Eine Idee zum Aufbau eines menschenwürdigen Lebensmodells

22.11.12 11:05 #1
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Eine Idee zum Aufbau eines menschenwürdigen Lebensmodells
LieberTee
Hallo ihr alle,

ich erinnere mich, dass es die Idee, bei den Kindern anzufangen schon sehr oft gab. Das allein scheint wohl nicht zu reichen. Denn die Kinder müssen sich ja zwangsläufig an die Gesellschaft anpassenen, in die sie hineingeboren wurden. Die Eltern sind entweder schon bewusstlos angepasst oder fügen sich zähneknirschend mehr oder minder ins System.

Was ist nun krank, das System oder die Menschen? Eine Systemveränderung hat bisher nichts gebracht, siehe die mißglückten Versuche in Richtung Sozialismus. Was aber verändert grundlegend das Bewußtsein? Die meisten Menschen in den westlichen Ländern leben gut mit ihrem relativen Wohlstand und haben sich darin eingerichtet. Sie wollen weder etwas am System noch sich selbst verändern. Für sie soll möglichst alles so bleiben wie es ist und jede noch so fundierte Kritik oder Warnhinweis auf Gesundheitsschädlichkeit wird eher als Bedrohung empfunden.

Die Menschen, die an den Rand dieser ehrenwerten Gesellschaft gedrängt sind, sei es durch Arbeitslosigkeit, Abrutschen in "Harz4" oder ähnliche Lebenslagen (ich weiß nicht, wie es z.B. in der Schweiz oder Österreich ist, oder auch wie es sich in Frankreich verhält z.B...) kämpfen in der Regel ums Überleben oder haben resigniert. Wonach sehnen sich sie Menschen? Es sind nicht Werte wie Gerechtigkeit oder Solidarität, m.E., sondern ganz schlicht und einfach Wohlgefühl. Was versteht man unter Wohlgefühl? Für die meisten ist es die Sicherheit der Existenz, die Vertrautheit und Geborgenheit in der Partnerschaft, Familie oder sonstigen Gemeinschaft. Vertrautheit und Geborgenheit besteht, wenn gegenseitiger Respekt und Anerkennung besteht und liebevolle Zuwendung. Die Welt außerhalb dieser "Höhlen" erscheint als eine andere: als die feindliche Lebenswelt, in der man zu bestehen hat und aus der man sich "nach der Arbeit" wieder entfernen kann in die Geborgenheit der "Höhle".

Im Grunde sind es also immer noch die gleichen Bedürfnisse und inneren Strukturen, die in uns herrschen, die schon in der Steinzeit herrschten. Wir scheinen sehr schlicht gestrickt und unser Horizont in emotionaler Hinsicht geht nicht über die Größe der "Horde" hinaus.

So ist es erklärlich, dass kleinere Austeigergemeinschaften tatsächlich funktionieren. Ab einer bestimmten Größe, in der ein Projekt zu anonym wird, braucht es Bürokratie und die ist dann der Anfang vom Ende. Unsere Fähigkeit zu Solidarität und Mitgefühl sind offenbar erschöpft, wenn es sich um anonyme Menschen handelt. Wir sind überfordert damit.

So wäre eines der ersten Schritte, kleinere Einheiten zu emöglichen. Aber auch dort treten Schwierigkeiten auf, denn sie vermitteln zwar das nötige Maß an Geborgenheit, stellen aber gleichzeitig eine Form der Unfreiheit her, die der gegenseitigen Kontrolle und des Anpassungsdrucks. Der ist nicht mehr zeitgemäß, denn längst haben wir diese Seiten der Freiheit zu schätzen gelernt. Niemand muss mehr an einem Wohnort bleiben, in einem Betrieb bis zur Rente arbeiten..... Ist es nicht aber auch eine Illusion von Freiheit, von unbegrenzter Möglichkeit, die uns nie ankommen lässt? Und eine Illusion, die uns die Endlichkeit des Lebens umso härter erscheinen lässt? Wir wünschen uns Grenzenlosigkeit und sind doch nicht in der Lage, sie zu fassen oder emotional zu ertragen.

