2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

15.05.17 11:51 #1
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2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

Mara1963 ist offline
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Seit: 16.02.18
Zitat von MaxJoy Beitrag anzeigen
Die Schmerzspritze beim Zahnarzt ist eigentlich nicht das Problem, denn die wirkt ja nur lokal am Einsatzort und ist eine einmalige Angelegenheit. Ich glaube auch nicht, dass da Opiate gespritzt werden.
Ich meinte das auch nur als Beispiel MaxJoy, wie klein angefangen wird.
Ich glaube nämlich nicht, dass jemand sofort Opiatabhängig wird; meist geht da eine Schmerzmittelkarriere voraus. Viele, viele Schmerzmittel und immer höher dosiert bis dann nichts mehr wirkt und dann muss das Opiat ran.
Ich denke so ist bei den meisten der Weg, klein angefangen und dann in der Opiatsucht enden.

2, 3 Mio Opiatsüchtige in Deutschland (Schmerzmittel)

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 22.776
Seit: 26.04.04
Hallo Mara1963,

Ich denke die Ärzte gehen mittlerweile zu verantwortungslos mit der Verschreibung von Schmerzmedikamenten um.
Heute verschreiben die Ärzte schnell und viel.
das scheint mir sehr verallgemeinernd; ich kann dies überhaupt nicht bestätigen.
Ich sehe da eher das Problem, dass es Patienten gibt, die nicht bereit sind, Schmerzen auszuhalten (es sei denn, sie gehen ihnen wirklich an die Substanz) und meinen, es müsste alles, was unangenehm ist, eliminiert werden.
Sie verlangen von ihrem Arzt schnelle Abhilfe. Das höre ich häufig schon bei banalen Erkältungskrankheiten.

Auch mein Zahnarzt gehört nicht in die Kategorie derer, die aus finanziellen Gründen Schmerzspritzen "loswerden" wollen. Ich werde vor (kleineren!) Eingriffen gefragt, ob ich eine Betäubung möchte oder nicht, und wenn es während einer Behandlung zu unangenehm werden sollte, kann ich dies immer noch mitteilen.

Gruß
Malve

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Felis ist offline
Beiträge: 5.377
Seit: 14.08.10
Zitat von Mara1963 Beitrag anzeigen
Ich denke die Ärzte gehen mittlerweile zu verantwortungslos mit der Verschreibung von Schmerzmedikamenten um. Früher war das nicht so, ich erinnere mich als ich einen schweren Motorradunfall vor 35 Jahren hatte, da wurde sehr sparsam in der Uniklinik damals dosiert, da gabs am Tag nur eine bestimmte Höchstration und fertig, mehr gabs einfach nicht. Ich erinnere mich noch genau, ich hatte mir das immer aufgespart für abends und tagsüber die Schmerzen ausgehalten. Im Nachhinein betrachtet war das gar nicht so schlecht, das lernt einen üben mit den Schmerzen umzugehen.
Hallo zusammen.
Mara, das stimmt nicht. Es lernt nicht das Üben mit Schmerz umzugehen.
Im Gegenteil. Du hattest Glück, nicht zum chronischen Schmerzpatienten zu werden.
Warum?
->https://www.dasgehirn.info/wahrnehme...dliche-schmerz
Biologisch gesehen ist Schmerz eigentlich eine gute Sache. Er signalisiert dem Gehirn, dass etwas im Körper nicht richtig funktioniert, ist also ein Warnsignal. Klassisch-​physiologischer Schmerz entsteht üblicherweise durch einen starken Reiz, etwa bei einer Verletzung, Überdehnung, durch zu viel Hitze oder Verätzung durch Chemikalien. Auf diesen Reiz reagieren die so genannten Nozizeptoren, deren Name sich vom lateinischen Verb “nocere” ableitet, das “schaden” bedeutet. Die Nozizeptoren sind freie Nervenendigungen, die in fast allen Körpergeweben wie Haut, Knochen, Muskeln und inneren Organen sitzen. Ihre Erregung wird über das Rückenmark zur Hirnrinde geleitet, die sie bewertet und die Schmerzempfindung bewusst werden lässt.

“Ich bin hier auf dem Teppich wochenlang immer nur hin– und hergelaufen, jammernd, meinen Arm haltend. Habe geschrien, mit einem Lappen im Mund, der Nachbarn wegen. Sie können bei so etwas ja auch keinen Notarzt rufen. Das heißt: Sie können schon, aber der kann ja auch nichts machen.”

