Sozialer Absturz in D-land generell, aber

13.06.11 09:32 #1
Neues Thema erstellen
Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Laudanum ist offline
Beiträge: 1.469
Seit: 16.11.10
"Kleine" Selbständige, besonders wenn sie im Dienstleistungsbereich tätig sind, verdienen oft weniger als ihre festangestellten Kollegen
Und arbeiten nicht selten doppelt so viel, wenn nicht noch mehr!

Welche Partei sollen wir wählen, um das soziale Gleichgewicht wieder herzustellen und der Ungleichverteilung von Werten und Geld Einhalt zu gebieten? Ich habe den Eindruck, egal wie wir wählen, es bleibt sich gleich.
Die Befürchtung habe ich auch! Vielleicht einfach sympathische Kleinstparteien wählen und die Großen, die ja jetzt langsam alle mal dran waren, außen vor lassen...

lg, laudanum

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Dora ist offline
Beiträge: 2.848
Seit: 05.07.09
Thema Leiharbeiter und Lohndumping

Gerade diese Woche war wieder ein großer Autokonzern in BW in der Kritik.
Ein Facharbeiter hat 19.50 Euro, ein Leiharbeiter bekommt
für die gleiche Arbeit aber nur 10.00 Euro beziehungsweise nach
Abzug für die Vermittlung nur noch 7.50 Euro.
Wie soll mit diesem Betrag noch irgendjemand existieren können?

Um sonst sind die Jobcenter nicht wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Meiner Meinung nach gehören die alle abgeschafft.

Da frage ich mich, warum wir überhaupt noch Arbeitsämter haben?


Selbständige


Das Unangenehme wird ja leider oft übersehen.


lg
__________________
Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich schreibe - nicht dafür, was du verstehst!

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Nischka ist offline
Beiträge: 1.532
Seit: 02.01.11
Hallo!
Meine Tochter ist "scheinselbständig", sie macht derzeit Promotion usw. Selbst wenn sie genug Aufträge hat (nie regelmäßig), bleibt jeden Monat die Angst im Nacken: Schaff ich es, diesen Monat meine Miete (und andere Kosten) zu bezahlen?
Neuerdings hat sie sich doch durchgerungen, mit Arbeitslosengeld aufzustocken (ich hasse dieses andere Wort dafür), nimmt dafür end-endlosen bürokratischen Nerv auf sich.
Da sie gerne ein Studium anfangen möchte, kommt nochmal eine doppelte Dosis Bürokratie obendrauf, monatelanges Ackern an der Finanzierung, teils täglich unterwegs wegen Sammelns von "Papieren".
Summa sumarum: Sie ist völlig überarbeitet und abgenervt, kracht gerade ziemlich zusammen, hat Telefon und Klingel abgestellt, kann niemanden mehr sehen, will nur noch ihre Ruhe.
So sieht das "Leben" ganz junger Menschen heutzutage oftmals aus. Steine, Brocken, Felsen im Weg, wo nur möglich. Damit es ja nur keinen Spaß macht!

Ich könnt auf die Barrikaden gehen!

Scheint Methode zu sein.

Gysi hat mal eine Äußerung gemacht, bei der ich dachte: Genial!
Er sagte, daß man das ganze Bürokratieverfahren umkehren müsse: Man stellt einen Antrag, und wenn binnen sechs Wochen keine Ablehnung erfolgt, ist der Antrag durch. Fertig.
Ich glaube, er sagte, das sei in Spanien so.

Zum Wählen. Dominik Storr, der Bürgeranwalt aus München, war in einer Talksendung im letzten Jahr. Den haben sie tatsächlich reden lassen. Er sagte ganz eindeutig, daß es egal ist, wen man wählt, daß sämtliche Parteien an die Wirtschaft geknüpft sind, und daß Politiker nur Marionetten sind. Er wählt nicht.
Wenn im Parlament abgestimmt wird, wissen die wenigsten, die dort sitzen, worum es eigentlich wirklich geht.
Es liegt z. B. ein Stapel an Papieren vor ihnen zu dem Thema, zu dem an dem Tag abgestimmt werden soll, den lesen sie natürlich nicht. Und dann gucken sie nach links und rechts, wie die anderen abstimmen, und - ja - dann hebt man eben auch den Finger. So ungefähr.