Die Krise scheint nicht nur äußerlich, sie besteht in uns selbst. Die Angst vor der Veränderung des Weltbildes hat schon immer zu Sündenböcken und Scheiterhaufen geführt. Die Gefahr besteht wieder. Wie sieht dieses veränderte Weltbild aus und wie schafft es unser Bewusstsein, sich dem anzupassen? Je unsicherer die Verhältnisse sich außen und innen gestalten, um so stärker der Drang nach einem sicheren Ort und der ist meistens dort wo das Ego des einzelnen sich seine Burg gebaut hat.

Je anonymer eine Gesellschaft ist, desto größer ist die Angst und das Mißtrauen vor dem Nächsten, dem Fremden, desto größer die Bereitschaft, sich abzugrenzen, auf Abwehr zu schalten allem Neuen gegenüber, vor allem, wenn es eigene Initiative und Selbstverantwortung abverlangt. Es scheint eine ebenso alte Sehnsucht darin zu bestehen, zurück in den Mutterleib zu wollen, wo alles für einen geregelt wird und man abgeschirmt lebt in einer begrenzten Welt.

Wir müssen über uns hinaus wachsen, aber wo sind die Grundlagen, die soliden Pfeiler, die uns diesen Brückenbau ermöglichen? Distanz und Nähe, Öffnen und Verschließen, Aufnehmen und Abgeben, das sind die Prinzipien des Lebens offenbar schon seit der Urzelle. So hat sich zwar über einen langen Zeitraum ein Bewusstsein über die "eine Welt" bilden können, wie lange aber wird es brauchen, bis wir in dieser Größenordung auch psychisch und geistig ankommen?

Das ist jetzt wohl etwas chaotisch geworden. Ich hab einfach drauflosgeschrieben. Sorry für die Unübersichtlichkeit.

Lieber Gruß
LieberTee

P.S. Hier noch ein interessanter Link. Kreativität und existenzieller Druck - Unternimm die Zukunft

Und ein Auszug aus dem Interview mit Götz Werner:
Herr Werner, was bedeutet es für einen Menschen, sein kreatives Potenzial
zu entfalten beziehungsweise entfalten zu dürfen?

Es bedeutet, dass der Mensch seinen Intentionen folgen und seine eigene, höchstpersönliche Biographie gestalten kann. Es bedeutet, dass er sich seiner selbst bewusst werden kann im Sinne der Fragen:
Was will ich im Leben?
Wofür bin ich auf die Welt gekommen?
Worin besteht meine persönliche Lebensidee?
Diese Fragen werden für einen Menschen erst wesentlich, wenn er sich seiner selbst besinnt. Darum würde ich sagen, sein kreatives Potenzial zu entfalten, bedeutet zunächst überhaupt zu verstehen, was entfaltet werden soll.

Wodurch wird in unserer Gesellschaft diese Entfaltung behindert?
Dadurch, dass wir für unsere Arbeit bezahlt werden. Wie heißt es so schön:
Wer zahlt, schafft an.
Ein Unternehmen schafft sich Arbeit an, indem es für diese Arbeit bezahlt. So sieht zumindest unser landläufiges Verständnis von Arbeit aus mit der Folge, dass Arbeitnehmer das tun müssen, was ihnen andere vorgeben. Die Bezahlung der Arbeit stellt sozusagen die Kompensation dar, diese Arbeit machen zu müssen. Man spricht auch von Schmerzensgeld, das einen für die aufgezwungene Tätigkeit entschädigt.
Wir leben in einer Gesellschaft und in einer Situation, in der das Leben durch äußere Anreize und durch extrinsische Motivation bestimmt wird. Das Ziel der Lebensgestaltung besteht aber darin, Herr des eigenen Lebens zu sein, das heißt, seiner intrinsischen Motivation zu folgen. Es geht darum, etwas zu tun, weil man den Sinn der Sache erkennt – und nicht darum, etwas wegen des Geldes, auf das man angewiesen ist, zu tun. Wenn jemand einen Arbeitsplatz hat, dann sollte er die Arbeit machen, weil er will und nicht, weil er soll, beziehungsweise, weil andere es wollen. Wenn man nur tut, was andere sollen, hat man streng genommen gar keinen Arbeitsplatz, sondern einen Einkommensplatz.
Mit dieser begrifflichen Differenzierung zwischen Arbeitsplatz und Einkommensplatz können Sie die unterschiedlichen Steuerungsimpulse gut ausdrücken: Am Einkommensplatz ist der Mensch fremdgesteuert, am Arbeitsplatz selbstgesteuert. Ein Arbeitsplatz wird erst zum Arbeitsplatz, wenn derjenige, der die Arbeit macht, einen Sinn in der Arbeit sieht.

