Stärkung der emotionalen Intelligenz

08.12.10 06:49 #1
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Stärkung der emotionalen Intelligenz

flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07
Liebe fauna,
als stille Mitleserin wünsche ich Dir alles Liebe und gute Besserung.

liebe Grüße
flower4O

Stärkung der emotionalen Intelligenz

fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Herzlichen Dank, liebe flower!



***


In der Nacht war ich schweissnass, schnupfte und hustete. Eine Schmerztablette liess die Kopf- und Halsschmerzen etwas lindern, so dass ich trotzdem ziemlich schlafen konnte.

Jetzt aber etwas Neues: Ich habe meine Termine heute abgesagt! - Und - so weit ich mich erinnern kann - fühlte ich mich dabei noch nie so eindeutig einfach entlastet. Bis jetzt waren es grosse innere Kämpfe in solchen Situationen und reine Vernunftentscheide. Dieses Mal habe ich mich aber schon gestern Abend entschieden, dass ich heute nur arbeite, wenn ich mich wirklich wieder ziemlich gut fühle.

Die schwierigen Gefühle schütteln mich nicht wie früher völlig durch, sondern sie sind schmerzhaft und unangenehm, aber ich kann sie anerkennen und fühlen und ihnen Raum geben, so dass sie sich selber verändern können oder auch weiter ziehen. Daneben kann ich auch einigermassen locker und entspannt wahrnehmen, dass da dieses Muster oder diese Überlebensstrategie des Perfektionismus schon noch da ist. Dass es mich aber nicht mehr so unter Druck setzt. -

Einmal mehr dämmert es in mir, dass es wirklich im Leben "nur" darum geht, den aktuellen Moment ganz zu leben und zu er-leben, bewusst und möglichst auch präsent. Ich kann keinen anderem Moment erleben als das JETZT.
Diese Erkenntnis hatte ich ja schon öfters. Doch ich glaube, ich werde jedes Mal etwas geübter, vielleicht auch etwas sicherer.

Stärkung der emotionalen Intelligenz

fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Es hat sich bei mir wieder eine depressive Verstimmung mit trauriger bis leerer Grundstimmung, viel Tagesmüdigkeit und schlechterem Schlaf eingeschlichen. - Unzfriedenheit, Selbstabwertung und Schwarzdenken gehören ja auch zu solchen Rückschlagen.

Das Beste für mich ist, wo es ohne Zwang möglich ist, eine Tagesstruktur einzuhalten: regelmässige Schlafzeiten, Arbeitszeiten, Bewegung. - Sonst möglichst runter fahren, nicht allzu viel von mir verlangen, die Zeit als Zeichen nehmen, dass ich einmal mehr hingucken will, was in meinem Leben stimmig ist, was nicht. - Ich brauche nichts zu verändern, nur mal wahrzunehmen, was welche Gefühle in mir auslöst. - Das genügt. - Die Lust, etwas zu tun, kommt dann später wieder.

Es ist in erster Linie Verzweiflung, die mich plagt. Gegen das Fühlen der Verzweiflung wehre ich mich vollautomatisch. Da habe ich auch viel Verständnis für mich, denn wer fühlt sich schon gern verzweifelt und hoffnungslos?

Wenn ich aber akzeptieren kann und fühlen kann, dass da Verzweiflung in mir ist, grosse Verzweiflung sogar, kann ich etwas entspannen und Gedanken, dass ich lieber sterben würde, tot sein würde, verziehen sich. - Das ermutigt mich, der Verzweiflung mehr Aufmerksamkeit zu geben.

Da ist mir die Frage gekommen, dass ja Verzweiflung - wie jedes andere Gefühl - auch eine positive Botschaft hat.
- Spontan kommt mir in den Sinn, dass man wohl verzweifelt ist, wenn man an etwas festhält, das besser losgelassen würde. Das Verzweiflung oft den Prozess des Aufgebens einer Sache oder eines Wunsches oder von sonst etwas begleitet und ein Teil von Trauern ist. - Ja, es fühlt sich irgendwie als stimmig an, die Verzweiflung so zu sehen.