Und in Brüssel wurde festgestellt, daß über die Hälfte der Politiker koksen.

Ich hab allerdings auch schon mal gedacht, daß es sinnvoll sein könnte, die ganz kleinen Parteien zu wählen, wie z. B. die, in der Barbara Rütting unterwegs ist, es ist die Tierschutzpartei (Mensch, Umwelt, Tierschutz).

Partei Mensch Umwelt Tierschutz

Aber vielleicht brauchen wir langfristig die Politik überhaupt nicht mehr, meinetwegen soll sie abgeschafft werden - oder so wie in Bolivien betrieben werden. Ist übrigens richtig richtig wohltuend, die Verfassung Boliviens mal zu lesen, so geht es nämlich auch!!

Hier:
Statt EU-Vertrag lieber die Verfassung Boliviens | Sein Redaktion

oder auch hier:
Bolivien auf der Überholspur | Sein Redaktion

Ist mir schon oft aufgefallen, daß man manchmal erst aus einer Resignation oder Trägheit herauskommen kann, wenn man sieht, daß es DOCH noch was besseres gibt, für das es sich lohnt, die Ärmel hochzukrempeln.

Und dann zum Thema Arbeit noch was Supernettes von der Firma Semco in Portugal :

Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende | Sein Redaktion

Hier ein Ausschnitt:

Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende


Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben.
Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.

Respekt als Erfolgsrezept

Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar.
Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent.

Nun aber einen schönen Sonntach!!
__________________
Stell Dir vor, es gibt Funk, und keiner nutzt ihn :-D

Geändert von Nischka (19.06.11 um 04:06 Uhr)

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

philia ist offline
Themenstarter Beiträge: 305
Seit: 13.03.11
Globale Regierung?
Von wem gewählt? Oder gar … ÜBERHAUPT gewählt?? Oder tatsächlich bloß einfach eingesetzt?



Die unzähligen Krönungen, Revolutionen, Staatsstreiche, Ernennungen, Wahlen, Attentate und Regimewechsel, die es im Laufe der Menschheitsgeschichte gab, haben niemals wirklich zu einer optimalen und dauerhaften Regierung irgendwo auf der Welt geführt.

Wäre Politik das Mittel der Wahl und alle Menschen wollten wirklich Frieden, dann haben sie nun aber wirklich genug Zeit gehabt, sich einander anzunähern und ein System zu erarbeiten, das niemand unterdrückt, weder Machtmißbrauch noch Geldgier noch Bestechung Vorschub leistet, alle Errungenschaften der Menschheit bis heute, die sie positiv weitergebracht haben, auch nur positiv zu nutzen und negative Entwicklungen im Keim zu ersticken. Das erfordert natürlich neben ungeheurer Kompetenz auch Offenheit und Ehrlichkeit, selbst auf die Gefahr hin, daß dies Menschen mit arroganten Allüren unangenehm werden dürfte. Überhaupt: die menschlichen Charaktereigenschaften --- das scheint die Baustelle schlechthin zu sein, warum das bis dato noch nicht geklappt hat.

Cäsaren, Könige, Premierminister, Kanzler, Fürsten, Präsidenten, Generalsekretäre, Diktatoren, sonstige Gurus usw. usf., die all die Jahrtausende die Macht innehatten, haben sie wieder abgeben müssen oder wurden entlarvt, entmachtet, fielen Attentaten zum Opfer u. dergl.

Aber trotzdem brauchen wir Menschen hier auf der Erde doch zweifellos eine kompetente und dauerhafte Führung bzw. Regierung, die auf für Menschen überall auf der Welt gültigen Grundsätzen und Gesetzen aufgebaut ist. Menschen sind überall Menschen und ihre Bedürfnisse dürften auch überall diejenigen wie gut essen, gut trinken, gut wohnen, für die Familie gut sorgen, gut arbeiten, gut Freizeit verbringen, gute Freunde finden bzw. Freundschaften pflegen, soweit möglich und machbar die Gesundheit erhalten usw. sein.

