Soziale Phobie - Persönlichkeitsstörung - ADS - KPU

23.04.09 11:29 #1
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daniel24
Hallo. Meine Hauptfrage ist eigentlich, wer auch an Sozialer Phobie leidet / bzw. ängstlich-vermeidenter PS und ob jemand Erfolge erzielt hat und wie?

Mir werden immer wieder Therapien empfohlen, aber ich weiss wie es da abläuft, reden, reden reden. nicht mehr nicht weniger, ich verstehe nur bahnhof, ich hatte mal ein paar monate so eine verhaltenstherapie gemacht und dann wieder abgebrochen. ich halte es für sinnlos, verschwendung von zeit und geld, ausserdem zieht es mich in eine depression wenn ich dinge tue von denen ich erfolg erwarte und der dann nicht eintritt, meine geduld ist gleich 0 und ich fühle mich manchmal wie eine tickende zeitbombe (nur gefühlsmäßig) vor allem wenn ich versuche mich mit meinen problemen auseinanderzusetzen und darüber nachdenke (meine situation).

Ich dachte eine Zeitlang ich komme damit klar keine freundin zu haben, aber damit komme ich doch nicht klar. Mir wäre es ja egal, wenn mich leute dumm anschauen, über mich lachen oder sonstwas, aber wenn man wirklich alleine ist dann ist das scheiße. mein selbstwertgefühl ist gleich null. jedoch sehe ich das anders, ich halte das, was normale menschen für gesundes selbstbewusstsein halten, laut sein, arrogant, egoistisch, feindseelig.... das halte ich für krank und ich will so garnicht sein. es gibt aber nur diese oder die andere möglichkeit. so kommt es mir jedenfalls vor. demnach habe ich das unwohle gefühl (und das schon seit vielen jahren) das sich daran nie was ändern wird.
wenn ich früher abend unterwegs war haben mich manchmal mädchen in grupen angesehen und mich ausgelacht, ohne das ich weiss wieso. mich wundert mein verhalten absolut nicht in solch einer welt, aber trotzdem heisst es ich bin psychisch krank.

manchmal füllt mich diese ganze scheiße so mit hass das ich angst vor mir selbst kriege. und manchmal fühle ich mich ganz ok, sodas ich zufrieden bin. hin und her. das nervt ganz schön.

Hat jemand sowas schonmal erlebt und kann mir nützlichere tips geben als "therapie..."???

Grüße, daniel

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Hexe ist offline
Beiträge: 3.844
Seit: 13.07.07
Hallo Daniel,

ich kenne das von dir Geschilderte auf ähnliche Weise. Und es macht einen mürbe.
"Dieses ewige hin und her nervt ganz schön", schreibst du. Und ich stimme dir da zu. Es nervt sehr.

Mir wäre es ja egal, wenn mich leute dumm anschauen, über mich lachen oder sonstwas, aber wenn man wirklich alleine ist dann ist das scheiße. mein selbstwertgefühl ist gleich null. jedoch sehe ich das anders, ich halte das, was normale menschen für gesundes selbstbewusstsein halten, laut sein, arrogant, egoistisch, feindseelig.... das halte ich für krank und ich will so garnicht sein. es gibt aber nur diese oder die andere möglichkeit. so kommt es mir jedenfalls vor. demnach habe ich das unwohle gefühl (und das schon seit vielen jahren) das sich daran nie was ändern wird.
Ich glaube ich weiss was du meinst. Aber es gibt nicht nur diese zwei Möglichkeiten: entweder kein Selbstbewusstsein - oder ein Egoist zu sein.

Selbstbewusstsein, das Wort drückt es doch so gut aus. Wer sich seines "Selbst" bewusst ist. Was dieses "Selbst" (also er selber ) mag, nicht mag, braucht um glücklich zu sein, fühlt, denkt und so weiter, dessen sich ganz bewusst zu sein. Das ist in meinen Augen ein gesundes Selbstbewusstsein. Dann weiss man wie man leben möchte, was die eigene Meinung ist, die eigenen Wünsche. Man ist nicht so sehr nach draussen orientiert, was die anderen über einen sagen, was sie von einem erwarten. Man kennt sich, und weiss gut über sich Bescheid.

Das macht einen unabhängiger von der Meinung anderer, denn man ist in der Lage nach sich zu schauen, sich selber ein Freund zu sein.

