Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

08.08.12 13:04 #1
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Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

inchiostra ist offline
Beiträge: 2.078
Seit: 16.07.09
Meine liebe Wildasterschwester

ich habe mir eben erstmal so ein Ipad angeschaut. Was das überhaupt ist.
Du arme, das ist ja wirklich ziemlich klein und sicher sehr mühsam zu schreiben.
Ich ärgere mich auch oft über meinen Laptop. Da geht manchmal alles weg was ich geschrieben habe.
Ja die Technik.

Ich kann dich so gut verstehen.
Du handelst bis zur Selbstaufgabe.
Du siehst dich gar nicht mehr. Du siehst all die anderen und glaubst ihnen helfen zu können. Das kannst du aber alles nicht.
Sie saugen dich (unbewußt) aus.
Bis du ganz leer bist und du dich nur nach Ruhe sehnst.

Jetzt habe ich mich, nachdem ich deinen Bericht gelesen habe, an meine Erfahrung mit meinen Schwiegereltern erinnert.
Sie waren auch in einem Pflegeheim.
Ich fuhr auch immer hin. Manchmal zwweinmal am Tag.
Half auch wo ich konnte.
Hatte da auch eine Frau die mir immer zurief, ich soll ihr helfen, weil sie nicht mehr leben will.
Schwiegervater schimpfte oft mit mir, das ich oft weinend nach Hause fuhr um den Sohn zu stillen. Was er nicht verstand.
Die alten Leutchen leben in ihrer Welt, da können sie nicht verstehen, das ich auch Aufgaben hatte.
Wir bauten gerade auch und sind umgezogen.
Wir zahlten jeden Monat 3000,- dazu, das die Schwiegereltern dort leben konnten.

Ich war nur noch ein Strich in der Landschaft und mußte abstillen.

Dann starb die Schwiegermutter. Ich hielt ihre Hand und Herr i inchi stand daneben.
Sofort mußten wir einen Sarg holen (Anordnung vom Schwiegervater)und sie wurde weggebracht. Es war gruselig.
Ich bekam Sprachstörungen und war nur fertig.
Schwiegervater flog aus dem Heim, weil er stressig war.
Wir kauften ihm Möbel und besorgten ein neues Heim.
Da legte er sich dann hin und wollte sterben.
was er auch nach 3 Monaten tat.

Das geht an die Substanz meine liebe Schwester Wildaster.
Du bist so eine liebe, und dass spüren auch die alten Leutchen.
Wenn deine Schwester jetzt mit dir über deine Mutti redet, dann könnt ihr doch sicher darüber reden sich die Besuche zu teilen.
geht das?
Das wäre doch schon eine Entlastung.
Finde es gut, was du dir überlegt hast, das du dich nach dir richtest.
Und nicht nach deiner Mutti.
Hauptsache du bist doch da. Das spürt sie.

Ich kann dich jetzt nur mal doll drücken und dir Kraft senden.
Wir sind Menschen liebe Schwester die mitleiden, wenn es anderen schlecht geht. Wir sehen dabei nicht, das es uns auch schlecht geht.
Bei dir ist es die Blase (die weint) und bei mir der Darm (der weint).

Das muß aufhören.
Wir finden einen Weg.
Du findest einen Weg.

Pass auf dich auf.
Höre auf deinen Körper und sei Achtsam mit dir.
Frag dich, was fehlt mir. Was möchte ich und was tut mir gut.
Ich kenne das. Schon wenn ich oft nur das Wort Ruhe ausspreche, fange ich an zu weinen. Man sehnt sich danach und weiß nicht, wie man Ruhe bekommt.
Ich denke ganz feste an dich und sende dir liebe Grüße deine inchiengel_sind.gif

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

inchiostra ist offline
Beiträge: 2.078
Seit: 16.07.09
Meine liebe Schwester

mir sind heute Morgen noch zwei Punkte von dir aufgefallen.
Du kannst nicht vorbeigehen, wenn du gerufen wirst.