Doch - was ist Zeit, losgelassen und betrauert zu werden? - Geht es um mein Alter? Geht es um berufliche Wünsche? (Ich habe für mich bis jetzt noch keine Arbeit gefunden, bei der ich mich grundsätzlich wohl fühle, die mich erfüllt und von der ich glaube, dass sie meine "Berufung" oder "Aufgabe" ist. Jetzt geht es noch 6 Jahre bis zur offiziellen Pensionierung. Ich könnte früher aufhören, konnte mir das leisten. Aber das erfüllt mich auch mit Trauer, denn das würde mein Leben noch leerer machen. Es ist für ich besser, eine Arbeit zu tun, die mir nicht wirklich gefällt, als lohnarbeitsmässig gar nichts zu tun.)

Ein Stück weit fühlt es sich gut an, einige Ansprüche bezüglich Lohnarbeit loszulassen und mich nicht mehr unter Druck zu setzen, DAS zu finden, was mich erfüllt. - Ich glaube nicht mal, dass die Arbeit oder mein Job so schlecht sind für mich. Ich glaube eher, dass da einige wichtige Werte von mir nicht gelebt werden und dass mir das Mühe macht.

Ja, es fühlt sich stimmig an, dass mich im Arbeitsbereich etwas verzweifeln lässt. Sicher ist es besser für mich, nicht zu verzweifeln, sondern die Verzweiflung "nur" als Gefühl zu "haben" und es zu fühlen. Es tut gut, den Atem ins Herz und in die Halsgegend, auch zu den Augen zu schicken, wo ich die Verzweiflung körperlich spüre. Oft kann ich mich dann erinnern, dass es keine Tatsache, sondern ein Gefühl ist und es ein klitzekleines Stückchen davon loslassen.

Wenn ich mich auf das einlasse, merke ich, dass da vor allem eine grosse Angst da ist, abgeschnitten von anderen Menschen zu sein, isoliert, ungeliebt, allein.

Ja, jetzt wo ich mich in diesen Prozess ganz bewusst einlasse, merke ich, es ist ein Teil des Themas, an dem ich wirklich seit ein paar Wochen dran bin: eine gute Beziehung zu mir selbst aufzubauen, was gleich bedeutend ist wie ein gutes Selbstwertgefühl - oder sicher ein genügend gutes. - Zu einem guten Selbstwertgefühl gehört es dazu, dass ich meine Gefühle anerkenne, aber nicht zu ihrer Sklavin werde.

Wenn ich mich einlasse, spüre ich diesen inneren Kampf zwischen Selbstannahme und der Überlebensstategie, mich selber mit meinen Bedürfnissen aufzugeben. - Ok. hier stehe ich. - Wenn es auch weh tut, so ist es doch interessant und ich spüre, dass ich im Prozess bin. Das erlebe ich als ermutigend.

Ich glaube, ich möchte aufgeben, mein Glück in Veränderung und in der Zukunft zu suchen. Es geht darum, es in der Gegenwart zu erkennen.

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Vermutlich liegt unser roter Tigerkater im Sterben. Er frisst nicht mehr und liegt nur noch auf seinem Lieblingsplatz, schläft den ganzen Tag.
Fast 18 Jahre haben wir gemeinsam gelebt. Er ist zu einem Familienmitglied geworden und hat jede/ getröstet, der/die es gebraucht hat.

Mein Mann und ich haben besprochen, dass er ein Waldgrab in einem Tierfriedhof bekommt, wenn es so weit ist. - Der Gedanke macht mich sehr traurig.

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
:-) Gestern Abend hat er dann noch minimal gegessen.
Heute Morgen hat er wieder gemaunzt und ist aufgestanden! Und dann hat auch wieder ein wenig gefressen! :-)
Mal sehen...

Es geht ihm nicht so gut, aber deutlich besser als gestern und vorgestern. Abgemagert ist er aber schon und viel Aktivität hat er nicht. Trotzdem freue ich mich, dass kleine Zeichen da sind...

