Der Blindenführhund !

22.03.10 12:11 #1
Neues Thema erstellen

helfendeengel ist offline
Beiträge: 7
Seit: 21.03.10
Als Blindenführhunde werden meist der Collie, Labrador-Retriever, Golden-Retriever, Deutscher Schäferhund, Amerikanisch-Kanadischer Schäferhund (Weißer Schäferhund), Riesenschnauzer und Königspudel ausgebildet, weil sie angeblich nicht so ein hohes Aggressionspotiential haben. Die Schulterhöhe der Blindenführhunde sollte zwischen 50 – 65 cm betragen. Das Alter dieser Hunde beträgt zwischen 13 – 15 Jahren.
Ihre Diesnstzeit als Blindenführhund dauert nur ca. 7 Jahre. Danach gehen sie in Pension, bei anderen Familien, oder Singles1.
Da die Blindenführhunde ein Leben lang eine relativ sehr hohe stressreiche Arbeit haben, ist man der Meinung, dass diese Hunde nicht so alt werden, wie ihre ArtgenossInnen, die als gewöhnliche Haus und Freizeithunde ihr Leben führen dürfen. Aber dem ist nicht so, wenn ein Blindenführhund trotz seiner sehr wichtigen Arbeit artgerecht gehalten wird, damit meine ich, dass der Hund nicht nur als Hilfsmittel, sondern auch als Partner und treuer Begleiter angesehen wird. Denn nur so kann auch eine sehr gute soziale Bindung zwischen Mensch und Hund aufgebaut werden.
Der Aufbau einer gegenseitigen Vertrauensbasis ist besonders wichtig im ersten Jahr des Gespanns. Das ist die wichtigste Voraussetzung für ein gut funktionierendes Führgespann. Gelingt der Bindungsaufbau in dieser Zeit nicht, bleiben Mensch und Blindenführhund häufig unsicher. Es bleibt auch später wichtig, engen Kontakt zu den Tieren zu halten, um die Bindung zu gewährleisten. Bei Paaren, in denen ein Partner sehend ist, kann es vorkommen, dass die Hunde eine intensivere Beziehung zum sehenden Menschen aufbauen, wenn dieser sich häufiger mit dem Tier beschäftigt und Spiele wahrnimmt, die Blinden nicht möglich sind.
Ein Blindenführhund sucht wunschgemäß Türen, Treppen, Zebrastreifen, Telefonzellen, Briefkästen, freie Sitzplätze (z.B. in Bus oder Bahn) und vieles mehr. Er zeigt das Gefundene an, indem er davor stehen bleibt.
Blindenführhunde sind in der Lage, blinde und sehbehinderte Menschen sicher durch Orte zu führen, indem sie Hindernissen wie Straßenschildern, parkenden Autos, Fußgängern usw. ausweichen und Straßenbegrenzungen, Treppen, Türen, Fußgängerstreifen anzeigen. Ein gut ausgebildeter Blindenführhund umgeht jegliche Art von Hindernissen oder zeigt diese an, indem er stehen bleibt.
Für ein gut ausgebildetes Führgespann sind geparkte Autos, Laternenpfähle, Fahrradfahrer etc. daher kein Problem. Zu den Hindernissen, auf die ein Führhund reagieren muss, gehören auch Bodenhindernisse wie Pfützen oder Schlaglöcher und Höhenhindernisse wie herabhängende Äste oder Schilder, d. h. der Hund muss auch Hindernisse anzeigen und umgehen, die für ihn selbst keine sind. Im Fall einer drohenden Gefahr etwa im Straßenverkehr muss der Führhund in der Lage sein, einen Befehl ausnahmsweise zu verweigern (intelligenter Ungehorsam). Ein ausgebildeter Führhund beherrscht etwa 40 Hörzeichen, bei entsprechendem Training kann er aber noch wesentlich mehr (bis zu 400) erlernen. Damit diese Fähigkeiten nicht verloren gehen, sind ihre Besitzer angehalten, sich intensiv mit ihrem Hund zu beschäftigen und die Kommandos regelmäßig zu trainieren.