Und du bringst Freude mit und gehst schwer wieder raus.

Das finde ich sehr traurig und gleichzeitig schade.

Was hast du erwartet?

Die Waage ist immer, und dass sage ich meinem Sohnemann oft, Geben und Nehmen.
Ich habe Tage, da breche ich richtig zusammen, weil ich eben nur gebe.
Weil ich merke, der andere kann mir nichts geben, ich aber gebe dann alles bis an meine Grenzen.
Wir helfen schon, bevor der andere bittet.
Wir wissen eher was der andere braucht als was man selber braucht.

Das meinte ich in meinem Tread mit dem Dorf. Man kann sich vorstellen wie es sein könnte und seine Wünsche auch mal äußern.

Du leidest sicher an einem Helfersyndrom.
Liegt auch wieder in der Familie.
Meine Tochter sagte letztens wieder, das sie die Menschen ständig anzieht die Hilfe brauchen. Ob sie das von mir übernommen hat
Durch unser geringes Selbstwertgefühl werten wir uns wohl unbewußt auf, anderen zu helfen, helfen zu müssen.
Ich hörte früher oft,( und herr inchi sagte es leider oft zu meinen Kindern,) ich wäre Schuld, weil es meiner Mutter damals schlecht ging.
Ich übernahm also die Verantwortung für die Gefühle meiner Mutter oder so.
Meine Tochter, also deine Nichte , fällt mir eben ein, besuchte mich einmal da war sie 12 Jahre alt in der Klinik. Sie kümmerte sich nur um die anderen Patienten. Mich sah sie kaum. Sollte einem Patienten gleich etwas kaufen, weil sie ihm helfen wollte.
Man hilft oft schon, bevor der andere bittet. Ist doch so.

Herr inchi stand vor ein paar Tagen dabei, als ich eine Birne auswechselte. Wollte mir ständig helfen. Ich lehnte das aber ab, weil ich es alleine konnte. War ja auch nicht schwer. Doch er wird dann immer wütend und versteht nicht, weil ich seine Hilfe ablehne.
Ging dann auch raus und sagte : Ich könnte nichts alleine machen.
Fand ich war ein dummer Satz. Merkte er dann auch, als ich ihn wiederholte. Dann kam er später rein und drehte den Satz um, hätte er nicht gesagt.
Aber er drängelt mir ständig seine Hilfe auf, was mich wütend macht.

Was ich noch zum Schluss sagen möchte.
Als ich mich um meine Mutter kümmerte. Da wußte ich erst kurz wie es meiner Mutter ging, da schickte ich oft etwas hin. Backte Kekse, weiche die sie essen konnte, Kuscheltiere und vieles mehr.
Das ging so eine zeitlang so. Schrieb auch. Ich konnte ja auch nicht hinfahren.
Doch es kam nichts zurück. Sie konnte ja nicht sprechen, sagte meine Schwester jedenfalls. Dann habe ich wenigstens von meiner Schwester etwas erwartet, dass sie anruft und sagt es ist angekommen. Immer nur mußte ich mich melden. Später, als ich aufgab, aufgeben mußte, kamen die Vorwürfe ich würde mich nicht kümmern.

Die Hilflosigkeit anderer macht mich wieder hilflos und auch gleichzeitig wütend, ist es so liebe Schwester?

Ich bin sehr gespannt wie deine Schwester, jetzt dir zur Seite steht.
Sende dir weiterhin viel Kraft für dich 2206-4.jpgDeine inchischwester

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

Wildaster ist offline
Themenstarter Beiträge: 5.641
Seit: 18.03.12
Liebe Schwester inchi und liebe Lieber Tee

Danke dafür,dass ihr wieder einmal zur Stelle wart.

Es tut sehr gut!