Inwiefern kann ein bedingungsloses Grundeinkommen, nach dem jedem Menschen verfassungsrechtlich ein bestimmtes finanzielles Einkommen garantiert wird, als soziale Basis für die Entfaltung der Kreativität dienen?
Das bedingungslose Grundeinkommen führt dazu, dass unser soziales und gesellschaftliches Zusammenleben nicht mehr vom Sollen geprägt ist, sondern vom Wollen.
Jean-Jacques Rousseau sagte einmal: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.
Man könnte auch sagen, die Freiheit des Menschen liegt in der Fähigkeit, nein zu sagen beziehungsweise nein sagen zu können. Wenn wir nach wie vor der Meinung sind, dass die Ziele der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit unsere obersten gesellschaftlichen Gestaltungsziele sind, dann müssen wir uns erstens fragen, ob die Gesellschaft dem Einzelnen einen Freiheitsraum gewährt. Das wäre der Punkt der Freiheit. Zweitens müssen wir uns fragen, ob es die gesellschaftliche Situation zulässt, dass man von anderen abhängig oder erpressbar ist. Das wäre der Punkt der Gleichheit – das Ziel, dass sich alle auf gleicher Augenhöhe befinden. Die dritte Frage besteht darin, ob in unserer Gesellschaft faktisch Geschwisterlichkeit stattfindet. Und hier kommt dann das Grundeinkommen
ins Spiel, denn das Grundeinkommen ist der pure Ausdruck von Geschwisterlichkeit: Weil du meine Schwester bist und weil du mein Bruder
bist, bekommst du die gleiche verfassungsrechtlich garantierte Grundsicherung von der Gemeinschaft wie ich und jeder andere – unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Rasse und so weiter.

Geändert von LieberTee (24.11.12 um 15:41 Uhr)

Eine Idee zum Aufbau eines menschenwürdigen Lebensmodells

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo an alle,

das mit dem Regionalgeld, als zusätzliche Währung kann meiner Meinung nach eine gute Lösung sein. Ich mache das seit einigen Jahren freiwillig. Als Übergangslösung, bis es in dem Verstehen aller drin ist, das Regionales uns allen zugute kommt, ist es sicher hilfreich. Für viele ist es leider im Moment nicht bezahlbar, zumindest wenn es um größere Anschaffungen wie Möbel geht. Ein heimischer Schreiner kostet doch mehr, als jetzt beispielsweise Möbel von Möbelum oder welche aus dem Katalog.
Wenn es aber nur noch Regionales gäbe, würde es spätestens im Winter bei den Lebensmitteln knapp werden. Auch in Bioläden bekommt man zu dieser Jahreszeit neben Kohl auch Gemüsesorten, wie Fenchel, Kohlrabi usw. Und spätestens ab März wird es richtig eng. Nicht wenige sind früher in dieser Zeit verhungert. Wir haben heutzutage bessere Lagermöglichkeiten, aber dass Ganze müsste wirklich gut durchdacht sein, so dass auch kritische Monate abgedeckt werden können. Wenn ich auf den Wochenmarkt gehe und bei meinem Biobauer einkaufe, dann sehe ich, dass ab Ende Januar mit Gemüse nicht mehr viel los ist.

Der Lindentaler ist interessant und sicher eine gute Sache. Es würde natürlich erst richtig leben darein kommen, wenn viele mitmachen. Neben all diesen Projekten halte ich eine vernünftige Grundstruktur, die alles Lebensnotwendige abdeckt für wichtig.

