Stärkung der emotionalen Intelligenz

08.12.10 06:49 #1
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AW: Stärkung der emotionalen Intelligenz

fauna ist offline
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Heute habe ich einem Kollegen ins Wort geredet. Er meinte, ich soll ihn fertig reden lassen. - Ehrlich geschrieben, bin ich nicht mal sicher, ob ich das gemacht habe.

ABER... meine innerlich gelassene Reaktion: Fehler macht jede/r. - Ich weiss nicht mal genau, wer da einen Fehler gemacht hat oder macht. In der Situation meinte ich innerlich zu mir: Nicht schlimm, alle dürfen eine Schwäche haben.

Jetzt beim Aufschreiben bin ich nicht sicher, ob mein Kollege oder ich eine Schwäche haben. (Ich mit nicht ausreden lassen. Er mit lehrerhaftem Verhalten. - Vielleicht auch beide? oder ein Missverständnis.) - Das Coole an der Sache, es ist mir egal, wer von uns zwei oder überhaupt eine Schwäche hat. - Das ist nämlich erlaubt.

Für mich persönlich ist das eine wunderbare, spontane Erfahrung. Bisher habe ich mich nach solchen Situationen sehr gequält.

Eine weitere für mich positive Situation: Ich holte in einer Klasse zwei Hefte aus dem Schrank. Hinter meinem Rücken begannen zwei Schüler laut über mich zu lachen. Beim Hingucken Blicke austauschen. Das ganze schöne Programm, wie man fast jede/n fertig machen kann.
Ich ging laut und klar auf die beiden zu und sagte ihnen: Was da abgegangen ist, ist Mobbing. Es gibt einen Punkt, bei dem ich wirklich sauer werde und den ich auf keinen Fall zulasse: Wenn ein Mensch fertig gemacht wird. Es ist mir egal, ob das ich selber oder jemand anders ist. Das gibt es nicht in einem Schulzimmer, in dem ich arbeite. - Sie spürten meinen Zorn, meine Klarheit und Entschlossenheit. Es wurde absolut ruhig im Schulzimmer. - Dann erklärte ich, dass es bei mir "Sit-in" gibt in solchen Situationen. Das sind festgelegte Zeiten, in denen die Beteiligten Lösungen suchen und zwar regelmässig jede Woche, bis das Problem gelöst ist und es mir absolut wohl ist im Schulzimmer, bis ich in Ruhe arbeiten kann.
Zum Schluss fragte ich noch nach, ob jemandem nicht klar ist, was ich meine oder was ich möchte. - Stille.

Nachher kam ich noch zweimal ins Schulzimmer, um andere Schüler/innen für individuellen Unterricht abzuholen. Sie waren mäuschenstill. -

Das werde ich selbstverständlich durchziehen. Ich werde jeweils am Dienstag während der Pause mit ihnen arbeiten mit kontrolliertem Dialog, bis sie sich gegenseitig nicht mehr mobben und auch mich nicht. - Mal sehen.

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Ja, ich habe noch einen weiteren - für mich grossen - Erfolg gehabt, heute Morgen: In einer Zweiergruppe, mit der ich gearbeitet habe, liess ich die beiden Kids, während der halben Lektion still für sich arbeiten. - Ich brauche mich nicht dauernd ganz auszugeben.

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fauna ist offline
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In der Nacht bin ich aufgewacht, konnte einmal mehr nicht schlafen. - Verzweiflung quält mich latent schon lange, sehr lange... - Aber in den letzten Tagen ist sie wieder akut geworden.- - - Es gelang mir, die Verzweiflung anzunehmen, Verständnis zu haben und im Internet habe ich mal gegoogelt, was eigentlich Verzweiflung für Hintergründe hat, auch was für positive Absichten sie haben könnte. - Es könnte sein, dass sich auch in diesem Thema Neues auftut. - Ich würde mich sehr darüber freuen!

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit sind - so vermute ich heute - die hauptsächlichen, unterdrückten Gefühle von Menschen mit depressiven Mustern. - Unter diesen Gefühlen finden sich wohl auch unterdrückte Wut, so dass persönliche Grenzen nicht mal mehr wahrgenommen, geschweige denn gesetzt werden können. Selbstachtung sinkt, der innere Dialog wird destruktiv und funktioniert dann gewohnheitsmässig.

