Es stört einen nur das am anderen, was man selbst in sich trägt

28.03.09 10:17 #1
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Juliette ist offline
Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Als ich diesen Spruch das erste mal hörte, dachte ich das stimmt sicher nicht. Aber im Laufe des Lebens habe ich erkannt, das da doch etwas dran sein kann.

Denn es ist doch erstaunlich, das ein und die selbe Person ganz unterschiedlich auf andere Personen reagiert. Der Mensch trägt viele Facetten in sich. Und je nachdem wer ihm begegnet, kommt, die ein oder andere Seite zum tragen. Wie man den Wald ruft so schallt es zurück.

Die eigenen Schwächen werden einem gerne von anderen vorgefüht, vielleicht in einer etwas krasseren Form, so das man denkt der muss ja irre sein. Aber wenn man mal genau hinschaut, dann kann es sein das derjenige etwas spiegelt, was man selbst hat.

Die größten Streiterein können auf einer solch gleichgesinnten Ebene entstehen. Jeder meint er hätte recht und er hat den absoluten Plan in der Tasche. Wenn man aber sein Herz und den Verstand einschaltet, dann kann man sich vielleicht ganz anders begegnen und das was vorher eine Schwäche war wird zu einer stärke.

Habt ihr selbst vielleicht Erfahrungen gemacht, die diesen Spruch bewahrheiten oder ist genau das Gegenteil der Fall.

Grüsse von Juliette

Es stört einen nur das am anderen was man selbst in sich trägt
Miss Marple
Hallo Juliette,

doch, auch nach meinen Erfahrungen stimmt dieser Spruch. Ich würde ihn vielleicht nur in etwa so ergänzen:
Es stört einen nur das am anderen was man selbst in sich trägt ... und noch nicht integrieren konnte.

Gruss
Miss Marple

Es stört einen nur das am anderen was man selbst in sich trägt

zebrafell ist offline
Beiträge: 145
Seit: 17.07.08
Zitat von Juliette Beitrag anzeigen
Die größten Streiterein können auf einer solch gleichgesinnten Ebene entstehen. Jeder meint er hätte recht und er hat den absoluten Plan in der Tasche.
hallo Juliette
im aussen gehen wir in resonanz zu anteilen die uns auch eigen sind.
ob wir dies jedoch je erkennen werden ist eine andere frage. gelegenheit
zu streitereien sind somit oft vorprogrammiert.
es sei denn wir würden an unseren anteilen arbeiten, auflösen, was immer. dann würde die resonanzbedingung aufgelöst sein. und wir könnten den anderen so nehmen wie er ist, ev. sogar lieben. mit der zeit reift in mir der prozess/die aussage: ich liebe mich

Zitat von Juliette Beitrag anzeigen
Wenn man aber sein Herz und den Verstand einschaltet, dann kann man sich vielleicht ganz anders begegnen
ich weiss nicht ob es am verstand liegt. wenn ich den verstand eingeschaltet habe, so spiele ich auch immer mit gedanken rum wie:
was war - was wird sein. also bewege ich mich immer zwischen vergangenheit und zukunft. die gegenwart oder das "jetzt" ist mir nicht gewahr. jedoch nur im jetzt kann ich dir begegnen.

schöner gruss, zebrafell

Es stört einen nur das am anderen was man selbst in sich trägt
Anne B.
...und nicht angenommen hat, würde ich sagen.

Es ist nach meiner Erfahrung sehr hilfreich, sein Gegenüber als ein Spiegelbild zu betrachten und beide Bilder zusammenzufügen. Das ergibt aus meiner Sicht ein Ganzes . Bildlich gesehen, werden Gemeinsamkeiten überlagert und leere Stellen ausgeglichen und das, was mich vom anderen noch "trennt", wird damit anerkannt und überwunden.

Besonders erfüllend ist es aus meiner Erfahrung, wenn beide Seiten es so sehen, denn die Anwesenheit bzw. "das Bild" eines glücklichen Menschen macht andere Menschen leider nicht immer automatisch auch glücklich. Nicht selten lösen zufriedene Menschen sogar negative Gefühle und Handlungen in anderen Menschen aus...Sie haben scheinbar etwas, was andere nicht haben und umgekehrt .

Seid gegrüßt, Anne

Es stört einen nur das am anderen was man selbst in sich trägt

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Da ist ja schon einiges zusammen gekommen. Danke.

@Miss Marple
das ist sicher ein ganz wichtiger Punkt.


@Zeprafell
danke, das klingt alles logisch und schlüssig.
was war - was wird sein. also bewege ich mich immer zwischen vergangenheit und zukunft. die gegenwart oder das "jetzt" ist mir nicht gewahr. jedoch nur im jetzt kann ich dir begegnen.
Ich denke mir das ist genauso wie du sagst. Geht es aber um einen Streit, um etwas Vergangenes, dann kann man auch den Verstand einschalten. Der Verstand an sich ist ja nichts schlechtes, das ist er nur dann, wenn man das was er da losquatscht, nicht auch mit der Weisheit des Herzens betrachtet. Verstand und Herz gehören bei mir zusammen, wenn es darum geht zu Kommunizieren. Ich glaube wenn es die Vergangenheit und die Zukunft nicht gäbe, dann hätte man nichts mehr worüber man reden könnte.

