Warum leiden wir?

01.08.13 11:54 #1
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Warum leiden wir?

MiglenaN ist offline
Beiträge: 1.299
Seit: 15.05.13
Hallo Windpferd,

da sieht man wieder einmal, wie wichtig es ist, gut vorbereitet zu sein, wenn man diskutiert, und dabei nicht oberflächlich erscheinen will. Ich dachte, Du wüsstest gut Bescheid über den Buddhismus, aber jetzt stelle ich fest, dass es da gewisse Lücken geben muss, denn was die Haltung gegenüber Frauen betrifft, waren der Buddhismus und das Christentum nicht besser. Kein Wunder, denn all diese Lehren sind von Männern kreiert.

Im Buddhismus als einer gelebten und organisierten Religion wurde und wird den Frauen in Asien eine untergeordnete Rolle zugewiesen und in den Werken des Mahâyâna ebenso wie des Theravâda tauchen immer wieder frauenfeindliche Aussagen auf. Gautama Buddha hatte die Absicht, dem Menschen einen Weg aus dem Leiden heraus zu zeigen, aber er äußerte nie die Absicht, die soziale Stellung der Frau zu verbessern. Buddha hat in einigen Sutten ganz schön über die Frauen gewettert.

Buddha meinte, wenn Frauen einen Orden gründen wollen, dann müsse er wohl schon nach 500 Jahren wieder zurückkommen und nicht erst nach 1000. Und als er doch endlich nach langem Flehen eines Mönches nachgab und es erlaubte, dass es Nonnen gibt, erlegte er den weiblichen Nonnen gleich ums vielfache mehr Pflichten und Regeln als den Mönchen auf.

Zu Schopenhauer: Thema des Threads ist die Frage "Warum leiden wir?" Mit Schopenhauer wollte ich meine persönliche Alternative zur Beantwortung dieser Frage empfehlen. Meine persönliche Meinung ist, dass Schopenhauer die beste Antwort darauf hat. Jeder kann ihn lesen und sich selbstverständlich seine eigene Meinung bilden. Es ist nur ein Tipp. In meinem obigen Post schrieb ich aus Zeitmangel sehr abgekürzt und verallgemeinert, wie ich persönlich die Dinge sehe. Jeder kann das so interpretieren, wie er will. Ich habe damit keine Probleme.

Schopenhauer war kein Prediger wie Buddha und Jesus, er war Philosoph. Ein Philosoph versucht, die Welt und das Leben zu erklären, ein Prediger versucht, der Welt, den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Daher kann Schopenhauer keine konkreten Patentrezepte und einzelnen Regeln aufstellen, das wäre nicht seine Aufgabe als Philosoph. Jeder kann aus seiner Lehre eigene Schlussfolgerungen für sich selbst und das eigene Handeln ziehen, nicht wahr. Das nennt man wohl selbstbestimmtes Leben und Handeln.

Ich weiß, dass Schopenhauer sich über die Frauen negativ äußerte aufgrund seiner negativen Erfahrungen mit einigen von ihnen. Das schmälert seine Bedeutung trotzdem nicht und ändert nichts an meiner Meinung, dass seine Theorie brillant ist. Und ich bin mir sicher, er hatte einfach nicht die richtige Gesprächspartnerin, denn hätte er mich gekannt, dann hätte er die Frauen in den höchsten Tönen gelobt. Doch dann hätte er vermutlich keinen Grund mehr gehabt, seine für viele deutsche und europäische prominente Denker außerordentlich bedeutende Metaphysik zu schreiben. Ich mag nicht nur seine Lehre, sondern ich empfinde sogar Mitleid für ihn, denn er scheint ein sehr verletzlicher Mensch gewesen zu sein.

Philosophische Grüße,
Miglena
__________________
Ein freundlicher Blick durchdringt die Düsternis wie ein Sonnenstrahl. (Albert Schweitzer)

Geändert von MiglenaN (08.08.13 um 22:59 Uhr)

Warum leiden wir?

Kayen ist offline
Beiträge: 5.057
Seit: 14.03.07
Zitat von Joh70 Beitrag anzeigen


Du meinst, Du hast den Stift in der Hand. Ja, Eigenverantwortung ist gefordert. Aber der menschliche Wille als die einzige Schicksalsschmiede? Das ist nur teilweise zutreffend. In Wirklichkeit bist Du auf der Suche. Du suchst nach Kriterien von außen, wie Du leben willst, eigentlich nach dem tieferen Sinn. Und dazu orientieren wir uns automatisch an geistigen Größen und nicht nur an dem Naheliegenden.

