Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wildpflanzen essen?

16.12.10 19:16 #1
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Schwester E ist offline
Beiträge: 367
Seit: 18.11.09
Hallo,

ein unterschätztes Problem in Mitteleuropa ist der Selenmangel. Besonders in Deutschland gibt es fast kein Selen in den bewirtschafteten Böden, wie es mit Wildpflanzen ist, das versuche ich gerade heraus zu finden.
Die Menschen bekommen also ihr Selen fast ausschliesslich über die Futtermittel!

Diese Fleischsorten sind aber nur selenreich, weil bei der Aufzucht dieser Tiere künstlich selenangereicherte Futtermittel verwendet werden müssen. Allerdings wird dem Viehfutter Selen-Salz und kein Selenomethionin beigemischt, was für den Menschen, soweit er seine Gesundheit erhalten will, deutlich besser wäre. Vegetarier haben es in Deutschland also schwer, sich allein durch ihre Nahrung ausreichend mit Selen zu versorgen.
Selen (III) natuerliche Selen-Aufnahme

Das heisst ja eigentlich auch, wenn sich viele kein Fleisch mehr leisten können, bekommen wir ein noch grösseres gesundheitliches Problem

Ich lebe seit 14 Jahren vegan, und als ich neulich beim Umweltarzt wegen Allergien war, wurde bei mir zwar kein Eisen- oder Vitamin B12-, dafür aber ein Selenmangel festgestellt. Recherchen ergaben, dass die Kokosnuss, Paranüsse, Sonnenblumenkerne (ob die von China auch, kläre ich gerade mit Biofirma ab), Kürbiskerne, Paprika grössere Mengen Selen enthalten. Diese Sachen hatte ich länger unbeabsichtigt gemieden.
Jetzt verstehe ich auch, warum so viele Leute in D. die vegane Ernährung nicht lange "durchhalten", sie wenden sich unbewusst wieder selenhaltigen Eiern oder Milchprodukten zu. Der Rest unterhält sich in Veganerforen, welche Selenpille die beste sei, geht`s noch Für mich kommen Pillen nur für den akuten Fall in Frage, aber doch nicht als *lifestyle*

In manchen Ländern wird der Boden mit Selen gedüngt, das könnte man ruhig auch hier machen.

Und in den USA z.B. ist genug natürliches Selen in den Böden, vielleicht sollte ich doch, zumindest aus Deutschland, auswandern...!

Werde jetzt doch mal brav die Pillen einnehmen, um den normalen Spiegel wieder zu erreichen. Die Kokosnüsse vom Früchteversand sind der Hammer, da könnte ich jeden Tag von die Milch trinken, wenn sie nur nicht so teuer wären...!
Gibt es hier Erfahrungswerte? Weiss jemand was zu den Wildpflanzen?
Naja, irgendeine Lösung wird es schon geben, oder ich werde endlich doch Urköstler, das sind die fittesten Menschen, die ich kenne

Gruss!
Schwester E
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90% der Weltsojaernte und 60% der Weltgetreideernte werden an "Nutztiere" verfüttert.

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Joachim ist offline
Beiträge: 1.944
Seit: 14.04.08
Hallo Schwester E,

ein unterschätztes Problem in Mitteleuropa ist der Selenmangel. Besonders in Deutschland gibt es fast kein Selen in den bewirtschafteten Böden, wie es mit Wildpflanzen ist, das versuche ich gerade heraus zu finden.
Vollgetreide hat bei weitem den höchsten Anteil an Selen - bis zum 100 fachen von Fleisch. Das Problem ist liegt eher darin, daß die meisten Menschen gar kein Vollgetreide verzehren, sondern minderwertiges Auszugsmehl und das enthält natürlich kein Selen mehr (und auch etliches andere nicht mehr), denn die Randschichten, die diese Vitalstoffe enthalten, werden ja vor dem Vermahlen abgetrennt und als Tierfutter verwendet.

