Leben ohne Diagnose, wer noch?

29.11.17 11:32 #1
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Leben ohne Diagnose, wer noch?

Sternenbande ist offline
Themenstarter Beiträge: 78
Seit: 26.01.11
Danke für deine Antwort. Soweit ich weiß ist CFS aber auch keine offizielle anerkannte Krankheit, oder?

Wie ist es denn bei Dir mit der "erfundenen" (so hab ich es verstanden) Diagnose? Passen die Symptome, die Du hast, da drauf?
Die Symptome passen hervorragend, sogar die Medikamente dagegen helfen. Nur "leider" wurde diese Erkrankung eben ausgeschlossen.

Hat Dir nie ein Arzt eine Diagnose gegeben?
Nein leider nicht. Das heißt eine Klinik hat nach 3 Tagen Krankenhausaufenthalt in ihrem Abschlussbericht die Diagnose "Adipositas Grad I" gestellt. Ja Wahnsinn, da wäre ich von alleine auch nicht drauf gekommen.

Geändert von James (05.12.17 um 16:32 Uhr)

Leben ohne Diagnose, wer noch?

Drosera ist offline
Beiträge: 101
Seit: 27.01.15
Zitat von damdam Beitrag anzeigen
War bei Deinen Diagnosen denn "Psychonähe" gegeben?
Ja.

Ich hatte keine F-Diagnose bei Rentenantrag. In den Arztberichten, die ich einreichte, waren nur körperliche Krankheiten aufgelistet. Ich wurde aber von der DRV im Antragsverfahren u.a. zum Psychiater zur Begutachtung geschickt und im Widerspruchsverfahren zum Psychiater/Neurologe. Im Klageverfahren musste ich meine behandelnden Ärzte angeben und von der Schweigepflicht entbinden. Nachdem ich dies tat, kam eine Aufforderung von Gericht meinen behandelnden Psychiater, den ich bei keiner F-Diagnosen auch nicht habe, zu benennen.

Die DRV und anderen Versicherungen arbeiten strikt nach Schema F - ihren Leitlinien und Vorgaben.

So ist es auch mit der Begutachtung. Wenn man sich über die Begutachtungstermine unterhält, sind sie alle nach dem selben Muster, sogar die selben Fragen.

Auch die Beurteilung ist genormt. Im Internet findet man teilweise die Vorgaben der DRV. Ich habe dort zum Beispiel meine Bewertung des Belastungs-EKG nachgeschaut. Auch für Umwelterkrankungen wie ME/CFS gibt es eine klare Vorgehensweise nach der die Erwerbsunfähigkeit ausgesprochen oder verweigert wird. Sie habe ich auch im Internet gefunden:http://www.dgnb-ev.de/Publikationen/...CS_CFS_FMS.pdf

Sternenbande, Deine Unsicherheit und Ängste kann ich gut verstehen. Aber wenn Du Zeit und Kraft hast Dir die Vorgehensweise des Versicherungsunternehmens anzuschauen, kannst Du manche Ängste vergessen. Zum Beispiel, dass Du für die Diagnose verantwortlich bist. Das ist ausschließlich Arztsache.

Ich habe auch keine Begutachtung von verschiedenen Ämtern gehabt. Der Amtsarzt hat mir mitgeteilt, dass er komplett die Entscheidung der DRV übernimmt. Ich fragte nach der Begründung und bekam zur Antwort, dass kein Amt einem anderen Amt widerspricht und dessen Entscheidung in Frage stellt.

Ich wünsche Dir, dass Dein Gutachten des Amtsarzt von der DRV übernommen wird und Du damit auch die Erwerbsunfähigkeit weiter bestätigt bekommst.

Leben ohne Diagnose, wer noch?

James ist offline
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Seit: 20.05.08
Ich kann die Worte von Drosera voll bestätigen, da bei mir es ähnlich (die Psyche spielte in meiner Sache keine Rolle) lief.
__________________
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

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damdam ist gerade online
Beiträge: 2.229
Seit: 02.10.10
Sehr interessant, danke Drosera!
Da hab ich angesichts der Tatsache, dass ich seit Jahren wg. Schlafstörungen ein Antidepressivum bekomme, wohl schlechte Karten, dass was Umweltmedizinisches anerkannt wird (ich nehme es nur noch, weil es abhängig macht und andere Baustellen als das Absetzen dringender sind)

Auch für Umwelterkrankungen wie ME/CFS gibt es eine klare Vorgehensweise nach der die Erwerbsunfähigkeit ausgesprochen oder verweigert wird. Sie habe ich auch im Internet gefunden
Ich habe da nur die Diagnosekriterien von Fukuda abgedruckt gefunden, allerdings nicht, ob diese anerkannt werden. Meinst Du das?

