Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

08.10.12 16:15 #1
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admin ist offline
Administrator
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Vor allem unsere Eltern, aber auch unsere Geschwister, anderen Verwandten, aber auch Freunde prägen uns in unserem Leben.

Je jünger wir sind, desto stärker ist wohl vor allem die Familie in der Lage, das eigene Verhalten zu prägen.

Es stellt sich die Frage:
- Welche Personen hatten den meisten Einfluss auf mich?
- Zu jeder dieser Personen: Welchen negativen Einfluss hatten sie?
- Zu jeder dieser Personen: Welchen positiven Einfluss hatten sie?

Unter dem Strich dürfte mit am wichtigsten sein:
- welche der negativen Einflüsse prägen noch immer mein Verhalten, wo ich dies gar nicht möchte?


Beispielhaftes Schema zur Antwort:

Mutter:
- positiv: ............
- negativ: ............

Vater:
- positiv: ............
- negativ: ............

Bruder:
- positiv: ............
- negativ: ............

...
- positiv: ............
- negativ: ............

Stärkste negative, ungewünschte Prägung, die bis zum heutigen Tage wirkt: .........................


Gruss, Marcel

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

Rota ist offline
Beiträge: 2.546
Seit: 22.07.08
[quote]
Zitat von admin Beitrag anzeigen
Vor allem unsere Eltern, aber auch unsere Geschwister, anderen Verwandten, aber auch Freunde prägen uns in unserem Leben. Je jünger wir sind, desto stärker ist wohl vor allem die Familie in der Lage, das eigene Verhalten zu prägen.

Es stellt sich die Frage:
- Welche Personen hatten den meisten Einfluss auf mich?
- Zu jeder dieser Personen: Welchen negativen Einfluss hatten sie?
- Zu jeder dieser Personen: Welchen positiven Einfluss hatten sie?

Unter dem Strich dürfte mit am wichtigsten sein:
- welche der negativen Einflüsse prägen noch immer mein Verhalten, wo ich dies gar nicht möchte?
Beispielhaftes Schema zur Antwort:

Mutter:
- positiv: ............
- negativ: .sie hat mich einfach abgeschoben.....

Vater: im Krieg gefallen
- positiv: ............
- negativ: ............

Bruder: ich hatte keine Geschwister


Stärkste negative, ungewünschte Prägung, die bis zum heutigen Tage wirkt: ..die Autorität und die Faulheit meines Großvaters.......................

Stärkste positive, erwünschte Prägung, die bis zum heutigen Tag wirkt:
.....die Liebe und die Hingabe meiner Großmutter.....


Hast Du dir das so vorgestellt, lieber Marcel?
Und nach diesen kurzen Feststellungen sollen nun die Ausführungen stehen?
Dann mal los
Könnte interessant werden.

Liebe Grüße
Rota
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Alles Gelingen hat seine Gründe, alles Mißlingen hat sein Geheimnis Joachim Kaiser, Musikkritiker

Geändert von Rota (09.10.12 um 11:21 Uhr)

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

Karde ist offline
Beiträge: 4.980
Seit: 23.05.12
Hallo Marcel
Hier etwas ähnliches:
ich kam auf dieses Thema vor Jahren, als bei einer Clusterauswertung der Begriff "Mangel an Selbstzucht" auftrat. Bei mir kam es dann zu Verwechslung mit Disziplin (züchtigen), und fand ich sei so diszipliniert-mehr ginge nicht mehr. Die Therapeutin wies mich dann darauf hin, dass Selbstzucht etwas ganz anderes sei als dass ich meine.
Selbstzucht ----die Zucht meines Selbst
wie bei Kaninchenzüchtern, mal schauen, wie sieht die Seite des Vaters und der Mutter aus - auch Grosseltern.
Von beiden Seiten mal die Eigenschaften aufschreiben positive und negative
und dann mal schauen was hat man von den Personen übernommen.
Und weiter wie reagierte ich auf bestimmte Verhaltensweisen, was hat mich geprägt.

LG KARDE
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Alles was ich anschaue --- schaut zurück

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

Oregano ist gerade online
Beiträge: 60.260
Seit: 10.01.04
Hallo Marcel,

letzten Endes läuft diese Frage doch darauf hinaus: wie bekomme ich diese Prägungen wieder los? Wie finde ich meinen eigenen Weg? Wie integriere ich frühere Einflüsse?

Ich bin immer etwas skeptisch, ob die Suche nach den starken Einflüssen in der frühen Kindheit sich positiv auswirkt; denn wahrscheinlich wird eher nach den "schlechten" Einflüssen geschaut als nach den "guten". Die "guten" stören ja nicht sondern die werden gerne als eigene positive Eigenschaften angesehen und akzeptiert. Der Blick in die Vergangenheit kann dazu führen, immer wieder dort stecken zu bleiben statt lösungsorientiert in die Zukunft zu schauen.