Auch ich denke: wer aufgehört hat zu wählen (wo dies möglich ist bzw. einem die Wahl gelassen wird), hat seine Gründe dafür. Nischka, deine Ausführungen und Links muß ich noch durcharbeiten, interessante Infos...

Aber Habgier scheint der Grund schlechthin zu sein, weshalb alle Güter und Finanzen dieser Welt immer ungleicher verteilt werden. K-Frage: Läßt sich Habgier ausrotten und dafür eine gerechte Verteilung aller für das menschliche Leben notwendigen Güter erreichen? Niemand kann dem anderen hinter die Stirn und ins Herz gucken ...

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

lealee ist offline
Rubrikenbegleiterin Entsaften / Mixen
Beiträge: 799
Seit: 05.02.10
Das Schlimme ist, dass im 21. Jahrhdt. Habgier hoffähig geworden ist und Erfolg ausschließlich an Zahlen gemessen wird, egal wie sie zustande gekommen sind. Wobei Zahlen gleichzusetzen ist mit Geld und damit wären wir wieder bei der Habgier.

Die Teilhabe der Arbeiter und Bürger am Wohlstand ist schon lange kein politisches Ziel mehr - im Gegenteil, die meisten Errungenschaften unserer Gewerkschaften wurden dem Profit geopfert.

Jemand hat mal gesagt: Sklavenhalter aus dem 18. Jahrhundert mussten mehr für ihre Sklaven aufwenden als die heutigen Ausbeuter. Diese mussten für das Essen und ein Dach über den Kopf sorgen und dafür, dass die Leute gesund blieben. Dafür ist der Wirtschaftssklave von heute selbst zuständig bzw. wird die Solidargemeinschaft bemüht, die für die Zuwendungen zum Lebensunterhalt aufkommen muss, während die Ausbeuter munter hohe Gewinne einstreichen. Trotzdem hält sich die Politik hier heraus - mit welchem Recht?

LG Lealee

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Eric68 ist offline
Beiträge: 75
Seit: 10.05.11
Nischka, ich denke auf keinen Fall, dass es egal ist, ob und wenn ja , was man wählt.

Es gibt wie schon mal geschrieben, Parteien die niemals eine Bürgerversicherung sondern immer eine Zweiklassenmedizin wollen. Es gibt aber auch Parteien, bei deren Alleinregieurng die Bürgerversicherung eine Frage von Monate wäre.

Es gibt Parteien, die niemals einen Flächendeckenden Mindestlohn einführen werden, von dem ein Arbeitnehmer/in dann auch gut leben kann. Es gibt aber auch Parteien, deren erste Amtshandlung die Einführung eines solchen wäre.

Nichtwählen aus Protest ist sicher eine Möglichkeit, aber niemals eine Lösung. Durch Passivität kann man keine Umstürze einleiten.

Grüßle

Eric
__________________
Ich habe resigniert. Nie wieder Arzt !!! ( Erst wieder für den Totenschein )

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

philia ist offline
Themenstarter Beiträge: 305
Seit: 13.03.11
Eric, und warum wählen nicht alle, die solche Ergebnisse wünschen, diese so umgehend handelnden Parteien?

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Dora ist offline
Beiträge: 2.848
Seit: 05.07.09
Zitat von philia Beitrag anzeigen
Eric, und warum wählen nicht alle, die solche Ergebnisse wünschen, diese so umgehend handelnden Parteien?

Diese Frage stelle ich mir auch jedesmal.
__________________
Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich schreibe - nicht dafür, was du verstehst!

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Eric68 ist offline
Beiträge: 75
Seit: 10.05.11
ähm, sry, die Frage stelle ich mir ja auch. Nur das war ja nicht das Thema des Threads, sonder hierin liegt ja schon die Lösung.

Alle motzen, auch die "Armen", aber ich vermute ( hab da echt keine Zahlen zu ) , dass unter den sozial Schwachen die Zahl der Nichtwähler höher ist, als beim Durchschnitt.