Liebe Grüße Wildaster

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

Karde ist offline
Beiträge: 5.057
Seit: 23.05.12
Guten Morgen IHR LIEBEN
Was ich da lese macht mich traurig, und es kullern die Tränen. Ich finde es gut, dass ihr Euch diese Sachen von der Seele schreibt, ich kann das noch nicht so richtig.
Für mich ist auch eine grosse Lücke im Unterstützungsnetz von Mensch zu Mensch was das Lebensende anbelangt. Vielleicht ist es einfach so, dass Menschen zwar Mitleid haben, das sie ja dann in die Hilflosigkeit treibt, und da schützen sie sich dann dadurch, dass sie sich abwenden oder gar nicht hinschauen, da es tief innen schmerzt, denn sie sehen im Aussen wieder ihre eigen Hilflosigkeit. Wahres Mitgefühl kann man erst dann empfinden, wenn man sich und den anderen wahrnehmen kann, dann kann die Verschmelzung auf Herzensebene entstehen die den schwächeren trägt, den der es gibt aber nicht schwächt, denn er kann auch zu sich schauen, und brennt nicht aus.
Ich verstand das früher auch nicht, dass meine ältere Schwester die ich seit 8 Jahren nicht mehr sah, und auch nur ganz wenig Briefkontakt habe, fast nie zu unserer Grosi ins Heim ging, auch meine kleine Schwester ging nie, und meine Mutter selten. Wir sind bei ihr aufgewachsen, und ich besuchte sie im Heim oft, sie war für mich sehr wichtig. Immer wieder erfand ich Ausreden bei meiner Grosi weshalb meine Schwestern und auch meine Mutter sie nicht besuchen, das sollte ich nicht, wie ich im Nachhinein für mich richtig stellte.
Meine Schwester sagte mir "weist ich kann sie nicht so hilflos sehen, es tut mir weh", ich akzeptierte das. Ich ging masslos über die Grenzen mit dem was ich alles übernahm, auch nach dem Tod vom Grosi. Um das Zimmer zu räumen fuhr ich mehrere Male ins Pflegeheim auch um danach die Urne abholen, es waren immerhin über 350km, und ich hatte kaputte Handgelenke und ein Auto ohne Servolenkung, ich überforderte mich masslos. Die andern wohnten viel näher bei ihr, ich hatte wohl einfach nie gelernt ein gesundes STOP zu sagen, das ist wohl immer noch ein Thema von mir, lerne es aber langsam.
Versteht mich bitte richtig, ich habe einfach gelernt, dass jede Beziehung unter Menschen in einer Familie anderen Gefühlen die Basis gibt, ich kann nicht urteilen, ich weis nicht alles, die Beziehungen haben sich ja durch die Gefühle des ganzen Lebens hindurch gebildet.
Für mich fehlen bereits in der Schule Fächer wie Mitgefühl, Tolleranz, Eigenverantwortung etc.
Ein Sterbehospiz im kleinen Rahmen fände ich sehr schön, so wie früher ein sterbender Mensch in der Familie blieb, so sollte es meiner Meinung nach wieder möglich werden, dass Sterbende Menschen in Würde über die Schwelle gehen können.
Ich finde Sterbebegleitung eine "heilige" Tätigkeit, denn wenn man dabei ist, wenn eine Seele den Körper verlässt, spürt man kurze Zeit "ins Tor der Ewigkeit"
Ich höre hier wohl auf, bin selbst emotional etwas schwach im Moment.
Seit lieb umarmt. Ich offen ihr spürt die Engel an Eurer Seite.
Viel Kraft und Zuversicht

KARDE
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Wildaster ist offline
Themenstarter Beiträge: 5.641
Seit: 18.03.12
Hallo ihr Lieben

ich habe lange gebraucht um hier wieder schreiben zu können,denn durch das Schreiben waren viele Erinnerungen und Bilder wieder in meinem Kopf,die ich gerne vergessen hätte.

Nun ist alles verarbeitet und ich kann durchatmen!

Liebe lieber Tee,
du machst dir Sorgen um mich ,wenn meine Mutti nicht mehr ist?
Wie immer berühren mich deine Worte und ich selbst habe mir darüber schon viele Gedanken gemacht.

