Du sollst Dir kein Bildnis machen

15.06.08 16:03 #1
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Du sollst Dir kein Bildnis machen

Oregano ist offline
Beiträge: 63.699
Seit: 10.01.04
Ich könnte mir vorstellen, daß in der therapeutischen Arbeit es oft sehr schwierig ist, das eigene Bild von einem Klienten zu "versachlichen" und gleichzeitig es fertig zu bringen, das Bild, welches der Klient von sich selbst malt, auch zu "versachlichen".
Da dürfte Supervision eine große Hilfe sein?

Gruss,
Uta
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They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Du sollst Dir kein Bildnis machen
Anne B.
Nun, diese alte, unter anderem auch biblische Aussage, hat - so denke ich - ganz viel mit "loslassen" zu tun.
Das denke ich auch. Deshalb wäre das Loslassen von solchen Glaubenssätzen auch nicht verkehrt. Erst wenn man völlig losgelöst ist von dem, was als richtig und gut oder auch als nicht förderlich erachtet wird, ermöglicht dies nach meinem Gefühl eine optimale Wahrnehmung des anderen und man wird intuitiv in die Lage versetzt, ausgleichend zu wirken und sich selbst weiterzuentwickeln.

Ich denke, wir Menschen brauchen einfach Bilder und wir fertigen sie unaufhörlich an, ob wir wollen oder nicht. Was wir daraus machen ist ganz individuell. Konstantin Wecker hat das Prinzip des sich stetig verändernden Bildes und den Umgang damit wunderbar in einem Gedicht beschrieben, wie ich finde:

An den Freund

Kann ich vereinzelt eine neue Regung
ein Ungewohntes deines Wollens nicht verstehen
dann bleibt mir nur, diese Bewegung
in mir zu suchen und mit dir zu gehen.

Denn was ich von dir weiß, ist niemals mehr
als ich von meinem Wesen will und kenne
und alles, was ich an dir ungefähr
oder gar falsch und unbewiesen nenne

ist nur ein Dunkelsein in mir. Ich spüre
wie sich dein Bild mit mir beständig formt
nur in dem Maß, wie ich mich jeweils sehe.

Ob ich dich finde, ob ich dich verliere -
du bleibst mir nur nach dieser Form genormt:
die ich bestimme und mit der ich überstehe.

Viele Grüße
Anne B.

Du sollst Dir kein Bildnis machen

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
uta,

ja das ist richtig.
haben wir zum glück in unserer einrichtung.
ebensowichtig der austausch mit den kollegen.
wobei die verantwortung für den möglichst offenen blick nicht wirklich deligiert werden kann.
wichtig ist mir auch immer mal wieder auszuhalten das man eine antwort nicht sofort hat.
((denn wenn man das nicht aushält füllt man diese lücke leicht mit "meinung über" (bild) statt mit wissen um.))
unsicherheit ist manchmal besser als felsenfeste überzeugung.

lg andreas

Geändert von Holon (18.06.08 um 22:06 Uhr)


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