Rohkost, vegan, Ernährungsumstellung

08.04.09 21:08 #1
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neumond01 ist offline
Beiträge: 11
Seit: 07.04.09
hallo
gibts hier leute, die vegan leben? und vielleicht zusätzlich noch rohkost essen?
ich habe schon seit monaten fressanfälle und versuche jetzt mal, durch ernährungsumstellung davon wegzukommen.
ich habe ein buch, in dem empfohlen wird, zucker ganz wegzulassen, um starke blutzuckerschwankungen zu verhindern.
vegetarierin (wegen der tierhaltung) bin ich schon seit zwei jahren und möchte jetzt vegan leben, weil es sonst eigentlich eine alibiübung ist.
vegan UND rohkost, ist das zuviel des guten? (vegan ist mir aber wichtiger...)
würde mich sehr freuen, wenn ihr von euren erfahrungen berichtet!
liebe grüsse
neumond

rohkost, vegan, ernährungsumstellung...

Carrie ist offline
Beiträge: 3.745
Seit: 21.05.06
Hi,
ich lebe vegan seit 2 Jahren und bin jetzt auf komplett roh umgestiegen vor 2 Monaten. Auf vegan bin ich von heute auf morgen umgestiegen, es hatte einfach klick gemacht und ist mir auch nicht schwer gefallen (gibt ja auch für alles Ersatzprodukte). Mit der Rohkost war es etwas schwerer, da musste ich viel experimentieren um eine Form zu finden, die ich langfristig und 100 % durchhalten kann. Für mich funktioniert die 80/10/10 Ernährung nach Doug Graham sehr gut, d.h. hauptsächlich Obst und nicht-süße Früchte wie Tomaten, Zucchini, dazu zartes leichtverdauliches Grün. Fett nur sehr sehr wenig. Ich denke, das ist die natürliche Ernährung für den Menschen als Fruchtesser und es funktioniert für mich.
Wegen den Blutzuckerschwankungen: ich sehe das Problem hier eher im Fett. Wenn man viel Obst ohne Fett isst, hat man auch keine Probleme mit dem Blutzucker. ich halte nichts mehr davon, süßes Obst wegzulassen, ich sehe es nicht mehr als Schuldigen der Blutzuckersache. Süßes Obst ist der Brennstoff für unseren Körper (Glucose)...das Fett ist das Problem. Wo in der Natur findet man so einen Überfluss an Fett wie in unserer heutigen Ernährung?
Fang erstmal mit vegan an (interessant dafür auch Dr. Neal Barnard: video.google.com/videoplay?docid=-3214100593069532942&hl=en) , und versuch wo es geht, Rohkost in den Speiseplan zu integrieren (aber immer roh vor den gekochten Mahlzeiten, nie danach). Z.B. Obst zum Frühstück und ne halbe Stunde später Hirsebrei/Vollkornbrot o.ä.
Viel Erfolg!
__________________
Liebe Grüße Carrie

Rohkost, vegan, Ernährungsumstellung

neumond01 ist offline
Themenstarter Beiträge: 11
Seit: 07.04.09
hi carrie
danke dir für deine erfahrungen !
vegan dürfte kein problem sein für mich - milchprodukte hab ich grösstenteils schon weggelassen, einfach in fertigem gebäck und brot hatte es halt oft eier/butter/milchpulver drin.
mit zucker weglassen meine ich gesüsste produkte oder reinen zucker, auf obst würde ich nicht verzichten wollen! werde noch nach doug graham googeln.
mit dem fett hast du natürlich recht...
bei der rohkost sehe ich die schwierigkeit vor allem in der eiweissversorgung, kriegst du denn da genug davon? ich würde ja gerne tofu essen, aber der wird doch nicht roh hergestellt?!
was ich mir gut vorstellen könnte, wäre rohkost+hülsenfrüchte fürs eiweiss. brot, reis/nudeln/kartoffeln will ich sowieso weglassen, weil ich da nie aufhören kann.
liebe grüsse neumond

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Günter ist offline
Beiträge: 2.006
Seit: 07.05.04
Ich lebe vegan seit etwas über 3 Jahren. Ich hatte das eines Tages aus Tierschutzgründen beschlossen und von heute auf morgen umgesetzt. In der Anfangszeit hatte ich immer das Gleiche gegessen und dann das Sortiment Stück für Stück erweitert. Ich hatte nur Vitamin B12 substituiert. Erst in Form von Indoor-Chlorella aus Klötze (Reinhildis Apotheke) mit einem definierten Vitamin B12-Gehalt, später mit Methylcobalamin-Pulver von Kirkman.

