Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

16.05.06 19:36 #1
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Pius Wihler ist offline
Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Hiermit möchte ich allen Lesern ein aufschlussreiches Thema weitergeben. Es könnten Aussagen darin enthalten sein, die in diverse Themen (nicht nur Seele/Psyche/Geist-Themen!) übernommen werden können..... es lohnt sich, das zu lesen.

Dies mache ich mit der Abschrift aus einem Buch: 1. Weil ich es selber nicht so gut könnte und 2. um den Inhalt des Buches nicht zu verfälschen. Ich hoffe, dass dies erlaubt ist, wenn die Quellenangabe vorhanden ist.
Ich nehme an, dass Herr Klinghardt nichts dagegen hätte und es ihn freuen würde, wenn dadurch andere Menschen Einsicht in dieses Thema erlangen und so ihre Denkweise hinterfragen und erweitern können.
Das ganze Buch ist lesenswert, auch wenn selber nicht genau mit dieser Methode gearbeitet wird, denn er geht tief auf die „unerlösten seelischen Konflikte“ ein, die ich „emotionale Altlasten“ nenne.
Es muss nicht über dieses Thema diskutiert werden. Es können aber weitere Teile zusammen getragen werden, um es weiter zu vertiefen.

Quellenangabe: Aus dem Buch von Dr. med. Dietrich Klinghart, „Lehrbuch der Psycho-Kinesiologie“ Bauer-Verlag, 2. Ausgabe 1998, ISBN 3-7626-0510-6, das eindrückliche Kapitel mit einer unermesslichen Dimension:
( Die Nummerierung in 15 Abschnitte habe ich gemacht, um einfacher Bezug nehmen zu können)


8.4.3 Der Placeboeffekt (Seiten 205 – 212)

1. Als Placeboeffekt bezeichnen wir eine Heilreaktion, die bei einem Patienten stattfindet, weil er an den Heileffekt eines Mittels oder einer Behandlungsmethode glaubt (obwohl der Arzt weiß, dass z.B. das gegebene Mittel nur eine Zuckertablette war).

2. In der medizinischen Forschung wird jedes neue Medikament zunächst mit Placebo-Medikamenten verglichen und getestet: Einer Gruppe von Patienten wird das »richtige« Medikament gegeben, der Kontrollgruppe werden Placebos gegeben, die genauso aussehen, aber keinen Inhaltsstoff haben. Man geht heute davon aus, dass der Placeboeffekt bei 30 bis 40 Prozent liegt.9° Das heißt folgendes: Gibt man z.B. 100 Personen 10 mg Valium (als Tablette), werden etwa 80 bis 90 Prozent dieser Personen berichten, daß sie sich entspannt und schläfrig fühlen. Gibt man 100 Personen ein Placebo-Valium, werden immer noch 30 bis 40 Prozent der Personen berichten, daß sie sich entspannt und schläfrig fühlten. Das entscheidende Element ist hier der Glaube des Patienten an bestimmte erwartete Effekte des eingenommenen Mittels.

3. Alle medizinischen und psychotherapeutischen Interventionen haben einen Placeboeffekt, einschließlich der Strahlentherapie, chirurgischen Eingriffen, Diätmaßnahmen und allen naturheilkundlichen Verfahren. Wenn ein Patient durch ein Placebo-Medikament oder eine placebo-chirurgische Maßnahme geheilt wird, ist er genauso gesund wie ein anderer, der über oft nebenwirkungsreichere »richtige« Medikamente oder invasive chirurgische Eingriffe gesund wurde. Eine Doppelblindstudie über die Nebenwirkungen von chemotherapeutischen Anti-Krebs-Medikamenten zeigte, daß selbst in der Placebogruppe über 30 Prozent der Patienten ihre Haare verloren!90


4. Selbst Mäuse reagierten auf harmlosen Süßstoff mit dem Wachstum von Krebsgeschwulsten, wenn sie entweder 1. vorher ein- oder mehrmals gleichzeitig den gleichen Süßstoff und ein krebserregendes Mittel zu sich nahmen oder 2. wenn der Untersucher glaubte, daß er den Mäusen ein krebserregendes Mittel gab (obwohl es nur Süßstoff war).9° Glaubte der Untersucher, daß er den Mäusen nur Süßstoff gab, obwohl es ein krebserregendes Mittel war, entwickelten sie keine Tumoren! Dies zeigt uns, wie sehr die Einstellung des Therapeuten an dem Erfolg oder Mißerfolg einer Behandlung beteiligt sein kann.

5. In der berühmten amerikanischen psychotherapeutischen Fachzeitschrift American Journal ofPsychotherapy (Suppiement 1, 18: 73, 1964) wurde 1964 ein inzwischen fast legendärer Artikel veröffentlicht, der den Effekt von Hoffnung und Zuversicht seitens des behandelnden Arztes untersuchte. Die Schlußfolgerung lautete folgendermaßen: »Die innere Haltung und der Glaube des Arztes an seine Behandlung wird zu einem wichtigen Inhaltsstoff des verordneten Medikaments.« Der inzwischen berühmte, in Santa Fe wohnende amerikanische Kollege Dr. med. Larry Dossey berichtet in seinem Buch Heilende Worte91 über eine Studie, die über das antipsychotische Medikament Meprobamat durchgeführt wurde. Hier zeigt sich, daß der Glaube des Arztes an den Effekt des Medikamentes sogar »den Schleier« einer Doppelblindstudie durchdringen konnte! (In einer solchen Studie weiß weder der Patient noch der das Medikament verabreichende Arzt, ob der Patient das wirksame Mittel oder das Placebo-Medikament bekommt.) Die Patienten, die das richtige Medikament bekamen, verspürten eine stärkere Wirkung, wenn der verabreichende Arzt glaubte, daß das Medikament, von dem die Studie handelte (Meprobamat) gut und wirksam sei, als wenn der verabreichende Arzt es für wirkungslos hielt!

6. Bitte denken Sie an dieser Stelle über die enormen Implikationen nach, die diese Feststellung hat. Alle derzeit neu zugelassenen Medikamente (und neue medizinische Methoden) haben sich eventuell nur deshalb in Doppelblindstudien als wirksam erwiesen, weil die an der Studie beteiligten Ärzte an deren Wirksamkeit glauben! Wie sich bei einer Doppelblindstudie der Glaube des Arztes auf den Patienten überträgt, ohne daß er weiß, wer das »wirksame« Mittel bekommt, wissen wir nicht.
Dossey schließt seine Beobachtungen mit folgendem Satz: »Studien mit verschiedenartigsten Behandlungsmethoden haben mit Sicherheit bestätigt, daß die behandelnden Arzte oder Forscher einen Einfluß haben auf die Ergebnisse, die in Doppelblindversuchen erzielt werden! Daraus kann man folgern, daß Doppelblindversuche heute nicht mehr als Standard der medizinischen Forschung gelten sollten.«


7. Ein Fall aus meiner Praxis, der sich vor etwa 10 Jahren ereignete, bestätigt dies: Ein etwa 4ojähriger Mann war schwer erkrankt an einem Lymphom; einer seiner Tumoren hatte die Größe einer Wassermelone. Weder Strahlen- noch Chemotherapie zeigten irgendwelche Erfolge. Er las in einer Zeitschrift einen Artikel über ein neues »Wundermittel« aus Südamerika, das ich ihm dann auf seinen Wunsch besorgte. Er nahm das Mittel ein, und innerhalb von sechs Wochen verschwanden alle seine Tumoren. Die nachfolgenden »objektiven« Tests (Kernspintomogramm etc.) zeigten eine vollständige Remission seiner Erkrankung. Etwa 18 Monate später las er zufällig einen Artikel über eine medizinische Studie, die über dieses Mittel durchgeführt worden war und in der es hieß, daß das Medikament bei der Lymphombehandlung völlig wirkungslos sei. Innerhalb weniger Tage spürte der Patient eine Schwellung in seiner Leber, und in weniger als drei Wochen verstarb er an einem rasant wachsenden Rezidiv seiner Erkrankung! Dies war für mich eines der wichtigsten Schlüsselerlebnisse für die Entwicklung der Psycho-Kinesiologie. Ähnliche Fälle sind in der Literatur beschrieben.


