Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

16.05.06 19:36 #1
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Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Oregano ist offline
Beiträge: 61.308
Seit: 10.01.04
Hallo Leòn,
ich halte mich an Wikipedia:
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist ein Placebo etwas Wirkungsloses, das dennoch eine Wirkung hervorruft. Insofern stellt das Placebophänomen ein medizinwissenschaftliches Paradoxon dar.

In der Medizin wird zwischen verschiedenen Typen unterschieden:

Echte oder reine Placebos: Damit werden Scheinmedikamente bezeichnet, die nur Milchzucker oder Stärke enthalten. Auch Hilfsstoffe wie Geschmackskorrigentien oder Farbstoffe können enthalten sein.
Falsche Placebos oder Pseudoplacebos: Sie enthalten durchaus pharmazeutisch wirksame Stoffe, die jedoch im konkreten Anwendungsfall nach aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis nicht wirken können, weil entweder die verabreichte Dosis zu niedrig ist, oder das Wirkungsspektrum keinen spezifischen Einfluss auf die bestehende Krankheit hat.
Psychoaktive Placebos: Für besondere Studien werden diese Placebos als Kontrolle eingesetzt. Sie haben nicht die Wirkung des Medikaments, sondern ahmen nur dessen Nebenwirkungen nach

Die oft trotzdem eintretende Wirkung (ein prozentualer Anteil) wird als Placebo-Effekt bezeichnet. Der Placebo-Effekt ist möglicherweise umso geringer, je schwerer die Erkrankung ist. Die genaue Wirkungsweise oder Nichtwirkungsweise des Placebos ist noch nicht ausreichend erforscht. Vermutlich beruht der Effekt auf Suggestion oder Autosuggestion.

Die Wirkung von Placebo wird durch einen psychischen Aspekt ausgelöst und wirkt sich auf chemische Weise aus. Da alle Prozesse in unserem Körper auf chemischer Ebene ablaufen, ist das plausibel. Viel interessanter ist in diesem Fall die Verknüpfung von dem psychischen Auslöser und der chemischen Reaktion darauf. Zwei der populärsten Theorien sind die Theorie der Erwartung und die der Konditionierung
http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo-Effekt

Und zwar halte ich mich da an die engere medizinische Verwendung des Wortes Placebo-Effekt: es wird eine Pille verabreicht, der bestimmte positive Wirkungen zugeschrieben wird, die sie aber an und für sich nicht hat, weil nur aus Milchzucker. Trotzdem reagiert der Kranke mit chemischen Reaktionen, die eine Heilung in Gang bringen können. Allerdings nicht unbedingt anhaltend, wie in dem Beispiel bei Wiki angegeben.

Aber Du hast Recht: man kann diese Definition viel weiter auslegen.Nur finde ich, daß dann tatsächlich so ziemlich alles in Richtung Placebo-Effekt geht, was nur in irgendeiner Weise positiv motiviert, z.B. ein Lächeln , aber natürlich auch das Gegenteil davon, nämlich, wenn mir jemand einen Vogel zeigt http://smiliestation.de/smileys/Gluecklich/93.gif

Grüsse,
Uta
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Pius Wihler ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Uta, du schreibst:
Aber Du hast Recht: man kann diese Definition viel weiter auslegen.Nur finde ich, daß dann tatsächlich so ziemlich alles in Richtung Placebo-Effekt geht, was nur in irgendeiner Weise positiv motiviert, z.B. ein Lächeln , aber natürlich auch das Gegenteil davon, nämlich, wenn mir jemand einen Vogel zeigt
Nun hast du es begriffen, Uta. Es geht doch um die WIRKUNG und nicht um das "wissenschaftliche Zerpflügen bis zur Unkenntlichkeit". Das will ich mit diesem Thema aufzeigen.
Es geht darum, dass den Menschen bewusst wird, dass sie offensichtlich noch ganz andere Möglichkeiten in sich selbst hätten bzw. haben. Dass sie dieses Bewusstsein in sich hinein sinken lassen und damit die Tür für neue Möglichkeiten in sich selbst öffnen. Dass sie sich dieser riesigen Intelligenz öffnen, die in ihnen selbst liegt.

ich zitieren deinen Leitspruch, Uta: Alle sagten es geht nicht, da kam einer der das nicht wußte und tat es.