Hinzu kommt vielleicht noch die mangelnde politische Information. Es soll ja sogar Hartz4-Empfänger gegeben haben, die wegen der lautstarken Steuersenkungsversprechen 2009 FDP gewählt haben

Deshalb bleibe ich dabei : " Teilweise selber Schuld ! "
__________________
Ich habe resigniert. Nie wieder Arzt !!! ( Erst wieder für den Totenschein )

Sozialer Absturz in D-land generell, aber

Nischka ist offline
Beiträge: 1.532
Seit: 02.01.11
Aber trotzdem brauchen wir Menschen hier auf der Erde doch zweifellos eine kompetente und dauerhafte Führung
Ich glaube, daß wir Menschen seit sehr langer Zeit an "Führung" gewöhnt sind, selbst als Erwachsene, also immer: Autoritäten außerhalb von uns, die für uns Entscheidungen treffen und uns sagen, wo es langgeht. Daher kommen wir gar nicht mehr von diesem Denkmuster runter und können uns nicht vorstellen, daß es anders auch ginge.
Ich glaube nicht, daß wir sie brauchen.

Im Gegenteil, ich bin der Ansicht, daß der Weg zu einer "besseren Welt" bei uns selbst anfängt. Ich meine, daß es unabdingbar wäre, daß Kinder von klein auf wie selbstverständlich lernen, alles selbst zu überprüfen, was ihnen gesagt wird, selbst zu entdecken, alles zu hinterfragen. Eben nicht automatisch übernehmen, was ihnen die Großen andrehen.
Das würden dann eigenverantwortliche, kritische, kompetente und kreative Mitmenschen mit gesundem Verstand werden.

Ich habe für mich herausgefunden - angeregt durch Jiddu Krishnamurti und Byron Katie -, daß der Kern des Übels in unserer Welt Dogmen sind, Überzeugungen, diese fördern Rechthaberei und damit die Spaltung unter den Menschen. Das kann man gut bei den Religionen beobachten. Jede Religion beansprucht für sich, "die Wahrheit" zu wissen und zu verkünden und steht somit automatisch in Konkurrenz zu anderen Religionen.
Da finden die Menschen also nie zueinander.

Menschen, die gelernt haben, alles zu hinterfragen, insbesondere und als erstes bei sich selbst (also: Überzeugungen als solche bei sich identifizieren), sich - laut Byron Katie - als erstes fragen: Kann ich wirklich wissen, daß das wahr ist?, die haben auch eine Offenheit gegenüber anderen Ansichten.
Überzeugungen sind tote Materie, aber unsere Welt ist eigentlich lebendig, wir könnten dynamisch und lebendig und offenherzig miteinander umgehen, ein "Wir" entwickeln.

Aber da die Menschheit sich erstmal für einen Irrweg entschieden hat (ich pauschalisiere jetzt mal), geht es so nicht mehr endlos weiter, das meine ich jedenfalls.

Ich meine, daß jeder Mensch irgendwelche Fähigkeiten hat, die er/sie zum Gemeinwohl einsetzen kann. Da braucht man keine "Führung", keine äußeren Autoritäten (Buchempfehlung: Guru papers, 2001-Verlag), jede/r ist es selbst im eigenen Bereich.

Hätten wir beispielsweise Lebenseinheiten bis zu 150 Menschen - ich hörte, daß Forscher diese mal als Maximum herausgefunden haben für eine funktionierende Gemeinschaft -, dann könnte jede/r mit jeder/m eine Beziehung haben, einen Bezug. Dann hätte Habgier, wenn man wie o. g. miteinander umgeht, keinen Platz mehr, auch würde keiner eine Bananenschale achtlos auf die Straße werfen, weil er/sie genau weiß, daß nicht Mr. Anonym auf dieser ausrutscht, sondern möglicherweise gute Freunde.

Das nur so in kurz.

Viele Sonntachsgrüße

P. S. Was mir gerade noch einfällt: Aldous Huxley, der Schöne neue Welt geschrieben hat, hat kurz vor seinem Tod auch einen Gegenentwurf geschrieben im Buch "Eiland". Ich habe es gelesen und fand viele Strecken darin richtig interessant, gute Anregungen, wie eine kleine Welt funktionieren könnte. Huxley war übrigens mit J. Krishnamurti gut befreundet.
__________________
Stell Dir vor, es gibt Funk, und keiner nutzt ihn :-D

Geändert von Nischka (19.06.11 um 22:06 Uhr)


Optionen Suchen


Themenübersicht