Hat jemand sowas schonmal erlebt und kann mir nützlichere tips geben als "therapie..."???
Nein leider keine passend "Fern-Therapie". Das ist so nicht möglich. Aber ich hoffe trotzdem ich bin mit meiner Antwort nicht ganz an deinem eigentlichen Anliegen vorbeigerauscht.

liebe Grüße von hexe

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daniel24
Danke für deine Antwort.
Was tust du gegen deine Probleme oder sind sie schon weg?

Bei dem Selbstbewusstsein stimme ich dir zu, demnach bin ich mir ja auch selbst bewusst, und bewusst was ich will usw... nur ich kann nicht einfach "darüber stehen", wie es immer so schön heisst, wenn man doof angemacht, beleidigt oder so wird... Ist das ein MUSS für ein gesundes selbstbewusstsein. für mich hört sich dieses drüberstehen eher an wie "gleichgültigkeit" oder auch "egomanie" oder sowas...

Geändert von daniel24 (23.04.09 um 16:17 Uhr)

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Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.675
Seit: 10.01.04
Doof angemacht oder beleidigt werden, ist sicher kein MUSS für ein gesundes Selbstbewußtsein. Aber es könnte zeigen, daß das eigene Verhalten nicht ein gesundes Selbstbewußtsein darstellt sondern eher ein arrogantes und herablassendes Verhalten. Daß das nicht so ist oder gemeint ist, scheint mir klar. Es ist dann eher eine Schutzhülle, damit man nicht verletzt wird. Aber es kommt eben schlecht an.

Das Leiden an der "schlechten" Welt scheint mir u.a. damit zusammen zu hängen, daß man in einer unglücklichen, unzufriedenen Situation, in der man keinen Weg nach außen findet, die Welt "draußen" verantwortlich macht für das eigene Unglücklichsein. Nur auch hier gilt der alte Spruch: Du kannst die anderen nicht verändern. ABER: Du kannst dich selbst verändern.

Wie man das macht, ist dann eine schwierige Geschichte, aber da gibt es ja verschiedene Ansätze. Ein erster wäre z.B.: nicht die Welt und sich bedauern sondern in sich die Möglichkeiten finden, die man nutzen kann, um aus dem Loch heraus zu kommen.

Gruss,
Uta

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Hexe ist offline
Beiträge: 3.844
Seit: 13.07.07
Hallo Daniel,

ich schließe mich Utas Antwort an. Es ist das "in uns" das verändert werden kann, dort sind die Ursachen zu finden. Im Aussen zu verändern gelingt erstens nicht, und zweitens meine ich es ist eine Symptombekämpfung.

Nein, meine Probleme sind nicht alle weg. aber sie haben sich verbessert, teilweise. Und ich habe dazugelernt, teilweise.
Ich lerne manches an mir zu akzeptieren, trotzdem ich es nicht mag. Und anzunehmen.
Ich kann zum Beispiel meine fürchterliche Ängstlichkeit überhaupt nicht ab! Das stört mich so. Aber ich bin sehr ängstlich, und auch wenn ich manche Ängste schon überwunden habe, ich werde wohl immer ein eher ängtlicher Mensch bleiben.
Sobald ich das genauso annehmen kann wie meine "guten" Seiten, wird meine Ängstlichkeit kein Problem mehr für mich sein. Da bin ich mir sicher.

Drüberstehen heisst nicht, alles wäre einem egal. Gleichmut bedeutet nicht Gleichgültigkeit.Da gibt es einen feinen Unterschied, den man spüren kann.
Aber schlecht erklären, merke ich soeben.
Ich versuchs mal: Gleichmütig eine Situation annehmen bedeutet sie zu akzeptieren und anzunehmen trotzdem sie mir unangenehm oder zuwider ist. Gleichmütig bedeutet schon zu fühlen was mir gefällt oder nicht, aber beides gleich-gültig "hinzunehmen" .

Dagegen bedeutet Gleichgültigkeit meist, dass mir Dinge egal sind, weil sie mich nicht betreffen (treffen) oder mich nicht interessieren. Das passt dann eher zu einem Egoisten, der nur danach schaut was ihm selber wichtig ist.

liebe Grüße von hexe

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Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.675
Seit: 10.01.04
Kann man für "Gleichmut" nicht auch "Gelassenheit " sagen?
Das bedeutet für mich: Die Dinge/Ereignisse/Erlebnisse lassen wie sie sind - ohne Wertung und ohne Erwartungen.
Die Dinge sind ja an und für sich auch nicht wirklich wertbar; erst meine Meinung dazu macht sie zu "gut" oder "schlecht".
Also kann ich bei jedem Erlebnis einfach mal sachlich hinschauen (natürlich ist das nicht einfach!) und dann immer weider neu schauen, wie ich damit umgehen kann und will.

