Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

08.08.12 13:04 #1
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Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?
darleen
Liebe Wildaster

das freut mich sehr das in *Dem * Heim das so schön zugeht , so fürsorglich und würdig

nur der Eierlikör gefällt mir nicht , gerade wegen Medikamentengabe, aber da bin ich wahrscheinlich wieder päpstlicher als der Papst

schönen K-Freitag dir

liebe grüße darleen

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

Wildaster ist offline
Themenstarter Beiträge: 5.641
Seit: 18.03.12
Guten Abend

ich habe wieder seit längerer Zeit Sorgen,fühle mich sehr hilflos und muss wieder kämpfen.
Meine Mutti hat sich nach einigen Rückfällen von ihrer schweren Lungenentzündung etwas erholt und nimmt wieder öfters bewusst ihre Umgebung war.
Diese Krankheit ging nicht spurlos an ihr vorbei und in einem Monat wird sie 95 Jahre alt.
Wenn ich so an ihrem Bett sitze bin ich wirklich glücklich,wenn sie mich spürt und mir zu verstehen gibt,dass sie es weiß und dann sehr ruhig wird.

Was ich furchtbar finde,sie hat Schmerzen und ich finde keinen richtigen Ansprechpartner und ich fühle mich so hilflos,als ob ich sie in Stich lasse und es fühlt sich alles so schwer an.
Meine Mutti bekommt seit Jahren ein Schmerzpflaster,was noch nie erhöht wurde,dann noch eine Schmerztablette mittags,die sie aber kaum nimmt,denn sie isst und trinkt sehr schlecht.
Mit der Ärztin sprach ich während ihrer Krankheit und sie lehnte ein stärkeres Pflaster ab,meine Mutti würde dann nur schlafen.
Ich stritt nicht mit ihr,denn es stand nicht gut um meine Mutti.

Ich fand das im Internet!

Die Hospiz- Stiftung hat schon am 2.3. 2011 Gesetzvorschläge zur Schmerztherapie in Pflegeheime vorgelegt.
,,Die Regeln des Betäubungsmittelrechtes müssen so geändert werden,dass sie Pflegebedürftige ,ihre Pflegekräfte und Ärzte nicht kriminalisieren."

Die geplante Änderung sieht vor Hospizen zu erlauben, Notfallvorräte an starken Schmerzmitteln wie ,,Morphium" in der eigenen Einrichtung anzulegen .Bislang ist das nicht zulässig.
Das große Problem: Für pallitative Schmerzpatienten in Pflegeheimen - mindestens 300.000 Betroffene soll es so eine Lösung nicht geben.

Ich erlebe seit Jahren,dass viele Bewohner Schmerzen haben und man sehr sparsam bei der Anwendung mit Schmerzmitteln ist,also sind sie unterversorgt.
Dann werden die verschriebenen Medikamente als Sammelbestellung in der Apotheke besorgt und es dauert Stunden und oft bis zum nächsten Tag,bis sie eintreffen.
Ein schlimmer Zustand wie ich ihn ständig erlebe.

Mit meinen Sorgen machte ich mich auf zu meiner Hausärztin ,die sich immer genügend Zeit für ihre Patienten nimmt,noch Hausbesuche durchführt und ehrenamtlich in unserem Hospiz arbeitet.
Ich schilderte ihr die Situation und was ich eigenständig unternahm ,um meiner Mutti die Schmerzen zu lindern und sie verstand mich,betreut sie doch auch Patienten in Pflegeheimen und stimmte mir in vielem zu.
Wenn ich nun das Gespräch mit der Ärztin meiner Mutti suche bin ich vorbereitet und gestärkt,denn habe viel zum Lesen von meiner Ärztin bekommen.
Es gibt Tabletten ,die legt man innen in die Backentasche und lösen sich auf u.u.

Das ich solch eine warme,mitfühlende und kluge Ärztin habe die mir Mut macht und mich in meinem Handeln bestärkt ,das macht es leichter.
Ich bin sehr zuversichtlich,dass meine Mutti bald schmerzfrei sein wird.