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Eben war ich beim Tierarzt. Ich bin ihm dankbar für seine Gedanken und Hinweise. Er empfiehlt im Zustand meines Katers keine weiteren Untersuchungen und Eingriffe. Die Schilddrüsenwerte sind ja schon beim letzten und vorletzten Mal schlecht gewesen, die Leberwerte beim letzten mal. In den Augen hat er leicht gelbe Schleimhäute, was auf eine beginnende Gelbsucht hinweist. Essen und Schlucken werden durch eine Platte von Zahnstein erschwert. Er empfiehlt aber auch kein Entfernen, denn das würde eine Beruhigungsspritze brauchen, die in diesem Zustand eine weitere Belastung ist, die er allenfalls nicht überstehen würde... - Der Zahnstein ist aber wenigstens nicht soooo schlimm und eine Entzündung im Mund hat er nicht, wenigstens keine starke, denn dann würde er viel mehr stinken aus dem Mund.

Weiter hat er mir geraten, mit der Katze zu sprechen, ihr zu erlauben zu sterben, wenn sie es möchte und sie auch darum zu bitten, klar zu zeigen, was sie möchte. Wenn sie noch etwas weiter leben möchte, sollte sie fressen.

Er meinte, dass es sein könne, dass unser Kater innerhalb einer Woche stirbt, aber auch dass er noch einige Wochen bis Monate leben wird. Das müsste er aber mit Fressen und Trinken zeigen. Das Tier sehe nicht leidend aus und der Sterbeprozess gehöre zum Leben eines Tieres. Es sei auch absolut ok. wenn unser Kater das Sterben bei uns zu Hause hinkriegt. - Aber nochmals, es sei wichtig, mit dem Tier zu sprechen und es um klare Zeichen zu bitten, was es selber möchte.

Ende Woche werde ich mit dem Arzt telefonieren. Im Notfall würde er ihn auch einschläfern, aber in dem komplentärmedizinischen Tierzentrum, wo wir hingehen, werde eben das Sterben auch gewürdigt. -

Das Gespräch mit dem Arzt hat mir gut getan, inkl. der Ermutigung zu trauern und den Abschied bewusst zu erleben.

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Unsere Katze ist alt und sie hat sich etwas erholt. Das bedeutet wirklich, im Bewusstsein, dass der Tod nahe sein kann, die Begegnungen zu geniessen. Das offene Sprechen mit ihr, befreit mich sehr. Ich kann jedes Gefühl ausdrücken. Wahrscheinlich spürt sie die Entspannung!


Generell ist für mich eine der grössten Herausforderungen, mich meinen Gefühlen zu stellen, sie auszudrücken, offen sein für mich selbst und das, was mir der aktuelle Moment bringt. Egal, ob es Entscheidungen, Kopfarbeit, körperliche Arbeit, Freizeit, Arbeit, Haushalt etc. ist.

Immer wieder vergesse ich das. Immer wieder rutsche ich in meine Denk- und Verhaltensmuster zurück, die mich in schlechten Gefühlen festhalten. Aber ich möchte mich ausrichten, auf das, was mir gut tut, auf das, was mir Freude macht - selbstverständlich, ohne mich selber zu verletzen, in dem ich meine schmerzhaften Gefühle deckle, abspalte, verdränge.

Wenn ich so in den Tag gehe, sehe ich meinen Job in der Schule als Lebensschule. Ich bin dort gefordert, mich meinen Ängsten vor Versagen, vor Ablehnung und Unsicherheit zu stellen. Anders kann ich dort nicht sein.
Wenn ich so an meine Arbeit in meiner Praxis denke, wird mir das Herz warm. Denn die wohltuende Nähe, die ich erleben darf, wenn ich mich offen auf mein Gegenüber einlasse, ist enorm bereichernd. Obwohl ich das so fühle, werde ich mich nicht unter Druck setzen und diese Arbeit forcieren. Nein, ich werde mich viel mehr meinen Gefühlen stellen, die diese Arbeit in mir auslöst. Das sind Gefühle wie in der Arbeit in der Schule: Versagensängste, Angst vor Unsicherheit, vor Hilflosigkeit, vor den schwierigen Gefühlen meiner Klient/innen, die ich so stark spüre. Es findet zum richtigen Zeitpunkt, das Richtige in meinem Leben statt. - Also ist es besser, wenn ich mich auf den aktuellen Moment ausrichte.