Natürlich werde ich in meiner Trauer gefangen sein und es wird sehr weh tun.
Aber da es für meine Mutti eine Erlösung sein wird,werde ich auch eine Erleichterung spüren,dass dieser lange Leidensweg nun ein Ende gefunden hat.

Liebe lieber Tee,bitte glaube mir,diese Menschen im Heim sind nicht mehr in der Lage für sich Verantwortung zu übernehmen.

Viele von ihnen sind vergessen worden,bekommen kaum oder nie Besuch.
Sie warten und hoffen!

Liebe lieber Tee,ich kann nicht anders als dort etwas von mir zurùcklassen und wenn es nur ein kurzer Augenblick der Freude für sie ist.

Ob es bei mir Mitleid ist weißich nicht,es ist ein Gefühl was mich lenkt,etwas zu tun.
Später werde ich mehr Zeit haben für meine Enkelkinder,für meinen Garten,für euch,werde wieder meine Freundschaften pflegen und wenn ich noch arbeiten gehe,viel mehr Kraft haben.

Liebe inchi,
vieleicht handele ich bis zur Selbstaufgabe,ich merke es nicht.
Nach Ruhe sehne ich mich deshalb sehr oft,weil mich so viel Elend und Hilfslosigkeit erschlägt und ich nichts verändern kann.

Unser Heim ist sehr alt,groß und dunkel.Tagsüber brennen die Lampen im Flur,es kommt keine Sonne rein.

39 Bewohner wohnen auf der Station auf der auch meine Mutti wohnt.
Früh sind 3 Pfleger im Dienst mit oft noch einer Auszubildenden,ab Mittag 2 Pfleger und ab 22.00 Uhr 1 Pfleger.
Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

Kommen die Prüfer vom Medizinischen Dienst der KK bezieht sich das hauptsächlich auf die Dokumentation der Leistungen und kaum um die Lebensqualität der Bewohner.

Da fließt nicht in die Bewertung mit rein,dass die Menschen die immer in den Betten liegen nie an die Luft und Sonne kommen.
Es gibt eine Sonnenterasse aber durch die Tür passt kein Pflegebett .

So hat meine Mutti nun schon seit 7 Jahren keine Vögel in unmittelbarer Nähe gehört usw.
Ich schiebe sie dann nah an das Fenster.

Liebe inchi,wenn ich so deine Zeilen über deine Pflegeheimerfahrung lese,empfinde ich alles mit und kann mir vorstellen wie schwer und schlimm die Zeit für dich und deinem Baby war.

Wir beide Leiden an einem Helfersyndrom.
Du hast Recht,die Hilflosigkeit anderer macht uns wieder hilflos.

Nun haben wir uns und können uns austauschen und gegenseitig Kraft geben.

Liebe Karde,
Deine Worte über die Verschmelzung auf Herzebene berührt mich immer sehr.
Auch spùrt man deine tiefe Verbundenheit mit deiner Großi.

Du kannst sicher noch viel von ihr und dir erzåhlen.Darauf freue ich mich schon.

In der Schule wird wirklich zu wenig über Mitgefühl,Toleranz und Eigenverantwortung etc.geredet,aber auch im Elternhaus müssen diese Werte vermittelt werden.

Auch das mit dem Sterbehospiz sehe ich wie du.
Es gibt viel zu wenige und wenn ,ist die Wartezeit sehr lang.

Liebe Karde ,ich wünsche dir alles ,alles Gute.

Liebe Grùše von Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

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Karde ist offline
Beiträge: 5.057
Seit: 23.05.12
Zitat von Wildaster Beitrag anzeigen

Ob es bei mir Mitleid ist weißich nicht,es ist ein Gefühl was mich lenkt,etwas zu tun.

Kommen die Prüfer vom Medizinischen Dienst der KK bezieht sich das hauptsächlich auf die Dokumentation der Leistungen und kaum um die Lebensqualität der Bewohner.

Da fließt nicht in die Bewertung mit rein,dass die Menschen die immer in den Betten liegen nie an die Luft und Sonne kommen.
Es gibt eine Sonnenterasse aber durch die Tür passt kein Pflegebett .