Liebe Grüße von Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (08.05.13 um 04:36 Uhr)

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07
Liebe Wildaster,
schließe mich Deiner Zuversichtlichkeit an, daß Deiner lieben Wildastermutti auch offiziell geholfen wird, damit sie schmerzfrei wird.
Du bist so liebevoll mit ihr verbunden.

alles Liebe
flower4O

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.913
Seit: 20.05.08
Hallo Wildaster,

Du sprichst hier ein wirklich großes Problem der Palliativmedizin an.
Da man die Wirkung starker Schmerzmittel fälschlicher Weise mit dem Drogenproblemen vermischt hat, hatte sich daraus eine völlig falsche und für Betroffene fatale Sichtweise entwickelt. Erkannt hat man das schon länger und auch der Gesetzgeber hat darauf reagiert. Leider hinkt die täglich erlebte Praxis wie so oft den Erkenntnissen hinterher. Man kann auch aus diesen Gründen starke regionale Unterschiede beobachten. Hoffen wir, dass sich die Sichtweisen bald möglichst ändern!
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Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch, schweizerischer Architekt und Schriftsteller

Gruß, James

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

Wildaster ist offline
Themenstarter Beiträge: 5.641
Seit: 18.03.12
Hallo James,

es tut gut zu lesen,dass man das erkannt hat und der Gesetzgeber darauf reagiert hat.
Aber du sprichst es ja an,dass die erlebte Praxis hinterherläuft.
Ein großes Problem sehe ich in der richtigen Aufklärung,gerade was die Pflegeheime betrifft.
Es gibt bei uns hier im Pflegeheim auf jeder Station qualitativ ausgebildete Pflegekräfte die sich in der Pallitativmedizin auskennen,um in bestimmten Situationen selbständig ,im Interesse des Betroffenen,handeln zu können bevor ein Arzt eintrifft.
Aber sie sind an Gesetze gebunden und es ist NIE etwas vorrätig da.
Oft dauert es nicht Stunden,sondern Tage,bis die Arznei eintrifft.

Meine Ärztin betreut in einem Pflegeheim einen schwer krebskranken Mann,der nur noch 48 Kilo wiegt und Schmerzen hat.Um ihm sein Leben erträglicher zu machen verschrieb sie Morphium und stieß auf Widerstand.
Im Pflegeheim wird akribisch aufgeschrieben was die Bewohner am Tag essen und trinken und es muss darüber Rechenschaft abgelegt werden.
Nicht wie die Schmerzintensität sich im Laufe des Tages entwickelt!

Wer also nun friedlich tief und fest schläft,kann nicht regelmäßig essen und trinken, was aber wegen Schmerzen auch nicht regelmäßig passiert.

Wegen vieler Gesetze lieber wach mit Schmerzen,als friedlich schlafend ohne Schmerzen.
So ähnlich lief das Gespräch auch damals mit der Ärztin meiner Mutti.

Meine Ärztin hat sich nach langer Diskussion durchgesetzt und dem Mann zu seinem Recht verholfen,damit er seine Erkrankung leichter ertragen kann.
Wir alle müssen aufwachen,was dieses Problem betrifft ,denn es betrifft schon längst nicht mehr ,, nur" - 300 000- Betroffene in den Pflegeheimen.
Im Krankenhaus sagte man einmal zu mir,in der heutigen Zeit braucht niemand mehr Schmerzen zu ertragen.

Es gibt noch viel zu tun und ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen.

Liebe Grüße von Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (08.05.13 um 08:45 Uhr)

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

James ist offline
Moderator
Leiter WIKI
Beiträge: 5.913
Seit: 20.05.08
Hallo Wildaster,

genau so sind auch meine eigenen Erfahrungen. Erst als ich nach langer Behandlung an einen Schmerztherapeuten gelangte, wurde mir ein ausreichend wirksames Schmerzpflaster (Transtec Pro 52,5 µg/h) verordnet, welches ich nun schon seit 8 Jahren anwende. Einen Versuch, das Mittel wegen der ständigen Nebenwirkung (Verstopfung) auf eigenen Wunsch abzusetzen, habe ich wegen der unerträglichen Schmerzen schnell wieder verworfen. Ohne das Opiat wäre meine Lebensqualität nicht auf einem Level, den ich als ausreichend empfinde. Obwohl natürlich Schmerzspitzen immer wieder durchschlagen sind die schmerzfreien Zwischenräume groß genug um zB ausreichend Schlaf zu finden. Zuvor hatte ich Tage, die Schlaf nur in kurzen Phasen völliger Erschöpfung gestatteten.
Ich weiß also wovon Du berichtetst...
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Gruß, James

Geändert von James (08.05.13 um 19:18 Uhr) Grund: korr

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flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07
Lieber James,
vielen Dank.
Es ist so wertvoll, sich darüber auszutauschen.

alles Liebe
flower4O

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flower4O ist offline
Beiträge: 3.930
Seit: 18.09.07
Liebe Wildaster,
danke, daß Du Dich einsetzt.
Es ist wertvoll und mutig, sich auch auf diesem Wege dafür einzusetzen.
Von alledem hab ich bislang nichts gewußt (was die Schmerzbehandlungen
in Pflegeheimen betrifft).
Und beim Lesen werd ich sprachlos. Mehr kann ich gerade nicht sagen.

alles Liebe
flower4O

Pflegeheimerfahrungen mit Angehörigen?

