2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

15.05.17 11:51 #1
Neues Thema erstellen

MaxJoy ist offline
Beiträge: 1.697
Seit: 18.03.16
Mit Hilfe des Hausarztes lässt sich das Betäubungsmittelgesetz elegant aushebeln, so dass es zu einer Junkie-Flut quer durch alle Gesellschaftsschichten gekommen ist. So verwundert es auch nicht, dass hierzulande das gute alte Heroin genau wie in Amerika eine Renaissance erfährt.

Schmerzmittelsucht: Heroin fürs Volk - SPIEGEL ONLINE

Aus meiner Sicht sind Opiate und Opioide wegen des starken Suchtpotentials und der damit verbundenen Lebensgefahr palliative Medikamente, d. h. man sollte sie nach Möglichkeit nur Todgeweihten zur Schmerzlinderung geben.


2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
@MaxJoy

Sorry, da muß ich widersprechen! Ich nehme nach einer Schmerztherapie 2003 regelmäßig aller 3,5 Tage ein transdermales Pflaster mit Buprenorphin, welches 52,5 µg/h abgibt. Ohne dieses wäre ich mit Sicherheit in der Psychatrie gelandet oder hätte einen Suizid begangen. Ich habe nach einer Amputation des Unterschenkels so starke Phantomschmerzen, dass es nicht anders machbar ist. Trotz des Pflasters kommen natürlich die Schmerzspitzen durch, die einem elektrischen Schlag (wie bei 230 Volt Netzspannung) sehr ähnlich sind.
Natürlich kann ich das Mittel nicht absetzen, da ich körperlich abhängig bin. Zum Glück bin ich nicht psychisch abhängig. Das merkt man daran, dass ich den Wechsel schon mal vergesse. Es gibt also auch Opiate, die kein Suchpotential entwickeln. Trotzdem sind Sicherungen eingebaut: man braucht ein Giftrezept und die Apotheke darf es nicht lagern.
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Bei Drogensucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte, Drogen zu konsumieren, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
mehr
2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.697
Seit: 18.03.16
Wenn du derart starke Schmerzen hast, dass kein anderes Mittel mehr wirkt, dann geht es eben nicht anders. Ich bezweifle aber, dass das für alle 2,3 Mio Opiatabhängigen (plus eine unbekannte Dunkelziffer) gilt. Buprenorphin erzeugt ähnlich wie Morphium eine starke körperliche Abhängigkeit, da ist eine psychische Komponente vernachlässigbar, weil sie völlig überdeckt wird.

Laut SPIEGEL ist vielen Ärzten das enorme Suchtpotential dieser Schmerzmittel nicht bewusst. Wenn man also ein Opiat verschrieben bekommt, sollte man selbst noch einmal gründlich darüber nachdenken, ob es nicht bessere Alternativen gibt, bevor man die erste Pille einnimmt.
__________________
Alles in Maßen. Erkenne dich selbst.

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
Ja, das finde ich auch. Wenn es schon sein muß, dann aber Mittel, die nicht so ein starkes Suchtpotential verursachen. Das das geht, sieht man bei mir. Körperlich bekommt man bei Entzug ein ähnliches Zittern wie bei Unterzucker, ob die Organe anfangen zu flattern. Psychisch ist man ausgeglichener und man regt sich nicht bei Kleinigkeiten auf. Den größten Nahteil sehe ich in der Schmerzunempfindlichkeit. Wenn man sich verletzt merkt man das kaum. Dem Körper fehlt ein wichiges Warnsignal. Ich bin mal beim Rasen mähen rückwärts in einen Zaun gekommen und eine vorstehende Schraube stach mich in den Rücken. Ich habe ewig gesucht wo das Blut herkommt.
Wenn man als Patient mit starken Schmerzen kämpft sollte man unbedingt eine Schmerzambulanz zu Rate ziehen. Das sind Ärzte mit spezieller Ausbildung, die ihr Handwerk verstehen sollten und nicht zu einem Mittel greifen, welches der Hustendoktor verschreibt. Die Spiegelreportage zeigt das gut.
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.697
Seit: 18.03.16
Die Amerikaner sind nicht das einzige Volk, das sich zu Tode säuft und fixt. In Deutschland ist der Opiatverbrauch pro Kopf inzwischen fast genauso hoch wie in den USA. Das bedeutet, dass die Zeitbombe tickt und wir in wenigen Jahren amerikanische Verhältnisse haben werden:

https://www.welt.de/wirtschaft/artic...n-den-USA.html

Ein todsicheres Geschäft, wer klug ist, sollte sich jetzt mit Pharmaaktien eindecken.
__________________
Alles in Maßen. Erkenne dich selbst.

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.697
Seit: 18.03.16
Österreich und die Schweiz sind auch ganz vorne dabei:

https://derstandard.at/2000055308943...in-Oesterreich
__________________
Alles in Maßen. Erkenne dich selbst.