In einem anderen Leitspruch hier im Forum geht es darum "die Anzahl der Möglichkeiten zu erhöhen"

Oder wie Soullove schreibt: "es geht nicht darum, wer Recht hat...".

Es geht darum, dass es noch andere, erstaunliche Möglichkeiten gibt, die in uns selbst liegen.
Die Wirkung der Placebos (bzw. der Gedanken, Worte, Gefühle) machen letztendlich nicht die Andern, sondern ich selbst. Das ist die Botschaft.
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Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Leòn ist offline
Beiträge: 10.065
Seit: 19.03.06
Zitat von Pius Wihler
Uta, du schreibst:

Es geht doch um die WIRKUNG und nicht um das "wissenschaftliche Zerpflügen bis zur Unkenntlichkeit". Das will ich mit diesem Thema aufzeigen.
Es geht darum, dass den Menschen bewusst wird, dass sie offensichtlich noch ganz andere Möglichkeiten in sich selbst hätten bzw. haben. Dass sie dieses Bewusstsein in sich hinein sinken lassen und damit die Tür für neue Möglichkeiten in sich selbst öffnen. Dass sie sich dieser riesigen Intelligenz öffnen, die in ihnen selbst liegt.
....
Es geht darum, dass es noch andere, erstaunliche Möglichkeiten gibt, die in uns selbst liegen.
Die Wirkung der Placebos (bzw. der Gedanken, Worte, Gefühle) machen letztendlich nicht die Andern, sondern ich selbst. Das ist die Botschaft.
Danke, Pius.
Liebe Uta,
mir geht es um die Wirkweise. Und an der Wirkung bin ich als Individuum immer mit beteiligt.

Herzliche Grüße
Leòn
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Wer sich auf mein Niveau begibt, kommt darin um! ;)

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Oregano ist offline
Beiträge: 61.308
Seit: 10.01.04
Hallo Pius,
Es geht darum, dass den Menschen bewusst wird, dass sie offensichtlich noch ganz andere Möglichkeiten in sich selbst hätten bzw. haben. Dass sie dieses Bewusstsein in sich hinein sinken lassen und damit die Tür für neue Möglichkeiten in sich selbst öffnen. Dass sie sich dieser riesigen Intelligenz öffnen, die in ihnen selbst liegt.
Natürlich hat der Mensch viele Möglichkeiten in sich drinnen, die u.a. zu seinem Gesundwerden beitragen können.
Aber jetzt bin ich stur: Der Placebo-Effekt bezieht sich eindeutig auf etwas, was von außen kommt.
Wenn nun dieser Anstoß nicht von außen kommt sondern meinetwegen in der Meditation geschieht oder eben aus innerem "Antrieb", dann ist das in meinem Verständnis auch kein Placebo-Effekt mehr.

Und damit verabschiede ich mich aus diesem Thema bzw. aus dem Versuch, zu einer gemeinsamen Definition zu kommen

Uta
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Pius Wihler ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Du darfst stur (unbeweglich) bleiben, Uta, wenn es dir hilft, o.k. und ich finde es gut, dass du dich verabschiedest bzw. es einfach für sich stehen oder vielleicht sogar fliessen lassen kannst....(nur Symbolisch: )

nach Duden bedeutet "Definition" - eines Dogmas (kath. Kirche: unfehlbare Entscheidung darüber);
definitiv (endgültig, abschliessend; ein für allemal) Definitivum (endgültiger Zustand)

also das Gegenteil von Fliessen, Bewegung. Leben ist Bewegung

Oh Gott, gib den Menschen mehr Weite.....
Antwort: Mann/Frau baut sich seine Zäune selbst...
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Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

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Oregano ist offline
Beiträge: 61.308
Seit: 10.01.04
Aha, Pius,
so ist das also: verstehe ich das richtig: wenn ich Deiner Definition von Definition und anderen Begriffen zustimme, zeige ich "Weite"? Stimme ich nicht zu sondern zeige mich "stur", dann siehst Du in mir jemand Unbeweglichen, Starren?

Nagut. Dann baue ich eben tatsächlich meinen eigenen Zaun, der manchmal außerordentlich nützlich ist!