Kayen ist offline
Beiträge: 5.066
Seit: 14.03.07
Hallo liebe Wildaster,

kann Deine Mutti sich über Schmerzen eigentlich noch selbst äußern?

Es gibt sogar ein juristisch verankertes Gesetz, dass in Deutschland kein Mensch Schmerzen aushalten "muss"!

Hier habe ich einen Ausschnitt aus einem Forum, leider ohne § Angabe. Jedoch hat mir ein Arzt, aufgrund von meinen damals, von einem anderen Arzt unbehandelten Schmerzen, diesen § auch mal erläutert:

Akute Schmerzen, die nicht gestillt werden, stellen juristisch eine unterlassene Hilfeleistung dar. Unter bestimmten Umständen kann auch eine "Körperverletzung durch Unterlassen" vorliegen. Beides kann sowohl straf-, als auch zivilrechtlich belangt werden. Das gilt für den Arzt, aber auch für betreuende Personen von nicht geschäftsfähigen Menschen wie z.B. für Eltern.


Manchmal kommt man leider nur als § Hengst weiter, zu dem ich dann auch schlimmstenfalls mutiere, wenn Ärzte zu sperrig werden bzw. entsprechende Schmerzbehandlungsmasznahmen verweigern.

Also es gibt ziemlich sicher so ein Gesetz, dass der Arzt verpflichtet ist, von Schmerzen zu befreien.

Alles Liebe für Dich und Deine Mutti
Kayen
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Wildaster ist offline
Themenstarter Beiträge: 5.641
Seit: 18.03.12
Vielen dank für eure Anteilnahme und Antworten.
Liebe Kayen,meine Mutti ist rechtsseitig gelähmt,kann nicht mehr sprechen und ist seit 14.5 Jahren im Pflegeheim und liegt im Bett.
Dankeich habe in das Forum reingeschaut und schon viel gelesen.
Es ist ja nicht so,dass keine Schmerzmittel verschrieben werden,aber wie ich schrieb,reicht es oft nach einer gewissen Zeit nicht mehr aus oder waren von Anfang an nicht stark genug.
Viele Bewohner sind nicht in der Lage sich über ihre Beschwerden zu äußern und da ist es sehr wichtig,dass das Pflegepersonal und auch wir Angehörigen aufmerksam sind und ihnen helfen.

Was mir noch nie gefallen hat ist,dass jeder Bewohner einen eigenen Arzt hat.Ich würde es gut finden ,wenn es einen zentralen Arzt geben würde,der auch Palliativmediziner ist und wo man sich sofort hinwenden könnte mit seinem Problem.

Auch ein Erlebnis der letzten Tage,was mir sehr nahe geht.
Meine Mutti teilt sich das Zimmer mit einer Frau,die auch schon stolze 93 Jahre ist und den ganzen Tag im Rollstuhl sitzt.
Sie lag Tage im Bett und es ging ihr nicht gut,sie stürzte schlimm auf den Kopf und es wurde sofort der Notdienst gerufen.Da sie aber ansprechbar war,nahm man sie nicht mit!Ich war entsetzt als ich das hörte.
Erst zwei Tage später kam ihr Hausarzt.

Das sind Probleme die jedes Pflegeheim hat und wo auch das Pflegepersonal machtlos ist.
Darum müssen wir uns alle dafür einsetzen,dass auch ein Leben im reifen Alter noch lebenswert ist und die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten wahrgenommen werden.

Ich bleibe dran!
Hallo James,ich habe immer in deinem Thread mitgelesen und weiß,dass du selbst vieles erfahren hast und habe dein Bild gesehen.Ich fand das sehr mutig von dir und wünsche dir von Herzen Gesundheit und alles Gute.
Liebe Grüße von Wildaster
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Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Geändert von Wildaster (08.05.13 um 16:25 Uhr)


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