Gruss,
Uta

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Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Ich finde eure Tipps prima!

Was mir noch einfällt.

Wenn man etwas nicht haben will, wie die Angst und sie taucht unangemeldet trotzdem immer wieder auf, dann macht einen das wütend und man entwickelt Hass und bekommt folglich noch mehr Angst.


Das Gefühl was die Angst einem vermittelt, ist sehr unangenehm und man nimmt das dann für bare Münze, aber in Wirklichkeit macht man nur ein paar kleine Fehler im Umgang mit den Gedanken, Bewertungen und Gefühlen.

Dieses kann man aber üben und dabei spielt das annehmen die wichtigste Rolle. Alles was man annehmen kann verliert an Kraft und man lernt damit umzugehen, genauso wie man gelernt hat zu laufen. Hinfallen tut man öfters, aber man kann trotzdem immer weiter machen und irgendwann klappts.

Bei Angst kann das Jahre dauern, aber nichts desto trotz irgendwann kann man es. Das Selbstwertgefühl steigt von ganz alleine, wenn man bereit ist mit all seinen Fehlern und Schwächen in eine Situation hineinzugehen und den Menschen gegenüber zu treten. Perfekt sein muss keiner. Gerade diejenigen die zu ihren Fehlern und Schwächen stehen werden gemocht und geliebt, weil sie nicht das Gefühl vermitteln etwas besseres zu sein. Das unterscheidet auch den Egoisten vom waren Selbstbewussten Menschen.

Hier noch eine gute Seite zu dem Thema.

Allgemeine Angst Auskunft Panik Phobie Scham Stress

Grüsse von Juliette

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daniel24
Hallo, danke für eure Antworten.

Ihr habt zum großén Teil natürlich recht.
Ich kann mir auch denken, das mein Verhalten und meine Gefühle auf meine evtl egoistische Denkweise zurückzuführen ist/sein kann.
Wenn dann ist das aber ein von mir nicht deutlich erkennbares verhalten.
Und solche Theorien sind aber leider leichter gesagt und geschrieben als getan und gelebt.

Trotzdem finde ich es total normal wenn man sich darüber Ärgert wenn leute einen anrempeln weil sie nur an sich denken oder nicht richtig schauen wo sie hin laufen, oder wenn man beleidigt wird.

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Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo Daniel,

Und solche Theorien sind aber leider leichter gesagt und geschrieben als getan und gelebt.
Man kann von solchen Theorien nicht so schreiben, wenn man nicht auch praktische Erfahrung damit gesammelt hätte. Ich arbeite selbst in einer Selbsthilfegruppe mit und kenne einige die wie du in der gleichen Lage stecken.
Viele Menschen haben Angst Daniel, aber nicht alle geben es zu.

Trotzdem finde ich es total normal wenn man sich darüber Ärgert wenn leute einen anrempeln weil sie nur an sich denken oder nicht richtig schauen wo sie hin laufen, oder wenn man beleidigt wird.
Natürlich darf man sich ärgern. Aber das passiert einem ja auch nicht ständig, das man sich gegenseitig ins Gehege kommt und wenn, dann kann man das mit einem Lächeln auch wegwischen. Habe heute auch beinahe eine kleine Kollision gehabt, aber ich konnte ausweichen und habe gelacht. Und diejenige hat zurückgelacht. So kann es auch gehen.

Grüsse von Juliette

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Hexe ist offline
Beiträge: 3.844
Seit: 13.07.07
Hallo DAniel,

Ich kann mir auch denken, das mein Verhalten und meine Gefühle auf meine evtl egoistische Denkweise zurückzuführen ist/sein kann.
Nein, eher nicht. Eine soziale Phobie oder Ängstlichkeit im Umgang mit anderen Menschen hat man nicht weil man zu egoistisch ist. Eher weil man zu empfindsam ist, nicht selbstbewusst genug. Dann leidet man am Egoismus vieler Menschen. Nur, die machen das auch eher unbewusst, und nicht mit Absicht. Darum werden sie sich auch nicht verändern können und wollen.
Deswegen ist es gut und hilfreich, bei sich selber anzusetzen. So, dass einem der Egoismus der anderen Menschen nicht mehr so viel ausmacht, man kann dann drüber wegsehen.

liebe Grüße von hexe


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