8. Eine brasilianische Studie an 100 Patienten, die an vermeintlichen allergischen Reaktionen auf Bienenstiche verstorben waren, zeigte, daß kein einziger Patient wirklich an einer anaphylaktisch-allergischen Reaktion gestorben war, sondern alle vielmehr an den Folgen der enormen Angst vor den erwarteten Wirkungen des Bienenstiches. Sie hatten die Erwartung, den Glauben, sie seien hoch-allergisch gegen Bienengift, und produzierten nach einem harmlosen Bienenstich über ihr Unbewußtes eine Körperreaktion, die eben zum Tode führte. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie ein Glaube eine in diesem Fall tödliche Realität erzeugt. In dieser Studie wurde das Blut der Verstorbenen biochemisch analysiert. Eine Angstreaktion führt eben zu sehr andersartigen biochemischen Blutveränderungen als eine anaphylaktische Reaktion. Ich kann diese Beobachtung voll bestätigen. In meiner Praxis verwende ich Bienengiftinjektionen zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen.2° Selbst Patienten mit medizinisch nachgewiesenen »echten« Allergien auf Bienengift habe ich oft behandelt ohne jede ernste Reaktion, nachdem ich ihnen sozusagen die Allergie mit Hilfe der PK »ausgeredet« hatte. Ich möchte hiermit natürlich nicht sagen, daß es nicht doch auch echte anaphylaktische Reaktionen auf Bienengift geben kann, aber sie sind eben selten. Ich verwende Injektionen von Bienengift täglich seit 12 Jahren ohne jeden Zwischenfall.

9. Die beste Zusammenstellung der weltweiten Literatur über Heilungen mit Hilfe des Placeboeffektes ist in dem ausgezeichneten Werk des amerikanischen »Institute of Noetic Sciences (1. O.N. 5~)«•92 Hier werden 1385 Veröffentlichungen aus der medizinischen Literatur vorgestellt und analysiert. Das ermutigende Ergebnis dieser Studie zeigt, daß es heute keine Krebsart gibt, die nicht schon irgendwann und irgendwo durch einen Placeboeffekt geheilt wurde!

10. Wie erklärt man sich diesen Effekt? Heute weiß man, daß nicht die Milz oder der Thymus die wichtigsten Organe im Immunsystem sind, sondern das Gehirn. Wie bereits beschrieben, sind über 70 Neuropeptide (hormonähnliche Stoffe) bekannt, die das Gehirn in verschiedenen Mengen produziert und zu verschiedenen Zeiten in den Blutstrom absondert oder über verschiedene Nervenbahnen in den Körper oder in bestimmte Zielorgane transportiert5° (axonaler Transport93). Viele dieser Peptide haben krebshemmende Funktionen, andere haben Immunsystem-stimulierende Funktionen, wieder andere können krankheitsauslösend sein!49 Wenn wir es schaffen, das Gehirn so zu stimulieren, daß es die krankheitsheilenden Peptide vermehrt ausschüttet, aber die krankheitsfördernden eben nicht, wird der Patient gesund. Wenn keine medikamentöse oder andere offensichtliche Intervention vorgenommen wurde, spricht der Schulmediziner von einem Placeboeffekt oder einer Spontanheilung. Für mich ist die gezielte, aber nicht invasive Heilung von Krankheiten, die die hinter dem Placeboeffekt versteckten neurophysiologischen Prinzipien berücksichtigt, die eleganteste und höchste Form der Medizin. PK bietet hier eine ganz gezielte einzigartige Methodik.

11. Heute weiß man, daß der Placeboeffekt auch für chirurgische Maßnahmen zutrifft. Viele chirurgische Methoden, die irgendwann »Mode« waren und auch eine Weile funktionierten (solange die Operateure an die Methode glaubten), fielen später in Vergessenheit, weil eben andere Operateure nicht den gleichen Effekt erzielten. Auf der »Abschußliste« stehen heute die koronaren Bypass-Operationen und die Bandscheibenoperationen. Eine veröffentliche Fallstudie macht dies klar:166 Ein Mann litt seit Jahren an schweren Herz­beschwerden. Ein Angiogramm der Herzkranzgefäße (Injektion von Kontrastmittel in die Arterien des Herzens) zeigte eine erhebliche Verengung der Arterien, die den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Er wurde operiert, und die verengten Gefäße wurden chirurgisch durch gesunde Venen ersetzt. Vor Beendigung der Operation wurde das Angiogramm wiederholt, und alle vier Gefäße waren bereits wieder verschlossen.
Da der Patient schon zu lange auf dem Operationstisch lag und er nicht noch länger die begleitende Anästhesie hätte ertragen können, wurde der Eingriff beendet. Obwohl den Verwandten mitgeteilt wurde, daß die Operation mißlungen war und der Patient nur wenige Tage leben würde, sagte man ihm, daß »alles in Ordnung« sei. Der Patient erholte sich daraufhin von der Operation, seine Brustschmerzen waren auch unter Belastung völlig weg, und er lebte ein völlig normales Leben, bis er Jahre später eines natürlichen Todes starb.


12. 1994 veröffentlichte die American Medical Association einen Artikel über den Placeboeffekt bei Bandscheibenoperationen. Es
handelt sich um eine intelligente Analyse der weltweit untersuchten Operationsverläufe, bei denen die Chirurgen den Rücken »öffneten«, aber aus verschiedensten Gründen die Operation abbrechen mußten, ohne die Bandscheibe zu entfernen. Der Operationserfolg dieser »Placebo-Operationen« lag bei etwa 40 Prozent. Der Langzeiterfolg bei »regelrechten« Bandscheibenoperationen liegt bei 45 Prozent!1. Aus diesem Grund müssen wir davon ausgehen, daß der Operationserfolg bei allen medizinischen Eingriffen oft oder sogar vielleicht zu einem großen Teil auf einem Placeboeffekt beruht.


13. Selbsttest:
Die Ausführungen machen deutlich, daß nicht nur der Glaube oder die Haltung des Patienten der Behandlungsmethode und dem Arzt gegenüber wichtig sind, sondern daß auch der Glaube des Arztes seiner eigenen Methode und dem Patienten gegenüber entscheidend sind für den Heilerfolg. Bevor ich einen schwierigen Patienten oder ein schwieriges Krankheitsbild behandle, ziehe ich mich in mein privates Zimmer zurück und untersuche mich mit Hilfe des Selbsttestes, wobei ich folgende Glaubenssätze teste:
• »Ich glaube, daß ich Herrn/Frau ... helfen kann.«
• »Ich glaube, daß sich Herr/Frau ... von mir helfen läßt.«
• »Ich glaube, daß Gott mir hilft, ... zu helfen.«
• »Ich glaube, daß ich die eleganteste und effektivste Heilmethode für ... finde.«
• »Ich glaube, daß ... wieder ganz gesund werden kann.«
• »Ich glaube, daß ... wieder ganz gesund werden will.«
• »Ich glaube, daß ... es verdient, wieder ganz gesund zu werden.«
• »Ich glaube, daß ich es verdiene, am Heilvorgang von ... teilzu­nehmen.«
• »Ich glaube, daß es einen Weg gibt, den wir gemeinsam finden.«
• »Ich glaube, daß meine Behandlung angemessen und richtig ist.«
• »Ich glaube an meine Behandlung.« etc. etc.

