Kein Recht auf Scham, Individualität und Privatsphäre

29.11.14 00:05 #1
Neues Thema erstellen
Kein Recht auf Scham, Individualität und Privatsphäre

Wildaster ist offline
Beiträge: 5.642
Seit: 18.03.12
Zitat von Medifan Beitrag anzeigen

Ich besuche immernoch eine Schule für ehem. Drogensüchtige und Suchtkranke. Auf diese Schule gehen sowohl Menschen, die ein Drogenproblem, ein Alkoholproblem, als auch sonstige Süchte hatten.
Deshalb müssen alle Schüler nach Aufforderung Urintests abgeben. (Nicht täglich, wird immer unangekündigt gemacht. Die Schule muss das auch bezahlen, daher sind tägliche Tests finanziell nicht möglich. Nur in Ausnahmefällen.)
Es ist allen Schülern untersagt, Drogen und Alkohol zu konsumieren, egal, ob sie abhängig waren oder nicht.
Das einzige was glaub ich noch erlaubt sind, sind Zigaretten.
Auf diese Schule bin ich gestoßen, weil mein Cousin früher gekifft hatte und dort hin sollte. Dann habe ich mich einfach beworben und wurde angenommen. Die Chance auf das Abitur! Nicht ich habe also gekifft, gesoffen oder gefaulenzt, ich kannte nur jemanden aus dem Kreis und habe mich seiner Möglichkeiten bedient, da er nicht wollte.
.....und nicht zu vergessen,man muss vor den Lehrkräften Urin abgeben...

Der Ablauf ,um so eine spezielle therapeutische Einrichtung / Schule besuchen zu dürfen,ist ein ganz anderer.
Zunächst muss der Süchtige/ Betroffene einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufsuchen.Dann folgt der körperliche Entzug und danach die psychologische Entwöhnung.
Sie findet in speziellen Therapeutischen Einrichtungen statt.Danach folgt die Adaptionsphase ,hier findet die Eingliederung in die Gesellschaft statt und die Jugendlichen werden weiter unterstützt und begleitet.
Man bekommt nicht so einfach solch einen Schulplatz,nur weil ein anderer nicht möchte.
Alle Anträge werden sorgfältig und gewissenhaft bearbeitet und dann wird entschieden.
An solchen Schulen sind die Klassenstärken gering und die Lehrkräfte haben eine entsprechende Ausbildung.Immer gibt es einen Beratungslehrer und einen Sozialarbeiter, die mit darauf achten,dass das Recht auf Scham,Induvidualität und Privatsphäre nicht verletzt wird.

Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (09.01.15 um 20:46 Uhr)

Kein Recht auf Scham, Individualität und Privatsphäre
Medifan
Themenstarter
Der Ablauf ,um so eine spezielle therapeutische Einrichtung / Schule besuchen zu dürfen,ist ein ganz anderer.
Zunächst muss der Süchtige/ Betroffene einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufsuchen.Dann folgt der körperliche Entzug und danach die psychologische Entwöhnung.
Stimmt teilweise, ja, man muss zum Arzt und sich bescheinigen lassen, dass man ab dem Zeitpunkt des Schulbesuchs weder Drogen noch Alkohol konsumiert. (Das ist ein Zettel, da steht einfach drauf xy ist über Drogen und Rauschmittel aufgeklärt und weiß damit umzugehen.)
Dieser Zettel bescheinigt zwar nicht, dass du drogenfrei lebst, aber er bescheinigt, dass du beim Arzt warst und er dich zumindest untersucht und aufgeklärt hat. Das du drogen- und alkoholfrei lebst, bestätigst du mit Unterschrift des Vertrages von der Schule, in dem du dich auch bereit erklärst, jederzeit Urinproben und Alkoholtests zu machen.
Eine Einweisung in eine therapeuthische Einrichtung muss die Kasse bezahlen. Dafür müsste man natürlich Gründe vorlegen. Daher hat man das bei mir gelassen, weil das bei ein paar Gläsern im Jahr (hochgerechnet ca. 6-8 Gläser halbvoll mit Sekt und halbvoll mit Kirschsaft) keinen Sinn macht. Das hat mir auch meine Sozialarbeiterin gesagt.
Eine therapeutische Einrichtung muss nicht besucht worden sein, aber viele unserer Schüler hatten eine besucht. Es gibt allerdings auch Schüler, die selber alleine einen sog. kalten Entzug gemacht haben.
Z.B. wenn man nur "leicht" abhängig war oder nicht stoffsüchtig war, sondern z.B. spielsüchtig. Auch so welche gibt es bei uns in geringerem Maße.