Unter den Schichten von unterdrückter Verzweiflung und Wut hocken die unerfüllten Bedürfnisse und Wünsche. - Das Schlimme ist nicht, dass sie unerfüllt sind, sondern dass sie unterdrückt sind. - So wie es nicht jeden Tag schönes Wetter ist, werden auch nicht alle Wünsche und Bedürfnisse erfüllt. - Viele Bedürfnisse kann ich selber erfüllen, manche Wünsche, Bedürfnisse sind einfach "Vorlieben" - es geht auch mit etwas anderem. - Diesen Prozess kann ich aber nicht leben, wenn ich meine Gefühle unterdrücke.

Das ist heute meine persönliche Sicht, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Heute bin ich müde, verkatert. Ich glaube, ich brauche Zeit, bis ich mich innerlich neu orientiert und mal wirklich spüren kann, was ich eigentlich wirklich erreicht habe und das mal geniessen und damit kreativ werden. - Heute morgen fühle ich mich mir selber fremd. Eigentlich keine Ahnung, wozu ich Lust habe.
Bald werde ich Einkaufen gehen, mehr habe ich heute nicht vor. Abends kommt ein befreundetes Paar zum Essen und Dog spielen. Wir kochen etwas Kleines, wenig aufwändiges.
Sie einzuladen war mehr eine Sache des Verstandes, denn ich leide unter den wenigen Sozialkontakten, die ich in den letzten Monaten hatte (ausser bei der Arbeit und in der Familie).
Eine Kiste mit Arbeit von der Schule steht im Korridor und winkt mir zu. Eben habe ich nächste Woche innerlich angesehen und gemerkt, dass ich am Montag zwar drei Termine habe (HNO-Arzt, Auto in die Revision bringen, Coiffeuse), dass ich aber auch nicht wirklich viel vorbereiten muss auf Dienstag. Dann habe ich am Di-Nachmittag vier Stunden Zeit, um den Mittwoch vorzubereiten. Dass ich mit innerem Druck / Stress reagiere, ist ein Muster und objektiv nicht nötig. - Es ist KEIN Zeitdruck da. - Ich übe mich mit Ausatmen, Bauchatmung und Loslassen dieses Musters, mich selber zu stressen.

Vielleicht bin ich etwas enttäuscht, dass mir nicht alles ganz locker gelingt nach der Therapiesitzung am vergangenen Mittwoch. Aber auch dieses Muster kenne ich. Es ist wahrscheinlich Teil des Musters, das wir angegangen sind und entspricht einfach nicht einem "normalen" Prozess. - Der braucht seine Zeit - und das macht mir gerade Mühe... - Was soll's? -

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Ja, was soll's?

Der Schlaf ist nicht besonders gut. Ich habe gut gelernt, mich zu entspannen durch Gewahrsein des Körpers, Bauchatmung und Beobachtung der Atmung, ohne sie verändern zu wollen. Dabei lasse ich die Gedanken und Gefühle einfach ziehen. Oft ist das ein wunderbarer Moment, in dem ich bewusst spüre, dass ich loslasse und in den Schlaf hinüber wechsle.

In den letzten Tagen ist das aber nicht ganz so einfach. Wenn ich entspanne, kommen alte, wohl unterdrückte Gefühle von Verzweiflung und Fluchtwünschen, von Überforderung und "nicht gut genug" sein (Perfektionsszwang, der sich sehr mies anfühlt) hoch. - Dabei spüre ich aber auch, dass sich da sehr wohl etwas verändert hat in mir: Ich nehme diesen schwierigen, belastenden Prozess sehr gelassen und bin irgend wie innerlich auch überzeugt, dass sich das verändern wird - in etwas ganz Neues...

.... ABER dieses Neue ist mir noch nicht bekannt, keine Ahnung, worum es gehen könnte. Und genau DAS macht mir gerade Mühe, wenn ich schlafen und entspannen möchte: Die Kontrolle loszulassen, die Gefühle nehmen, so wie sie halt jetzt sind: schwierig. (Verzweiflung, Todeswünsche, Überfordertsein, Selbstzweifel) - Wobei ich nochmals betonen möchte, dass sie sich anders anfühlen, denn ich weiss, sie sind NICHT die Wahrheit und sie werden sich verändern.