Nervenzellen lernen schnell. Wenn sie über einen längeren Zeitraum immer wieder Schmerzimpulsen ausgesetzt sind – nach einer Verletzung, bei mangelhaft behandelten akuten Schmerzen – verändern sie ihre Struktur, ihren Stoffwechsel. Sie bilden vermehrt Rezeptoren aus, die schon bei schwachen Reizen oder sogar ohne jeglichen Reiz Schmerzsignale an das Gehirn weiterleiten. Die Nervenimpulse verselbständigen sich, die Zelle kann nicht mehr abschalten: Sie hat ein so genanntes Schmerzgedächtnis entwickelt. Der Schmerz ist nicht länger ein nützliches Warnsignal – er ist selbst zur Krankheit geworden.
Ob die überaktiven Nozizeptoren jedoch einen Schmerz auslösen, hängt auch davon ab, wie das Gehirn auf ihre Erregung reagiert. Selbst wenn die Nervenendigungen ununterbrochen feuern, kann der gefühlte Schmerz kommen und gehen – manchmal fühlt man auch Schmerz, obwohl die Nozizeptoren gar nicht aktiv sind. Das zeigt, wie stark auch die Psyche das eigene Schmerzempfinden beeinflussen kann.
Liebe Grüße von Felis
__________________
Was man liebt, das möchte man bewahren.

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Felis ist offline
Beiträge: 5.377
Seit: 14.08.10
Mein Opa, den ich nie kennen lernen durfte, starb unter elenden Schmerzen an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Die Ärztin verweigerte ihm ein mehr an dringendst benötigten Opiaten mit dem Hinweis, sie dürfe nicht- es würde abhängig machen.
Seien wir froh um jeden Schmerz, der gelindert werden kann und wird!
Den Ärzten obliegt es, bei Verschreibung und Einsatz die Hinweise und Aufklärung über die entsprechenden Medikamente zu geben. Ebenso, die lindernden Medikamente ausreichend und früh genug zu geben. Wenn Menschen ihre Emotionen mittels Opiaten manipulieren, dann liegen andere Ursachen zugrunde als "mangelnde Bereitschaft" stärkere langanhaltende oder auch kurzfristig stärkere schmerzhafte Erlebnisse "hinzunehmen".

Liebe Grüße von Felis
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Geändert von Felis (17.03.18 um 17:48 Uhr) Grund: Satz eingefügt

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Mara1963 ist offline
Beiträge: 200
Seit: 16.02.18
Zitat von Malve Beitrag anzeigen
Hallo Mara1963,
Ich sehe da eher das Problem, dass es Patienten gibt, die nicht bereit sind, Schmerzen auszuhalten (es sei denn, sie gehen ihnen wirklich an die Substanz) und meinen, es müsste alles, was unangenehm ist, eliminiert werden.
Eben, das ist das Problem. Früher gabs dann aber trotzdem nur dosiert in der Uniklinik Schmerzmedikamente vom Arzt, da konnte der Patient noch so jammern; zumindest in der Uniklinik wo ich vor 35 J. nach meinem Unfall war.
Wie das bei den Hausärzten so war weiß ich nicht, wahrscheinlich haben die auch weniger verschrieben. Irgendwo muss das ja herkommen, dass per heute so viele Leute Opiatabhänig sind.

Mara, das stimmt nicht. Es lernt nicht das Üben mit Schmerz umzugehen.
Im Gegenteil. Du hattest Glück, nicht zum chronischen Schmerzpatienten zu werden.
Warum?
->https://www.dasgehirn.info/wahrnehme...dliche-schmerz
Ich war bei dem Motorradunfall sehr schwer verletzt und Langzeitpatientin in der Uniklinik Erlangen mit etlichen Mitpatienten, alles Motorradfahrer, da waren ganz schlimme Fälle dabei, die zusammengeflickt wurden. Ich hatte nach der schlimmen Zeit noch lange mit vielen Kontakt und da hat keiner ein chronisches Schmerzsyndrom entwickelt obwohl wir alle relativ sparsam mit Schmerzmitteln versorgt wurden.
Es gab nur was der Arzt verordnet hat nicht mehr und das hat oft längst nicht ausgereicht.

Deshalb kann ich diesen neumodischen Theorien nicht teilen Felis.
Und daher kommt wahrscheinlich auch, dass so viele Opiatabängig sind, da die Ärzte fleißig verschreiben aus Angst vorm Schmerzgedächtnis.

Ich selbst habe Sklerodermie und war schon einige Male auf Reha wo ich Leute mit rheumatischen Krankheiten kennen gelernt habe. Da sind sehr viele dabei, die nehmen ohne drüber nachzudenken, Oxycodon, Tilidin, Tramadol, weils halt der Arzt verschreibt und man sich dann halt besser fühlt, sagen sie.

hier noch ein aktueller Artikel zum Thema:
https://www.aerztezeitung.de/medizin...utschland.html

Geändert von Mara1963 (17.03.18 um 18:22 Uhr)

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Felis ist offline
Beiträge: 5.377
Seit: 14.08.10
Deshalb kann ich diesen neumodischen Theorien nicht teilen Felis
Das hat die Medizin dazu zu sagen.
Es sind keine neumodischen Theorien, wie kommst du darauf? Es ist Wissen.