So hat meine Mutti nun schon seit 7 Jahren keine Vögel in unmittelbarer Nähe gehört usw.
Ich schiebe sie dann nah an das Fenster.

Wir beide Leiden an einem Helfersyndrom.
Du hast Recht,die Hilflosigkeit anderer macht uns wieder hilflos.

In der Schule wird wirklich zu wenig über Mitgefühl,Toleranz und Eigenverantwortung etc.geredet,aber auch im Elternhaus müssen diese Werte vermittelt werden.

Auch das mit dem Sterbehospiz sehe ich wie du.
Es gibt viel zu wenige und wenn ,ist die Wartezeit sehr lang.
liebe Wildaster
im Moment geht das mit Zitieren und Antworten etwas schwerer, drum schreibe ich hier im Anschluss meine Gedanken.
Wenn im Innern Wunden anfangen zu schmerzen, da jemand daran gekratzt hat, ist es gut sich um sie zu kümmern, und das zu machen was sie zum Verheilen brauchen, nur dann verheilen die Narben gut.

Ich glaube nicht dass es Mitleid ist, sondern Mitgefühl dass Dich dazu führt zu machen was Du machst, und sonst, lernst Du immer mehr den Unterschied kennen. Für mich ist es etwa so:
Mitleid lässt Dich leiden und hemmt Dich in der Handlung, Du wirst Handlungsunfähig wie der Mensch der leidet - das nützt keinem von beiden
da kann es hilfreich sein, so wie Du am Anfang geschrieben hast, zu schauen wo sind Deine Verletzungen, die zuerst geheilt werden wollen.
Mitgefühl lässt Dich die Not des andern nachfühlen, aber es hemmt Dich nicht, sondern es hilft Dir etwas zu verändern, hilft Dir eine Lösung zu finden.

Ich finde es sehr schlimm, wenn Menschen unwürdevoll behandelt werden, jeder sollte bis zum letzten Atemzug am Leben teilhaben und geachtet werden.
Herzliche Umarmung
KARDE
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Karde ist offline
Beiträge: 5.057
Seit: 23.05.12
Liebe Wildaster
hier ein Video, das zwar etwas eigen ist und eigentlich bin ich dafür dass Vögel nur im Winter gefüttert werden. Aber wer weis, wenn es ein Mensch ist, der zb. nur in der Wohnung sein kann, und nur die Fenster zum Innenhof als Verbindung zur Aussenwelt hat-wüsste ich nicht ob die Freude an den Vögeln nicht doch grösser wäre und ich meine Meinung ändern würde.
Gibt es nicht eine Möglichkeit zb. mit mehreren od. einer grossen Vogelfütterstelle im Winter beim Pflegeheim wo Deine Mutter ist etwas Freude in die Herzen der Bewohner zu bringen ? Der Winter kommt ja bald, evtl. findet sich ja auch eine Person die Freude hätte da ein kleines "Aemtli" zu übernehmen?

Im Pflegeheim wo mein Grosi war, wurde ein Zwergkaninchen im Gang in einem grossen Käfig aufgestellt. Das Kaninchen bekam viele Freunde, die Heimbewohner konnten es streicheln, und es hatte auch nach Plan, wer es füttern durfte. Mein Grosi hatte immer sehr grosse Freude, wenn ich sie mit dem Rollstuhl ans Käfig fuhr, und sich das Kaninchen so setzte dass sie es streicheln konnte, denn sie vermisste ihre Katze, die sie weggeben musste als sie aus der Pflegewohnung ins Pflegeheim wechseln musste.

Es gibt auch Menschen mit Tieren, die Heime besuchen, so können die Bewohner zb. Hunde streicheln-das tut ihnen sehr gut, kennt ihr so was auch bei Euch ?
LG KARDE
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LieberTee
Liebe Karde,

Du hast das wunderbar erklärt, den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl. Ich verwechsle es auch immer wieder einmal.

