Ärztin informiert im Web - 6000€ Strafe

24.11.17 15:04 #1
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Mara1963 ist offline
Beiträge: 214
Seit: 16.02.18
Zitat von Felis Beitrag anzeigen
Das stimmt....
Aber ich würde eine Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch unternimmt nicht als Mörderin bezeichnen.
Da sind sie, die Grenzbereiche und das ist auch das, was viele Frauen innerlich sehr belasten dürfte.
Sollen sie verschont werden vor ihren Schuldgefühlen, nur weil gesetzlich festgelegt wird, dass Abtreibung nichts mit töten zu tun hat?
Ich denke, Frauen die Abtreiben denken in erster Linie an sich selbst, egoistisch (außer es geht um das Leben des Babys oder der Mutter und ist medizinisch notwenig)

Es gibt doch für jede Frau die Möglichkeit dem Kind ein Leben bei Adoptiveltern zu ermöglichen oder in einer Pflegefamilie, so dass dieser neugeborene Mensch zumindest eine Chance auf ein gutes Leben bekommt.

Jammerei bzw. die psychische Belastung der Frau kommt dann hinterher wo alles schon zu spät ist; entstehendes Leben bereits zerstört.
So könnt ich mir das vorstellen.

Mara

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James ist offline
Themenstarter Moderator
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Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
Wenn man das als Mord bezeichnet, wie muß man dann Verhütung klassifizieren? Totschlag- wenn es klappt? Und bei Fehlschlägen versuchter Totschlag? Man unterbindet ganz bewusst die Befruchtung, lässt Eizelle und unzählige Spermien unverrichteter Dinge nur "aus Spass an der Freude" sterben. Ein Unfall mit Todesfolge kann es nicht sein, da Unfälle nicht geplant sind, Verhütung aber schon. Nicht ohne Grund sind Abtreibungen nur zeitlich begrenzt möglich, da der Fötus noch in einem Frühstadium und kein Lebewesen im eigentlichem Sinne ist.
Aber ehemalige Ossis (ich bin einer) sehen das großteils anders, weil schon in den 60ígern Jahren des vorigen Jahrtausends diese Entscheidung den betroffenen Frauen und nicht der Politik überlassen wurde. Und das ist gut so. Ich hoffe dass Herr Spahn die Welt wegen seiner konservativen Ansichten nicht um viele Jahrzehnte zurück drehen möchte. Bei uns sind folgende Voraussetzungen für einen Abbruch zu erfüllen:

Der Paragraph 218 des Strafgesetzbuches stellt den Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich unter Strafe. Es gibt aber im wesentlichen drei Ausnahmen:

* Die Frau hat eine Konfliktberatung wahrgenommen und befindet sich noch innerhalb der ersten zwölf Wochen nach Empfängnis. Besondere Gründe für die Abtreibung braucht die Frau nicht anzugeben. Diese soziale Indikation zum Schwangerschaftsabbruch stellt mit 96 Prozent die mit Abstand häufigste dar. Es handelt sich bei dieser Ausnahme um einen juristischen Kompromiss: Der Eingriff gilt in diesem Fall zwar als rechtswidrig aber nicht als strafbar.

* Durch die Schwangerschaft besteht eine Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Frau. Diese medizinische Indikation wird üblicherweise auch angewandt, wenn das wachsende Kind eine schwere Erkrankung oder Behinderung aufweist. Allerdings bezieht sich die Begründung dann nicht auf die medizinische Störung des Kindes, sondern auf die resultierende Belastung der Frau im genannten Sinne. Der Abbruch kann dann auch deutlich später erfolgen – im Prinzip erst beim Einsetzen der Wehen nicht mehr. Sogenannte Spätabbrüche aus medizinischer Indikation werden allerdings üblicherweise bis zur 24. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

* Die Schwangerschaft ist durch eine Vergewaltigung entstanden. In diesem Fall kann ebenfalls in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis der Abbruch erfolgen.
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

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Mara1963 ist offline
Beiträge: 214
Seit: 16.02.18
James, für dich ist das alles eine Kleinigkeit, wie sich das für mich liest.
Verhütung ist kein Vergleich, da entsteht kein Leben.
Ein sich entwickelndes Lebenwesen ist ein Geschenk Gottes und nicht einfach so ein Ding das nach § 218 so einfach aus der Welt geschafft werden kann.