Es scheint sich ganz tief innen in mir eine neue Form von Selbstvertrauen und Vertrauen überhaupt zu entwickeln. -
In den vergangen Monaten, habe ich viel Stress abgebaut, viel Entspannen gelernt, eine Körperhaltung geübt, die in mir Sicherheit und Selbstbewusstsein auslösen. - JETZT scheint sich das in der Tiefe zu vernetzen und sich in mein Alltagsleben zu integrieren. Das ist tatsächlich etwas völlig Neues für mich. ES IST GENAU DIE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT, DIE ICH MIR SCHON LANGE WÜNSCHE!

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Heute auf dem Heimweg von der Arbeit ging mir ein völlig neuer Gedanke durch den Kopf:

Wenn sich die Entspannung wirklich integriert, könnte es sein, dass ich meine Talente und Werte tatsächlich in meiner Arbeit leben kann. Dann könnte ich mit den ausgelösten Gefühlen umgehen. In meiner Kindheit waren weder meine Talente noch meine Werte gefragt. - Sie wurden entweder wie meine Gefühle und mein Körper missbraucht. Ich musste sie in einem inneren Bunker versorgen und verstecken. - JETZT habe ich aber wirklich sehr viel dazu gelernt. Wer weiss, vielleicht ist mir diese Freude vom Schicksal gegönnt. - Mal sehen!

Auf jeden Fall habe ich heute mit einer Kollegin zusammen mit deren Klasse an einer Projektarbeit der Kinder gearbeitet. Wir hatten ein gutes, konstruktives Teamteaching. Auch die Kooperation mit den Schüler/innen war nicht gut. Es war mir wohl, obwohl die Kollegin mit dem Verhalten eines Jungen (wirklich sehr schwieriges Verhalten) nicht zufrieden war. - Obwohl ich jetzt zwei, drei Nächte wirklich nur mässig geschlafen habe und immer wieder Verzweiflung, Angst, Selbstzweifeln, Überforderung spürte, ging es am Tag gut. ICH KONNTE MICH WIRKLICH ENTSPANNEN! Das macht mich ein wenig zuversichtlich, dass da wirklich noch Luft nach oben da ist für mich.
Auch den Druck wegen einiger Arbeiten, die ich noch zu erledigen habe, kann ich einigermassen gelassen nehmen.

WENN ICH MIT DEN GEFÜHLEN - MIT ALLEN GEFÜHLEN - UMGEHEN KANN, IST MEIN LEBEN ABSOLUT SCHÖN. - DANN BRAUCHE ICH KEINE ANGST VOR GEFÜHLEN ZU HABEN. DIESE ANGST IST DER FAKTOR, DER MIR AM MEISTEN ENERGIE NIMMT UND MICH AM MEISTEN KRANK MACHT (körperlich und seelisch, aber auch geistig).

Zwar müde und mit Kopfschmerzen fühle ich mich wirklich zuversichtlich!

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Juhui. - Gleich packen wir unseren FIAT-Bus und fahren auf den Splügenpass und geniessen die kühle Bergluft bis am Sonntag.

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Heute sind mein Mann und ich wieder einmal lange still vor dem offenen Feuer im Garten gesessen. - Es war einfach nur schön und entspannt.

Lange Zeit haben wir das nicht mehr gemacht. - Jetzt haben wir wieder die Musse dazu. - Das ist sehr, sehr schön!

Jetzt werde ich gleich ein schönes Fussbad machen und meine Füsse noch etwas mit einer guten Creme massieren. - Darauf freue ich mich auch.

Die vergangene Woche war sehr anstrengend und voll (arbeitsmässig). Auch morgen wird wieder einiges zu tun bringen. - Aber ich fühle mich sehr privilegiert: Ich lebe in einer sehr liebevollen Familie in einem hellen Hausteil mit schönem Garten. Wir haben eine "rollende Ferienwohnung", mit der wir in den Bergen, am Meer und an vielen verschiedenen Plätzen sein können. Ich habe eine spannende Arbeit in einem tollen Team mit einem super Schulleiter und ich habe auch immer wieder Aufträge in meiner eigenen Praxis.

Manchmal haben meine Tage zu wenig Stunden oder die Woche zu wenig Tage, um all das Schöne, das ich tun möchte, wirklich zu tun: Freunde treffen, lesen, kochen, backen, spazieren, wandern, Berg steigen, Hochtouren, Rad fahren, mit den Enkeln spielen und Spass haben und und... - Es ist viel sehr Gutes passiert in meinem Leben, für das ich sehr dankbar bin. -

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Ich habe mir eine Liste gemacht, mit Situationen, in denen ich unter meinem unerfüllbaren Perfektionismus leide. Sie ist nicht fertig, muss sie aber auch nicht sein.