Mein Weg zum Blindenführhund !

helfendeengel ist offline
Themenstarter Beiträge: 7
Seit: 21.03.10
Seit zwei Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Ankauf eines Blindesführhundes.
Entschieden habe ich mich für einen Blindenführhund aber schon seitdem ich weiß, das meine Augen zunehmend schlechter werden.
Hunde hatte ich schon seit meinem 15 Lebensjahr. Ich war auch auf nationalen und internationalen Ausstellungen in ganz Deutschland und auch zweimal in Österreich.
Mein Exmann war beim Wachdienst beschäftigt und wir hatten vier Hunde. Zwei Rottweiler und zwei Dobermänner, die abwechselnd ihren Dienst verrichteten.
Im Oktober 2007 stellte meine Sozialbetreuerin vom Österreichischen Blinden – und Sehbehindertenverband Wien – Niederösterreich und Burgenland einen Antrag zu öffentlichen Stellen wie : das Bundessozialamt, Land Niederösterreich usw. für den Ankauf eines Blindenführhundes.
Und seit Mai 2009 habe ich das Geld für Blindenführhund zusammen. Der Weg zu einem Blindenführhund ist zwar sehr steinig, aber nicht unmöglich. Man braucht dafür Geduld. Es geht nicht, wenn man sagt man möchte jetzt einen Hund und gleich am nächsten Tag bekommt man den Hund auch.
Eines sollte man auch noch beachten:
Bei einem Pensionisten / in, wie bei mir, sind zwei Jahre für den Ankauf eines Blindenführhundes ganz normal. Wenn man Berufstätig ist, geht es viel schneller, da der Blindenführhund ein Hilfsmittel ist.
Bitte beachten Sie auch, dass ein Blindenführhund keine Maschine, Computer oder Roboter, sondern ein Lebewesen ist, was auch einmal unpässlich sein kann, oder auch längere Zeit krank ist und seinen Dienst nicht ausführen kann. Aus diesem Grund muss der Blinde oder Sehbehinderte auch ein Mobilitätstraining absolvieren,damit er sich auch ohne Hund fortbewegen kann.

Vorteile eines Blindenführhundes !

helfendeengel ist offline
Themenstarter Beiträge: 7
Seit: 21.03.10
Die/Der Sehbehinderte und Blinde ist mit einem gut ausgebildeten Blindenführhund viel selbständiger und unabhängiger unterwegs. Auch kann sie/er zu jeder Zeit seinen eigenen Bedürfnissen folgen und fühlt sich auch in fremder Umgebung viel sicherer und hat dadurch auch weniger Stress und kann sich so auch etwas leichter selbst orientieren.
Blindenführhunde geben ein großes Gefühl der Sicherheit. Sehbehinderte und Blinde haben dadurch auch größere Lebensqualität und leben gesünder, da sie sich sehr viel im freien bei jedem Wetter aufhalten und der Hund ja auch seine “Geschäfte” verrichten muss. Darum sollte sich auch jede/jeder Blinde und Sehbehinderte sich vor Anschaffung eines Blindenführhundes ihre/seine Gedanken machen und Erkundigen bei Blindenverbänden und Blindenführhundeschulen einholen.
Darum auch hier ein Appell an alle Sehbehinderten und Blinden – bitte beachten Sie bei der Anschaffung eines Blindesführhundes folgende Fragen:
1. Sind sie überhaupt ein Hundetyp?
2. Die Haltung eines Hundes sind sehr kostenintensiv (Tierarztkosten, Futterkosten, Haftpflichtversicherung, etc.). Sehr gut wäre eine Krankenversicherung, denn wenn man als MindestpensionistIn nicht soviel Geld hat, kann man sich unter Umständen eine Operation des Hundes nicht leisten. Aus diesem Grund ist es besser einen jährlichen Betrag an die Hundekrankenversicherung zu bezahlen, denn man bekommt ja zwei doppelte Pensionen und da ist zum Beispiel der jährliche Tierarztbesuch sowie Haftpflicht und Krankenversicherung vom Hund inkludiert. Auch ich mache es so.
3. Wäre man auch bereit einen Urlaub zu verschieben, oder sogar ganz auf den Urlaub zu verzichten?
4. Ein Hund ist nicht immer einsetzbar (krankheits- oder stressbedingt).
5. Der Hund muss ausreichend bewegt werden.
6. Auch können Blindenführhunde maximal 10 Jahre “Dienst tun”, dann muss neues Tier angeschafft werden.
7. Alte Tiere, die „in Pension gehen“, kann man, wenn man möchte, auch selbst behalten, oder sie werden in so genannten Patenfamilien untergebracht.
8. Kümmert sich jemand um meinen Hund, wenn ich mal nicht in der Lage sein sollte (Unfall, Erkrankung, Krankenhausaufenthalt und im schlimmsten Fall auch Tod)?
9. Ist meine/mein VermieterIn damit einverstanden, dass ich einen Blindenführhund halte? Wenn nicht, bin ich bereit umzuziehen?

