur anderen. sport (jetzt kann ich leider nicht, falls ich überhaupt jemals noch kann:-( habe ich fast bis zum umfallen betrieben. ich habe sport als arbeit betrachtet. sport=freizeit, und freizeit ist "verboten". ich bin ein workaholic. eine maschine, die auf autopilot geschalten hat. ich kann einfach nicht die waage halten, weil ich einfach nicht zur ruhe komm. andauernd habe ich das gefühl, dass ich jeden moment zusammenbreche. ich arbeite seit 15 jahren ohne urlaub durch. nächsten tag starte ich wieder als sei ich auf 180. abends bin ich wieder kurz vorm zusammenbruch. ich schinde meinen körper förmlich. kurz gesagt: er verlangt danach. ich komm da einfach nicht mehr raus. jedes mal sage ich mir, dass ich einfach mal nein sagen sollte. was tu ich: "ja, ja, lass nur, ich mach das schon.

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Pius Wihler ist offline
Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Liebe Joop
medikamente sind ein bestandteil meines lebens geworden. ich glaube nicht, dass ich auch nur einen tag ohne sein könnte.
Du schreibst ja selber, dass du es nicht glauben kannst, dass...
Auch das ist "nur" ein Glaube. Gib dir einen neuen Glauben und anerkenne für dich, dass du 21 Jahre lang einem "Irrglauben" aufgesessen bist, das ist ein wichtiger Teil, dass du dich verändern kannst. Nimm die dabei aufkommenden Gefühle wahr, gib ihnen etwas Raum, dass sie sich ausdrücken können und dann mache den nächsten Schritt zu einem "positiven, dir nicht schadenden" Glauben.

@ Kaba: blau hinterlegen: zuerst den Text markieren, dann mit rechter Maustaste "kopieren", dann die Sprechblase ganz rechts oben am Feld "Direkt Antworten" anklicken, dann steht der Kursor zwischen QUOTE und /QUOTE und den Text "einfügen"
__________________
Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

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Joop ist offline
Beiträge: 39
Seit: 08.08.06
lieber pius!

ich will mal ehrlich sein. ich habe es schon öfters probiert, irgendwann dann resigniert. es zahlt sich bei mir einfach nicht aus.
mein tagesablauf: arbeiten, computer, schlafen... das wiederholt sich an 365 tagen im jahr. sonst mache ich nichts mehr. solange ich sport machen konnte, habe ich noch sport gemacht. extrem natürlich, sonst wäre es unter freizeit gefallen. freizeit = nichts produktives, aus meiner sicht.

lg, joop

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo joop,

danke, dass du so offen über deine probleme redest!

viele liebe grüsse von shelley
__________________
IchDiskutierNichtMitIdioten.ErstZiehnSieMichAufIhrNiveauRab, DannSchlagen'sMichMitIhrerErfahrung.


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