@Anne
das kann ich auch einfach so unterschreiben. Klingt wie eine gute Ehe.

Es ist nach meiner Erfahrung sehr hilfreich, sein Gegenüber als ein Spiegelbild zu betrachten und beide Bilder zusammenzufügen. Das ergibt aus meiner Sicht ein Ganzes . Bildlich gesehen, werden Gemeinsamkeiten überlagert und leere Stellen ausgeglichen und das, was mich vom anderen noch "trennt", wird damit anerkannt und überwunden.
Das stimmt sicherlich und es könnte eigentlich bei jeder Begnung so ablaufen.

Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (28.03.09 um 15:26 Uhr)

Es stört einen nur das am anderen was man selbst in sich trägt

Lucy Lu ist offline
Beiträge: 177
Seit: 11.10.08
Hallo!

Als ich den Spruch zum ersten Mal gehört habe war meine erste Reaktion: NIE IM LEBEN! Einige Monate und Erfahrungen später muss ich (leider) zugeben, dass das schon viel Wahres dran ist!

Und manchmal ist das für einen selbst gaaaar nicht so schön. Ich z.B. bin ein "lauter" Mensch. Wenn ich ein Zimmer betrete, ist "action" angesagt. An anderen Leuten stört mich das - nicht an jeden, aber schon an einigen! Und nun?!?!?

Man schätzt sich oft ganz anders ein, als einen die anderen Leute sehen. Die Erfahrung habe ich ich vor kurzem erst wieder gemacht und mal wieder beschlossen, etwas ruhiger zu werden und wieder an mir selbst zu arbeiten!

Es stört einen nur das am anderen, was man selbst in sich trägt
Männlich Sternenstaub
Liebe Juliette,liebe Forumsmitgieder, liebe Gäste,
sicherlich ist dieser Spruch nicht aus dem Nichts erwachsen und hat auch seine Berechtigung, die Berechtigung dieses Spruches so denke ich, ist aber nur eine Seite der Betrachtung allen Geschehens und beinhaltet mit gewissheit keinerlei Freispruch für alles was geschiet...genauso, wie dieser Spruch seine Berechtigung hat, hat dieser Spruch auch seine Nichtberechtigung...mit anderen Worten, dort wo es zurtifft stimmt dieser Spruch und dort wo es nicht zutrifft stimmt er eben nicht.

Dies macht es natürlich dann wiederum etwas kompliziert!

Hätte dieser Spuch eine allgemeine Gültigkeit, dann währe es doch sowohl einseitig in der Betrachtung als auch ungerecht oder?

Wichtig ist es, so denke ich, genau zu Hinterfragen, wo er Gültigkeit hat und wo er diese nicht hat, also diese verliert und nicht haben kann!

Würden wir Menschen diesen Spruch als Wahrheit zelebrieren und alle würden in diesem die Wahrheit sehen, zu welchen massiven Veränderungen unter den Menschen würde es dann kommen können?

Was zeichnet Menschen aus, die solch einen Spurch zu einem Lebensideal machen bzw. gemacht haben?

Inwieweit können Menschen dann frei sein?

Wie prägt sich dieses Leben derer dann?

Welches sind dann die Prioritäten?

Also, ich denke, es ist gut zu erkennen, wann und in welchen Geschehnissen dieser Spruch zutreffent ist und selbst dann noch ist größte Vorsicht Forsicht geboten, damit es nicht zu eigenen Fehlinterpretationen dieser Einstellung kommen kann!

Ja, wie die Faust aufs Auge, wenn er stimmt, doch dort wo er keine Gültigkeit hat und dieser Spruch Fehlinterpretiert wird, und dies zu Unrecht was dann?

Ganz liebe Grüße Jogi

PS.
Nochmals danke Juliette, ich habe das Buch endlich wieder, Du bist ein Schatz, denn ich habe den Titel nicht mehr in mir gefunden und dies schon seint mehr als 10 Jahren!
Vielen Dank!

Geändert von Sternenstaub (28.03.09 um 21:40 Uhr)

Es stört einen nur das am anderen, was man selbst in sich trägt

Oregano ist offline
Beiträge: 63.711
Seit: 10.01.04
Egal, ob nun dieser Spruch immer stimmt oder nicht: ich finde, es lohnt auf jeden Fall, sich gut zu überlegen, warum man auf irgendjemand, sein Verhalten, seine Sprüche, seine Taten so heftig reagiert.
Denn wenn man nicht reagieren würde, wäre auf jeden Fall nichts nachzudenken.

Gruss,
Uta

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Gina-NRW ist offline
Beiträge: 1.057
Seit: 15.06.08
Vera Birkenbihl erzählt in ihrem legendären Vortrag über "pragmatische Esoterik", den man sich auf youtube in 10 Teilen ansehen kann, ein anschauliches Beispiel für dieses Phänomen.