Die Bitten eines Blindenführhundes

helfendeengel ist offline
Themenstarter Beiträge: 7
Seit: 21.03.10
Bitten eines Führhundes
*
1.Wenn ich mein Geschirr trage, bitte streichelt und lockt mich nicht.
Denn meine Arbeit erfordert sehr viel Konzentration und jede Art von Ablenkung könnte meinen
blinden Partner/innen gefährden.

2. Fragt bitte meinen hochgradig sehbehinderten oder blinden Partner/in, ob und wie ihr ihm behilflich sein könnt!
Spontanes und schnelles Anfassen, oder sogar Festhalten am Führgeschirr machen mich und meinen Begleiter/innen unsicher. Ihr könnt uns sehr gerne eure Hilfe anbieten, aber seid nicht beleidigt, wenn Herrchen oder Frauchen es ablehnen sollten, denn wir beide sind ein eingespieltes und sehr gut zusammenarbeitendes Team und daher auch sehr selbständig.

3. Bitte, sagt meinem Herrchen oder Frauchen, welche Busse mit welcher Nummer einfahren und wohin diese Busse fahren. Oder
wann die Ampel auf "grün" steht! Ich bin zwar sehr intelligent, aber lesen oder eine Ampeln richtig deuten,dass kann ich nun mal nicht.

4. Haltet Euch bitte dringend an die Verkehrsvorschriften!
Zugeparkte oder mit Fahrzeugen verstellte Gehwege zwingen mich und mein Herrchen bzw. Frauchen auf die Straße auszuweichen, wo es durch den vielen Verkehr für uns beide sehr gefährlich werden kann.

5. Erlaubt mir bitte den Zutritt zu Lebensmittelgeschäften!
Das Gesetz ist zwar auf meiner Seite, aber dennoch schimpfen immer noch Leute über mich in den Geschäften. Denn Ihr lasst eure Augen ja auch nicht vor dem Geschäft stehen und warten bis ich wieder herauskomme

6. Bitte, erschreckt mich nicht mit Knallkörpern und dergleichen!
Ihr gefährdet damit meine Diensttauglichkeit und mein blinder Partner/in verliert einen verlässlichen Führer/in.

7.Haltet bitte eure Hunde zurück und umgeht uns zügig!
Ich darf im Dienst nicht schnuppern und spielen.
Doch in meiner übrigen Freizeit bin ich jederzeit fürs knuddeln,spielen für und eine wilde Rennerei zu haben.

8. Füttert mich bitte nicht!
Ich bin dazu erzogen worden, von Fremden nichts anzunehmen. Jeder Versuch von eurer Seite untergräbt diesen Gehorsam und mein blinder Partner/in wird dann zu Recht sehr ungehalten.

9. Bitte, verzichtet darauf, jegliche gefährliche Dinge (!) auszulegen oder Glasscherben einfach liegen zu lassen bzw. informiert meinen blinden Partner/in über derartige Gefahrenquellen! Er / Sie erkennt nicht, womit meine Pfoten in Berührung kommen bzw. was ich im Freilauf aufnehme. Eure Achtlosigkeit bezahle ich mit längerem oder dauerhaftem Dienstausfall, schlimmstenfalls sogar mit meinem Leben!

Falls ihr Fragen über mich, meine Ausbildung und unsere Arbeit habt, so scheut euch nicht, meinen Partner /in offen anzusprechen.

Der Blindenführhund !

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.906
Seit: 20.05.08
Hallo helfendeengel,

herzlichen Dank für die sehr informativen Beiträge zum Thema Blindenfürhund. Für jene, deren Sehvermögen stark eingeschrenkt ist, ermuntert es wirklich sich mit dem Thema zu beschäftigen und auf diese Weise die Lebensqualität zu verbessern.
Aber auch nicht betroffene sollten sich mal unbedingt Deinen Zeilen widmen und vor Allem Deine Hinweise im #4 lesen! Vieles wird gedankenlos gemacht, was Betroffenen das Leben erschwert. Manches sind nur Kleinigkeiten, die kaum Mühe bereiten aber große Wirkung haben können. Gut, das dies hier mal angesprochen wurde...
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Weiterlesen

Optionen Suchen


Themenübersicht