Auch die Idee mit der Vogelfutterstelle und dem Kaninchen, bzw. Besuchstieren finde ich sehr schön. In manchen Heimen wird das geduldet oder sogar gefördert.

Viele Heime halten leider an den althergebrachten Strukturen fest oder finden keinen neuen Weg, etwas zum Wohle und zur Zufriedenheit aller zu ändern. Nicht nur den Bewohnern geht es schlecht, auch viele Mitarbeiter tun ihre Arbeit nicht mit Freude und Zufriedenheit und die Angehörigen leiden oder schauen eben weg, wie der Rest der Gesellschaft.

Warum ist das so?

Ich habe gestern hier etwas geschrieben und der Beitrag war verschwunden. Entweder war ich zu unkonzentriert, um ihn richtig abzuschicken oder irgendein Zufall hat ihn gnädigerweise gelöscht.

Ich bin froh darüber, denn ich habe mich wieder nicht richtig ausdrücken können und hätte so das Leid im Angesicht des Elends noch verstärkt. Das ist nicht meine Absicht.

Es ist gut, dass hier an dieser Stelle die schrecklichen Zustände in unseren Altenheimen thematisiert werden und es ist gut, dass die Ohnmacht und Hilflosigkeit angesichts des Ausmaßes des Leidens ersichtlich wird.

Es ist gut, dass es noch Menschen gibt, die davor nicht flüchten und sich mit Herz und Liebe bemühen, ein wenig Freude und in diese Dunkelheit zu bringen. Das sind die Menschen, die mich hoffen lassen. Und keinesfalls will ich diesen Ausdruck von Mitleid, bzw. Mitgefühl und herzlicher Fürsorge kleinreden oder wegwischen.

Dieses Herz kann uns einen Zugang eröffnen zu einer neuen Bewusstheit. Indem wir davor nicht flüchten und uns anrühren lassen von der Liebe und dem Leid der Menschen, können wir einen Weg dort hindurch zu einer Chance finden, etwas zu verändern.

Wo aber findet die Veränderung statt, wenn nicht zuerst in uns selbst? Denn kein bisheriges religiöses oder weltliches Konzept hat es bisher geschafft, die Unmenschlichkeit aus der Welt zu schaffen.

Wohl gab es viele Erleichterungen im Leben durch den technischen Fortschritt und die Möglichkeiten, weltweit miteinander zu kommunizieren, aber einen wirklichen Durchbruch hin zu der eigentlichen Sehnsucht der Menschen, Freiheit und Glück zu erleben, gab es nicht. Eher entfernen wir uns immer weiter davon weg.

Die unmenschlichen Zustände, die sich in Altenheimen zeigt (und auch in anderen Institutionen zur Verwaltung des Elends und all dessen, was nicht zum Sinn des Lebens zu passen scheint), sind Ausdruck der Unmenschlichkeit unserer Gesellschaftsformen, die wir entwickelten. Und es ist Ausdruck unserer Wahrnehmung von der Welt, unserer Bewertung und unseres begrenzten Bewußtseins.

Lass Dich nicht beirren in Deinem Mitgefühl, liebe Wildaster, aber ich bitte Dich, Dir nicht alles Leid allein auf Deine Schultern zu laden. Du bist nicht persönlich Schuld an diesen Verhältnissen. Ich will an anderer Stelle noch etwas dazu schreiben, um nicht diesen sehr persönlichen Thread zu sehr überfrachten.

Ich weiß jedoch noch nicht wo und wie.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen Kraft und Zuversicht, dass Du genau das tust, was für Dich wahr und stimmig ist. Lass die Freude und nicht die Schuld an erster Stelle stehen.

Du trägst keine Schuld für die Bitterkeit einer Bewohnerin. Und sie trägt keine persönliche Schuld an ihrem Schicksal. Ich finde es nur traurig, dass sie Dich indirekt verantwortlich macht, indem sie ihre Bitterkeit Deiner Freundlichkeit entgegensetzt.