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Der Katze geht es definitiv besser. Sie ist wieder ziemlich munter - altersgemäss munter halt.
Leider hat sie durch die Entzündung durch den Zahnstein ziemlich Mundgeruch, aber sonst geht es ihr wirklich gut. Sie isst nicht wahnsinnig viel, aber immerhin genug, dass sie nicht weiter abnimmt.

Angekommen ist aber bei mir, dass der Kater alt ist und in absehbarer Zeit sterben wird. - Ok. es kann noch einige Monate, ev. auch noch ein Jahr oder mehr dauern. Trotzdem weiss ich jetzt nicht nur rational, sondern auch emotional, dass es eine endliche Zeit ist. - Seltsamerweise gibt mir das fast mehr Sicherheit und Gelassenheit als ich vorher hatte.

Ja, ich erlebe auch sehr tiefe Gefühle vor allem von Verbundenheit und Zuneigung mit unserer Katze. Das ist sehr, sehr schön.

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Die Stärkung meines Selbstwertgefühls ist absolut mein Thema zur Zeit.

Ich nehme an einem Online-Programm zur Stärkung der Selbstempathie teil. Es geht vor allem um Achtsamkeit und um Meditation der Freundlichkeit und Zuwendung mit sich selbst.

Es hat vieles ausgelöst, resp. vom Alltag ausgelöste Dinge noch verstärkt. Alle meine Muster erlebe ich viel stärker und schmerzhafter, besonders eines, das mir nicht wirklich sehr bewusst war: Selbstbestrafung in Form von Selbstabwertung, Selbstkritik, übersteigerten Anforderungen. Noch bevor ich selber eine Chance bekommen habe, werte ich meine Handlungen ab und kritisiere sie, verlange von mir alles Mögliche, das ich noch nicht getan habe... - auch noch keine Zeit hatte oder wofür ich mich halt nicht entschieden habe.

Das ist gerade sehr schwierig, aber ich bekomme eine gewissen Tiefe mir selber gegenüber.

Etwas gefällt mir gerade sehr gut: Eine Freundlichkeitsmeditation sich selber gegenüber, bei der man/frau sich auch wünschen kann mit "Widerstand freundlich umzugehen".

Das passt sehr gut für mich selber: für diese harsche Selbstkritik, für die Selbstzweifel, den Perfektionismus, für die Misserfolgserwartung etc. - Aber es passt auch sehr gut zu einer Situation in meinem Arbeitsplatz, wo ich gerade mit sehr starkem Widerstand gegenüber ganz "normalem, respektvollem Verhalten" von ein Jungs zu kämpfen habe. - Mein Widerstand im Inneren spiegelt sich im Verhalten dieser Jungs. Dieses hat in mir grosse Ängste, Zweifel, Verletzung etc. ausgelöst. -

In der kommenden Woche habe ich gerade mit den zwei schwierigsten Jungs zusammen mit anderen, ebenfalls nicht ganz einfachen Kindern in einem Workshop, den ich halte zu tun. - Mal sehen...

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fauna ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.571
Seit: 27.11.09
Die Achtsamkeitsübungen aus dem Kurs zur Selbstempathie lösen viel aus. Das erschüttert mich zwar, doch irgend etwas in mir sagt mir, dass das sehr, sehr gut für mich ist.

Zwei Erkenntnisse sind es im Moment, die mich sehr beschäftigen:

1. Bis jetzt waren gute Wünsche für mich selbst Sehnsüchte. Sehnsucht ist hier definiert als intensiver Wunsch, von dem ich nicht an Erfüllung glaube. Positive, gute Wünsche für mich selbst waren also bisher mit Verzweiflung, Frustration und Schmerz gekoppelt, weil ich irgendwo tief innen überzeugt bin, ganz selbstverständlich überzeugt sogar, dass sie nie in Erfüllung gehen.