Der Schmerz und sein Gedächtnis - Universität Heidelberg
Die moderne Schmerzforschung hat erkannt, dass die anhaltende Pein der Patienten auf der Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses im zentralen Nervensystem beruht. Diese Erkenntnis eröffnete neue Wege, um die quälenden Schmerzen wirksam zu bekämpfen.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/20...nis-verhindern

Dass du Menschen kennst, die Medikamente unhinterfragt einnehmen, glaube ich dir gerne.
Dazu sagte ich ja bereits etwas. (Aufklärungspflicht Ärzte).

Liebe Grüße von Felis
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Geändert von Felis (17.03.18 um 19:03 Uhr)

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Mara1963 ist offline
Beiträge: 200
Seit: 16.02.18
Zitat von Felis Beitrag anzeigen
Das hat die Medizin dazu zu sagen.
Es sind keine neumodischen Theorien, wie kommst du darauf? Es ist Wissen.

Der Schmerz und sein Gedächtnis - Universität Heidelberg
Das mag schon sein Felis, dass das medizinisches Wissen ist.
Ich habe andere Erfahrungen gemacht wie ich oben berichtete und nicht nur mit mir selbst sondern auch Mitpatienten vor 35 J.

Gibts denn einen wissenschaftliche Studie, die beweist, dass es per heute weniger Menschen mit chronischem Schmerzsyndrom gibt, weil die Medizin nun das Schmerzgedächtnis erkannt hat?

Wahrscheinlich nicht, ähnlich wie bei der Grippeimpfung, die empfiehlt auch jeder Arzt und irgendeine wissenschaftliche Studie dazu, dass die auch sinnvoll wäre gibt es nämlich nicht.

Aber die Studie zum Schmerzgedächtnis verhilft der Pharmaindustrie zu besseren Geschäften mit Schmerzmitteln und süchtigmachenden Opiaten.

Das zu dem medizinischem Wissen

Geändert von Mara1963 (17.03.18 um 19:12 Uhr)

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MaxJoy ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.666
Seit: 18.03.16
Zitat von Mara1963 Beitrag anzeigen
Und daher kommt wahrscheinlich auch, dass so viele Opiatabängig sind, da die Ärzte fleißig verschreiben aus Angst vorm Schmerzgedächtnis.
Vor 35 Jahren wussten die Ärzte noch, dass Opiate süchtig machen, schließlich ist das seit Jahrtausenden bekannt. Dann hat ein US-Pharmakonzern, der in finanziellen Schwierigkeiten war, in den 1990ern einen Doppelblindtest finanziert, bei dem überraschend herauskam, dass die kontrollierte Einnahme von Opiaten und Opioiden ungefährlich sei und keine Sucht erzeuge. Das war der Auslöser für die heutige Suchtepidemie, denn ab diesem Zeitpunkt wurden die Mittel, allen voran Fentanyl, bedenkenlos auch bei nicht-chronischen Schmerzen (z. B. bei einem Hexenschuss) verschrieben.

Ich bin mal gespannt, wann bei uns der nationale Notstand ausgerufen werden muss. Solange die Krankenkassen den immer weiter steigenden Bedarf finanzieren, ist der soziale Friede nicht in Gefahr. Interessant wird es aber, wenn sie das irgendwann nicht mehr tun sollten ...
__________________
Alles in Maßen. Erkenne dich selbst.

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Felis ist offline
Beiträge: 5.377
Seit: 14.08.10
https://www.klinikum.uni-heidelberg....16892124514513

Du nennst Wissen "neumodische Theorien", Mara. Es sind aber keine Theorien. Und noch einmal: sei froh, dass du ohne chronischen Schmerz davongekommen bist und deine Mitpatienten auch.
Es gibt auch andere Fälle.

Liebe Grüße von Felis
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Felis ist offline
Beiträge: 5.377
Seit: 14.08.10
Aber die Studie zum Schmerzgedächtnis verhilft der Pharmaindustrie zu besseren Geschäften mit Schmerzmitteln und süchtigmachenden Opiaten.

Das zu dem medizinischem Wissen
Mara, soll Wissen in die Tonne getreten werden, weil Pharmariesen und manche Ärzte verantwortungslos Profit machen möchten?
Wenn du chronischer Schmerzpatient bist, bist du froh um jedes Fitzelchen neue Erkenntnis.
Differenzierte Sicht des Themas ist nötig.
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Was man liebt, das möchte man bewahren.


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