Auch Glaubenssätze über das Krankheitsbild sind zu prüfen:
• »Ich glaube, daß diese Erkrankung ... heilbar ist.«
• »Ich glaube, daß der Grad der Erkrankung reduzierbar ist.«
(Es ist wichtig, mit den Erwartungen das eigene Glaubenssystem nicht zu überfordern! Glaubenssysteme wachsen und verändern sich allmählich, nicht schlagartig, haben Sie also Geduld.)
Bei jedem Glaubenssatz, der einen Armlängenunterschied bewirkt, beklopfe ich mit dem rechten Mittelfinger den Befreiungspunkt (BP) der linken Hand, während ich ebendiesen Glaubenssatz mehrmals leise aber hörbar ausspreche. Der Befreiungspunkt entspricht dem Akupunkturpunkt Dünndarm 3. Er liegt am Ende der proximalen Beugefalte des Kleinfingergrundgelenkes. Bei der Nachkontrolle kommt es nicht mehr zu einem Armlängenunterschied. So untersuche ich alle relevanten Glaubenssätze und programmiere mein Unterbewußtes mit einer positiven Einstellung dem Patienten und seiner Erkrankung gegenüber. Echte Konflikte zwischen dem Patienten und mir (z.B. wenn der Patient immer zu spät kommt oder unhöflich ist zu meinen Angestellten) müssen jedoch zunächst mit ihm in einem »normalen« Dialog abgeklärt werden.

14. Mit diesen Schritten optimieren wir die Heilchance für unsere Patienten und nutzen den »Placeboeffekt«. Dieser findet auf der dritten Ebene statt er ist gebunden an verinnerlichte Glaubenssätze sowohl des Patienten als auch des Behandlers. Der Placeboeffekt hat aber auch Elemente der vierten Ebene. Oft hat schon das bloße Aussehen einer Pille symbolischen Wert; eine Pille ist in dieser Zeit zu einem Symbol geworden für medizinisches Wissen, antizipierte Heilung, ärztliches Können, Zuwendung, Gesundheit aber auch für Nahrung, Liebe usw. Die Vorbereitung einer Operation der Weg ins Krankenhaus, die medizinischen Uniformen, die Gerüche, der sich immer wiederholende Ablauf der Routinen wie Fiebermessen, Blutdruckmessen, Pillengabe, Mittagessen, das Händewaschen des Chirurgen, das innere Sanktum des Krankenhauses, der Operationssaal all dies hat einen starken Ritualcharakter, der sowohl Arzt als auch Patient in einen nicht-alltäglichen Trancezustand versetzt und damit beide zumindest teilweise auf die vierte Ebene hebt.

15. Eine weitere wichtige Methode, die in den Bereich des Placeboeffektes gehört und auf der vierten Ebene stattfindet, ist das Beten des Behandlers und der Angehörigen für den Patienten. Zahllose kontrollierte Studien haben bewiesen, daß signifikant mehr Patienten schwierige Operationen überleben, einen günstigeren Heilverlauf haben, weniger post-operative Schmerzen haben usw., wenn für sie gebetet wird.91‘92 In meiner Praxis beten wir immer für unsere kritischen Patienten. Das Beten des Patienten selbst, sein Verhältnis zu Gott ist vielleicht der wichtigste Parameter, der den Heilverlauf bestimmt. Dies ist jedoch ein Aspekt der fünften Ebene und kann daher nicht Gegenstand dieses Buches sein.
__________________
Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

phil ist offline
Beiträge: 1.702
Seit: 25.01.05
Grüss Dich Pius,

heute ist mir das Buch seit langem wieder einmal in die Hände gefallen... Zufall?

herzlichst - Phil
__________________
herzlichst aus Trollhalden!

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Beat ist offline
Beiträge: 9.174
Seit: 14.01.04
hallo Pius

Ja ist sehr interessant, steht ja schon in der bibel, zb wenn Ihr glaubt wie ein Senfkorn, könnt Ihr zu dem berg sagen, geh hin und er geht, oder so ähnlich.
__________________
Liebe Grüsse
Beat

Wenn die Seele krank ist, auch am Körper arbeiten, umgekehrt gilt ebenso

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Pius Wihler ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Ich werde nun einen weiteren Bericht bzw. Vortrag zum Thema Placebo hier hinein kopieren, den ich vor langem glücklicherweise heruntergeladen hatte.
Leider ist die ehemalige HP der "NGFG" (Natur-Forschenden-Gesellschaft o.ä.) nicht mehr unter diesem Namen auffindbar, bzw. ist dieser Domainname nun eine Werbeseite. Das ist sehr schade, denn dort hatte es wunderbare Berichte. Falls jemand die HP finden sollte, wo u.v.a. dieser Text drauf ist, bitte Bescheid geben.

Ich werde nun von Zeit zu Zeit wieder einen Teil hinein kopieren, damit es nicht zuviel auf einmal wird. Das Ganze ist enorm spannend und lohnt sich zu lesen. Ich kopiere es 1:1 (in Etappen) , so wie es auf der HP war, um dem unbekannten Autor so möglichst gerecht zu werden. Ich danke dem Autor für seine grosse, wunderbare Arbeit!

"Placebo, Hypnose und Psychosomatik -
die Macht unseres Geistes über den Körper"

- Ein Vortrag im November 1994 von elektroNICK -
Eigentlich sollte dieser Vortrag den Namen "Die Macht des Geistes
über den Körper" bekommen. Doch dann stellte sich heraus, daß der
Körper auch eine sehr große Macht über den Geist hat. Also wurde der
Vortrag zu seinem obigen Namen umbenannt.
Der Vortragende ist kein Mediziner, sondern Elektrotechniker - daher
bitte Nachsicht bei eventuellen Unschärfen in medizinischen
Formulierungen. Um diesen Vortrag von dem Niveau einer bloßen
Behauptung zu entheben, wird für jede Aussage die Quelle mit
Seitenangabe genannt. Somit ist vieles nachvollziehbar. Die
Quellenhinweise sind in den geschweiften Klammern { } vermerkt. Wenn
sich darin nur zwei Zahlen befinden, so ist die erste Zahl die
Quelle und die zweite Zahl die Seite. Alle nachvollziehbaren Quellen
sind am Ende des Textes aufgelistet.
Der Vortrag war natürlich mit vielen Bildern versehen, die in dieser
Niederschrift nicht erscheinen. Gerade beim Thema "Fakire" sind es
eindrucksvolle Bilder, die nachdenklich machen. Wer die Bilder für
eigene Vorträge braucht, melde sich bitte beim Autoren.
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort
1. Placebo 1.1 Placobos in der Medizin 1.1.1 Die Historie des
Begriffes "Placebo"
1.1.2 Die Entdeckung in der modernen Medizin
1.1.3 Spektakuläre Fälle
1.1.4 Woraus bestehen Placebos?
1.1.5 Wogegen helfen Placebos und wer setzt sie ein?
1.1.6 Das Wirkprofil der Placebos
1.1.7 Placebos und Nebenwirkungen: Nocebo
1.1.8 Was die Wirkung von Placebos fördert
1.1.9 Placebo und Tierexperimente
1.1.10 Der Anti-Placebo-Effekt
1.1.11 Psychologische Erklärung für den medizinischen
Placebo-Effekt
1.1.12 Die chemische Hausapotheke in unserem Körper
1.1.13 Ethische Probleme mit Placebos
1.1.14 Das Wissen der Ärzte über Placebos
1.2 Placebos in der Psychologie 1.2.1 Auch die Psychologie
kämpft mit dem Placebo-Effekt
1.2.2 Erklärungen für den psychologischen Placebo-Effekt
1.3 Fazit zum Thema Placebo
2. Hypnose 2.1 Die Geschichte der Hypnose
2.2 Was ist Hypnose?
2.3 Was leistet die Hypnose? 2.3.1 Organische, vegetative Möglichkeiten
2.3.2 Sensorische Möglichkeiten
2.4 Fazit der Hypnose
3. Psychosomatik 3.1 Geschichtliche Betrachtung der Psychosomatik: Hysterie
und Krankheit
3.2 Die moderne Forschung der Psychosomatik 3.2.1 Wie kann unser Körper
Krankheiten erzeugen oder fördern?
3.2.2 Inwieweit kann unser Gehirn Einfluß auf unsere Gesundheit nehmen?
3.2.3 Welchen Sinn können selbsterzeugte Krankheiten haben?
3.3 Beispiele für Wirkungen des Geistes auf den Körper 3.3.1
Warzen-Besprechen
3.3.2 Scheinschwangerschaft
3.3.3 Selbstheilungskräfte
3.3.4 Unglaubliche Leistungen der Fakire
3.3.5 Der Zeitpunkt des Sterbens
3.3.6 Glücksgefühle
3.4 Fazit der Psychosomatik 4.0 Schlußwort
5.0 Literatur 5.1 Gelesene Bücher
5.2 Verzeichnis der Bilder