So mal meine ersten Gedanken. Kate ich drücke fest die Daumen für deine Reparaturprojekte.

Was du aufgeschrieben hast LieberTee sind Gedanken, die auch ich habe. Es steht und fällt mit dem Bewusstsein, ohne Zweifel. Womit wir hier in einen spirituellen/psychologischen Bereich hineinkommen. Vieles an Werten wurden durch die Kirche vermittelt und auch heute hat das noch eine gewisse Kraft. Bei uns weniger als in anderen Kulturen. Weltbilder sind alles Gedankengebäude und meiner Meinung nach haben sie alle auch Schwachstellen.
Ich glaube an das was in Spaldings Buch steht, weil es Hand und Fuß hat und die meisten Fragen zu unserem jetzigen Dasein und dem Desaster, in dem wir stecken, beantwortet. Aber auch wenn man nicht daran glauben sollte, denn glauben ist schließlich kein Wissen, dann könnte man vielleicht über dieses Modell, eine gewisse Struktur erstellen, die uns als Lebensform gerecht wird. Die Grundnatur des Menschen wird hier beschrieben, ähnlich wie in der Hermetik. Wer die Anatomie kennt, der wird besser mit ihr zurechtkommen, als wenn es eine große Unbekannte ist. In der energetischen Psychologie ist man da ja schon recht nahe dran. Ich bin auch der Meinung, dass man mit keinem Modell alle glücklich machen kann, aber sobald man sich, wie du sagst, in einem Modell wohlfühlen kann, dann ist das eine gute Voraussetzung, um sich darin zu entwickeln.

Aus diesem Vergleich heraus habe ich auch mein erstes Modell erstellt, dass dank euch neue Gedanken und Ideen bekommt.

Ein Arbeitsplatz wird erst zum Arbeitsplatz, wenn derjenige, der die Arbeit macht, einen Sinn in der Arbeit sieht.
Das ist sicher richtig. Worin der Mensch den Sinn sieht, hängt wiederum von der eigenen Meinung und die der kulturellen Gesellschaft ab, in der die Werte vermittelt und vorgelebt werden, womit wir wieder beim Bewusstsein und bei den Weltbildern sind.

Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (25.11.12 um 11:13 Uhr) Grund: Etwas Nachbesserung

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Kate ist offline
Moderatorin
Beiträge: 10.476
Seit: 16.11.04
Hallo zusammen,

ich habe weiter oben angedeutet, dass ich unser Wirtschaftssystem im Zentrum der Problematik sehe:

Zitat von Kate Beitrag anzeigen
(...) Dass z.B. der "Wachstumszwang" tatsächlich existiert und nicht nur Ausrede ist... da wäre ich trotz BWL im Nebenfach (bis zum Vordiplom) nie und nimmer drauf gekommen. Diesen sehe ich aber im Zentrum des Problems (siehe oben) und uns Menschen längst als Sklaven des darauf basierenden Wirkschaftssystems, das noch dazu weltweit vernetzt ist. (...)
Im Rahmen meiner privaten Aktivitäten (u.a. Einführung von einer Art Regionalgeld hier vor Ort) ist mir folgendes Dokument begegnet, das die wirtschaftlichen Zusammenhänge (zu den Bereichen Soziales, Gesundheit, Bildung usw.), speziell die Auswirkungen des Zinseszins-Systems, in meinen Augen relativ verständlich beschreibt: http://www.guenther-hartmann.de/Artikel/OeP144_Emde.pdf (pdf-Datei, 303 kB).

Gruß
Kate
__________________
Meine Aussagen basieren auf eigenen Erfahrungen/Recherchen und stellen keinen medizinischen Rat dar.

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Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Danke Kate,

ich habe alles mit großem Interesse gelesen und bin begeistert. Das denke ich wäre genau das richtige System, um die Probleme, wie wir sie heute haben, zu lösen. Leider habe ich selbst nicht so viel Ahnung von der Zinswirtschaft gehabt, so dass ich da nichts zu sagen konnte. In diesem Artikel wird es sehr gut dargestellt.
Der Mann hat Recht, von Oben brauchen wir nicht zu hoffen, dass sich etwas ändert, aber wenn genügend Menschen dafür sind und sich organisieren, wäre das ein guter Anfang. Ich werde diesen Text verbreiten und bin auf die Reaktionen gespannt.