Viele Grüße

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Drosera ist offline
Beiträge: 101
Seit: 27.01.15
Zitat von damdam Beitrag anzeigen
Ich habe da nur die Diagnosekriterien von Fukuda abgedruckt gefunden, allerdings nicht, ob diese anerkannt werden. Meinst Du das?
Nein. Fukuda kommt da gar nicht vor.

Es geht in dem verlinkten Dokument um die "Begutachtung von MCS,
CFS und FMS" für die DRV

Zitate daraus:

"MCS, CFS und FMS in der Begutachtung

Ohne Komorbidität mit einer relevanten seelischen Störung lässt sich eine
Leistungsminderung im Erwerbsleben nicht begründen

Begutachtung

Im Gutachten sind die objektiven Funktionseinschränkungen und der
psychische Befund darzulegen

Diagnostische Diskussionen mit dem Betroffenen ... sind zu vermeiden, ...

Gutachtliche Beurteilung

Die vielfältigen, mit Umweltfaktoren in Zusammenhang gebrachten Krankheitsbilder, denen zumeist kein objektivierbares organisches Korrelat zukommt, sollten nach den Kriterien für die funktionellen bzw. somatoformen Störungen beurteilt werden"

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damdam ist gerade online
Beiträge: 2.229
Seit: 02.10.10
Danke Drosera.
Fukuda steht weiter vorne (S.30).
Hm, mit dem von Dir zitierten liegt eine Psychodiagnose ja schon so gut wie auf der Hand (oder Erwerbsunfähigkeit wird abgelehnt), ebenso wie Psycho-Reha (was ein Witz ist, wenn es dort um "Aktivierung" geht, das aber etwas ist, was man vom Körperlichen absolut nicht brauchen kann).
Das ganze Ding könnte man aus wissenschaftlicher Sicht sowas von auseinandernehmen...

Viele Grüße

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Sternenbande ist offline
Themenstarter Beiträge: 78
Seit: 26.01.11
Danke für die Antworten. Dann noch eine andere Frage:

Ich wohne in Ostniedersachsen. Zum Gutachter soll ich nach Aachen. Wer übernimmt die Fahrtkosten? Als Bezieherin von Sozialleistungen kann ich mir die teure Zugfahrt nicht erlauben.

Geändert von James (05.12.17 um 16:33 Uhr) Grund: falsche Signatur

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Drosera ist offline
Beiträge: 101
Seit: 27.01.15
Bei mir war immer bei den Schreiben der DRV mit der Information einer Begutachtung ein Formular für Fahrkosten dabei.

Darauf musste der Gutachter unterschreiben, dass ich dort war und welches Verkehrsmittel ich benutzt habe bzw. notwendig war. Danach habe ich die Fahrkosten erstattet bekommen.

Hast Du einen "besonderen" Gutachter (seltene Qualifkation, Fachrichtung) zugeteilt bekommen, dass Du soweit fahren musst?

Schaffst Du gesundheitlich so eine lange Fahrt und Begutachtung an einem Tag? Oder sieht man deutlicher nach so einer Anstrengung wie schlecht es Dir geht?

Geändert von Drosera (05.12.17 um 15:48 Uhr)

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Sternenbande ist offline
Themenstarter Beiträge: 78
Seit: 26.01.11
Du hast die Fahrtkosten also nicht im Voraus erstattet bekommen? Das wäre bei mir nämlich sehr schlecht. Laut Bahn kostet mich die Hin-und Rückfahrt knapp 140 Euro. Das Geld kann ich von meiner Grundsicherung nicht im Voraus zahlen.

Ich muss soweit fahren, weil meine Rentenversicherung so weit weg ist.

Gesundheitlich werde ich das hinkriegen, wenn ich mit der Bahn anreise. Autofahren geht nicht. Danach werde ich aber vermutlich in einen Tiefschlaf fallen und hundemüde sein.

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damdam ist gerade online
Beiträge: 2.229
Seit: 02.10.10
Bei meiner Krankenversicherung hätte ich, wenn ich mich richtig erinnere, bei einem Klinikaufenthalt die Möglichkeit gehabt, ein festes Zugticket vorher zu bekommen. Ich würde bei der Rentenversicherung fragen, ob sie Dir das nicht auch geben können.


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