Anfang dieses Jahres habe ich 90 Kapseln 100mg-DMSA zu mir genommen, um mein Blei auszuleiten. Das ist mir überhaupt nicht bekommen, zumal ich KPU habe. Ich habe viel Zink, Molybdän, Selen, Vanadium, Magnesium und Eisen substituieren müssen. Und ich habe erstmals wieder drei Dutzend Eier und 4 mal Heilbutt essen müssen, weil ich sonst aus dem Gesundheitstief nicht wieder herausgekommen wäre (ich teste meinen Bedarf kinesiologisch aus). Mir geht es immer noch nicht wieder so gut, wie vor dem DMSA und ich werde wahrscheinlich noch weitere Eier und vielleicht auch Heilbutt brauchen.

Man kann gut als Veganer klarkommen. Aber es ist eine Extremernährung, die grenzwertig ist. Es können Ereignisse eintreten, die es dringend erforderlich machen, die vegane Ernährung vorübergehend einzustellen.

Im Gegensatz zu Carrie glaube ich nicht daran, daß der Mensch der geborene Fruchtesser ist. Unsere nahen Verwandten, die Menschenaffen, sind nicht rein vegan.

Übrigens bin auch ich nie ganz 100% vegan gewesen. Wenn ich irgendwo eingeladen war oder in der Gaststätte, und man hatte, trotz dass man wußte, ich bin Veganer, irgendwo etwas Butter oder Sahne dran, da habe ich niemanden vor den Kopf gestoßen und es nicht gegessen. Und wenn mein Sohn zwei Fischstäbchen oder eine halbe Bratwurst übrig gelassen hat und die wären sonst weggeworfen worden, dann habe ich die gegessen. Ich bin nicht Veganer, weil ich Fleisch und Fisch nicht mag - im Gegenteil. Ich bin Veganer, weil ich die Tiere schützen will. Ich ehre aber kein Tier, welches für die menschliche Ernährung gelitten hat und getötet wurde, indem ich die Hälfte davon wegwerfe.

Ich habe mir deshalb immer die Frage gestellt: wenn ich dieses oder jenes konsumiere, heize ich damit die Tierproduktion an oder nicht? Oder andersherum: wenn ich als Veganer dies oder jenes nicht mehr kaufe oder esse, tue ich damit den betroffenen Tieren etwas gutes oder nicht.

Wenn ich Lederschuhe kaufe, hält/tötet man keine Kuh mehr als zuvor, weil die Kühe wegen Milch und Fleisch gehalten werden und das Leder mit abfällt. Würde niemand mehr Milch und Fleisch kaufen und man die Kühe nur des Leders wegen halten, wäre die Sachlage anders.

Wenn mein Sohn in der Gaststätte seine Fischstäbchen nicht schafft, und die werden dann weggeworfen, wird kein Fisch zusätzlich getötet, wenn ich den Rest aufesse. Sagt aber meine Frau, ich bestelle für den Sohn gleich eine große Portion, weil Papa eh den Rest ißt, dann muß ich einschreiten.

Wer gerne nur Rohkost ißt, soll es tun. Mir wäre das zu wenig abwechslungsreich. Ich will meine Spaghetti und Kartoffeln mit Yofu (statt Quark und Kartoffeln)!
Liebe Grüße

Günter
__________________
Obiger Beitrag ist meine Meinung als Laie! Er ersetzt weder das eigene Denken, noch den Gang zum Arzt oder anderen Spezialisten und ist nur als Anregung für eigene Recherchen und Überlegungen gedacht!

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Yazz ist offline
Beiträge: 307
Seit: 01.10.06
Na wenn Carrie und Günter Ihre Erfahrungen mitteilen, will ich mit diesen auch nicht zurückhalten.