Grüsse von Juliette

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LieberTee
Ich möchte auch hier diesen Film (Filme) verlinken, der noch einmal wieder die Schwierigkeiten beschreibt, die unser Planet heute hat. Ein Hauptproblem ist die Energie: 80% der Ressourcen werden von 20% der Menschheit verbraucht. Das zweite ist die Ökologie: die Vernichtung der Lebensgrundlagen. Es ist nicht allein der Klimawandel, es ist auch die Gedankenlosigkeit, die Unfähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und vor allem, logisch folgernd, daraus zu handeln. Mir scheint, das zerstörerische System des "immer mehr, immer schneller, immer unersättlicher" ist ein Selbstläufer geworden. Wer will ihn stoppen? Und die Uhr tickt....

Ich setze die Filmteile in Zitatklammern, weil mein PC lahmer wird, wenn ich zuviel you tube direkt verlinke.

Die Filme sollten Pflichtprogramm in jeder Schule, Uni, Parlament, Chefetage .... werden.
Das Gute an ihm ist, dass nicht nur die deprimierenden Zusammenhänge gezeigt werden, sondern auch die hoffnungsvollen Veränderungen: so hat z.B. Costa Rica beschlossen, anstatt Geld für die Armee auszugeben, dieses in Bildung zu investieren.

Lieber Gruß
LieberTee

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lowcarb ist offline
Beiträge: 189
Seit: 05.03.13
Zitat von Clematis Beitrag anzeigen
Geld an sich als reines Tauschmittel, wie ursprünglich erdacht, war ja gar nicht so schlecht. Wenn ich eine Kuh kaufen will, der Verkäufer meine zwei Ziegen im Gegenzug aber nicht haben will... Dann hilft Geld. Leider ist es inzwischen nicht nur zu einem Statussymbol geworden, sondern dient auch allen möglichen Leuten dazu ihre Macht zu mißbrauchen, weil andere ebenso scharf darauf sind. Entfällt das Luxusgetue und der Mißbrauch, dann brauchen auch keine Kinder mehr zu hungern, denn es ist genug für alle da, nur die Verteilung klappt nicht, weil die Spekulanten die Nahrungsmittel horten, sie am Markt künstlich knapp halten und wenn die Preise dann gestiegen sind, verkaufen sie zu Wucherpreisen, die sich viele nicht leisten können.
Ein wichtiger Grund, warum Menschen aufs Geld scharf sind, ist die Sicherheit, die man sich dadurch verspricht. Falls man durch Unfall, Krankheit, Wirtschaftskrise, Arbeitsplatzverlagerung, Missmanagement seinen Arbeitsplatz verliert, hat man trotz Sozialsystem auf Dauer kein akzeptables Einkommen. Und bei Krankheit/Unfall wird je nachdem die Behandlung auch dann nicht übernommen, wenn man krankenversichert ist, deshalb sollte man lieber ein paar Millionen auf dem Konto haben, damit man in jedem Fall auch die Behandlung zahlen kann.

Daher möchten auch die Menschen, die keine Materialisten sind, Geld horten.

Ausweg: BGE und Gesundheitskassen




Zitat von Kate Beitrag anzeigen
Wenn Du das eng (materiell) sehen würdest, dürftest Du nicht für's BGE sein. Dies basiert ja gerade auf einem Menschenbild, das beinhaltet, dass Menschen auch "für sich" (um sich zu verwirklichen, zu entwickeln, nützlich zu sein) arbeiten wollen.
BGE ist ja trotzdem nur ein Grundeinkommen. Dazu kann man noch ein Erwerbseinkommen haben, um sich auch so Sachen wie (große) Autos, eigenes Haus, Auslandsreisen, Yacht und Privatjet zu leisten. Das motiviert viele auch trotz BGE zu arbeiten.