Nebenbei gibt es bei uns auch Schüler, die wie ich nicht süchtig sind, sondern einfach auf der Schule sind, weil man ihnen einfach eine Chance geben will. Manche haben psychische Probleme, einige einfach finanzielle und wieder andere sind begabt, dürfen aber nicht studieren, da ihnen das Abitur fehlt und sie es deshalb auf der Schule machen. Es gibt also ein paar Sonderfälle.
(Es gab vor einigen Jahren z.B. mal einen Schüler, der hatte ein "kleines Problem mit Kleidung" und konnte deshalb nirgendwo anders arbeiten bzw. zur Schule gehen. Wenigstens trug er noch Badelatschen...)
Der Vorteil an der Schule ist, dass man keine Fahrt- und Schulkosten hat, weil diese immer ein Kostenträger übernimmt. Meistens das (Bundes-)Land oder der Staat, manchmal das Jobcenter etc.

Um die Schule besuchen zu dürfen ist es also eigentlich nur notwendig, dass man nicht trinkt und keine Drogen konsumiert. Natürlich können und dürfen die Lehrer nicht die Wohnung der Schüler durchsuchen, nicht mal, wenn sie an der Schule wohnen. Das ist in Deutschland verboten, da die Wohnung nach Art. xy unantastbarist, solange man selber keine Gefahr darstellt. (Also keine Atombombe Zuhause baut oder sowas. Alkohol trinken stellt keine Gefahr da, solange man Zuhause sitzt und sich selbst kaputt zocken auch nicht. Ohne Verdacht darf diese Privatsphäre nicht verletzt werden und wenn, dann nur von der Polizei mit richterlichem Beschluss.
Anders gesagt, Durchsuchungsbefehl.)
In ihrer eigenen Wohnung kontrolliert werden dürfen die Schüler nur, wenn diese Wohnungen entsprechende Einrichtungen sind, z.B. spez. betreutes Wohnen. Macht man aber nur in ganz schweren Fällen, da diese Menschen weitestgehend selbstständig bleiben sollen und dies auch wiederrum Geld kostet, dass der Staat nicht so einfach bezahlt.
Darum werden die Schüler nur mit Urinkontrollen kontrolliert bzw. kann man bei Bedarf auch den Alkoholtest mit Blasen durchführen, aber das wäre zu teuer und zu umständlich. Darum macht man den einzelnen Alkoholtest nur bei Verdacht.
Sie findet in speziellen Therapeutischen Einrichtungen statt.Danach folgt die Adaptionsphase ,hier findet die Eingliederung in die Gesellschaft statt und die Jugendlichen werden weiter unterstützt und begleitet.
Man bekommt nicht so einfach solch einen Schulplatz,nur weil ein anderer nicht möchte.
Wenn du dich an der Schule bewirbst schon.
Die schreibst du an, fragst höflich und dann entscheiden die. Da sie viele Abbrecher haben, sind sie froh um jeden Schüler. (Auch weil sie pro Schüler Geld bekommen.)
Es gibt z.B. auch Freunde von Schülern und diese kommen dann durch diese wiederrum auf die Schule.
Niemand wird gezwungen, auf diese Schule zu gehen. Alle sind freiwillig dort. (Mehr oder weniger. Manche nur wegen dem Geld, aber die sind schnell wieder weg, weil die es meistens nicht aushalten. Zudem ist man zu Leistungsnachweisen, also Klausuren und zumindest befriedigenden Noten verpflichtet. Sonst muss man entweder eine Klasse wiederholen oder wird der Schule verwiesen. Je wie es im Einzelfall aussieht. Natürlich gibt es auch Leute dort, die da sozusagen nochmal eine letzte Chance haben.)
Rein formal und rechtlich steht es jedem frei, jederzeit die Schule zu verlassen. Jedoch würde das den meisten Schülern nichts bringen, da sie in schwierigen Situationen sind.

Alle Anträge werden sorgfältig und gewissenhaft bearbeitet und dann wird entschieden.
Joa, ob jemand über 35 ist z.B., die werden nicht mehr aufgenommen, weil der Staat für sie nicht mehr zahlt. Oder ob jemand schon oft den Schulabschluss abgebrochen hat und so dem Kostenträger mehr schadet, als treu ist.
Wie gesagt, die sind über jeden Schüler froh, weil die davon "leben".

Du hast Recht, die meisten werden von den Einrichtungen dort hin geschickt, aber durch Kontakte geht das auch.