0. Vorwort
"Es wird die Zeit kommen, wo es als Schande gilt, krank zu sein, wo man
Krankheiten als Wirkung verkehrter Gedanken erkennen wird"
Zitat von Wilhelm von Humboldt (preußischer Staatsmann und Bildungspolitiker um
1800).
Als einleitenden Text kann man diesem Zitat fast nichts mehr hinzufügen. Es
drückt genau aus, was die Medizin in einem immer stärkeren Maße feststellt: Der
Geist des Menschen ist ein zentrales Element bei Krankheit und Heilung - jeder
Mensch hat die unmittelbare geistige Verantwortung für seine Krankheiten und für
seine Gesundheit.
Diese Sicht deutlich zu machen, dazu soll dieser Vortrag dienen. Er soll das
(Körper-) Bewußtsein der Hörer verändern können. Jeder soll sich seiner
persönlichen Verantwortung bei Gesundheit und Krankheit bewußt werden und mehr
an sich selbst glauben. Es soll der Glaube gestärkt werden, daß unser Bewußtsein
der "Herr im Hause" ist und nicht nur ein Gast im Körper.
Für diesen Zusammenhang wurde der Begriff "Psychokybernetik" {22, 65} geprägt
(aus dem griechischen übersetzt: "Geist-Steuerung").
Es sei zu Beginn noch angemerkt, daß die zusammengetragenen Fakten vom Autoren
dieses Vortrages nicht selbst erforscht wurden. Deswegen muß man sich leider auf
die Forschungen anderer Wissenschaftler verlassen. Da aber die benutzte
Literatur oft nur Sekundärliteratur ist, können die meisten Ergebnisse nicht
überprüft werden. Lediglich bei den Bezügen auf das Buch von Blair Justice "Wer
wird krank?" - erkennbar an der "9" in dem Literaturhinweis, z.B. {9,123} - kann
man als Leser davon ausgehen, daß zu jedem Zitat auch eine Studie oder eine
Quelle angegeben ist. Es kann zwar bei der Interpretation der Studien zwar immer
noch zu Fehler kommen, aber es sind wenigstens die Quellen bekannt.
Im Folgenden werden wir uns mit drei Themen beschäftigen: Placebos, Hypnose und
Psychosomatik. Diese Themen haben eigentlich keinen unmittelbaren Zusammenhang,
aber unter der Überschrift "Die Macht unseres Geistes über den Körper" gehören
sie eng zusammen.


1. Placebo
1.1 Placobos in der Medizin
1.2 Placebos in der Psychologie
1.3 Fazit zum Thema Placebo
Placebo ist ein Sammelbegriff für Scheinmedizin. Es handelt sich um Tabletten
ohne Wirkstoff, die bei Patienten dennoch eine Heilung bewirken können. Diesen
Effekt nennt man Placebo-Effekt. In diesem folgenden Kapitel wird dieser Effekt
genauer beleuchtet.
Der Placeboeffekt existiert auch für psychologische Therapien. Nicht jede
Therapie, die beim Patienten eine Besserung bewirkt, muß auf die speziellen
Theoriengebäude oder auf den guten Therapeuten zurückzuführen sein.
1.1 Placebos in der Medizin
1.1.1 Die Historie des Begriffes "Placebo"
1.1.2 Die Entdeckung in der modernen Medizin
1.1.3 Spektakuläre Fälle
1.1.4 Woraus bestehen Placebos?
1.1.5 Wogegen helfen Placebos und wer setzt sie ein?
1.1.6 Das Wirkprofil der Placebos
1.1.7 Placebos und Nebenwirkungen: Nocebo
1.1.8 Was die Wirkung von Placebos fördert
1.1.9 Placebo und Tierexperimente
1.1.10 Der Anti-Placebo-Effekt
1.1.11 Psychologische Erklärung für den medizinischen Placebo-Effekt
1.1.12 Die chemische Hausapotheke in unserem Körper
1.1.13 Ethische Probleme mit Placebos
1.1.14 Das Wissen der Ärzte über Placebos
In diesem ersten Kapitel wird der Begriff des Placebo erklärt und die Anwendung
in der Medizin aufgezeigt. Die möglichen Erklärungen, warum es den medizinischen
Placebo-Effekt überhaupt geben kann, finden sich im 3. Kapitel bei der
"Psychosomatik".
<DIA 2>

1.1.1 Die Historie des Begriffes "Placebo"
Der unrühmliche Nimbus, der den Scheinmedikamenten anhaftet, reicht tief zurück
in die Begriffsgeschichte {1,54}. Das Wort "Placebo" läßt sich aus dem Latein
übersetzen mit "Ich werde gefallen". Mit dem Wort Placebo wurde im 12.
Jahrhundert die katholische Totenmesse eingeleitet: "Placebo Domino in regione
vivorum" - übersetzt: "Ich werde dem Herrn gefallen im Lande der Lebenden" {23,
Psalm 116,9}. Binnen kurzer Zeit verkam das "Placebo-Singen" jedoch zu einem
lukrativen Pöstchen für berufsmäßige Totenwächter und ebenso professionellen
Trauerfrauen {21,125}. "Placebo" war seit dem ein Synonym für Heuchler, Lügner
und Intriganten. Ende des 18. Jahrhunderts bürgerte sich der Gebrauch des
Terminus´ für jede Maßnahme oder Arznei ein, die der Doktor seinem Patienten zum
Zwecke des Zufriedenstellens zuteil werden ließ. So verschrieben die Ärzte
Brotpillen ("Pillula panis") oder schlichtes Pfefferminzwasser ("Aq. Meth.
Pip"). {24}