Wenn du deine Ernährung möglichst naturbelassen gestaltest - unter Verwendung von Vollgetreide - hast du auch keine Probleme mit einem Selenmangel oder mit irgendeinem anderen Mangel.
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Liebe Grüße, Joachim. (Alles, was ich schreibe, ist meine persönliche Meinung.)

Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wildpflanzen essen?

Schwester E ist offline
Themenstarter Beiträge: 367
Seit: 18.11.09
Hallo Joachim,

aber es heisst ja gerade, dass das Getreide hierzulande auch selenarm sei, und ich esse ja viel Dinkel, Haferflocken usw.

In dem o.g. Artikel steht ja auch:
In den 60er und 70er Jahren betrug die Selen-Aufnahme - vermutlich hauptsächlich wegen der Getreideimporte aus Kanada und den USA - noch 100-150 µg.
und
Da Selen zum Wachstum der Pflanzen nicht benötigt wird, sind in selenarmen Ländern erzeugte Getreide praktisch selenfrei. Dies gilt für die meisten europäischen Getreide. So kommt es, daß sich die Selen-Aufnahme in Deutschland, Österreich und auch in den anderen Mitgliedsstaaten der EU in den letzten 10-20 Jahren wesentlich verringerten, da nunmehr auf Importe aus Kanada und den USA weitgehend verzichtet, und vorwiegend in Europa produziertes Getreide verwertet wird.
Wie sind denn deine Selenwerte? Wie lange lebst du schon vegan? Wenn jemand noch was zu Bodenproben, Wildkräutern weiss, bitte mitteilen! Mir sagte jemand, eine Bodenprobe auf ein Spurenelement würde ca. 50 Euro kosten. Hat hier jemand schon Ähnliches testen lassen, oder ist Biologe?
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Joachim ist offline
Beiträge: 1.944
Seit: 14.04.08
Hallo Schwester E,

aber es heisst ja gerade, dass das Getreide hierzulande auch selenarm sei,
Nunja, das würde ich auch behaupten, wenn ich den Leuten Nahrungsergänzungsmittel verkaufen will. Schau dir mal die Webseite genauer an, die du verlinkt hast...

Tatsächlich schwankt der Selengehalt der Nahrungsmittel relativ stark, aber da unsere Nahrungsmittel heute nicht mehr aus einer lokal abgegrenzten Region kommen, sondern weltweit bezogen werden, ist ein Selenmangel sowieso eher unwahrscheinlich.

und ich esse ja viel Dinkel, Haferflocken usw.
Das ist leider nicht besser als ein Weißbrot. Der Punkt ist, daß diese Vitalstoffe in den Randschichten des Getreidekorns enthalten sind. Produkte mit Dinkelmehl sind nicht automatisch Vollkornprodukte, sondern in der Regel ebenfalls Auszugsmehlprodukte. Fertige Haferflocken üblicherweise auch. Da Selen hitzeempfindlich ist und fertige Haferflocken unter Heißdampf gepreßt werden, ist auch hier wenig zu erwarten.

Ich würde den Dinkel als ganzes Getreidekorn kaufen und selbst mahlen. Ebenso würde ich die Haferflocken selbst aus Nackthafer frisch herstellen.

Nur mal zum Vergleich (ug/kg):

Fleisch: 20-35
Innereien: 40-550
Vollgetreide: bis 2000
Weißer Reis: 40

Wie sind denn deine Selenwerte? Wie lange lebst du schon vegan?
Ich lasse meine Blutwerte nicht untersuchen, daher kenne ich meine Selenwerte nicht. Ich bin auch kein Veganer. Ich ernähre mich vollwertig vegetarisch mit Tendenz zum Veganen, aber in meiner Ernährung kommen auch bspw. noch Butter und Sahne vor.

Mir sagte jemand, eine Bodenprobe auf ein Spurenelement würde ca. 50 Euro kosten. Hat hier jemand schon Ähnliches testen lassen, oder ist Biologe?
Wozu, wenn deine Lebensmittel gar nicht von diesem Boden kommen? Der Selengehalt schwankt sehr und hängt ja bspw. auch von der Art der Düngung ab. Auch deshalb ist es ratsam, zu Lebensmitteln aus ökologischem Anbau zu greifen.