Nachher habe ich mir zwei dieser Situationen in einer geführten Meditation angesehen, habe mir zu den ersten Zeichen und meinem inneren und äusseren Verhalten Notizen gemacht (Gefühle, Gedanken, Handlungen, Körpergefühle).

Jetzt bin ich seit drei Tagen dabei, mir täglich Zeit für eine Runde Klopfakkupressur (EFT), so 30 min halt dauert die Übung, die ich mir aufs Handy geladen habe.

Im Rest der Zeit mache ich Erfahrungen, die ich möglichst nicht beurteile oder bewerte. Wenn ich es doch mache, versuche ich dieses Bewerten nicht zu bewerten, sondern nur zu beobachten.

Diese Beschäftigung mit dem Perfektionismus löst einiges in mir aus. Der Schlaf ist schlechter geworden, oft fühle ich Trauer und / oder Schmerz. Der macht für mich aber Sinn, da ich ja wirklich auf einen Begleiter verzichte, der mich fast mein ganzes Leben begleitet hat. Ich glaube so richtig angefangen, mich zu behindern hat dieser Perfektionismus als ich in der Pubertät war. Und die liegt ja einige Jahrzehnte hinter mir.... :0504: - Dass da Trauer reagiert, damit ist eigentlich zu rechnen. Es ist ja auch ein Verlust.

Weiter habe ich gemerkt, dass ich es überlebe, wenn ich "nicht die Beste" bin.

Der Perfektionismus hat mir auch eine "Pseudosicherheit" gegeben: Sie schützte mich vordergründig vor schlechten Gefühlen, von denen ich mich überfordert fühlte. Jetzt übe ich die Gefühle halt zu nehmen, als das, was sie sind: Gefühle, die sich selber verändern, wenn ich sie beobachte. Dann spüre ich auch besser, wie ich mich tatsächlich verhalten möchte oder was meine Wünsche sind.

Davor hat mich der Perfektionismus auch geschützt: Davor Ziele zu haben und zu erreichen, einen Standpunkt einzunehmen und wahrnehmbar zu machen, wer ich bin und was ich möchte / brauche.
Da bin ich ganz schön am Knabbern. Dass das eine Überlebensstrategie war, auf meine eigenen Bedürfnisse und Ziele zu verzichten, das weiss ich. Nur dass das über den masochistischen Perfektionismus und Selberruntermache passierte, war mir nicht wirklich klar. Auch nicht, dass das verbunden ist, mit dem Unterdrücken aller nicht genehmen Gefühle.

Ein richtig grosser Themenkomplex, den ich da geöffnet habe.

Immerhin habe ich heute ein Erfolgserlebnis gehabt: Durch unglückliches Zusammenspiel verpasste ein Junge seine Therapiestunde. Der Schulleiter war unzufrieden und hatte auch über das Verhalten dieses Jungen eine völlig andere Interpretation als ich. -
Bis jetzt hätte mich das längere Zeit beschäftigt. Aber ich kann es wirklich nehmen als blödes Zusammenspiel und ich finde mein Verhalten sehr angemessen und professionell, egal was der SL darüber denkt.

Klar löst es noch ein paar Gefühle aus, die nicht angenehm sind. Aber die kann ich doch einigermassen gut akzeptieren.

Ja, ich werde so weiter machen.

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fauna ist offline
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Seit: 27.11.09
Im Moment fordert mich gerade mein Entschluss, mir eine halbe Stunde Zeit pro Tag für meine innere Arbeit zu geben.
Es ist nicht etwa so, dass mir das einfach zu viel ist. Nein! - Da steckt in mir die Gewohnheit, "immer bis fast immer" daran herum zu knabbern, dann aber für die halbe Stunde keine Lust zu haben....

Aber ... ich bin fest entschlossen, mich eine halbe Stunde pro Tag dem Perfektionismus, resp. dem Loslassen von diesem zu widmen. Den Rest der Tage möchte ich meinen Fokus aber anderem, Schönerem zuwenden. (Ob ich am Sonntag frei mache oder nicht, habe ich noch nicht entschieden. So lange mich die halbe Stunde entspannt, ist Sonntag ok. Wenn es nicht entspannend ist, werde ich ganz sicher am WE nicht weiter machen, nur werktags.)
Da gilt es nun die Gefühle auszuhalten, die halt kommen, wenn ich NICHTS oder was Schönes oder das Notwendige tue.


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