Als Vera jung war, litt sie jahrelang darunter, daß sie viel redete, denn sie bekam mit, daß manche Leute sie deswegen ablehnten. Aber sie konnte nunmal nicht anders, denn es ist halt ihre Art, munter draufloszuplappern. Die Ablehnung und Kritik an ihrem Verhalten aber taten ihr weh. Bis sie eines Tages mit einem Mann ein Gespräch führte, der ihr erklärte, daß nur DIE Leute ablehnend auf sie reagieren, die eigentlich selber gern viel reden würden, also diesen Punkt betreffend keinen Deut besser als Vera sind.

Ist ja logisch: wer eher ein ruhiger Typ ist, den stört es nicht, wenn in einer Runde, wo fünf sechs Personen zusammen sitzen, Einer Geschichten erzählt und das Gespräch in Gang hält, denn der Ruhige ist ja ganz froh, wenn er nicht reden muß. Warum sollte ER also etwas gegen eine Vera haben? Einer jedoch, der selber gerne so sprachgewandt glänzen WÜRDE wie Vera, der stößt sich an ihr, denn er wird sie als Konkurrenz ansehen. Wenn er aus irgendeiner Schüchternheit oder sonstwas heraus sich selber nicht traut zu reden, dann wird er innerlich biestig gegen Vera, die wie selbstverständlich und locker vom Hocker schon wieder einen Witz erzählt oder etwas Kluges beizutragen hat. Ihn wurmt, daß sie etwas kann, was ER gern könnte - und schon kann er sie nicht leiden und findet ihr "Gequatsche und ihre Klugscheißerei uunmöööglich". *g*

Spräche man ihn darauf an, warum er Vera nicht mag, wüßte er ne Menge Gründe vorzubringen, aber offen sagen: "ich bin neidisch, weil Sie kann, was ICH nicht kann", das würde er nicht, und vielleicht ist ihm das nichtmal bewußt, denn auch ER ist ja kein schlechter Mensch, sondern er hat halt (vermutlich schon lange) ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl, und weil es weh tut, sich dem zu stellen, erklärt man dann lieber "die Anderen" und "die Welt" für schlecht. Auf diese Art stiehlt man sich aus der Verliererposition heraus, aber gut geht´s einem dabei nicht.

Vera jedenfalls machte sich diese Zusammenhänge klar, und von da an mußte es ihr nichts mehr ausmachen, wenn jemand ihr Reden mit rollenden Augen quittierte. Sie machte das beste aus ihrer Anlage: sie hält Vorträge und verdient ne Menge Geld damit, viel, schlau und unterhaltsam zu reden. Ein ruhiger Mensch kann ebenso aus seiner Veranlagung profitieren: er könnte zum Beispiel Psychiater werden und würde mit seiner ruhigen und aufs Zuhören konzentrierten Art ebenfalls einen gutbezahlten Job machen. Man muß halt nur das zu einem Passende finden.

Ich muß sagen, seit ich den Grundsatz, daß einem am Anderen DAS besonders stört, was man selber in sich trägt aber nicht so recht damit klarkommt, frag ich mich, wenn ich mich über das Verhalten einer Person aufregen will, mittlerweile automatisch, was das für MICH zu bedeuten hat. Wenn dieses Schema einmal richtig sitzt, entdeckt man immer mehr Beispiele dafür und erfährt (bei entsprechender Offenheit zu sich selbst), daß dieser Grundsatz tatsächlich zutrifft. Eine sehr einfache und effektive Art der Arbeit an sich selbst, und sie trägt ganz wesentlich dazu bei, daß man sich besser fühlt, für sich selber und im Miteinander. Auf einmal mag man "die Menschen" wieder mehr und sich selbst auch. Vor allem traut man sich nach und nach, weit mehr man selbst zu sein, egal, was irgendwer dazu denken oder sagen KÖNNTE.

LG
Gina

Es stört einen nur das am anderen, was man selbst in sich trägt

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Vielen Dank Lucy Lu, Jogi, Uta und Gina

Ihr habt alle interessante Beispiele genannt.

Und die Essenz aus der Sache hat Uta treffend und knapp formuliert.

ich finde, es lohnt auf jeden Fall, sich gut zu überlegen, warum man auf irgendjemand, sein Verhalten, seine Sprüche, seine Taten so heftig reagiert.
Denn wenn man nicht reagieren würde, wäre auf jeden Fall nichts nachzudenken.
Ich frage mich allerdings ob man das noch ein bisschen weiter spinnen könnte.
Wenn man etwas bestimmtes von einer anderen Person denkt, egal ob positiv oder negativ, ob diese Person das dann unbewusst merkt und sich dann bei der nächsten Begegnung entsprechend verhält.

Vielleicht gibt es auch Erfahrungen dazu?

Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (28.03.09 um 21:30 Uhr)


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