Was tun im Dilemma?

27.01.12 17:03 #1
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Arosa ist offline
Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo an alle,
was kann man tun in folgendem Dilemma:
Ein Angehöriger liegt mit Durchfall, Clostridien im Krankenhaus. Jeder weiß: viel Flüssigkeit muss sein.
Das Pflegepersonal macht das offenkundig und ungeniert gerade nicht. Gründe sind klar: die wollen/können nicht den ganzen Tag das sauber machen.
Etwas sagen ist sehr gewagt - Gründe sind auch klar : Macht- und Abhängigkeitsverhätnisse.
Was würdet ihr tun?
Viele Grüße
Arosa

Was tun im Dilemma?

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Ich würde unverzüglich mit dem Stationsarzt sprechen und die Bedenken vortragen.
Gerade bei den schweren Durchfällen muß man (hier ein Auszug):

Elektrolyte und Flüssigkeit zuführen

"Bei einer pseudomembranösen Kolitis reicht dagegen das alleinige Absetzen des Antibiotikums nicht aus. Eine Elektrolyt- und Flüssigkeitszufuhr ist hier in den meisten Fällen unerlässlich. In schweren Verläufen kann auch eine parenterale Ernährung notwendig werden. Während einer pseudomembranösen Kolitis muss auf Arzneimittel gegen Durchfall verzichtet werden. Um die Ansteckungsgefahr einzudämmen, ist auf besondere Hygiene zu achten. In schweren Fällen und um im Krankenhaus weitere Infektionen zu vermeiden, wird der Erkrankte sogar isoliert."

Ich würde klar stellen, dass für mögliche Schäden, die durch eine Dehydrierung entstehen die Klinik verantwortlich gemacht wird. Es wäre mir egal was die von mir halten...
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Was tun im Dilemma?

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Danke, James,
ich hab nicht Angst davor, was man von mir hält.
Alle, die ich kenne, wagen es nicht, im Alten-und Krankenpflegebereich sich zu bschweren aus Angst - oder Wissen? - vor den Folgen.
Eine Verwandte, die in der Klinnik arbeitet, sagte wortwörtlich, ich solle im Interesse meines Angehörigen den Mund halten.
Die Mutter einer Freundin, die im Krankenhaus einen Dekubitus bekam, hat ihrer Tochter verboten, sich an die Stationsschwester zu wenden aus Angst - oder Wissen? - um die Folgen.
Usw.
Was ist das kleinere Übel?
Grüße von Arosa

Was tun im Dilemma?

James ist offline
Moderator
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Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
Mir sind solche Zusammenhänge leider nicht unbekannt. Sie können aber nur geändert werden wenn man was dagegen tut. Derartige Aktionen können die Betroffenen nicht leisten, es sind alte und kranke Menschen, zumeist noch verschüchtert und ängstlich. Das muß also von außen kommen und dabei hat man gar nicht mal schlechte so schlechte Karten.
Wie man dabei sinnvoll vorgeht hängt natürlich von den Gegebenheiten ab. Es geht ja nicht darum, dass man die Einrichtung platt machen möchte sondern darum, dass menschen-würdige Verhältnisse geschaffen werden. Wenn man in der Einrichtung selbst kein Gehör findet kann man was über das Gesundheitsamt oder über Kommunalpolitiker notfalls auch über die örtliche Presse Änderungen erreichen.
Gerade im Alten- und Krankenpflegebereich kann man ganz genau beobachten wie mit den pflegebedürftigen Patienten unterschiedlich umgegangen wird: je öfters Angehörige Patienten besuchen und sich um sie kümmern um so besser wird die Person von der Einrichtung umsorgt...
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Was tun im Dilemma?

Arosa ist offline
Themenstarter Beiträge: 170
Seit: 13.08.11
Hallo James,
ich bin in dieser Hinsicht leider ziemlich entmutigt und auch entkräftet durch Erfahrungen mit zwei Altenheimen, in denen meine Mutter ihre beiden letzten Lebensjahre verbringen musste.
In dem einen konnte die Präsenz von Angehörigen wohl minimal etwas bewirken, aber eigentlich müsste man dauernd standby sein. Und Fakten werden so verdreht und geschönt. Ein Heim, das vom Pflege-TÜV mit 1,1 bewertet wurde!

Beim anderen hat die Präsenz von Angehörigen bewirkt, das die "Bewohnerin" (wie das schon klingt) gemobbt wurde - unfreundlich behandelt; als einzige kein Ei zum Frühstück; ignoriert, wenn sie um eine Jacke bat; Bettgitter neben ihrem Ohr knallen gelassen usw.
Das einzige, was je Änderung - aber nur an der Oberfläche, uns Angehörigen gegenüber - bewirkte, war das Wort "Rechtsanwalt" gegenüber dem Leiter der Einrichtung.
Ich habe das dort Erlebte bis heute nicht verarbeiten können.

Es geht auch anders. Unser derzeitiger ambulanter Pflegedienst ist toll. Und in der Reha-Klinik hat mir auch vieles gefallen. Aber es reicht ja, wenn eine einzige Pflegekraft einen Patienten 4 Stunden ohne Klingel in Reichweite liegen lässt... Da kann man nicht sagen: 9 x gute Burteilung und 1x schlecht gibt guten Durchschnitt von 8, die Rechnung funktioniert nicht.

Viele Grüße
Arosa

Was tun im Dilemma?

James ist offline
Moderator
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Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
Kann ich verstehen und es ist wirklich nicht einfach!

Für jene Menschen, die direkt unter solchen Bedingungen leiden ist es aber noch schwieriger -wenn nicht gar unmöglich- Verbesserungen durch zu setzen. Das geht echt nur von Außenstehende...
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James


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