Grüsse,
Uta
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Geändert von Oregano (06.06.06 um 16:45 Uhr)

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Leòn ist offline
Beiträge: 10.065
Seit: 19.03.06
Hallo, Uta,
ich höre sofort auf, mit dem "daraufherumreiten" ! Und es ist mir letztenendes auch herzlich schnurz, wie man das Prinzip nennt. Dennoch zitiere ich Dich hier noch einmal:

Natürlich hat der Mensch viele Möglichkeiten in sich drinnen, die u.a. zu seinem Gesundwerden beitragen können.
Aber jetzt bin ich stur: Der Placebo-Effekt bezieht sich eindeutig auf etwas, was von außen kommt.
Demnach wäre dann der Effekt, z.B. einer von außen kommenden Ermutigung, mit dem Placebo - Prinzip vergleichbar ....?

......ich hör schon auf!


Herzliche Grüße von

Leòn
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grufti ist offline
Beiträge: 512
Seit: 27.03.04
So, jetzt ist es hier hoffentlich fertig lustig mit definieren. Ein Placebo ist ein Placebo - basta.
Was mich bei den Ausführungen von Pius am meisten erstaunt ist das grenzenlose Vertrauen, das den Aerzten offenbar entgegengebracht wird. Anders kann ich mir die Wirkung nicht erklären.
Grüsse
grufti
Wann geht's weiter Pius? Ist total spannend, was Du hier bringst.

Der Placeboeffekt: Heilreaktion durch das "daran Glauben"

Pius Wihler ist offline
Themenstarter Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Hier der 3. Teil, und viel wünscht Pius

1.1.11 Psychologische Erklärung für den medizinischen Placebo-Effekt
Der schwedische Psychologe Lars-Gunnar Lundh hat eine Theorie für
Placebo-Effekte aufgestellt, die mehr die psychologische Seite dieses Phänomens
beleuchtet {1,57}. Er greift mehr das veränderte subjektive Empfinden auf, das
sich bei der Gabe von Medizin einstellt. Die Gesamtstimmung des Patienten
erhellt sich, da er die Hoffnung in sich trägt: "Diese Behandlung wird mir
helfen!". Die veränderten Wahrnehmungskanäle öffnen sich neuen
Körperempfindungen: Man achtet speziell darauf, was eine Verbesserung der Lage
anzeigt. Darüber hinaus werden alle störenden Schmerz-Wahrnehmungen
weggefiltert.
Aus diesen Mechanismen folgt nicht, daß der Schmerz wirklich vergangen ist; die
Nervenzellen an der verwundeten Stelle feuern nach wie vor, doch der Patient
merkt es nicht mehr so stark.
An dieser Stelle greift die noch neue Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie
an. Durch die positive, kämpferische Einstellung des Patienten wird das
Immunsystem gestärkt, was dann auch eine physische Heilung erbringen kann.
Mehr psychologische Erklärungsansätze finden sich im 3. Kapitel "Psychosomatik".