Kann aber doch, nach aktueller Gesetzeslage; leider, und leider ist das manchen auch egal :(
und dennoch jammern manche dieser Frauen hinterher rum, da habe ich kein Mitleid, zumindest ein kleiner Gewissensreiz.

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James ist offline
Themenstarter Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.916
Seit: 20.05.08
Es ist keine Kleinigkeit!
Gerade deshalb muß man nach Aufklärung und Konfliktberatung es den betroffenen Frauen und eben nicht dem Klerus oder der Politik überlassen. Und für Frauen, die nach einer Abtreibung Gewissensbisse erleiden habe ich volles Verständnis. Es sind jene, die sich die Entscheidung nicht leichtfertig gemacht aber keine Lösung ihrer Probleme gesehen haben. Es sollte den Kritikern Ansporn sein über eine Lösung der Probleme nachzudenken und nicht um Betroffene zu verdammen auch wenn Letzteres viel leichter ist.
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Gruß, James

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pita ist offline
Beiträge: 3.142
Seit: 08.04.07
Mara, ich wiederhole mich:
Du bist manchmal unglaublich hart und wenig empathisch.

Was ich schon mehrmals gedacht habe, schreibe ich nun doch:
Kannst du dir vorstellen, dass diese emotionale Härte sich bei dir auch körperlich auswirken könnte?

Sorry für offtopic

Wie bei so vielen Themen gibt es viele Graustufen.
Nur Schwarz/Weiss-Sehen ist bestimmt nicht hilfreich.

LG, pita

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Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 22.787
Seit: 26.04.04
Hallo Mara,

Sollen sie verschont werden vor ihren Schuldgefühlen, nur weil gesetzlich festgelegt wird, dass Abtreibung nichts mit töten zu tun hat?
Ich denke, Frauen die Abtreiben denken in erster Linie an sich selbst, egoistisch (außer es geht um das Leben des Babys oder der Mutter und ist medizinisch notwenig)
Ich finds schlimm, wenn Frauen abtreiben, weil das Kind grad nicht in den zeitlichen Rahmen passt und legalisierte Abtreibung bedeutet, dass jede Frau abtreiben kann, wie ihr beliebt, Mord aus meiner Sicht.
Du gehst mit den betroffenen Frauen hart ins Gericht; weißt Du wirklich, was hinter einer solchen Entscheidung stehen kann?
Wie siehst Du eigentlich die Rolle des Mannes? Zum Zustandekommen einer Schwangerschaft gehören zwei.

Gruß
Malve

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Felis ist offline
Beiträge: 5.388
Seit: 14.08.10
Hallo!
Ui ui....Ein Schwangerschaftsabbruch ist ein schwerwiegender Eingriff in den Körper einer Frau.
Fast KEINE wird das ohne innere Konflikte vornehmen - sei es aus ethischen, sei es aus medizinischen Gesichtspunkten besehen.
Mara, da du mit Gott argumentierst - Geschenk Gottes.
"Gott" wie ich ihn verstehe (oder das Göttliche) besteht auch aus totalem Verstehen, vollkommener Bewusstheit.. Mitgefühl. Wärme. Vergebung. "Er" weiss um die Qualen und Nöte seiner Wesen.
Er steht nicht begrenzt und beschuldigend am Ende der "Taten".

Das tun nur wir Menschen. Das ist auch verständlich, wir sind begrenzt in unserem Verstehen.
Die einen mehr, die anderen weniger.

Solange ein Mensch echte menschliche Regungen seines Gewissens zeigt, bin ich jedenfalls immer
auch auf der Seite der Vergebung.