1.1.2 Die Entdeckung in der modernen Medizin
Seit dem die naturwissenschaftliche medizinische Forschung zu Anfang unseres
Jahrhunderts in strengen Experimenten einen Wirksamkeitsnachweis für ein
Medikament erbringen muß, stellen sich ihr einige Probleme.
Die Wirkung einer Arznei nachzuweisen ist nämlich kein leichtes Unterfangen. Es
besteht eine große Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der Befürworter und denen
der Skeptiker. Dies hat nichts mit gefälschten Zahlen zu tun, sondern vielmehr
mit dem veränderten Verhalten der verschreibenden Ärzte. Erst Doppelblindstudien
bringen letztendlich (halbwegs) klare Daten zu Tage {9,334}.
Also einigten sich die Mediziner auch darauf, die Wirksamkeit eines Medikaments
in Doppelblindversuchen zu beweisen: In der Experimentierphase sollen also weder
Ärzte, noch Patienten erfahren, ob im jeweiligen Fall ein echtes Medikament
(Verum) oder ein medizinisch unwirksames Medikament (Placebo) verabreicht wird.
Erst nachdem sich eine Heilung einstellt, oder nicht, wird offenbart, ob es sich
bei dem verabreichten Mittel um das Verum oder das Placebo handelte.
(Doch selbst der Doppelblindversuch ist in Verruf geraten {13,20}: So
beeinflussen Mediziner das Ergebnis einer Studie schon dadurch, daß sie
überhaupt wissen, worum es in einer Studie geht. Es scheint eine sehr
ausgeprägte non-verbale Kommunikation zwischen den Ärzten und den Patienten zu
geben.)
Oft genug war die Überraschung groß, denn es stellte sich beim Patienten eine
Heilung ein, obwohl keine wirkliche Medizin (Verum) verabreicht wurde. Die
Konsequenz ist klar: Damit werden die Fälle von Heilungen, die bei den Patienten
mit echten Medikamenten auftraten, teilweise in Frage gestellt; es könnte sich
dort ebenfalls in einigen Fällen um Placebo-Effekte gehandelt haben. Die Heilung
durch das zu testende Medikament wird schwer zu beweisen sein.
Beispiel: Für den Fall, daß ein zu testendes Medikament zu 50% wirkliche
Heilerfolge erzielen kann, so ist das erfreulich. Wenn aber das Placebo zu noch
immerhin 40% ebenfalls Heilerfolge verbuchen kann, so muß davon ausgegangen
werden, daß ein Löwenanteil des Medikamentenerfolges auf das Konto des
Placebo-Effektes geht. Konkret mußten die Heilungsmöglichkeiten durch Vitamin E
gegen Angina Pectoris, die Beta-Blocker gegen Herzprobleme, die Bypass-Operation
zur Entlastung des Herzens und Valium gegen Nervosität sehr stark relativiert
werden. Bisherige Erfolgsberichte diesbezüglich müssen wohl zu einem
nennenswerten Teil auf Placebo-Effekte zurückgeführt werden. Gerade bei neuen
Therapien ist eine Täuschung unvermeidbar, und schon im Mittelalter galt, daß
insbesondere neue Medikamente gut bei den Patienten wirken {9,333f}.
So kommt man zu dem Schluß: Jede Therapie, auch wenn sie kein reines Placebo
ist, enthält einen Placebo-Anteil.

1.1.3 Spektakuläre Fälle
Der Krebs-Patient Arthur M. war gut informiert. Er bat den Arzt, ihm das neueste
Medikament gegen Tumoren zu verschreiben: Krebiozen. Es galt damals unter seinen
Befürwortern als ein wahres Wundermittel, das Krebs heilen könne. Nach nur einer
einzigen Gabe, so die Verheißung, würden die Tumormassen "wegschmelzen wie
Schneebälle auf einem heißen Ofen".
Und tatsächlich: Früher hatte der Patient eine Sauerstoffmaske gebraucht, um
atmen zu können. Jetzt entwickelte er eine solche Aktivität, daß er bereits
wieder anfing, sein Flugzeug selbst zu steuern. Dann las der Mann jedoch in der
Zeitung, daß Krebiozen völlig wirkungslos sei. Sofort begannen seine Tumoren
wieder zu wachsen, und der Mann mußte ins Krankenhaus. Daraufhin beschloß sein
Arzt, sich auf eine schiere Vermutung zu stützen und so vielleicht das Leben des
Patienten zu retten. Er log den Schwerkranken an und sagte ihm, den Forschungen,
über die er in den Zeitungen gelesen habe, sei nicht zu trauen. Er werde ihn nun
mit dem neuen und verbesserten Krebiozen behandeln. In Wahrheit bekam der
Patient nichts als Wasser, trotzdem besserte sich sein Zustand merklich. Seine
Genesung machte Fortschritte, bis er eines Tages laß, daß die "American Medical
Association" nun zu dem eindeutigen Schluß gekommen waren, das Krebiozen wertlos
sei. Wenige Tage später starb der Mann.
Dieser Fall aus der Fachliteratur beschäftigt Ärzte und Psychologen immer noch
{Ein Fall aus "Die Weisheit des Körpers" von Heiko Ernst, zitiert aus 25, 45}.
Ein paar aufmunternde Worte und ein wenig Wasser hatten den Krankheitsprozeß bei
diesem Patienten ganz offensichtlich zumindest zeitweilig umgekehrt. "Dieser
Placebo-Effekt", so der amerikanische Forscher T.D. Borkoc, "macht deutlich,
welch unglaubliches Potential in der menschlichen Psyche steckt". {25, 45}
Ein anderes Beispiel ist fast schon ein wenig amüsant: Bei einem Footballspiel
im Monterey Park, Kalifornien, mußten sich vier Personen ernsthaft übergeben;
sie erlitten Schwindelgefühle und mußten ihre Plätze verlassen. Angestellte
stellten fest, daß sie Getränke aus einem Automaten unterhalb der Tribüne
konsumiert hatten. Sie spekulierten nunmehr, daß entweder der Sirup verdorben
war, oder daß sich Kupfersulfat in den Rohrleitungen abgesetzt haben könnte. Es
folgte eine Durchsage, daß solange niemand mehr Getränke aus den Automaten
konsumieren solle, bis man die Ursache der Krankheit, von der mehrere Menschen
betroffen waren, ermittelt habe. Unmittelbar danach war das Stadion nur noch ein
einziger Schauplatz von Ohnmachtsanfällen und Erbrechen. Insgesamt mußten 191
Menschen in Krankenhäuser eingeliefert werden, alle mit Symptomen einer
Lebensmittelvergiftung. Laboruntersuchungen ergaben jedoch, daß weder Sirup noch
Wasser verseucht waren, und die Getränke somit nicht für die Massenerkrankung
verantwortlich waren. Das waren entweder negative Placebo-Effekte, oder der
Lebensmittelhersteller hat beträchtliche Schmiergelder bezahlt {9,350}.