1.1.12 Die chemische Hausapotheke in unserem Körper
Eine wichtige Schnittstelle zwischen unserem Geist und unserem Körper sind die
Hormone. Unter Hormonen versteht man Botenstoffe, welche die Koordination
unseren Körpers in verschiedenster Hinsicht steuern.
Viele Hormone werden im Gehirn erzeugt (Hypophyse, Thalamus), oder die Erzeugung
wird durch das Gehirn (über die Zirbeldrüse) angeregt.
Viele erstaunliche Selbstheilungseffekte können also über diesen Mechanismus
ablaufen. Zum Kennenlernen sollen zunächst einmal einige der wichtigsten Hormone
vorgestellt werden, wobei direkt zu Anfang festgestellt werden soll, daß
Adrenalin, Serotonin und Acetylcholin in der Auflistung fehlen, da sie für das
Thema "Krankheit und Heilung" keine primäre Rolle spielen.
Cortisol verhindert Entzündungen
Das Nebennierenprodukt Cortisol entsteht aus Cortison. Seine Wirkung besteht
darin, daß es Entzündungen hemmt, aber leider auch die Abwehrkräfte schwächt.
Insbesondere auch bei psychischer Streßbelastung erhöht sich die
Cortisol-Produktion in unserem Körper. Ein Zuviel an Cortisol vermindert aber
unsere Infektabwehr; so wird erklärlich, daß Streßgeplagte besonders häufig
unter grippalen Infekten leiden und auch für andere virale oder bakterielle
Infekte überdurchschnittlich anfällig sind {6,53}.
Die Medizin setzt Cortison-Präparate in vielen Fällen ein - man könnte vermuten,
in zu vielen. In manchen Fällen führt fast kein Weg an ihnen vorbei: So zum
Beispiel bei allergischen Schocks und bei Wespenstichen in den Kehlkopf.
Dabei ist die "Selbstmedikation" des Körpers nicht unerheblich: Die Menge an
Corticoid-Hormonen, die unser Körper herstellt, übertrifft den Corticoidgehalt
in den handelsüblichen Tabletten. So produziert die Nebenniere täglich 25-35
Milligramm Cortisol, bei Streß sogar ein Vielfaches. Morgens wird deutlich mehr
gebildet, abends weniger {6,158}.
Das Problem des Cortisols setzt bei chronischem Streß ein: Wird die
feinabgestimmte Regulation langfristig gestört, so produziert die Nebenniere
auch nach dem Wegfall des Streßfaktors weiterhin zuviel Cortisol {4,107}. Damit
kann bei einer langfristigen Störung der Immunabwehr eine ernsthafte chronische
Infektion des Körpers die Folge sein.
Endorphine schalten den Schmerz ab
Seit 6000 Jahren wird zur Schmerzstillung und zu anderen Heilzwecken der
getrocknete, dunkelbraune Saft der Fruchtkapsel des Schlafmohns benutzt: Opium.
Seine Hauptbestandteile sind Kodein und Morphin.
Erst 1975 stellte man fest, daß auch das menschliche Gehirn eine Art Morphium
herstellen kann; man nennt diese Stoffe Endorphine.
Die Endorphine - genauso wie Morphium - wirken schmerzhemmend, beruhigend,
antidepressiv und fördert den Schlaf {6,78}. Da schon wenige tausendstel Gramm
ausreichen, um von Schmerzen zu befreien, bzw. wohlgelaunt zu machen, ging man
in der Wissenschaft schon lange davon aus, daß unser Körper spezielle
Morphin-Rezeptoren aufweisen muß. Diese wurden auch tatsächlich gefunden und
seit dem ist klar, daß unser Gehirn Endomorphine ausschütten kann und unser
Körper dieses tatsächlich zum ausschalten von Schmerzen nutzen kann.
Doch die ersten Zweifel an dieser Wirkungskette kamen auf, als man
Schmerzpatienten ein Medikament namens "Naloxon" verabreichte, welches die
Wirkung von Opiaten und Endorphinen unmöglich macht. Naloxon verhindert die
Anbindung der Schmerzhemmer an den wichtigen Rezeptoren. In vielen Fällen
verging die Verbesserung der Placebo-Schmerzfreiheit, aber nicht in allen
{6,91}. (Auf diese Studie geht auch Josef Zehentbauer ein. Er berichtet, daß bei
40% der Schmerzpatienten die Schmerzen durch Placebos spürbar geringer werden,
aber nach einer Injektion von Naloxon wiederkehrten.) Die Endorphin-These
wackelte spätestens zu dem Zeitpunkt sehr, als sich auch noch herausstellte, daß
Naloxon die Schmerzempfindlichkeit beim Menschen erhöht.
Mit Berücksichtigung dieser Tatsachen scheint die Endorphinausschüttung des
Menschen nicht alleine verantwortlich zu sein für das Abschalten des Schmerzes.
Eine andere interessante Wirkung ist ebenfalls dem Endorphin zuzuschreiben: Die
Gänsehaut, die uns manchmal bei einem außergewöhnlichen Musikstück oder bei der
Meditation erschauern läßt {9,137}. Mit Naloxon-Beigaben schwindet der Schauer
augenblicklich.
Dopamin inspiriert und stärkt das Immunsystem
Aus vielerlei Experimenten ist bekannt geworden, daß der Botenstoff Dopamin
vielerlei Aufgaben hat. So sorgt er dafür, daß wir kreativ, individuell und
schöpferisch sind, da er eine große Bedeutung im Stirnhirn spielt. Dopamin
fördert die Feinmotorik und das ausdrucksvolle Tanzen. Außerdem stärkt Dopamin
die körpereigene Abwehr, da die Anzahl der weißen Blutkörperchen durch es erhöht
wird. Darüber hinaus stabilisiert und beruhigt Dopamin auch das Herz und den
Kreislauf allgemein {6,130ff}. Opfer von Neuroleptika (ein Medikament, welches
das Hormon Dopamin mindert) berichten: "Ich bin ein lebender Toter... Ich kann
kein Buch mehr lesen, nicht einmal fernsehen, ich hab´ kein Gedächtnis".
Ein weiteres, interessantes Ergebnis der Hormonforschung: Neuroleptika zerstören
nicht Dopamin, sondern blockieren die Dopamin-Rezeptoren. Darauf reagiert das
Gehirn mit einer verstärkten Dopamin-Produktion und einer Vermehrung der
Rezeptoren (die ebenfalls blockiert werden). Wird nach einer längeren Zeit das
Neuroleptikum abgesetzt, so herrscht im Gehirn ein Riesenchaos, was nur durch
die Gabe von Neuroleptika wieder beherrscht werden kann.
Tatsächlich scheinen hohe Konzentrationen von Dopamin das Limbische System
extrem zu stimulieren. Ein Übermaß an Dopamin fördert künstlerische Kreativität,
und die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn sind fließend.
Folgt man den Aussagen des Neurobiologen David Felten {14,38}, so treten
Symptome der Parkinson-Krankheit erst dann in Erscheinung, wenn mehr als achtzig
Prozent der Dopaminsysteme des Gehirns ausfallen.
Die Beobachtungen, daß künstlerische Tätigkeit eine Heilende Wirkung auf den
Körper hat, kann also auch mit dem Hormon Dopamin wissenschaftlich gestützt
werden, wenn auch sicher noch einige andere Effekte eine große Rolle spielen
(Konfliktverarbeitung, Entspannung, loslassen von Streß, ...). Vielleicht ist
auch das chinesische "Schattenboxen" - Tai Chi - auf diese Art zu erklären, weil
bei Josef Zehentbauer über Dopamin zu erfahren war, daß es insbesondere bei
gefühlvollem Tanz gebildet wird.
Valium schafft Ruhe
In der Medikamentengruppe der Tranquilizer (Beruhigungsmittel) spielt die
Familie der Benzodiazepine eine besondere Rolle {6,114}. Ein Element dieser
Familie ist das chemisch synthetisierte Valium (Diazepam). Mehr als dreißig
verschiedene Benzodiazepim-Präparate sind außer Valium auf dem Markt (z.B.
Adumbran, Lexotanil).
Auch unser menschliche Körper kann ein Hormon herstellen, daß dem Wirkungsprofil
von Valium gleicht. In Anlehnung an den Begriff Endorphine nennt man das
körpereigene Beruhigungsmittel Endovalium.
Die Wirkungen sind unter anderem:
1. Beruhigend-hemmende Effekte auf das limbische System und den Thalamus, die
entscheidende Schaltstelle im Großhirn für die Weiterleitung von Umweltreizen an
die Großhirnrinde.
2. anti-aggressiv, emotional beruhigend
3. antidepressiv, stimmungsaufhellend, Widersprüche verschwinden, die Welt sieht
man durch einen Schleier
4. innere Harmonie für das vegetative Nervensystem
Wie fördert man die Hormone des eigenen Körpers?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. In seinem Buch gibt Josef
Zehentbauer einige Ratschläge: Schlafentzug (hilft beispielsweise bei
Depressionen), alle Formen von Meditation , Yoga und Tai Chi (fördern Dopamin
und Endovalium, ...), mechanische Reize an der Schilddrüse und an den
Geschlechtsorganen (fördert Endorphine), Hyperventilation (wirkt psychedelisch),
Extrembelastungen (Sport erhöht den Blutspiegel von Adrenalin und Endorphin,
...) {6,181}.
Wer im Alltag rastlos ist, sollte sich tatsächlich der Meditation widmen, denn
in meditativen Zuständen kann man eine enorme Ruhe und ungekannte Glücksgefühle
erleben. (Siehe hierzu den Bericht in der Damokles 1/93 von TF und die Kurznotiz
in der Damokles 1/92 von AW zum Thema Meditation und Bewußtseinserweiterung. Die
Damokles ist die Vereinszeitung der NGFG.)
Jedenfalls ist klar, daß unser Körper in Notsituationen die Produktion der
entsprechenden Hormone selbst in die Hand nimmt. Wer nach einem Unfall unter
einem leichten Schock stand, kann berichten, daß zunächst einmal Schmerzfreiheit
herrscht, die aber später (leider) aufhört. So ist es unter anderem auch aus dem
Boxsport bekannt, daß der Sieger unmittelbar nach dem Kampf schmerzfrei ist, und
glücklich in die Kameras schauen kann, der Verlierer sich hingegen mit Schmerzen
aus dem Ring schleppt.