Das heißt nicht, dass man schlechtes gut findet.
Das heißt auch nicht, dass man alles toleriert.

Liebe Grüße von Felis
__________________
Was man liebt, das möchte man bewahren.

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Felis ist offline
Beiträge: 5.388
Seit: 14.08.10
Oder nochmal anders: wenn du eine Tochter hättest, die ganz entgegen deiner Einstellung abtreiben würde, die vielleicht seelisch durch eine Schwangerschaft so unglücklich würde und ist, dass sie sich nicht vorstellen kann, ein Kind zu gebären- würdest du sie deswegen alleine lassen?
Als Mörderin bezeichnen, ihr sagen: nun nimm dein schlechtes Gewissen und schau wie du weiterlebst und schau alleine - ich bin nicht für dich da?
Ist das dann "Gott" in dir, der da spricht?
Was würdest du tun?
__________________
Was man liebt, das möchte man bewahren.

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Mara1963 ist offline
Beiträge: 214
Seit: 16.02.18
Zitat von Felis Beitrag anzeigen
Oder nochmal anders: wenn du eine Tochter hättest, die ganz entgegen deiner Einstellung abtreiben würde, die vielleicht seelisch durch eine Schwangerschaft so unglücklich würde und ist, dass sie sich nicht vorstellen kann, ein Kind zu gebären- würdest du sie deswegen alleine lassen?
Als Mörderin bezeichnen, ihr sagen: nun nimm dein schlechtes Gewissen und schau wie du weiterlebst und schau alleine - ich bin nicht für dich da?
Ist das dann "Gott" in dir, der da spricht?
Was würdest du tun?
Felis, ich habe zwei bereits erwachsene Töchter und habe mit ihnen schon oft über dieses Thema gesprochen, gerade in der Pubertät wo Verhütung auch Thema war.
Sie betrachten ein entstehendes Leben als ein Geschenk Gottes.

Ich denke meine Töchter sind gefestigte Persönlichkeiten und wie oder was passiert wäre im Falle eines Falles kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen.
Doch ich hätte meine Töchter in jedem Falle mit all meinen Kräften unterstützt und wir hätten versucht gemeinsam eine gute Lösung für sie und das Kind zu finden.

Gruß
Mara

Geändert von Mara1963 (19.03.18 um 08:53 Uhr)

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Mara1963 ist offline
Beiträge: 214
Seit: 16.02.18
Zitat von Felis Beitrag anzeigen
Hallo!

Solange ein Mensch echte menschliche Regungen seines Gewissens zeigt, bin ich jedenfalls immer
auch auf der Seite der Vergebung.

Das heißt nicht, dass man schlechtes gut findet.
Das heißt auch nicht, dass man alles toleriert.

Liebe Grüße von Felis
Das hast du schön geschrieben deinen Text Felis und ich will auch keinen verurteilen. Es geht ja hier nicht um eine bestimmte Person sondern um die Thematik im Ganzen.

Und hier sage ich, dass ich gegen Abtreibung bin, außer im Falle einer medizinischen Notwendigkeit wenn Kind oder Mutter gefährdet wären oder das Kind schwerstbehindert so dass es leiden müsste.

Selbstverständlich kann jede machen was sie will, da das Gesetz es erlaubt.

Ich hatte das schon mal geschrieben, jede schwangere Frau bekommt in unserem Land Unterstützung und Begleitung und es gibt die Möglichkeit ein Kind zu Pflegeeltern zu geben oder zu Adoption frei zu geben.

Wenn dann jemand abtreibt und hinterher ein schlechtes Gewissen hat ist das nicht besser oder schlechter als ohne schlechtes Gewissen aus meiner Sicht. Das entstehende Leben ist dann bereits zerstört.
Aus meiner Sicht heraus ist das Mord. Das mögen viele Leute anders betrachten, sonst gäbe es dieses Diskussionsthema nicht.


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