Grüsse,
Oregano
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admin ist offline
Themenstarter Administrator
Beiträge: 19.301
Seit: 01.01.04
Ja durchaus. Aber kann der Blick zurück nicht auch dazu führen, dass man einen Rucksack, den man immer mitschleppte, als diese erkennt und so abschnallen kann?

Ein guter Freund von mir hat kürzlich erkannt, dass er all die Jahre mit in das Leid seines Vaters mit eingetaucht ist (als würde dies dem Vater die Last erleichtern) und ihm dies sehr geschadet hat. Die Erkenntnis hat ihm sehr geholfen und ihn regelrecht befreit. Für seinen Vater hat sich dadurch nichts verändert, da er ohnehin nichts davon wusste.

Gruss, Marcel

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

Rota ist offline
Beiträge: 2.546
Seit: 22.07.08
Hallo Marcel

Aber kann der Blick zurück nicht auch dazu führen, dass man einen Rucksack, den man immer mitschleppte, als diesen erkennt und so abschnallen kann ?
Ich probiers jetzt mal mit einer leichteren Übung diesbezüglich

Mein Großvater, der Vaterstatt an mir vertreten hat damals nach dem Krieg hatte ein Problem mit einem Haar in der Suppe. Vielleicht trage ich deshalb schon fast mein ganzes Leben lang Kurzhaarfrisur.

Wenn mir so etwas heute passiert, hebt es mich zwar genau so wie ihn damals, so daß ich gleich erbrechen möchte. Nehme aber das Haar raus und fertig.

Er aber hat einen großen Fall daraus gemacht und hat die ganze Familie verdächtigt, als würde sie ihm das absichtlich antun.

Da half keine Beteuerung, vonwegen,

Ich will mal versuchen, ob ich diese Sache ad acta legen kann mit dem Vorsatz: Ein Haar in der Suppe ist kein Gift, sondern ein Versehen der Hausfrau und nichts worüber man sich aufregen braucht.

Mal sehen was daraus wird.

Liebe Grüße
Rota
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Geändert von Rota (09.10.12 um 16:05 Uhr)

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

admin ist offline
Themenstarter Administrator
Beiträge: 19.301
Seit: 01.01.04
Hallo Rota

Die Frage, die sich beim Haar in der Suppe vielleicht auch stellt:
Könnte es mein eigenes sein?

Und die zweite Frage:
Wenn ein Obdachloser eine Suppe gereicht kriegt ... oder ein schwer angeschlagener Patient im Krankenhaus, wie schwerwiegend wird das Haar in der Suppe für ihn sein?

Gruss, Marcel

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

Rota ist offline
Beiträge: 2.546
Seit: 22.07.08
Hallo Marcel

Die Frage, die sich beim Haar in der Suppe vielleicht auch stellt:
Könnte es mein eigenes sein?
Es kommt auf die Länge an.

Und die zweite Frage:
Wenn ein Obdachloser eine Suppe gereicht kriegt ... oder ein schwer angeschlagener Patient im Krankenhaus, wie schwerwiegend wird das Haar in der Suppe für ihn sein?
Beim Obdachlosen kommt es vielleicht auch auf seinen Rucksack an.

Beim schwer angeschlagenen Patienten kann es sein, daß er es gar nicht bemerkt. Einer Schwester die ihn füttert, wird es vielleicht sehr peinlich sein, weil es ja aus der eigenen KH-Küche kommt.

Aber nun mal vom Haar in der Suppe weg auf eine andere gräßliche Gewohnheit meines Großvaters, die mich heute noch ärgert wenn ich daran denke.

Es ist sehr oft passiert, daß ich von ihm wieder hinausgeschickt worden bin um mir nach der Toilette die Hände zu waschen. Ich habe mich aber geekelt vor dem Waschbecken. Er hat nämlich regelmäßig sein Wasser in den gußeisernen Ausguß abgeschlagen, weil er zu faul war auf die Toilette zu gehen. Dieser Guß hatte einen Messingwasserhahn und war unsere einzige Wasserversorgung in der Wohnung und darin wurden z.B. auch Kartoffeln und Salat gewaschen etc. Der Ärger meiner Großmutter war immer schon vorprogrammiert nach so einer unhygienischen Entgleisung.

Es tut mir leid, wenn ich hier solche Sachen ausbreite, aber wir wollten ja an alte Gefühle rangehen und eiene Lösung dafür suchen. Diese Erinnerung gehört auch zu meinen [COLOR="Red"]negativen Erinnerungen an die Gewohnheiten meines Großvaters. [/

Nachtrag: 22.23 Uhr

Ich habe jetzt einige Stunden über mich und meinen Unmut über Großvaters Verhalten nachgedacht und bin darauf gekommen, warum ich die Tatsache, daß ich durch eine falsche OP zur Hebung des Beckenbodens, bei der mir der Verschluß der Harnröhre zersrtört wurde, warum ich also diese Tatsache der folgenden dauerhaften Harn-Inkontinenz doch relativ gut verkrafte:

Meine Schwäche ist keine Bosheit, seine Charakterschwäche war es schon und bei diesem Vergleich schneide ich eindeutig gut ab.