Folgendes Modell finde ich schon recht weit fortgeschritten und gut durchdacht:

Plan B - Wissensmanufaktur - Andreas Popp - Rico Albrecht - Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik

Es kombiniert die 4 Bereiche Umlaufgesichertes Geld, BGE, Landreform und Pressereform, die (angeblich) nur funktionieren können, wenn sie alle 4 umgesetzt werden. Ich würde noch den Bereich Umlaufgesicherte Ressourcen hinzufügen, damit auch Produktionsmittel und Produkte nicht dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden.


Modelle, bei denen es keinerlei extrinsische Motivation gibt, halt ich - mindestens zum jetzigen Zeitpunkt - für realitätsfern. Als Grund dafür, warum der Kommunismus nicht funktioniert hat, wird genannt, dass eine höhere Leistung dort nicht entsprechend entlohnt wurde. Auch kommunistische Parteien sprechen sich für Belohnung für höhere Leistungen aus. Das genannte Modell bietet eine Marktwirtschaft ohne Arbeitszwang, die Wohlstand bringt.
__________________
Neu, desillusioniert und von der Informationsflut überschwemmt

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Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Ich habe den Plan B ganz durchgelesen.

Die Idee dieses Systems halte ich für recht gut durchdacht, auf den ersten Blick. Aus Ideen kann neues entstehen. Aber ich bin der Meinung, man sollte sich gezielt Medien aussuchen und dieses System auch darüber verbreiten. Dafür wurden die Medien und die Vernetzung der Menschen über das Internet erschaffen. Natürlich gibt es Medien, die alles andere als vorbildlich sind, aber es gibt auch welche, die man durchaus verwenden kann.

Was ich aber mit Verwunderung immer wieder feststellen muss ist, dass solche Texte in Foren kaum Resonanz finden. Obwohl das ganze Wirtschaftssystem wie ein Gaul ist, der immer wieder zu Tode geritten wird, um dann von neuem ausgegraben zu werden und das Spiel von vorne beginnen kann, interessiert sich kaum jemand dafür.
Die Menschen leben gerne in den Tag. Sie wissen nicht, dass man denken muss, um daraus etwas zu erschaffen, was allen helfen kann und was vielleicht besser wäre als das Alte. Menschen haben das eigenständige Denken niemals richtig gelernt, aber sie glauben es gerne. Wozu fast alle eine Meinung haben, dass betrifft leider nur das Oberflächliche. Wenn ich einen Artikel in ein Forum stelle, über die Ausstrahlung von "Prinzessin von und zu" oder irgendein "dramatisches" privates Schicksal, dann kommen da hunderte von Meinungen zustande, aber wenn es um unser System geht, in dem wir leben, dann ist da so gut wie keine Resonanz. In diesem Forum hier wird wenigstens noch etwas dazu geschrieben und es gibt auch mehrere Personen, die sich daran beteiligen. Aber ich denke, es sind einfach noch zu wenige als das daraus etwas wird, weil zu viele in den Ablenkungsstrategien der Medien und in der starren Arbeitswelt gefangen sind. Aber ein Vorwurf soll das auch nicht sein. Wer voll und ganz in das System eingebunden ist mit einen Zwölfstunden Tag und kaum Freizeit, der hat kaum noch Lust schwerwiegende Gedanken zu wälzen. Aber es gibt auch welche, die die Zeit haben, die aber lieber nicht denken wollen.

Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (23.08.13 um 11:07 Uhr)

Eine Idee zum Aufbau eines menschenwürdigen Lebensmodells

Wildaster ist offline
Beiträge: 5.639
Seit: 18.03.12
Liebe Juliette

oft bist du mit uns zu streng.Anhand der Klicks siehst du,wieviel sich diese Beiträge durchlesen und da sind sicher auch Berufstätige dabei.
Bei mir ist das Problem und sicher stehe ich da nicht alleine da,meine Gedanken dazu,gerade was das System betrifft ,mit den richtigen klugen Wörtern rüberzubringen.Da ist es schon einfacher,aus dem Bauch heraus bei anderen Themen zu schreiben.

Ich glaube Juliette,es gibt schon viele die sich über unser System Gedanken machen und auch alles lesen.