1.1.13 Ethische Probleme mit Placebos
Juristisch und ethisch sind die Versuche mit Placebos umstritten {27}. Nach den
Regeln der Deklaration von Helsinki, die 1964 von der
Weltgesundheitsorganisation WHO verabschiedet wurde, gilt für medizinische
Versuch am Menschen: "In jeder medizinischen Studie haben alle Patienten das
Recht auf die besten, geprüften diagnostischen Verfahren." Die Deklaration
verbietet die Anwendung von Placebos immer dann, wenn für eine Krankheit bereits
ein als wirksam anerkanntes Medikament existiert. Erhält ein ratsuchender
Patient in solchen Fällen nur ein Placebo, könnte das als Vorenthaltung einer
wirksamen Therapie und damit nach § 233 des Strafgesetzbuches als vorsätzliche
Körperverletzung verfolgt werden.
Doch Placebo-Versuche sind wichtig, weil die effektive Wirksamkeit eines
Verfahrens möglichst hoch sein sollte. Um dies nachzuweisen, sind Experimente
mit Placebos sehr hilfreich.
Problematisch wird ein Plädoyer für Placebos, wenn man von Fällen erfährt, wie
zum Beispiel eine Studie im Jahre 1992: In dieser Studie erhielt eine Gruppe die
neue Substanz Paroxetin, die andere Gruppe ein Placebo. Die Folge war eine
erhöhte Selbstmordrate in der Placebo-Gruppe!