Ich merke, alles was mich umgibt, stammt nicht von mir, nicht mal mein eigenes Leben. Es wurde mir gegeben. Was liegt da näher, einen Lebengeber in Betracht zu ziehen. Diesen sollten wir suchen, nicht nur unseren eigenen Willen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Tod ist nicht das Ziel. Wenn Du es so willst, sicher. Aber das Ziel kann eben auch ein ewiges Leben mit Gott sein.
Gruß,
Johannes

Hallo Johannes,

der Name meines Vaters. Sein Gott hat mit ihm meine Welt verlassen.

Was ich eigentlich damit sagen möchte, dass Dein/mein Gott erst zusammen mit Dir geboren wurde.
Zuerst bist Du, als Dein Sein und dann, wenn Du möchtest, dann kannst Du Gott in Dein Leben den Einlass gewähren. Wenn Du oder ich nicht geboren wären, würde es "Dein" oder mein Gott nicht geben. "Du" gibst ihm die Chance sich zu entfalten. Du suchst, Deine Sehnsucht, Dein Alleinsein.

Wird sich wohl für Dich sehr befremdlich anhören, aber das meine ich mit Stift in der Hand, mein Sein war zuerst und dann kam mein Gott, ich hoffe Du verstehst wie ich es meine, erst das Sein, dann Gott und die Liebe. Wenn Du/ich nicht "Bin" gibt es Deinen/meinen Gott auch nicht.


Herzlichst
Kayen
__________________
Entwickel das Heilsame in Dir - Vermeide das Unheilsame

Warum leiden wir?

Joh70 ist offline
Beiträge: 946
Seit: 08.10.06
Zitat von Kayen Beitrag anzeigen
Hallo Johannes,

der Name meines Vaters. Sein Gott hat mit ihm meine Welt verlassen.

Was ich eigentlich damit sagen möchte, dass Dein/mein Gott erst zusammen mit Dir geboren wurde.
Zuerst bist Du, als Dein Sein und dann, wenn Du möchtest, dann kannst Du Gott in Dein Leben den Einlass gewähren. Wenn Du oder ich nicht geboren wären, würde es "Dein" oder mein Gott nicht geben. "Du" gibst ihm die Chance sich zu entfalten. Du suchst, Deine Sehnsucht, Dein Alleinsein.

Wird sich wohl für Dich sehr befremdlich anhören, aber das meine ich mit Stift in der Hand, mein Sein war zuerst und dann kam mein Gott, ich hoffe Du verstehst wie ich es meine, erst das Sein, dann Gott und die Liebe. Wenn Du/ich nicht "Bin" gibt es Deinen/meinen Gott auch nicht.


Herzlichst
Kayen
Hm, das sind Wortspiele. Du kannst es so oder anders herum formulieren.

Mein Gott existierte zuerst und nicht umgekehrt! Ich existiere, weil Gott es so wollte, und mein Bewußtsein ist das Resultat seines Willens und nicht umgekehrt. Gott ist keine Projektion des Gehirns, auch wenn er sich dort teilweise spiegelt oder sonstwie manifestiert. Sondern der Mensch, die Materie seines Körpers und sein Geist, ist eine Projektion von der göttlichen Lichtquelle.
Gott agiert, der Mensch reagiert!

Natürlich kann man diese Logik rethorisch auch umdrehen und hat auch dann eine gewisse Richtigkeit, schließlich gibt es eine gewisse relative Willensfreiheit, mit der man sich seines Gottes mehr oder weniger bewußt sein kann, und Gott läßt dies durchaus lange Zeit so oder so zu.

Aber das hat wieder seine Grenzen. Dann sind deine Mitmenschen auch nur eine Einbildung. Sie hat es vorher nicht gegeben und beginnen erst zu existieren, als du sie kennenlergntest. Aus subjektiver Sicht ist das schon richtig. Aber deshalb glaube ich dennoch, daß es auch schon vor meiner Geburt Menschen gab und ich auch noch viele kennenlernen werde, die ich heute noch nicht kenne, aber dennoch schon existieren.

Den absoluten Beweis oder Gegenbeweis kannst Du rein rethorisch oder in einer Gegenüberstellung subjektiver oder objektiverer Wahrnehmung nicht bringen. Aber für mich ist die objektivere Version der Weltsicht sinniger und vernünftiger und ich bin der Meinung das dies auch das beste für andere ist.

Geändert von Joh70 (09.08.13 um 16:03 Uhr)


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