1.1.4 Woraus bestehen Placebos?
"Reine" Placebos sind beispielsweise Präparate, die von ihrer "Galenik" (Form,
Farbe, Geschmack) her der "richtigen" Droge gleichen, wiewohl sie nur aus
Leergut (etwa Zucker, Kochsalz und so weiter) bestehen. Dabei soll man sich
nicht etwa Zuckerwürfel vorstellen! Denn alle Placebo-Tabletten, wie auch die
echten Medikamente, sind natürlich von den typischen Hüll-Stoffen umgeben, die
wir alle kennen.
Lediglich ein Viertel aller Arzneien, die direkt, also ohne den "Umweg" Arzt,
den Besitzer wechseln, haben nach geltender Lehre einen Echt-Effekt. Manche
Arzneimittelgruppen (zum Beispiel Mittel gegen das Altern, aber auch die
Substanzen der Homöopathie) sind wahrscheinlich nur "placeboaktiv" {1,55}. Doch
die Unwirksamkeit gilt wahrscheinlich auch bei den von den Ärzten verschriebenen
Medikamenten: "Schätzungsweise 35% - 45% der gegenwärtig ausgeschriebenen
Rezepte haben vermutlich keine spezifische Wirkung auf die Erkrankungen, für die
sie verordnet werden" {13,11}.
Es gibt aber auch Zwischenstufen, die man nicht als reine Placebos bezeichnen
kann: Man nennt sie Pseudo-Placebos:
1. Es gibt zum Beispiel Echtmedizin, deren Verabreichung ohne die
entsprechende Indikation erfolgt. Wenn man beispielsweise Antibiotika (die nur
gegen Bakterien wirkt) gegen eine Virusinfektion verschreibt und diese
ebenfalls gegen die Krankheit wirkt, so handelt es sich ebenfalls um einen
Placebo-Effekt {1,56}. Des weiteren gibt es beispielsweise Injektionen, die
erst nach 10 Minuten wirken können, weil erst dann der Stoff im ganzen Körper
verteilt ist. Manchmal berichten Patienten aber auch von Sofortwirkungen, die
eigentlich nicht sein können {21,132}.
2. In einigen Fällen werden Placebos auch mit Stoffen versehen, die geringe
Nebenwirkungen erzeugen. Diese Nebenwirkungen kommen dem Patienten bekannt vor
und er wird verstärkt auf die erhoffte Wirkung reagieren {1,56}.
Asthma-Patienten sprechen erheblich stärker auf (Pseudo-) Placebos an, wenn
diese das charakteristische Muskelzittern (Tremor) echter Anti-Asthmatika
auslösen. Es wäre also durchaus denkbar, daß (Pseudo-) Placebos, die die
Symptome zunächst verschlimmern, als eine gut wirkende Medizin verkauft werden
können und auch durch ihre Wirkung überzeugen, wenn diese Nebenwirkung
vorhergesagt wird.
3. Im weiteren Sinne sind natürlich auch die Maschinenparks der modernen
Krankenhäuser zum Teil als Placebo zu sehen, wenn aber auch nur in einem
indirekten Sinne. Eine Beatmungsmaschine beispielsweise bringt
offensichtlichen Nutzen. Aber im Vergleich dazu sind Elektrotherapien,
(Wärme-) Bestrahlungen und ähnliches sicher auch teilweise Placebo-behaftet.
Der Forscher Turnheim schreibt (1987): "wahrscheinlich stellen die sogenannten
'rationalen' Behandlungsformen des 20. Jahrhunderts die komplizierteste und am
höchsten entwickelte Form der Suggestion dar." {20,137}.
4. So bleiben auch nicht chirurgische Eingriffe verschont. "Es sieht
beispielsweise ganz danach aus, als sei die "Koronarchirurgie mit Bypass mit
perkutaner transluminaler koronarer Angioplastie und mit Koronarkatheter", ein
ehrfuchtgebietender Zungenbrecher, nichts mehr als eine unnötig blutige
Zuckerpille gewesen {26}. Bei ihrer Einführung als Meilenstein im Kampf gegen
die Arterienverkalkung gefeiert, blieb die Operation in späteren,
kontrollierten Studien den Beweis ihrer Wirksamkeit schuldig." {9,321}. In
Kopenhagen wurden im Jahre 1983 jeweils 15 Patienten am Herzen operiert: Die
eine Gruppe bekam eine wirkliche Operation, die andere Gruppe lediglich einen
Hautschnitt. In beiden Gruppen sind 70% genesen, in dem Sinne, daß es den
Patienten besser ging und eine sportliche Betätigung besser möglich war. Eine
ähnliche Studie wurde 1959 durchgeführt, mit den ähnlichen Ergebnissen
{13,18}. In einer anderen Studie wurden 75 Patienten untersucht, die wegen
eines Bandscheibenvorfalles operiert worden waren, bei denen sich aber im
Verlauf der Operation herausgestellt hat, daß ihre Bandscheibe ganz in Ordnung
gewesen ist. Trotzdem war die nicht durchgeführte Bandscheibenkorrektur bei
fast jedem zweiten Patienten ein Erfolg, die quälenden Scherzen waren
verschwunden {24}.
<DIA 3>
Mit einer bösen Zunge könnte man sagen: Jede Medizin ist ein Pseudo-Placebo. Der
rein medikamentöse Anteil an der Heilung ist nur verschieden, der geistige
Anteil ist immer da.
__________________
Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

grufti ist offline
Beiträge: 512
Seit: 27.03.04
Hallo Pius,
wann gehts hier weiter?
Grüsse
grufti

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Nur so ein Gedanke dazu:
Das hier klingt ja so, als ob jede Verabreichung eines Placebos wirken würde.

Was ist aber nun mit den Leuten, bei denen Placebos in Form von Medikamenten oder auch Ops keinerlei Wirkung zeigen? Z.B. den Fällen, wo auch nach einer Schein-Meniskus-Operation die Leute trotzdem vor Schmerzen kaum laufen können?

Gruss,
Uta
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Pius Wihler ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
1.1.5 Wogegen helfen Placebos und wer setzt sie ein?
"Die Krankheit, die nicht auf Placebos ansprechen würde, muß erst noch
ausgebrütet werden. Wenn man sie fände, wäre es eine Sensation für sich. Die
Bandbreite der Beschwerden, die sich unter Placebo-Gabe bessern, umfaßt das
gerade gültige Lexikon der Medizin", so liest man es in der Psychologie Heute
{1,56}.
Dabei ist es wirklich bemerkenswert, daß es nicht nur die kleinen Beschwerden,
wie Kopfschmerzen, Magendrücken, ... sind, sondern wirklich alle Krankheiten,
bei denen ein Heilungsversuch mit Placebos gelingen kann. Siehe Tabelle 1.
Vereinzelt findet sich aber auch der Hinweis, daß die Wirkung von Placebos nicht
immer sehr lange anhält; oft läßt der Effekt wohl nach einigen Wochen nach
{9,363}. Insbesondere bei diesen langfristigen Untersuchungen muß man in der
Auswertung aber immer mitberücksichtigen, daß der erzielte Erfolg auch eine ganz
normaler Krankheitsverlauf sein könnte. Deswegen sollte man stets eine
Kontrollgruppe mit einbeziehen, die keinerlei Behandlung bekommt {20,142}; siehe
Kapitel 1.2.1.
KrankheitAnzahl der Patienten Positive Reaktionen
Kopfschmerzen 4.588 61,9%
Rheuma 358 49,0%
Migräne 4.908 32,3%
Psychosen 828 19,0%
Angina Pectoris (Herzschmerz) 346 18,0%
Tabelle 1: Positive Placebo-Effekte {Quelle: 37,66} Placebos wirken nicht nur bei
Krankheiten, sondern zum Beispiel auch als Appetitzügler: Nach der Gabe eines
Placebos und dem Hinweis, daß sich eventuell eine Appetitminderung einstellen
könnte, fiel der Kalorienbedarf der Patienten erheblich {9,342}.
Interessant ist auch, daß bei Versuchen mit Alkohol und dem Placebo-Ersatz
"Tonic-Wasser" der Placebo-Effekt wirksam ist. Wenn Männer Tonic trinken - in
dem Glauben Alkohol zu trinken - so reagieren sie aggressiver und fühlen sich
sexuell stimuliert. Sie reagieren weniger aggressiv, wenn sie Alkohol trinken,
aber im Glauben gehalten wurden, es sei Tonic {9,345].
Placebos werden weniger von selbständigen Ärzten genommen, als von
Krankenhausärzten. Denn in Krankenhäusern können die Pillen problemlos in den
vorgesehenen Schälchen verabreicht werden. Placebos in echten Packungen kann man
in der Apotheke kaufen, allerdings nicht mit echten Beipackzetteln.
Entgegen mancher Vorurteile wirken Placebos also auch bei handfesten
Organschäden, doch in den meisten Fällen werden Placebos als Schlaf- und
Schmerzmittel eingesetzt. Diese Einschränkung hat wohl auch mit der rechtlichen
Situation zu tun (siehe 1.1.13).