Durch diesen Kurs habe ich aber gemerkt, dass positive, gute Wünsche für mich ich genau das selbe sind wie positive Wünsche für andere. Wenn ich anderen Menschen das Beste wünsche, dann wünsche ich ihnen das Beste. Wenn ich mir selber das Beste wünsche - oder Frieden oder grösst mögliche Gesundheit oder Leichtigkeit oder Freude oder ... - dann wünsche ich mir selber - für mich selber!!!! - etwas Gutes.

Ich weiss nicht, ob das überhaupt nachvollziehbar ist, was das für mich bedeutet: Ich bin es also wert, dass ich mir selber etwas Gutes wünsche, genauso wie ich es für andere Menschen mache.

Wenn ich das aufschreibe, löst das viel Schmerz aus, weil ich so lange und so intensiv daran glaubte, dass ich das nicht wert bin.


2. Und diese Erkenntnis erschüttert mich noch viel mehr!

Ich reagiere tatsächlich nie auf Tatsachen, sondern auf meine Gedanken dazu. Weil gewisse Dinge in meinem Leben mich so sehr überforderten, sind mir oft nicht mal meine Gefühle bewusst, deshalb ist es auch so schwierig, meine Gedanken bewusst wahrzunehmen.
Doch - meine Gefühle sind Reaktionen auf meine Interpretationen (Gedanken), die mir aber zu einem grossen Teil nicht bewusst sind!

Egal wie schlimm eine Erfahrung war, in der Rückschau reagiere ich einzig auf meine Gedanken darüber. Die Erfahrungen sind in der Regel schon Jahre, nein Jahrzehnte vorbei. Geblieben ist meine Tendenz auf gewissen Auslöser und Erfahrungen / Wahrnehmungen in der gleichen Art zu reagieren.

Deshalb finde ich auch den Ausdruck "Ich werde getriggert." zwiespältig, eigentlich sogar eher gefährlich. Denn in diesem Ausdruck bin ich passiv, bin ich Opfer. Es ist aber meine persönliche Reaktion auf einen Auslöser - und Reaktionen können umgelernt werden.


Die Tatsache, dass ich ausschliesslich auf meine Gedanken / Interpretationen über Gegebenheiten in meinem Leben reagiere, war mir rein rational schon lange klar. - Nur... ich habe viele Ausnahmen gemacht:

Klar, ich reagiere nur auf meine Gedanken, aber ... mein Bruder ist in Tat und Wahrheit der Täter... , aber ....

Durch die Achtsamkeitsübungen, bei denen ich nicht versuche, meine Gefühle zu verändern, sondern sie nur freundlich wahrzunehmen und anzuerkennen, sonst nichts, wird mir bewusst, wie schnell ich aus solchen Gefühlen heraus, die auf Gedanken / Interpretationen zurückzuführen sind, reagiere - innerlich mit Runtermachen und Antreiben, auch perfektionistischen Ansprüchen, äusserlich mit Ärger, Genervtsein, Verletztsein, Jammern ...

Diese Erkenntnis löst gerade jetzt Schmerz aus, denn ich beginne zu erkennen, was ich mir selber antue und angetan habe und dass das Aufhören damit, nicht einfach so entschieden werden kann, sondern viel Übung in Achtsamkeit braucht.

Mich ausrichten auf Freundlichkeit mir selber gegenüber, auf Selbstempathie, lässt diesen Schmerz grösser werden. Ich übe jetzt, ihn weiterziehen zu lassen und mir selber gegenüber freundlich zu sein. Dazu gehört auch, meinen Widerständen gegenüber freundlich zu sein: dem Perfektionismus, der Wut, dem Hass, der Eifersucht, der Verzweiflung, der Kritikerin, der Runtermacherin, der Angst ... gegenüber.

Achtsam wahrnehmen, was da gerade in mir los ist, was ich gerade wahrnehme, wohin ich den Fokus lenke, den ausgelösten Schmerz darüber ... - und mich wieder mit dem aktuellen Moment, mit dem Hier und Jetzt zu beschäftigen...


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