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
Hi MaxJoy,

Deinen Worten kann man entnehmen, dass die Mehrzahl der Menschen, die Opiate konsumieren dies zum "Spaß" tun, bzw. um einen Trip zu machen. Dies ist jedoch nicht der Fall! Es handelt sich um Auszüge, die weder das eine noch das andere bewirken. Es sollen lediglich starke Schmerzen unterdrückt werden, die durch Tumore, Amputationen und ähnliche schwerwiegende Einflüsse ein "normales" Leben unmöglich machen.
Ich bin einer dieser Patienten, "konsumiere" Opiate schon über 10 Jahre und ohne diese hätte ich meinem Leben -weil nicht auszuhalten- längst ein Ende bereitet. Wenn die Schmerzen die Schwelle, die das Opiat unterdrückt überschreiten sind sie so heftig, dass ich zu nichts mehr in der Lage bin außer Blut zu pinkeln. Ich wünsche Dir nicht, dass Du das mal erleben würdest, aber dann hättest Du gewiss eine andere Meinung!

Natürlich gibt es auch Nachteile weil Schmerz ein wichtiges Signal ist. Ich hatte vor einiger Zeit mir eine Schaube in den Rücken gerammt ohne es zu spüren. Erst die Suche woher das Blut stammt, brachte mich auf die Ursache.
Ich bin vor der ersten Anwendung über die "Nebenwirkungen" aufgeklärt worden und mir wurde gesagt, dass ich bis zum Lebensende das Medikament -troz aller Nebenwirkungen- nehmen oder -wenn die Schmerzen eines Tages verschwinden- einen Entzug in einer Klinik machen muß. Das war mir schnurz egal und die Kosten (über 150€/Monat für die Kasse) auch. Ich denke, dass in zivilisierten Ländern es eine Grundauffassung der Medizin sein sollte Schmerzen dieser Art den Patienten zu ersparen!
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.697
Seit: 18.03.16
Hi James,

ich habe nirgendwo behauptet, dass ein Opiatabhängiger zum Spaß konsumiert. Alkohol und Opiate sind schwere Suchtstoffe, die Süchtigen nehmen das nicht aus Spaß, sondern um sich normal zu fühlen und keine Entzugsschmerzen zu bekommen. Deinen Fall haben wir weiter oben bereits diskutiert und es bestreitet niemand, dass Opiate in vielen Fällen unverzichtbar sind.

Mit den sinnvollen Anwendungsfällen kann man aber kaum den explosiven Anstieg beim Opiatverbrauch in nur 2 Jahrzehnten erklären. Das Problem sind nicht die unheilbaren Schmerzpatienten, sondern eine Industrie, die das Zeug skrupellos mit allen Mitteln in den Markt drückt, und Ärzte, die Opiate schon bei Zahnschmerzen verschreiben und die Patienten ohne Aufklärung und Warnung mit einer Riesenpackung davon nach Hause schicken.

Also nichts für ungut!
__________________
Alles in Maßen. Erkenne dich selbst.

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

Mara1963 ist offline
Beiträge: 212
Seit: 16.02.18
Ich denke die Ärzte gehen mittlerweile zu verantwortungslos mit der Verschreibung von Schmerzmedikamenten um. Früher war das nicht so, ich erinnere mich als ich einen schweren Motorradunfall vor 35 Jahren hatte, da wurde sehr sparsam in der Uniklinik damals dosiert, da gabs am Tag nur eine bestimmte Höchstration und fertig, mehr gabs einfach nicht. Ich erinnere mich noch genau, ich hatte mir das immer aufgespart für abends und tagsüber die Schmerzen ausgehalten. Im Nachhinein betrachtet war das gar nicht so schlecht, das lernt einen üben mit den Schmerzen umzugehen.

Heute verschreiben die Ärzte schnell und viel. Ich finde hier kann man ansetzen, dass nur immer eine kleine Menge verschrieben werden darf.
Wenn ich schon an den Zahnarzt denke, bei jeder Kleinigkeit würde der einem eine Schmerzspritze rein jagen, wahrscheinlich verdient er gut dran. Ich lass mich nur einspritzen bei wirklich großen Sachen.
Dann liegts auch am Menschen selbst, manche sind einfach sehr empfindlich und nehmen beim kleinsten Kopfschmerz bereits eine Tablette und so geht das dann immer weiter, beim nächsten Schmerz wieder eine und dann gewöhnt sich der Körper daran, dann stärkere usw.

Geändert von Mara1963 (17.03.18 um 12:49 Uhr)

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.697
Seit: 18.03.16
Die Schmerzspritze beim Zahnarzt ist eigentlich nicht das Problem, denn die wirkt ja nur lokal am Einsatzort und ist eine einmalige Angelegenheit. Ich glaube auch nicht, dass da Opiate gespritzt werden.

Wer dagegen regelmäßig Opiate einnimmt, wird sehr schnell süchtig. Auf das Überangebot an Opiaten reagiert der Körper mit einer Vermehrung der Opiatrezeptoren. Entsprechend nimmt die Wirksamkeit der Mittel dann ab und die Dosis muss nach einiger Zeit erhöht werden, usw. usf. Wenn man dann die Schmerzmittel absetzt, reicht die körpereigene Opiatproduktion (-> Endorphine) nicht mehr aus, um eine Wirkung an den Rezeptoren zu erreichen. Dann ist man süchtig und muss lebenslang Opiate einnehmen, um sich normal zu fühlen. Mit jeder Dosissteigerung verringert man so seine Fähigkeit, auf natürliche Weise Glück und Lebensfreude zu empfinden, und rutscht ein Stück näher in die Todeszone, denn Opiate lähmen mit fortschreitender Dosierung das Atemzentrum im Gehirn immer mehr.
__________________
Alles in Maßen. Erkenne dich selbst.


Optionen Suchen


Themenübersicht