1.1.6 Das Wirkprofil der Placebos
Unter dem Wirkprofil wird die pharmakologische Charakteristik verstanden: Wann
und wie wirkt das Medikament {1,56}?
Interessanterweise kommt und geht die Wirkung nach dem gleichen Muster wie bei
der Echtarznei.
<DIA 4>
1. Zeitverhalten: Genauso wie nach der Gabe von Opiaten haben auch Placebos bei
Tumorschmerzen nach einer Stunde den maximalen Effekt. Unter beiden Bedingungen
verliert er sich binnen eines halben Tages.
2. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung entspricht der eines Verums: Zwei Zuckerpillen
schlagen stärker an als das Einzelstück.
3. Auch die "zirkadiane Rhythmik", daß heißt, Unterschiede in der Wirksamkeit je
nach Tageszeit, haben echte und Als-ob-Pharmaka miteinander gemein.
Zahnschmerzen etwa lassen nach der Verum-Einnahme am stärksten um 14 Uhr, am
wenigsten um 24 Uhr nach. Genauso wie bei dem Placebo.
4. Gewöhnung, Toleranz und Abhängigkeit, Zeichen des sich verringernden
Pharmaeffektes, treten in der Placebo-Therapie gleichfalls auf. Patienten etwa,
die zwei Wochen lang wegen ihrer Schlaflosigkeit eine als "Hypnotikum"
(Schlafmittel) deklarierte Zuckerpille nehmen, benötigen schließlich die
doppelte Menge (Zucker). Der Forscher Kindli berichtet im Jahre 1990 von einer
schizophrenen Patientin, deren Abhängigkeit von Placebo stufenweise
heruntergefahren werden mußte {20,136}.
5. Placebos haben eine gewisse Blütezeit, nach der die Wirkung nachlassen. Nach
einer gewissen Euphorie über die Wirksamkeit der neuen "Therapie". Wenn die
erste Begeisterung bei Arzt und Patient erst einmal verflogen ist, reduzieren
sich auch die zunächst sehr hohen Ergebnisse von zuerst 90%. Diesen Effekt kennt
man auch von den normalen Medikamenten.

1.1.7 Placebos und Nebenwirkungen: Nocebo
Auch Nebenwirkungen sind den Placebo-Benutzern leider nicht fremd. Es ist nicht
nur so, daß gezielt hervorgerufene Nebenwirkungen in einem Placebo den
Einbildungs-Effekt verstärken, sondern auch so, daß 50% der Patienten sich ihre
Nebenwirkungen auch selbst einbilden! Eine Doppelblindstudie hat ergeben, daß
Placebos mehr Nebenwirkungen erzeugen, als wirksame Präparate! Daraus ließe sich
folgern, daß die schädlichen Nebenwirkungen zu einem großen Teil eingebildet
sind {9,350}.
Diesen Effekt bezeichnet die Medizin als Nocebo. Aus dem Latein übersetzt
bedeutet dies "Ich werde schaden" {1,56}. Die auftretenden Symptome decken sich
weitgehend mit denen der echten Medikamente. Es treten sowohl rein psychische
Nebenwirkungen (etwa Benommenheit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen,
Depression und Angst) als auch überwiegend somatische Symptome (verstopfte Nase,
Verstopfung, Mundtrockenheit, Erbrechen und Hautausschläge) auf.
Dabei ist es erstaunlich, daß die Patienten, die in einer Doppelblindstudie die
Placebo-Präparate bekommen, die gleichen Nebenwirkungen angeben, wie die "echt"
versorgten Patienten. Es sieht so aus, als hätten die Versuchsteilnehmer ganz
feine Antennen für die Erwartungen und Hypothesen, die seitens der Forscher im
Raum stehen. Vielleicht "sickern" aber auch nur Gerüchte über die Nebenwirkungen
von der Verum-Gruppe in die Placebo-Gruppe ein.
Die lethale Placebo-Dosis ist bisher unbekannt (das heißt: Bisher hat sich wohl
noch kein Patient durch eine Überdosis von Placebo-Herztabletten umgebracht).
Wohl aber kann man bei H. Herlin {5,18ff} von Fällen lesen, in denen Menschen an
gewissen Einbildungen gestorben sein sollen (eingebildete Blutvergiftung,
Verstoß gegen religiöse Prinzipien, ...).

1.1.8 Was die Wirkung von Placebos fördert
Möchte man als Arzt die Wirkung von Placebos maximieren, so sollte man folgende
Punkte beachten:
1. Die Beschaffenheit der Placebo-Tabletten spielt eine gewisse Rolle: sehr
kleine und sehr große Tabletten wirken besser als mittel große. Auch die Farbe
ist wichtig: Grüne Pillen helfen bei Angstzuständen besser, wohingegen es gelbe
eher bei Depressionen tun. Grundsätzlich gilt aber: Wenn die Lieblingsfarbe des
Patienten bekannt ist, sollte er Pillen in dieser Farbe bekommen. Patienten mit
rheumatischer Arthritis reagieren seltsamerweise besonders auf rote Tabletten.
Spritzen wirken besser als Tabletten und besonders das purpurrote Vitamin B-12
als Injektion in das Gesäß wirkt Wunder. Wenn es ein Saft sein soll, sollte er
möglichst unangenehm schmecken, damit die Wirkung optimal ist. Auch
Brausetabletten wirken "Wunder", wenn sie sichtbar mit einer Pinzette in das
Wasserglas fallen gelassen werden, so berichtet Grünbaum im Jahre 1986 {20,
136}. Als Schlafmittel wirken Placebos in Form von Tabletten in 49% der Fälle,
als "Schlaftrunk" zubereitet in 71% der Fälle und als Schlafkapsel in
schillernden Farben in 81% der Fälle erfolgreich {24}.
2. Darüber hinaus trägt auch der Name zum Heilerfolg bei: Suggestive Namen
(Hallo Wach) oder wissenschaftliche Namen (H3-Quam-Tabletten; CEBOPLAS) schaffen
nachweislich mehr Vertrauen.
3. Wenn der behandelnde Arzt selbst "Feuer und Flamme" für eine bestimmte
Behandlungsmethode ist, wird sich seine Begeisterung auch auf den Patienten
übertragen. Placebos wirken bei kritischen Ärzten schlechter - auch wenn sie
ihre Skepsis nicht offen zur Schau tragen {1,58} {20,168}. Die Injektion eines
Arztes ist wirksamer als die einer Krankenschwester {20,140}. Ein anderes
Beispiel: Wenn ein Arzt ein Placebo zur Schmerzminderung spritzt, so ist es
doppelt so wirksam, wenn er davon ausgeht, daß es sich um Morphium handelt, als
wenn er glaubt, daß es sich nur um ein schwaches Medikament handelt {9,347}.
Der britische Mediziner J. N. Blau hat es in der Fachzeitschrift Lancet so
ausgedrückt: "Der Arzt, der keinen Placebo-Effekt bei seinen Patienten bewirkt,
sollte lieber Pathologe oder Anästhesist werden. .. In einfachen Worten, wenn
der Patient sich durch Ihre Konsultation nicht besser fühlt, dann sollten Sie
sich einen anderen Beruf suchen" {13,18} {21,204}.
Weil dieser Punkt für das Verständnis des Menschen zukünftig noch eine sehr
große Bedeutung bekommen wird, soll ein hier ein Beispiel genannt werden
{21,204}: "Stewart Wolf von der University of Oklahoma berichtet über einen
Patienten, dessen Asthma auf erprobte Medikamente nicht anspricht. Als der Arzt
von einer Pharmafirma Proben eines neuen, vielversprechenden Mittels bekommt,
probiert er es gleich bei dem Asthmatiker aus. Die Symptome verschwinden
umgehend, kommen aber, als Wolf die Medikation stoppt, sofort zurück. Er
versucht es mit einem Placebo, doch die Krankheitszeichen bleiben. Etliche Male
wiederholt er den Wechsel vom Wirkstoff zum Placebo und zurück, jedesmal hilft
nur das Mittel. Nunmehr sicher, ein wirksames Pharmakon für den Asthmatiker
gefunden zu haben, bittet der Arzt die Herstellerfirma um Nachschub. Zu seinem
Erstaunen erfährt er, das Unternahmen habe ihm vorher wegen fälschlich
gemeldeter Bedenklichkeiten gar keine Arznei, sondern nur Placebos geschickt".
Dieses Beispiel erscheint schon fast als zu phantastisch, als das man es glauben
könnte. Hier spielen mitmenschliche Interaktionen eine Rolle, die noch gänzlich
unerforscht sind.
(Die Leistungsfähigkeit der unterschwelligen (sublimen) menschlichen
Kommunikation spielt auch eine sehr große Rolle bei Experimenten zur
außersinnlichen Wahrnehmung (ASW). Dort trennt man die Versuchspersonen - Sender
und Empfänger - räumlich, weil man schon seit langem vermutet, daß Menschen über
unterschwellige Signale (Atemfrequenz, Unruhe, Bewegungen, ...) Absprachen
vornehmen.)
4. Nach neueren Forschungen soll es keine besonderen Patientengruppen geben, die
auf Placebos ansprechen. Es gibt also nicht die typische "Placebo-Person". Jeder
Patient hat besonderes Vertrauen in spezielle Bereiche der Medizin: Das kann die
klassische allopathische Medizin sein, aber auch die alternative, ganzheitliche
Medizin oder aber eine kleine Kirche, die "Wunderheilungen" ermöglicht. Je nach
dem, worin ein Patient mehr vertraut, wird er sich (unbewußt) seine eigenen
Placebos aussuchen.
5. Auch die allgemeine Situation spielt eine Rolle auf die Wirkung von Placebos:
Wenn der Patient eine große Angst und große Schmerzen hat, wirkt ein Placebo
besonders gut {20,151}.

