Eigenliebe - ein starker Partner

09.09.08 16:09 #1
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Eigenliebe - ein starker Partner

specter ist offline
Beiträge: 66
Seit: 29.11.08
mit diesem beitrag hast du einmal mehr recht!!!
man sollte sich nicht selbst herunterziehen
bye lg. stefan

Eigenliebe - ein starker Partner

Manuela ist offline
Beiträge: 1.510
Seit: 31.03.08
Hallo Juliette,

ein sehr wichtiges Thema finde ich. Ich musste das auch in mühsamer Arbeit lernen und auch jeden Tag aufs Neue, weil es bei mir noch nicht so lange her ist. Bei mir fängt Eigenliebe da an, dass ich auf meine Bedürfnisse achte, mich nicht unter Druck setze und auch zu gewissen Makeln stehe und damit umgehen kann. Es ist ein Makel, der da ist, der nicht zu entfernen ist und wenn, dann nur unter großen Schmerzen. Soweit liebe ich mich aber selbst, dass ich lieber dieses Makel in Kauf nehme, aber mir diese schmerzliche Prozedur erspare.

Viele Menschen, das wurde auch schon in vorherigen Meldungen geschrieben, verbinden tatsächlich Eigenliebe mit Egoismus. Das ist traurig, denn Eigenliebe gehört zum Leben dazu um gesund und glücklich zu bleiben, um tägliche Probleme besser bewältigen zu können, um frühzeitig stop zu sagen, wenn einem alles zu viel wird.

Liebe Grüße Manuela

Eigenliebe - ein starker Partner

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Vielen Dank Specter,

das du dieses schöne Thema wieder herausgekramt hast.

Manuela,

auch dir lieben Dank für deinen Beitrag,

Bei mir fängt Eigenliebe da an, dass ich auf meine Bedürfnisse achte, mich nicht unter Druck setze und auch zu gewissen Makeln stehe und damit umgehen kann. Es ist ein Makel, der da ist, der nicht zu entfernen ist und wenn, dann nur unter großen Schmerzen. Soweit liebe ich mich aber selbst, dass ich lieber dieses Makel in Kauf nehme, aber mir diese schmerzliche Prozedur erspare.
Das was du ansprichst mit den Bedürfnissen, das halte ich für sehr wichtig. Ich empfinde das genauso. Außerdem Manuela, wer oder was entscheidet was ein Makel ist. Die Gesellschaft, mit ihren medienwirksamen Idealbildern ganz sicher nicht.

Wie einige vielleicht gelesen haben, war ich vor kurzem auf einem Seminar über "gewaltfreie Kommunikation".

Da wurde genau dieses Thema angesprochen. Wo Menschen aufeinander treffen, da kommen die unterschiedlichsten Bedürfnisse mit ins Spiel. Wenn zwei Bedürfnisse nicht miteinander vereinbar sind: Person A möchte zum Beispiel frische Luft und das Fenster öffnen, Person B eher das Fenster geschlossen haben, wegen der Kälte draußen, dann hat man einen Konflikt.

Da könnte man jetzt lospoltern. "Du Egoist, denkst immer nur an dich usw." Das Gegenargument dürfte dann kaum besser sein.
Man kann aber auch hingehen und freundlich bei sich und den eigenen Gefühlen und Vorstellungen bleiben und zu einem Kompromiss kommen. Beispielsweise eine Decke, Weste organisieren. Vielleicht zusammen ein kleines Tänzchen wagen, während das Fenster auf ist. Da wird einem automatisch warm und man hat auch noch Spaß zusammen.

Man kann keinen Menschen verletzen, wenn man authentisch bleibt und zu sich selbst steht. Verletzen tut sich dann höchstens der andere, der weiterhin seine Bedürfnisse auf biegen und brechen durchsetzen möchte. Das nennt man dann aber Gewalt.
Man hat dann die Wahl, sich von diesen Menschen zu verabschieden. Auch das ist Eigenliebe. Das heißt ja nicht das man dem anderen grollt, sondern das man im Moment halt nicht zueinander passt. Das kann sich im Laufe der Jahre, Entwicklung ja wieder ändern.

Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (04.09.09 um 10:10 Uhr)

Eigenliebe - ein starker Partner

Zitteraal ist offline
Beiträge: 66
Seit: 26.06.09
Hallo!

Ein sehr interessantes Thema was ihr da ansprecht.

Ich sehe das ganze aber problematischer als ihr.

Behauptung 1:
Man kann andere durchaus mehr lieben als sich selbst (Kritik an das Jesuszitat)

Behauptung 2: Eigenlob stinkt.

