Tavor-Abhängigkeit, wem geht es ähnlich?

07.10.17 12:19 #1
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Mariola ist offline
Beiträge: 3
Seit: 12.06.17
Hallo,

Bin hier relativ neu und habe ein riesengroßes Problem mit Tavor, welches ich seit fast sieben Jahren tgl. einnehme. Meine Dosis zur Zeit 5mg +– 1mg, je nachdem. In den letzten Monaten/ Wochen merke ich das Tavor nicht mehr so gut wirkt wie früher. Aber ich möchte auf keinen Fall die Dosis erhöhen. Was wirklich schlimm ist, ich entwickle Phobien und habe immer ein diffuses Angst/ Unsicherheitsgefühl. Ist jemand in einer ähnlichen Situation?
Zu meiner Person, ich werde nächsten Monat 38, habe ein Kind und bin alleinerziehend.

Würde mich sehr freuen, wenn sich jemand meldet.


Tavor-Abhängigkeit, wem geht es ähnlich?

Felis ist offline
Beiträge: 5.168
Seit: 14.08.10
Zitat von Mariola Beitrag anzeigen

Bin hier relativ neu und habe ein riesengroßes Problem mit Tavor, welches ich seit fast sieben Jahren tgl. einnehme. Meine Dosis zur Zeit 5mg +– 1mg, je nachdem. In den letzten Monaten/ Wochen merke ich das Tavor nicht mehr so gut wirkt wie früher. Aber ich möchte auf keinen Fall die Dosis erhöhen. Was wirklich schlimm ist, ich entwickle Phobien und habe immer ein diffuses Angst/ Unsicherheitsgefühl. Ist jemand in einer ähnlichen Situation?


Würde mich sehr freuen, wenn sich jemand meldet.


Hallo Mariola!
Ich verlinke dir zuerst einmal folgenden Thread. Darin findest du links, die dir vielleicht weiter helfen können.
http://www.symptome.ch/vbboard/versc...mg-entzug.html


Die Phobien, das diffuse Angstgefühl, können mit dem Medikament selbst zusammenhängen (Wirkweise auf Stoffwechsel und Gehirn) aber auch Zeichen einer Toleranzentwicklung sein.
Zudem wirst du Tavor ja nicht ohne Grund eingenommen haben. Die alten Probleme klopfen zwischendrin immer an die Türe, da die Ursache ja noch nicht aufgeräumt werden konnte.
(Die Lebensprobleme an sich, aber vor allem auch das Ausgeliefertsein an die Stressreaktionen deines Körpers).
Hattest du denn vorher schon Angstzustände etc.?

benzo.org.uk : Benzodiazepine: Wirkungsweise & therapeutischer Entzug, CH Ashton DM, FRCP, 2002
Die Toleranz gegenüber den anxiolytischen Wirkungen entwickelt sich langsamer. Es besteht jedoch wenig Evidenz, dass Benzodiazepine ihre Wirksamkeit nach einigen Monaten beibehalten. Tatsächlich besteht das Risiko, dass bei langdauernder Benzodiazepin-Einnahme die Angstzustände verstärkt werden können. Viele Patienten finden, dass Angstsymptome über die Jahre der Einnahme von Benzodiazepinen allmählich zunehmen. Panikattacken sowie Agoraphobie können nach Jahren chronischer Einnahme erstmalig auftreten. Diese Verschlechterung der Symptome während Langzeit-Benzodiazepin-Anwendung ist wahrscheinlich ebenfalls ein Toleranzphänomen, so dass "Entwöhnungs"-Symptome selbst unter der kontinuierlichen Einnahme der Medikation auftreten können. Toleranzphänomene treten jedoch nicht immer auf. Wie dem auch sei, in der Mehrzahl der Fälle verschwinden sie nach erfolgreicher Entwöhnung von Benzodiazepinen. Unter den ersten 50 Patienten, die in meiner Klinik behandelt wurden, entwickelten zehn zum ersten Mal Agoraphobie während der Benzodiazepin-Einnahme. Die agoraphobischen Symptome klangen jedoch innerhalb eines Jahres nach der Entwöhnung deutlich ab. Selbst Patienten, die sich nicht mehr aus dem Haus getraut hatten, waren während der Zeit des „follow-up“ (10 Monate bis 3,5 Jahre nach Entwöhnung) nicht mehr durch Agoraphobie behindert.
Zitat von Mariola Beitrag anzeigen
Zu meiner Person, ich werde nächsten Monat 38, habe ein Kind und bin alleinerziehend.
Du bist alleine erziehend. Das ist bereits eine sehr große Herausforderung und Belastung. Hast du denn Möglichkeiten dein Kind ab und an gut unterzubringen, um auch etwas Erholung zu finden? (Stundenweise oder am Wochenende..)
Darf ich dich fragen wie alt dein Kind ist?