Kannst Du ihr mitteilen, dass Dich das traurig macht? Ich weiß nicht, ob sie das versteht, vielleicht ist sie dement und es erreicht sie nichts mehr.

Ich wünsche mir für mich selbst, dass ich nicht so bitter bin. Und ich wünsche mir, nie so undankbar zu werden gegenüber Menschen, die gut zu mir sind. Auch das ist mir an Deinem Beitrag klar geworden. Danke dafür!

Lieben Gruß
LieberTee

Geändert von LieberTee (16.09.12 um 16:32 Uhr)

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

inchiostra ist offline
Beiträge: 2.078
Seit: 16.07.09
Liebe Wildaster

finde es schön, weil du hier wieder geschrieben hast.
Auch wie du geschrieben hast, das du einige Erinnerungen verarbeitet hast.

Das ist so traurig das Heim deiner Mutti.
Da möchte ich am liebsten losrennen und mit einem Farbeimer dort aufkreuzen.
Ich würde eine Sonne malen.
Vogelkäfige aufstellen. Kanarienvögel, die singen den ganzen Tag.
Größere Türen einbauen bzw. die alten ausbauen.
Früher hieß es immer: Kind, geh an die frische Luft, das ist gut für dich.
Später werden die alten Leute dann Luftdichtverpackt. Vacuum, damit sie länger leben.
Das wundert mich nämlich, wie Menschen so länger leben.
Das macht mich so traurig.

Ich werde deine Mutti in unser Dorf aufnehmen.
Bett ist schon da.bettimbaum-250px.jpg

Klar hast du ein Gefühl helfen zu müssen. Das wir zwei Schwestern ein Helfersyndrom haben.
Eine kranke Blase/Darm ist auch ein Syndrom.
Für alles bekommt man Syndrome.
Ich gehe jetzt erstmal was suchen zu essen oder trinken..
Heule nämlich.
Mir kommen die Tränen, weil es mich so berührt.
Auch Angst, selber so am Leben erhalten zu werden.

So, war mal kurz im Traumdorf.
Platz für ein Bett ist vorhanden.
Das wäre schön liebe Schwester, wir könnten sie alle abwechselnd pflegen.
Mondvogel könnte was vorsingen.
Die Tiere von Karde wären da.
Viele Blumen und das Meer.
Das stelle ich mir unter Helfen vor.
Nicht das jemand das alleine bewältigen muß.

Kann deine Mutti noch sehen und gut hören?
Sogar ein blinder Maulwurf fand den Weg ins Dorf.

Früher habe ich meine Kinder immer unter einen Baum gestellt.
Sie konnten dort immer was neues sehen.
Wie sich die Blätter bewegen.
Wie es duftet.
Die Wolken ziehen sehen.
Warum geht das nicht?
Warum kann man die Betten nicht nach draußen schieben.
Wenigsten mal eine Stunde.
Klar, wenn es regnet müssen sie wieder schnell rein.

Ach ich weiß was du meinst.
Es ist alles mühsam wo so wenig Personal da ist.
Und diese Hilflosigkeit verstehe ich auch.
Sohnemann und ich redeten gestern Abend darüber.
Er sagte, das er sich so hilflos fühlt.
Dann fühlte ich mich plötzlich auch so hilflos.
Wir fühlten und dann beide hilflos und hatten Schmerzen.
Ohne Kraft kommt man nicht daraus.
Die muß man immer wieder sammeln.

trauer00070.gif
du hast mein echtes Mitgefühl und bin in Gedanken bei dir.
Deine Schwester inchi
__________________
Gemeinsam zu gehen, dann noch allein zu gehen, ist das Schwerste überhaupt.

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?
LieberTee
Liebe inchi,

Deine Herzenswärme ist wunderbar, ich bin sofort mit dabei beim Pflegedienst. Es ist eine gute Idee, sich abzuwechseln, so bleibt die Last nicht auf ein paar einsamen Schultern. Gemeinsam getragene Last ist halbe Last.

Lieber Gruß
LieberTee


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