Behauptung 3: Wenn man Sachen an sich nicht mag, ist das halt so und eine Spiegeltherapie wäre nur Selbstbetrug. Entweder findet man sich damit ab und steht da drüber oder ändert was dran, auch wenn es mit Schmerz verbunden ist. Finde ich definitiv besser als sich selbst zu belügen.

weitere Punkte:

Was machen, wenn eine Person seine eigenen Bedürfnisse über die des anderen stellt und man genau der andere ist? Führt womöglich zu einer Diskussion. Wenn einer der beiden Diskussionpartner aber keine Lust auf einen Kompromiss hat... was spielt dann eine Rolle? Die soziale Rangordung? Erreicht man die wirklich nur durch Eigenliebe?

Diese Fenster auf Fenster zu Debatte kenne ich auch noch aus der Schule. Die hat mich furchtbar angekotzt. Zu vernünftigen Kompromissen kam es aus eigenem Interesse nie. Wieso aufeinander zugehen, wenn man potenziell den eigenen Willen durchprügeln kann?
So hatte ich zumindest immer das Gefühl....
Gelöst wurde es meist durch ein Machtwort der Lehrkraft. 15 Minuten auf und durchlüften blablub...
Hat auch meiner Meinung nach nichts mit Eigenliebe zu tun. Eher mit Empathie und das hineinversetzen in andere Personen oder Organismen... obwohl... Naja Eigenliebe wäre dann wahrscheinlich sowas wie:

Ach mir doch scheißegal ob das Fenster auf oder zu ist da steh ich ja drüber, ich halte es sowohl kalt und frisch gelüftet aus, als auch warm und muffig, weil ich weder sensibel gegenüber Temperaturen bin, noch eine empfindliche Nase habe.
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Meine Frage: Wann kann man sich wirklich selbst lieben?

mögliche Antworten:
Entweder man schraubt die eigenen Ansprüche runter.
Man lobt sich auch für kleine Sachen. (-> sind sowas nicht meist Selbstverständlichkeiten?)
(Toll gemacht du hast den Bus pünktlich erreicht )
|||
Man erfüllt die hohen Erwartungen die man an sich hat.

Dies alles folgt aber zu Problemen, wo äußere Einflüsse beginnen auf einen zu wirken.
Wenn man gesundheitlich eingeschränkt ist und trotzdem hohe Erwartungen an sich selbst hat, weil man weiß was man könnte, wenn man top fit wär, so ist ein Konflikt mit dem selbst vorprogrammiert. Man zweifelt, man hasst, man verzweifelt...


Authentizität ist super wichtig, die Frage ist nur, wer damit umgehen kann. Oder eher: Was ist, wenn viele nicht mit deinem Ich umgehen können? Weil man eben aneckt mit Gedanken, Ansichten, Erfahrungen ... bis man solche Leute gefunden hat, die es können, können Jahre vergehen, an denen einen die Selbstzweifel begleiten.

Die einen haben ein "ich" oder ein "selbst" was sich ohne Probleme in der Gesellschaft eingliedern lassen kann und andere haben es da schwieriger.

Naja da treten bestimmt auch die verschiedenen "ichs" des "selbsts" in Erscheinung. Vielleicht kann man stattdessen auch von Facetten reden.
Eventuell liebt man ja auch nur einige Facetten von sich selbst und andere werden gehasst und verdrängt. Eben weil sie nicht erwünscht sind ...Obwohl sie immer ein Teil bleiben....

Verdrängung, Teilspielsein und Maskerade sind eher verlangt, wenn man die Erfahrung von Zurückweisung macht.

Ein weiterer Gedankenpunkt wäre die Reue. Wer sich selbst liebt, der bereut bestimmt auch nichts von seinen Taten.
Aber ist das gut?

" Ich bin so wie ich bin."
"Ich bin Ich."
"Ich bleibe so wie ich bin."
"Ich liebe mich so wie ich bin."

Solche Sätze hab ich schon sehr sehr häufig gehört. Woran macht man das Ich denn überhaupt fest. Ist das Ich nicht vielmehr ein sich ständig entwickelndes etwas?


Wo bleibt da das Streben nach mehr, wenn man sich nicht kritisiert?
Kann Eigenliebe und Selbstkritik parallel existieren?
Kann man sich selbst konstruktiv kritisieren oder spielt da nicht immer die emotionale Ebene eine wichtige Rolle, da man sich selbst zu Nahe steht?


Lange Rede kurzer Sinn:

Was kann man also an sich lieben?

Noch genauer: Was liebt ihr an euch konkret? (Wenn ich euch das so persönlich fragen darf)

Ist es die schicke Frisur? Die Kleidung die euch steht? (Mal reinschauen, vielleicht Made
in Bangladesh) Ist es die Tat gewesen, heute 20,30,40,50 Euro bei den Greenpeace Leuten in der Innenstadt gespendet zu haben?
Doch lieber Gurken gekauft zu haben anstatt Schweineohren beim Metzger?