Sei lieb gegrüßt von Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (23.08.13 um 12:33 Uhr)

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Clematis
Zitat von Juliette Beitrag anzeigen
Was ich aber mit Verwunderung immer wieder feststellen muss ist, dass solche Texte in Foren kaum Resonanz finden.
Aber ich denke, es sind einfach noch zu wenige als das daraus etwas wird, weil zu viele in den Ablenkungsstrategien der Medien und in der starren Arbeitswelt gefangen sind. Aber ein Vorwurf soll das auch nicht sein. Wer voll und ganz in das System eingebunden ist mit einen Zwölfstunden Tag und kaum Freizeit, der hat kaum noch Lust schwerwiegende Gedanken zu wälzen. Aber es gibt auch welche, die die Zeit haben, die aber lieber nicht denken wollen.
Hallo Juliette,

was du sagst trifft sicherlich in vielen Fällen zu. Doch man sollte auch berücksichtigen, daß es sich hierbei um ein hochkomplexes Thema bzw. System handelt und es sehr schwer ist, sich hier überhaupt einen Überblick zu verschaffen.

Selbst die Gründe und Hintergründe der Finanzkrise zu verstehen, um nur ein Beispiel zu nennen, ist extrem schwer und das ist nur ein kleiner Teilbereich dessen, was geändert werden muß, wenn ein menschenwürdiges Leben möglich sein soll. Nimmt man dann noch alle anderen Teilbereiche und Verflechtungen dazu, kann man vollends ins Schwimmen kommen. Wahrscheinlich bedürfte es eines Buches mit über 1.000 Seiten, um alles zu berücksichtigen und genau zu beschreiben, das dann als eine Art Leitfaden dienen könnte. Doch beim Verarbeiten all dieser Informationen würden viele das Handtuch werfen, nicht weil sie zu faul sind, nicht denken wollen, sondern einfach weil sie völlig überwältigt wären und nicht mehr wüßten, wo sie anfangen sollen .

Jeder Einzelne müßte sich mit einem solchen Werk im Detail auseinandersetzen, um jene Ansätze zu finden, bei denen man selbst etwas ändern oder bewirken kann. Und das ist leider eine Mammutaufgabe . Ich selbst ertappe mich öfter bei dem Gedanken, wieso mache ich das alles (z.B. Unterschiften bei Petitionen, Kampagnen) und immer wieder kommt der Gedanke: "Es nutzt doch eh nichts!" . Den schiebe ich zwar gleich wieder weg, weil gar nichts tun noch viel schlimmer wäre, aber oft genug nagt er weiter. Manchem mag es ähnlich ergehen und wer dann auch noch nur knappe Freizeit hat, mag diesem Impuls aus durchaus verständlichen Gründen auch nachgeben, denn wie ein bekannter Spruch so sagt: "Das Leben ist eine Hühnerleiter, vor lauter Sch... kommt man nicht weiter!"

Dann kann einen nur noch aufmuntern, wenn hier oder dort ein kleiner Erfolg zu verzeichnen ist, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, doch der kleinste Schritt vorwärts ermutigt zum weiteren Handeln... Daran kann man sich festhalten, um nicht in Hoffnungslosigkeit zu versinken.

Liebe Grüße,
Clematis

Eine Idee zum Aufbau eines menschenwürdigen Lebensmodells

Juliette ist offline
Themenstarter Beiträge: 4.666
Seit: 23.04.06
Hallo Wildaster,

oft bist du mit uns zu streng.
da kannst du recht haben. Ich meine das nicht böse und es ist auch keine Absicht.

Aber wie du schon richtig sagst, es ist schwer das in die richtigen Worte zu bringen und hier eine gute Balance zu halten. Wenn ich schreibe, dann versuche ich meine Gedanken rüberzubringen und was ich im allgemeinen so wahrnehme. Gerade hier im Forum gibt es viele, die durch Krankheit oder weil das System ihnen nicht mehr helfen konnte, versuchen sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Diesen Menschen stehen aber auch solche gegenüber, denen vieles egal ist, die es aber auch nicht anders kennen.


Grüsse von Juliette

Geändert von Juliette (23.08.13 um 14:14 Uhr)


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