Ich habe vor *amKopfkratz* *kräftigandenOhrenzieh* 5-6 Jahren auf Grund einer massiven chronischen Gastritis und auf Grund der Wirkungslosigkeit schulmedizinischer Therapeutika meine Beschwerden zu lindern und zu heilen, auf rohköstliche Ernährung umgestellt.

Dies hiess zu Beginn:
- hoher Früchteanteil
- langsam erhöhender Gemüseanteil
- stark verringerter Anteil gekochter Speisen.

Innerhalb kürzester (nicht Monate sondern, so ich mich recht erinnere, 2 Wochen) Zeit, konnte ich morgens Orangen essen, während sich die heftigen und stark belastenden Beschwerden vieler Monate zurück zogen und bald gar nicht mehr vorhanden waren.

Zuvor war ich "Puddingvegetarier", nahm tierische Produkte in Form von Milchprodukten zu mir (in rauen Mengen).

In den ersten Monaten versuchte ich sehr hartnäckig, Rohkost und Vegetarismus bzw. Veganismus umzusetzen, da ich mir nicht vorstellen konnte, rohes Fleisch, Fisch und Eier zu essen. Diese Vorstellung habe ich dann jedoch aufgeben müssen, da ich nicht nur andauernd einen Heisshunger auf Tierisches verspürte sondern sich keine wirkliche Zufriedenheit einstellen wollte. Dir rohe Kost fühlte sich "richtig" an, aber nicht "vollständig".

Seit dem beziehe ich Tierisches in oben genannter Form ein und ernähre mich seit ca. 2 Jahren relativ konsequent "roh". "Relativ" heisst, dass ich noch Kaffee trinke, hin und wieder Süsses esse und zuletzt vor einigen Wochen mal gekochte Kartoffeln probierte.

Allerdings kommt auf meinem Speiseplan sehr selten Fleisch, Fisch oder Eier vor. Da es nun endlich wieder Makrelen gibt, wird sich das für einige Wochen jedoch wohl ändern...

Ich würde deswegen meinen "Ernährung" als "Freistil" bezeichnen , fühle mich der Rohkost allerdings so sehr verbunden, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, am Dönerstand halt zu machen. Mal davon abgesehen, dass ich diesbezüglich auch gar keine Gelüste verspüre.

Was Carrie empfahl, würde ich unterstreichen wollen.

Am wichtigsten - alle Vorbehalte und Verbote, alles erzwingen Wollen ganz konsequent ignorieren. Wer so seine Ernährung in Richtung Rohkost umzustellen versucht, landet regelmässig im Kochtopf. Und wenn der Körper - das, so scheint es ist bei jedem Menschen ganz individuell und sehr unterschiedlich - Tierisches fordert, bleibt einem jedem überlassen, dem auf "natürliche" Weise nach zu geben oder zu substituieren. Mal von möglichen Mängeln abgesehen...

Die nächsten Monate sind bestens geeignet, eine Umstellung zu wagen und sorgen für Beste Versorgung. Sommer, Sonne und reichhaltige Früchte. Was will Mensch mit Hang zum "Rohen" mehr?

Viel Freude an der rohen Ernährung wünscht

Geändert von Yazz (09.04.09 um 11:17 Uhr)

Rohkost, vegan, Ernährungsumstellung

Joachim ist offline
Beiträge: 1.944
Seit: 14.04.08
Hallo neumond01,

> bei der rohkost sehe ich die schwierigkeit vor allem in der eiweissversorgung,

Es gibt bei Rohkost kein Problem mit der Eiweißversorgung. Der Mensch benötigt einen Eiweißanteil von weniger als 2,5% (bezogen auf denn Nahrungskalorienanteil) - Pflanzen liefern im Schnitt ca 3%.
__________________
Liebe Grüße, Joachim. (Alles, was ich schreibe, ist meine persönliche Meinung.)

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Carrie ist offline
Beiträge: 3.745
Seit: 21.05.06
Zitat von Günter Beitrag anzeigen

Wenn ich Lederschuhe kaufe, hält/tötet man keine Kuh mehr als zuvor, weil die Kühe wegen Milch und Fleisch gehalten werden und das Leder mit abfällt.
Das stimmt so nicht. Das Leder für unsere Schuhe stammt zum größten teil von Kühen aus Indien, die nur für das Leder getötet werden. In diesem Zusammenhang kann ich auch immer wieder den Film Earthlings empfehlen (Hauptseite ? VEG-TV).