Übrigens ist es nicht empfehlenswert, Selen über Nahrungsergänzungen zuzuführen. Es sind bei Selen keine eindeutigen Mangelerscheinungen bekannt, sehr wohl aber Intoxikationen bei übermäßiger Zufuhr. Da man gerade aufgrund der schwankenden Mengen in den Lebensmitteln nicht weiß, wieviel Selen man aufnimmt, ist eine Nahrungsergänzung ein erhebliches Risiko. Intoxikationen treten bereits bei 8ug/kg Körpergewicht auf. Anzeichen sind Leberzirrhose, Haarausfall, Herzmuskelschwäche, periphere Neuropathien. Bei akuter Überdosierung findet man Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen. Zudem hat man bei Mengen von 1mg/kg in der Nahrung eine kariesfördernde Wirkung festgestellt.

Quelle für alle Angaben: "Ernährungs des Menschen", Elmadfa, Leitzmann
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Liebe Grüße, Joachim. (Alles, was ich schreibe, ist meine persönliche Meinung.)

Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wildpflanzen essen?

weissnicht ist offline
Beiträge: 236
Seit: 09.11.10
Eine gute Quelle von Selen und Germanium ist die Kokusnuß.
Aber es findet sich mehr als genug Selen in der Gerste.

Ich koche gelegentlich mein Gemüse mit Kokusflocken,
das schmeckt recht gut und fühlt sich stärkend an.

Daneben gibt es Selenium auch homoeopathisch,
aber wer vernünftig lebt und ißt,
wird unter keinem Selenmangel leiden.

Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wildpflanzen essen?

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hier eine Tabelle mit den Selengehalten von Lebensmitteln:

Mineralstoff Selen*

Auch in Sesam ist Selen enthalten.

Grüsse,
Oregano

AW: Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wil
gruentee80
Schau Dir doch mal Hirse an, die ist perfekt. Nehme ich viel lieber, als Getreide (Getreide esse ich fast nie, siehe auch Rüdiger Dahlkes glutenfreie vegane Ernährung mit viel Rohkost, der schreibt aktuell sogar ein neues Buch zum Thema). Hirse ist neben 1 Kokosnuss am Tag (oder alle 2 Tage) ein guter Selenlieferant (auch viele andere Mineralstoffe), mit 1 Liter Sojadrink Vanille (gezuckert) gehen 333 gr. Hirse ziemlich genau auf und geben ein vollwertiges, durch und durch positiv wirkendes Essen. Und die oft negativen Wirkungen vom Getreide (bei mir jedenfalls) fallen damit weg. Hirse ist wohl auch vom Aminosäurenprofil (speziell Lysin) sehr gut. Sorgt für gute Stimmung. Und ist ein toller Ausgleich zu kiloweise Obst, welches mir ansonsten als Grundnahrungsmittel dient.

Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wil

Stephyplantbased79 ist offline
Beiträge: 39
Seit: 16.06.15
ich nehm seit 2013 200 mcg Selenmethionin pro Tag.

Alleine schon weil ich mit 100 mg (ja mg nicht mcg) Jod supplementieren muss, da Jodmangel mir die TSH Werte nach einigen Monaten veganer Vollwertkost verdreifacht haben und weil Jod ohne Selen einfach bekloppt wäre.

Blutwerte bei Instagram ( Stephyplantbased ) für die, die es interessiert

Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wil

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 22.472
Seit: 26.04.04
Hallo Stephyplantbased,

es wäre sicher sinnvoll, wenn Du Deine Blutwerte hier bei uns einstellen könntest.

Liebe Grüße,
Malve

Selen fast nur in Futtermitteln - was machen wir Veganer? Wil

Tussa ist offline
Beiträge: 59
Seit: 13.02.11
irgendwo habe ich gelesen, daß eine Paranuß täglich den Selenbedarf
deckt

alles Gute
Tussa


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