1.1.14 Das Wissen der Ärzte über Placebos
Auf diesen Aspekt geht Blair Justice ein. Er führt aus, daß zumindest bis zum
Jahre 1988 bei US-amerikanischen Ärzten das Wissen und die Akzeptanz von
Placebos sehr gering war.
Es herrschte besonders ein bestimmtes Mißverständnis: "Patienten, die auf
Placebos reagieren, haben nur eine eingebildete Krankheit" - so dachten die
Ärzte. Dieser Zusammenhang ist natürlich nicht richtig. Doch Ärzte und
ausgebildetes Krankenhauspersonal setzen Placebos immer gleich mit "Betrug" und
"Täuschungsmanöver". Diese Reaktion wird aber verständlich, wenn man sich
verdeutlicht, daß die medizinischen Erkenntnisse über die physiologischen
Wirkungen des Geistes erst recht neu sind.
Bis dahin galt für viele Ärzte: "Placebos werden bei Menschen eingesetzt, die
man haßt. Nicht um sie leiden zu lassen, sondern um ihnen zu beweisen, daß sie
sich irren" {9,352}.
=> Insgesamt kann schon an dieser Stelle festgestellt werden, daß jeder Mensch
ein enormes körperliches Selbstheilungspotential in sich trägt, welches durch
Placebos nur ausgelöst wird.
Dann stellt sich nur die Frage, warum im Studium
nicht verstärkt auf den Placebo-Effekt eingegangen wird. Ob da etwa die
Pharmaindustrie ihre Finger im Spiel hat?
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Seit: 10.01.04
Noch zu Punkt 8 aus dem Klinghardt-Buch, in dem er beschreibt, daß die Leute, die aufgrund eines Bienenstichs gestorben sind, keinen anaphylaktischen Schock hatten laut Untersuchung des Blutes sondern daß sie wegen ihrer Angst gestorben sind.

Mag sein, daß die entsprechenden Blutwerte nicht vorhanden waren.

Es gab aber auch Studien von Randolph , in denen er beschreibt, daß Patienten bei geringsten Mengen ihres Allergens, das ihnen über eine Magensonde verabreicht wurde, die entsprechenden Reaktionen zeigten, obwohl man ihnen sagte, daß sie ein harmloses Mittel bekamen.
Bücher von Amazon
ISBN: 3788097221



Uta
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