1.1.9 Placebo und Tierexperimente
Placebos wirken nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren. Diese Tatsache
läßt schließen, daß der Placebo-Effekt nicht nur ein Ergebnis unseres Geistes
ist, sondern auch rein physiologische Ursachen hat.
Das hier beschriebene Experiment war das erste seiner Art und machte (nach
langen Widerständen) entsprechend Furore:
Wie die immer gleiche Wiederholung einer Ursache-Wirkungs-Beziehung
(Konditionierung) Folgen auch ohne Wirkstoff zeigt, demonstrierte Robert Ader
zuerst 1974. Das verblüffende: Im Tierversuch ließen sich selbst Ratten von
Placebos täuschen. Zunächst erhielten die Tiere gleichzeitig zuckersüßes
Saccharin und das Medikament Cyclophosphamid, das Immunzellen hemmt. Nach einer
Weile gab Ader den Ratten nur noch Saccharin. Zu seiner Überraschung sank die
Zahl der Immunzellen nun auch ohne den eigentlichen Hemmstoff. Offensichtlich
hatte das Immunsystem "gelernt", allein auf den süßen Reiz zu reagieren {27}.

1.1.10 Der Anti-Placebo-Effekt
In einem Experiment stellte der Leipziger Psychiater Dieter Feldes {28} {29}
fest, daß ein echter Wirkstoff, wenn er als Placebo an den Patienten
herangetragen wird, tatsächlich seine Wirkung einbüßt. Der Forscher rückte mit
einem potenten Sedativum (Beruhigungsmittel) an, das er seinen Probanden jedoch
als Placebo "verkaufte". Seine Begründung vor dem Patienten: Er wolle
herausbekommen, "ob Placebos auch bei eingeweihten Patienten wirkten". Fazit:
Die Fehlinformation blockierte die gesamte Pharmawirkung ab.
Ähnliches gilt auch für Experimente mit Brechwurzelsirup {9,324} {13,22}. Dieses
Mittel wird in der Notfallmedizin benutzt, um schnell eine Übelkeit
hervorzurufen, damit Gifte aus dem Magen ausgestoßen werden. Bei einem Patienten
verabreichte man das Brechwurzelsirup, weil ihm aus anderen Gründen schlecht
war. Es stellte sich nach 15 Minuten ein Verbesserung ein: Die Übelkeit war
verschwunden und die normale Magenaktivität war wiederhergestellt. Auch eine
schwangere Frau, die unter Übelkeit litt, erfuhr eine Verbesserung durch die
Verabreichung von Brechwurzelsirup mit dem Hinweis, daß dieses potente Mittel
eine Linderung verspricht.
Um noch ein Beispiel zu nennen: In klinischen Versuchen stellte sich heraus, daß
auch die Wirksamkeit von Vitamin C im Kampf gegen Erkältungen stark dem Glauben
des Patienten unterliegt. Es zeigte sich, daß diejenigen, denen man Placebos
gegeben hatte, aber dachten, daß es Vitamin C sei, weniger Erkältungen hatten
als jene, die Vitamin C erhalten hatten, aber glaubten, daß es sich um ein
Placebo handele {9,343}.
__________________
Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

Ursachenvertuschung
Anne B.
Placebos werden m. E. immer dann eingesetzt, wenn man die Ursache von Krankheiten oder Beschwerden nicht weiß oder nicht wissen will. Wüßte man die Ursache, so würde man sie beseitigen, statt den Patienten wie ein kleines Kind zu behandeln und mit irgendwelchen bunten Pillen zu täuschen. Viele Beschwerden bessern sich ohnehin auf Grund der Selbstheilungskräfte von ganz allein. Bessern sich die Beschwerden nicht von allein, so hilft auch kein Placebo. Das sollte man den Patienten und Krankenkassen klarmachen, das Problem ist nur, dass es keinen von beiden Parteien wirklich interessiert. Es könnten Milliarden Euro gespart werden, unter anderem auch für staatlich geförderte und unsinnige Placebo-Forschungen.

Wer Placebos gibt, experimentiert mit kranken Menschen und ist nicht ehrlich. Schon aus diesem Grunde sollte das verboten werden.

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Oregano ist offline
Beiträge: 61.734
Seit: 10.01.04
Hallo,
damit bin ich im wesentlichen einverstanden, Flowerpower. - Das Problem sehe ich darin, daß sowohl die Patienten wie auch die Ärzte oft nicht die Geduld und das Wissen haben, abzuwarten, ob nun der Körper/Mensch selbst heil wird, einfach so.
Beispiel Knie (da kenne ich mich aus): In den USA gab es eine Studie, bei der festgestellt wurde, daß die Patienten mit Knieproblemen, die eine Pseudo-Op hinter sich brachten, nach einem Jahr besser dran waren als die, denen man das Knie arthroskopisch angeschaut hatte.
Also wäre die logische Folge davon: abwarten, evtl. die altbewährten Mittel anwenden und schauen, was sich tut. ABer dazu besteht meistens keine Lust, Zeit, Möglichkeit. Also wird eine Arthroskopie gemacht mit all ihren Folgen...

Gruss,
Uta
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Pius Wihler ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Phil schreibt in der Rubrik: Mutation, Beitrag 12:
wenn ich etwas verstehen will, ist es da besser mich am Heilen oder am Unheilen zu orientieren? Wenn ich mich entwickeln will, orientiere ich mich da gscheiter an etwas höherem oder an etwas niederem?

Wenn ich mich darauf konzentriere eine Krankheit zu vermeiden, orientiere ich mich am Gesunden oder am Kranken? Einfacher formuliert: kämpfe (=Druck) ich gegen etwas niederes oder folge (= Sog) ich etwas höherem?
Diese Rubrik hier habe ich absichtlich benannt mit: Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben" , weil ich das Höhere in diesem Thema mitteilen will und damit an das ganzheitliche Wunder Mensch erinneren möchte, das meiner Meinung durch die Placeboerfahrungen eindrücklich aufgezeigt und von vielen erfahren wird und auch aufzeigt, WAS alles möglich ist.

Ich hätte den Titel auch so wählen können: Der Placeboeffekt: Erkranken durch das "daran Glauben", was erwiesenermassen auch "funktioniert"
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Einen schönen Tag wünscht Dir Pius


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