An solchen Schulen sind die Klassenstärken gering und die Lehrkräfte haben eine entsprechende Ausbildung.Immer gibt es einen Beratungslehrer und einen Sozialarbeiter, die mit darauf achten,dass das Recht auf Scham,Induvidualität und Privatsphäre nicht verletzt wird.
Stimmt, leider sind sie jedoch nicht auf Autisten spezialisiert.
Da meine Bewerbung von mir aus kam, bin ich natürlich in einer anderen Situation und dementsprechend kein typischer Fall für die Lehrer, da mach ich denen auch keinen Vorwurd und der Schule allg. nicht.
Ich respektiere die Regeln der Schule, möchte dafür aber wenigstens ebenso viel Respekt erhalten und einfach Verständnis für meine Lage.
Das ist nicht immer einfach.
Leider ist es fast unmöglich woanders das Abitur zu machen, da man entweder eine abgeschlossene Ausbildung braucht oder man zahlen muss.
Ich kann mir das Abitur nicht leisten und die Sache mit der Ausbildung ist mir zu heikel, weil ich schon zu viele schwarze Schaafe kennengelernt habe.
Dann spiel ich doch lieber die kranke Autistin und lass mir meine niedrige Rente auszahlen. Ich schaff das nervlich nicht mehr.

PS: Ich habe das Wichtigste farblich gekennzeichnet, damit das auch ja gelesen und verstanden wird. Das hat aber nichts mit dir zu tun.

Kein Recht auf Scham, Individualität und Privatsphäre

Wildaster ist offline
Beiträge: 5.642
Seit: 18.03.12
Zitat von Medifan Beitrag anzeigen

- Ich muss jeden Tag in der Schule damit rechnen, eine Urinkontrolle abgeben zu müssen, um auf Drogen und Alkohol getestet zu werden. Diese muss ich vor meinen Lehrkräften abgeben. (Pinkelt doch mal vor euren Chef oder sonst wem, der euch sonst nicht nackt sieht, in einen Becher. Und dann lasst euch noch als Junkie assoziieren, obwohl ihr keiner seit. Wie fühlt ihr euch?)
Auf diese Schule muss ich gehen, weil ich behindert bin und mir in Deutschland aufgrund dessen keiner eine Chance gibt, meine Fähigkeiten dort unter Beweis zu stellen, wo sie gefördert werden.
Man wird einfach als schwaches Glied abgestempelt. Allerdings wäre es woanderster auch nicht anders. Kranke Tiere werden faktisch auch gemobbt. Scheint also ein biologisches Phänomem zu sein.

- Gebt bei euren Vorgesetzen eine Urinkontrolle ab bzw. bittet darum, dass er irgendwann unangekündigt eine macht. (Bitte jeden Tag bis Arbeitsende eine volle Blase haben. Dann wisst ihr, wie wertvoll Privatsphäre bzw. Intimsphäre ist!)
Es wird niemand stigmatisiert an diesen Schulen ,im Gegenteil!
Was ich vergessen hatte zu erwähnen,das Abschlusszeugnis ist neutral und die besuchte Förderschule wird darauf nicht erwähnt.
Hier ein kleiner Einblick .....

Frankfurt am Main: Bildungszentrum Hermann Hesse


http://www.drogenberatung-jj.de/inde...e-in-frankfurt

Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (10.01.15 um 10:15 Uhr) Grund: Ergänzung

AW: Kein Recht auf Scham, Individualität und Privatsphäre
Medifan
Themenstarter
Stimmt, dass Zeugnis ist neutral, aber Schule am Sachsenhäuser Berg kann jeder Hansel googlen und siehe was heraus kommt.

Die Arbeitgeber sind doch nicht dumm.

Auf der Schule wird man nicht stigmatisiert, dass stimmt, aber die Schule ist nicht die Welt. Neue Menschen, die ich außerhalb der Schule kennenlerne und denen ich meine Geschichte ehrlich erzähle, weil ich nun mal ehrlich bin, stigmatisieren mich.
Das ist das Problem, was ich mit der Schule habe und ich befürchte, dass das aufgrund meiner Vorgeschichte und dem Spezialgebiet der Schule auch nach dem Abi so passieren wird.
Den die Arbeitgeber sehen dass ich meine vorherige Ausbildung nicht geschafft habe. Dann fragen die warum. Kann ja sein. Dann googlen die den Namen und wenn man eins und eins zusammenzählen kann, weiß man auch, wie Menschen sowas interpretieren.

Das einzige wovon ich wirklich süchtig bin, sind meine Nasentropfen und meine Jaktation.
Allerdings will ich nicht, dass die Schule dies weiß, damit ich meinen Abschluss nicht gefährde.
Ich habe bereits schon so oft versucht, davon loszukommen, aber bisher konnte ich es nur abschwächen.
Mit Medikamenten klappte es fast, allerdings waren die Nebenwirkungen zu stark.
Kurzum, ich würde schon gerne loskommen, aber wenn dann alleine ohne meine Karriere zu gefährden.


Optionen Suchen


Themenübersicht