Ich kann jetzt versöhnt ins Bett gehen.


Gute Nacht allerseits

Rota
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Geändert von Rota (09.10.12 um 23:36 Uhr)

Welche Menschen haben mich am meisten geprägt?

Rota ist offline
Beiträge: 2.546
Seit: 22.07.08
Weiter mit dem großvater:

Ich kann jetzt versöhnt ins Bett gehen.[/COLOR]
kaum war ich aufgewacht, ist mir der Vater meiner Mutter wieder im Kopf herumgespukt.

Er hat auch meine Einstellung zur Musik geprägt, was mir einen Geigenunterricht beschert hat, der ab meinem 5. Lebensjahr bis ich 14 war, täglich das Leben zur Qual gemacht hat.

Er hat mich wie ein Zirkuspferd trainiert und mich innerhalb von 4 Jahren bis zum Violinkonzert von Beethoven gedrillt. Daß ich heute in Erinnerung an diese Zeit regelmäßig innere Protestzustände gegen Üben erleide, kann sich sicher jeder vorstellen. Es ist auch der Grund, daß ich die Wünsche unserer Kinder und Enkel nach Musikunterricht nicht unterstützt habe und daß auch angefangene Versuche wieder verebbt sind.

Die Abneigung gilt aber nur fürs Üben. Die Liebe zu den Tönen habe ich schon verinnerlicht und das ist vielleicht doch etwas, was er mir geschenkt hat, jedenfalls kann ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen.

Nur mein Geschmack ist meilenweit von seinem entfernt. Er hat mich nie mit Mozart und Bach bekannt gemacht, das nehme ich ihm auch heute noch übel. Mit diesen beiden Komponisten und der Geschichte zu Mozarts Kindheit hätte er mir sicher eine große Freude gemacht. Jetzt mußte ich mir das eben selber schenken- und danach übte ich auch mit Hingabe.



Quäle nie ein Kind zum Instrument
war für mich eine meiner dringlichsten Vorgaben.

Im Bild sieht man mein erstes Geigerl, es war eine 1/4 Geige und das Meisterstück eines fränkischen Geigenbauers. Ich habe es heute noch und schau es manchmal an und spüre die Qual von damals körperlich wieder.

Rota
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Rota ist offline
Beiträge: 2.546
Seit: 22.07.08
Fortsetzung zur Prägung

Meine Großmutter hat mich stark geprägt. Sie hat in mir das vorbereitet, was mich bis heute interessiert. Menschen,Tiere, Pflanzen, Kochen,

Die Geduld und Hingabe die sie an den Tag gelegt hat, wenn ich mal krank war, was äußerst selten passiert ist. Eher möchte ich sagen, daß sie gut darauf geachtet hat, daß ich gesund geblieben bin. Das war nicht leicht nach dem Krieg. Die hinreißenden Handarbeiten die sie gefertigt hat, die Stickereien, die Strickereien, Häkeleien, Die Küche und der Garten, die Kleider und Mäntel, sogar Hüte hat sie gezaubert. Das alles hat sie mir beigebracht und es hat mir gefallen, daß sie gut fand, was ich daraus gemacht habe.

Der Tag, an dem ich aus dem Großelternhaus weggehen mußte um zu meiner Mutter nach München zu ziehen, war soooo traurig für meine Großmutter und mich. Sie ist sogar krank geworden vor Sehnsucht nach mir. Als sie gestorben ist, war das als ich es erfuhr, als müßte die Welt stehen bleiben. Ich war in einem Schockzustand.

Vor ein paar Jahren, als mein Vetter mir einmal eine Bandaufnahme von einem Gespräch vorspielte das in fränkischer Mundart geführt wurde, wurde ich gefragt, ob ich wüßte wer da spricht. Meinen Großvater erkannte ich sofort, aber wer war die Frau mit der hohen piepsigen Stimme?

Es war meine Großmutter deren Stimme ich nicht mehr erkannte. Ich war schockiert. Ich habe tagelang nachgedacht, warum das so war. Dann erkannte ich, daß ich die Trauer um diesen geliebten Menschen tief in meinem Innern eingeschlossen hatte, damals vor 60 Jahren. So tief eingeschlossen, daß der Klang der Stimme erloschen war.

Vor kurzer Zeit hatte ich einen Traum: Ich traf meine Großmutter in einem Raum der sehr dunkel war, unvorbereitet. Ich wollte ihr gerade um den Hals fallen weil ich mich so gefreut habe ihr meine Tochter vorzustellen.
Sie wich vor mir zurück wie vor einem Geist, was mich sehr verletzte. Da schnappte ich mir mein Mädchen und drückte es ihr in den Arm, was sie ohne Protest geschehen ließ.

Das Gefühl, daß sie vor mir zurückgewichen ist, macht mich gerade wieder so traurig, daß mir die Tränen kommen.

Das genügt für heute.
Meine Großmutter hat sich mir für mein ganzes Leben eingeprägt und das was sie mir beigebracht hat hat mir auf meinem Lebensweg sehr genützt

Liebe Grüße
Rota
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