Dann noch eine Frage. Kannst du Englisch? Wenn ja, hätte ich dir etwas mit dem du arbeiten könntest vor, während und nach der Abdosierung.

Liebe Grüße von Felis
__________________
Was man liebt, das möchte man bewahren.

Geändert von Felis (10.10.17 um 07:18 Uhr)

Tavor-Abhängigkeit, wem geht es ähnlich?

Mariola ist offline
Themenstarter Beiträge: 3
Seit: 12.06.17
Hallo Felis,

danke, freue mich sehr das Du mir geschrieben hast.

Das die Phobien und diffuse Angst/Unsicherheitsgefühle vom Tavor kommen war mir auch klar. Ja, ich hatte auch schon eine Angststörung ( mehr oder weniger stark ) bevor ich jemals Benzodiazepine genommen habe. Aber deswegen hab ich Tavor nicht bekommen, war ein ganz anderer Grund der aber letztlich auch mit Anspannung, die oft von Angst und Stress kommt zu tun hatte. Habe zuvor ein anderes Medikament zur Muskelentspannung bekommen, leider weiß ich den Namen jetzt nicht mehr. 2013 wurde es zumindest hier in Deutschland vom Markt genommen. Ich habe es aber auch nur ein halbes Jahr genommen und dann eben mit Tavor begonnen. Die ersten zwei Jahre mit Tavor waren wunderbar, obwohl ich natürlich von Sucht und allem gehört habe, aber mir ging es so gut, daß ich nie mehr ohne leben wollte. Was für ein Trugschluss! Heute wäre ich froh, wenn ich niemals abhängig geworden wäre. Bin zu so vielen normalen alltäglichen Sachen nicht mehr fähig, aber ich denke das können nur Betroffene verstehen.

Mein Sohn ist 10 Jahre und er ist oft bei meiner Mutter. Deswegen habe ich natürlich auch Schuldgefühle, aber er ist sehr gerne bei ihr und sie freut sich auch immer wenn er da ist.

Spreche auch englisch und werde mir die Links gerne anschauen.

Vielen Dank und schöne Grüße

Tavor-Abhängigkeit, wem geht es ähnlich?

Felis ist offline
Beiträge: 5.168
Seit: 14.08.10
Hallo Mariola!


Zitat von Mariola Beitrag anzeigen

Das die Phobien und diffuse Angst/Unsicherheitsgefühle vom Tavor kommen war mir auch klar. Ja, ich hatte auch schon eine Angststörung ( mehr oder weniger stark ) bevor ich jemals Benzodiazepine genommen habe. Aber deswegen hab ich Tavor nicht bekommen, war ein ganz anderer Grund der aber letztlich auch mit Anspannung, die oft von Angst und Stress kommt zu tun hatte. Habe zuvor ein anderes Medikament zur Muskelentspannung bekommen, leider weiß ich den Namen jetzt nicht mehr. 2013 wurde es zumindest hier in Deutschland vom Markt genommen.
War das Tetrazepam?
Wenn ja, dann war das ebenso ein Benzo und mit einem halben Jahr Einnahmezeit hast du dich dann schon im Bereich der physischen Abhängigkeit befunden.
Ich hatte keine diffusen Angstgefühle und aufgesattelten Phobien zusätzlich durch das Medikament. (die hatte ich bis zum Exzess ohne...)
Ich habe es auch nur nach wirklich strenger Indikationsstellung bekommen. Mit dem Hinweis, dass dann aber eine physische Abhängigkeit entstehen wird.
Meine Symptome waren derart Lebens-einschränkend, dass das für mich das kleinere Problem war.
Ich war "behandlungsresistent" - was Psychotherapie betraf, was auch andere Psychopharmaka betraf.
Jede aufdeckende Therapie machte alles nur übler.
Konfrontative Therapien wirkten re-traumatisierend.
Andere Medikamente hatten schlimmste Nebenwirkungen.
Mein behandelnder Psychiater/Neurologe sagte, wenn wir ein neues Medikament antesteten, dass, wenn er mich dann nach ca. einer Woche später in der Praxis wieder sah, er jedesmal drei Kreuze schlagen würde...

Das Tavor ermöglichte mir im Wirkungszeitraum schlichtweg "normales" Leben.
Ich war auch nicht zugedröhnt. Ich war einfach endlich ohne Angst (aber nur, wenn das Medikament mit einem gewissen Pegel wirkte) und Überreaktionen meiner Amygdala (um die geht es ja u.a. in dem Programm, welches ich dir verlinken werde.)
Was die eigentlichen Ursachen angeht, so hatten wir nur Ahnungen damals. Heute weiß ich die näheren Gründe.