Ich bin sehr gespannt auf Antworten, weil mich das echt interessiert.

Wenn man sagt man liebt sich, ist dann das ganze Paket gemeint? Oder gibt es bestimmte Einzeheiten?

Genauer würde ich auch gerne die Begriffe: Eigenliebe, Selbstliebe, Selbstlose Liebe, Nächstenliebe, Narzissmus in diesem Kontext diskutieren und ob Eigenliebe wirklich Liebe ist oder nicht vielmehr eine Akzeptanz des Selbstseins ist.

lg vom Aal

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PS: Wie würde wohl eine Welt sein, in der es keine Spiegelbilder gäbe?
Oder wo man sich selbst gar nicht erkennen könnte?
Wäre das nicht viel schöner und entspannter?

Geändert von Zitteraal (05.09.09 um 03:55 Uhr)

Eigenliebe - ein starker Partner

Oregano ist offline
Beiträge: 63.704
Seit: 10.01.04
Viele der hier im Raum stehenden Fragen werden eigentlich schon durch den Buchtitel hier beantwortet, wenn auch knapp und bündig :
Bücher von Amazon
ISBN: 3499169169


Gruss,
Uta

Eigenliebe - ein starker Partner

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo Zitteral,

danke dir für deine Anregungen.

Du sprichst da wichtige Punkte an die meiner Meinung nach alle zu einem Ergebnis führen können.

Diese Fenster auf Fenster zu Debatte kenne ich auch noch aus der Schule.
Ich denke mir das die Schüler alle noch ein wilder Haufen sind und das das Recht des Stärkeren, da noch arg im Vordergund steht. Da muss dann ein Machtwort, oder eine Grenze her. Es gibt aber mittlerweile auch Schulen wo gelehrt wird wie man mit solchen Dingen, oder auch mit Gewalt umgehen lernt. Das geschieht zum Teil mit gutem Erfolg.

Letztendlich denke ich, trägt jeder Mensch zwei Seiten in sich. Alles was der Mensch als schlecht empfindet lehnt er erst einmal ab. Das ist normal und doch macht ihm diese Ablehnung früher oder später Ärger, denn das Gefühl welches dahinter steckt, verhindert ein wohlbefinden, verhindert die Akzeptanz.

Dies alles folgt aber zu Problemen, wo äußere Einflüsse beginnen auf einen zu wirken.
Wenn man gesundheitlich eingeschränkt ist und trotzdem hohe Erwartungen an sich selbst hat, weil man weiß was man könnte, wenn man top fit wär, so ist ein Konflikt mit dem selbst vorprogrammiert. Man zweifelt, man hasst, man verzweifelt...

Authentizität ist super wichtig, die Frage ist nur, wer damit umgehen kann. Oder eher: Was ist, wenn viele nicht mit deinem Ich umgehen können? Weil man eben aneckt mit Gedanken, Ansichten, Erfahrungen ... bis man solche Leute gefunden hat, die es können, können Jahre vergehen, an denen einen die Selbstzweifel begleiten.
Ich glaube gerade hier fängt das an, was man Eigenliebe nennt. Ich kenne Menschen die diesen Prozess durchwandert haben, genauso wie du ihn beschreibst und dadurch Eigenliebe entwickeln konnten. Das hat aber Jahre gedauert. Das Umfeld hat sich natürlich auch verändert, aber eher zum besseren als zum schlechteren.

Ich glaube das wichtigste ist zu erkennen, das kein Mensch perfekt ist und das alle ihre Vorlieben, Bedürfnisse, Schwächen ect. haben. Wenn man es schafft das genauso anzunehmen, wie Uta in ihrem Buchtitel schrieb, du bist ok, ich bin ok, dann kommt man unweigerlich zu einer Einigung. Wie diese aussieht ist individuell verschieden, das kann ein Kompromiss sein, es kann aber auch sein das man sich eine Weile lang nicht sieht oder trennt, weil die Bedürfnisse nicht miteinander vereinbar sind. Aber auch das ist doch völlig ok.

Jeder Schritt, den man macht gehört zu einem selbst, kein anderer kann diesen für einen machen, schon gar nicht wenn man einen schubst und sagt jetzt mach doch mal schneller.

Und wenn ich diese Haltung nach innen und nach außen ausstrahle, dann werden Konflikte zu keinem Hindernis, sondern zu einer ganz normalen Sache, wo immer eine Lösung gefunden werden kann.

Ich denke das ist Eigenliebe und Nächstenliebe, alles ohne Wertung erst einmal anzunehmen. Das braucht manchmal etwas Zeit, das so hinzubekommen, das ist klar. Aber man kann ja üben. Das gute Gefühl das man dadurch entwickelt gibt einem mehr Energie, als der innere Kampf den man sonst ausfechtet.

Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (05.09.09 um 11:04 Uhr)


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