Es gibt meiner Meinung nach 3 Hauptgründe dafür vegan zu leben:
1. die ethischen
2. die gesundheitlichen
3. die ökologischen (die Tierhaltung als Ressourcenverschwendung hoch 3 und Klimakatastrophe)

Zum Eiweiß hat Joachim ja schon was gesagt. Solange Du genüg Grünzeug isst, ist das kein Problem. Im Gegenteil hat der Körper eher Probleme damit, die erhitzen eiweißreichen Nahrungsmittel zu verwerten.
__________________
Liebe Grüße Carrie

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Harry Biber ist offline
Beiträge: 240
Seit: 12.09.04
Hallo neumond ,

ich lebe seit etwas mehr als fünf Jahre rohköstlich.
Vegan war ich davon nur sehr kurze Zeit (hatte ich mir eigentlich vorgenommen nach der damaliger Lektüre von Franz Konz).
100% Roh und vegan geht (bei mir) zumindest nicht! Und roh ist meine Priorität!
Der Anteil an tierischen Lebensmittel ist allerdings vergleichbar gering, im Winter höher im Sommer seltener.
Vom anfänglichen recht hohen Früchteanteil bin ich mittlerweile abgekommen. Wenn viel Früchte, dann ursprüngliche und wenig hochgezüchtetes (z.B. Heute zu Mittag Cempedak mit Bärluch -> äusserst befriedigende Mahlzeit!).
Meiner Erfahrung nach ist es sehr wichtig, möglichst viel Wildgrünes in die rohe Ernährung zu integrieren.
Anders als z.B. Carrie, geht es mir mit einem hohen Fettanteil in der Nahrungsmittelpalette wesentlich besser als mit überwiegenden Früchte/Gemüsemahlzeiten. Die finde ich mittlerweile eher unbefriediegend und dazu führen dazu,, das man sich leicht überfrisst (z.B. mehr als zehn Bananen in einer Mahlzeit).
Aber da muss jeder selbst seinen individuellen Weg finden.

Viel Erfolg bei deiner (persönlichen) Ernährungsumstellung!

LG, Harry

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neumond01 ist offline
Themenstarter Beiträge: 11
Seit: 07.04.09
hey
danke euch allen für die interessanten und hilfreichen beiträge! es ist spannend zu lesen, wie es andere machen.
@joachim wenn auch pflanzen genügend eiweiss liefern, bin ich ja froh - habe schon befürchtet, massenhaft nüsse essen zu müssen (ein paar sind ja ok...)
@yazz stimmt, die nächste zeit finde ich auch ideal für eine umstellung ich freu mich jedenfalls besonders auf die früchte und beeren!

ich bin gespannt auf den versuch, ob man sich tatsächlich besser fühlt, und ob ganz roh wirklich klappt. sollte es aber eine zu grosse anstrengung sein, muss ich vielleicht ab und zu mal auf was gekochtes veganes ausweichen.

liebe grüsse
neumond

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Harry Biber ist offline
Beiträge: 240
Seit: 12.09.04
Zitat von neumond01 Beitrag anzeigen
...wenn auch pflanzen genügend eiweiss liefern, bin ich ja froh - habe schon befürchtet, massenhaft nüsse essen zu müssen (ein paar sind ja ok...)
Hallo neumaond,

ja das ist schon richtig: massenhaft Nüsse sind auch nicht "das Gelbe vom Ei" im wahrsten Sinne des Wortes!
Eiweiss ist alleridngs nicht gleich Eiweiss, d.h. es muss auch entsprechend kombiniert werden-Zudem sollte man tierische Lebensmittel nicht nur bzgl. dem Faktor Eiweiss betrachten - vor allem dann wenn man/frau sich rohköstlich ernähren möchte.

LG, Harry

PS:
Kennst du den Online-Lebensmittelrechner der Uni Hohenheim?
https://www.uni-hohenheim.de/wwwin14...ves/search.htm


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