Sie liegen sowohl in einer von Anfang an bestehenden Hochsensibilität, als auch traumatischem Stress, als auch neurotoxisch wirkenden Giften, denen ich ausgesetzt war (Quecksilber und Holzschutzmittel).

Die ersten zwei Jahre mit Tavor waren wunderbar, obwohl ich natürlich von Sucht und allem gehört habe, aber mir ging es so gut, daß ich nie mehr ohne leben wollte. Was für ein Trugschluss! Heute wäre ich froh, wenn ich niemals abhängig geworden wäre. Bin zu so vielen normalen alltäglichen Sachen nicht mehr fähig, aber ich denke das können nur Betroffene verstehen.
Ja das kann ich sehr, sehr gut verstehen.
Wenn es wirkt, ist es ein "wunderbares" Mittel....
Ab einer gewissen Einnahmedauer jedoch, befindet man sich dann im Griff der Nebenwirkungen, der Toleranzentwicklung.
Dann kommen die Probleme aus der anderen Ecke.
Vom Medikament selbst.

Mein Sohn ist 10 Jahre und er ist oft bei meiner Mutter. Deswegen habe ich natürlich auch Schuldgefühle, aber er ist sehr gerne bei ihr und sie freut sich auch immer wenn er da ist.
Ich kenne diese Schuldgefühle sehr gut.
Heute habe ich keine mehr, denn ich weiß, dass ich das mir mögliche zu 100 - 120% gemacht habe.

Und das tust du auch.
Eine Omi, die da ist, eine Bezugsperson jenseits von dir, die er mag, ist das Beste was passieren kann.
Wichtig finde ich das Sprechen und einander zuhören. (dem Alter entsprechend)
Wenn dein Sohn erlebt, dass du auf dieser Ebene präsent bist, wird viel von dem, was du in körperlicher Anwesenheit/Aktivität nicht leisten kannst, irgendwann nicht mehr zählen.
Das kann ich dir aus meiner Erfahrung sagen.
Mein Sohn ist nun siebzehn.

Jetzt verlinke ich dir noch den Thread zum Amygdala Retraining und meinen Thread zu den Meditationen.
Mit diesem Programm wurden und werden mir Veränderungen machbar, die ich nicht mehr für möglich gehalten habe.
Ich habe Benzodiazepine sechzehn Jahre genommen. 3,0 bis 3,5 mg.
Verteilt auf zwei Einnahmen pro Tag. Bei extra Veranstaltungen auch mehr/zusätzlich.
Unter ärztlicher "Absegnung".
Mir wurde gesagt ein Absetzen würde kaum mehr gehen.
Und wenn, dann nicht ohne Klinik und Ersatzmedikamente.
Nichts davon wurde wahr.
Ich habe auch nicht auf Valium umstellen können - ich hatte paradoxe Reaktionen.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als das Tavor beizubehalten und dieses in kleinen Schritten zu reduzieren.
In Anlehnung an das Ashton Manual.

Was ich dir noch sagen wollte: Das von mir verlinkte Antidepressiva Forum würde ich nicht zu oft aufsuchen.
Die Berichte dort sind teilweise extrem deprimierend und angsteinflössend.
Dort sprechen Menschen, die brutale Entzüge aufgepfropft bekamen und an den Folgen leiden.
Ich ziehe das Antidepr. Forum nur heran, wenn ich Warnhinweise zitieren möchte.

Vielleicht kommst du ja in deiner schwierigen Situation weiter mit dem Gupta-Programm.
Für mich war es der Schlüssel zum Durchbruch und ich sehe mich immer noch als "erst nur am Anfang stehend".


-> Oregano's Amygdala Retrainings Thread: http://www.symptome.ch/vbboard/psych...etraining.html

-> Meditations Thread:
http://www.symptome.ch/vbboard/staer...hok-gupta.html

Liebe Grüße von Felis und alles Gute!
__________________
Was man liebt, das möchte man bewahren.

Tavor-Abhängigkeit, wem geht es ähnlich?

Felis ist offline
Beiträge: 5.168
Seit: 14.08.10
..was ich noch erwähnen wollte: ich hatte bereits vor meiner Schwangerschaft immer wieder Zeiten, in denen mir Benzodiazepine verordnet wurden.
Die wurden dann sehr schnell abgebaut.
Mit den üblichen traumatisierenden Auswirkungen.
Ich kenne also diese bösen Sachen sehr, sehr genau.
All das wiederholte sich unter dem Retraining von Ashok nicht mehr.
__________________
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