Welches ist meine Fluchtfantasie?

08.10.12 16:04 #1
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admin ist offline
Administrator
Beiträge: 19.387
Seit: 01.01.04
Jeder Mensch erfährt Zeiten, wo einfach alles über den Kopf zu wachsen scheint. Negatives wird von weiterem Negativen begleitet, als würde man sich in einem Sog befinden, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Die Kräfte am Ende, alle möglichen Gefühle am "explodieren" ... möchte man am liebsten auf "Pause" drücken, sich verstecken, sich unsichtbar machen ....
Manche Menschen denken in diesem Moment an eine "Fluchtfantasie".
Sie erheben ihren Kopf und ihre Gedanken über all den "täglichen Wahnsinn" und entfernen sich an einen ganz bestimmten Ort.

- Wie sieht dieser Ort aus?
- Wie sind diese Leute dort?
- Wie lebt es sich dort?
- Was machst Du dort genau?

Gruss, Marcel

Welches ist meine Fluchtfantasie?
Clematis
Zitat von admin Beitrag anzeigen
Negatives wird von weiterem Negativen begleitet, als würde man sich in einem Sog befinden, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Einer meiner Wege war mit meinen Hunden aus der Stadt in die freie Natur zu fahren, mit ihnen zu wandern. Dabei konzentrierte ich mich ganz auf die Hunde, beobachtete sie und entdeckte so vieles, was sie sahen, erschnupperten, was ich andernfalls nicht gesehen hätte. Darüber vergaß ich zeitweilig alles andere (Schmerzen, Kummer, Depression usw.). Ich machte sozusagen Pause von mir selbst und das gab mir hinterher noch Kraft.

- Wie sieht dieser Ort aus?
- Wie sind diese Leute dort?
- Wie lebt es sich dort?
- Was machst Du dort genau?
Wenn ich in der Stadt blieb und nicht raus konnte, vertiefte ich mich in ein dickes Buch, etwa historische Romane, die informativ, gut und spannend geschrieben waren. Trotz aller Probleme konnten sie mich so fesseln, daß ich alles mitlebte, was in dem Buch geschrieben stand - an den Orten war ich, mit den Leuten fühlte ich mit, erlebte wie sie lebten und machte das, was auch sie machten, teilte deren Kummer und Sorgen. Darüber vergaß ich meine eigenen und alles, was reell um mich herum war, selbst starke Kopfschmerzen wurden so gelindert oder vergessen... Dadurch, daß ich mich von mir selbst entfernt hatte, nicht mehr grübelte, entstand eine Erholungspause und es ging danach manches etwas leichter. Vielfach rückte es das, was vorher unerträglich erschien in eine günstigere Perspektive, ich sah dann eher eine mögliche Lösung vor mir. Hoffnungslosikeit hatte sich in Hoffnung verwandelt.

Die Buch-Strategie hatte ich, ohne, daß es mir damals bewußt gewesen wäre, bereits in der Kindheit entwickelt - Bücher waren eine Flucht aus einer zeitweilig unerträglichen Realität und so war es nur natürlich, daß ich diesen Weg später wieder eingeschlagen habe, wieder ohne diese Strategie als solche zu erkennen. Bis ich das erkannte gingen noch viele Jahre vorbei.

Gruß,
Clematis

AW: Welches ist meine Fluchtfantasie?

Oregano ist offline
Beiträge: 60.509
Seit: 10.01.04
Eine Flucht-"fantasie" habe ich nicht.
Wie Clematis hilft mir in schwierigen Phasen der Aufenthalt in der Natur, möglichst viel körperliche Bewegung. Aber auch Musik! Und da wiederum die Musik, die mir gut tut. (Das dürfte für jeden Menschen eine andere Art von Musik sein).

Ganz besonders schätze ich in schwierigen Zeiten Möglichkeiten zur Meditation in einer Gruppe. Da fällt es wesentlich leichter, sich in die Tiefenentspannung zu begeben als allein zu Hause.
Sehr gut tun dabei Klangschalenmeditationen. Sie führen mit etwas Übung recht schnell in die Entspannung. 20 Minuten oder mehr gehen dann schnell vorbei.

Grüsse,
Oregano
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Interessieren Sie sich für die Gedanken und Meinungen Ihres Gegenübers ohne sie zu bewerten.

Welches ist meine Fluchtfantasie?

Kayen ist offline
Beiträge: 4.292
Seit: 14.03.07
Zitat von admin Beitrag anzeigen
Manche Menschen denken in diesem Moment an eine "Fluchtfantasie".
Ich würde von so einer Art Fluchtfantasie abraten.

Wenn der Mensch sich, wie beschrieben, gedanklich einen Flucht-Ort schafft/denkt, dann lebt er in einer Täuschung, die er sich selbst auferlegt.
Stirbt diese oder erwacht der Mensch aus dieser sich selbst geschaffenen Fantasie/Lüge, wird der "Flüchtling" wiederum nur enttäuscht, weil seine Gedanken nicht der Wahrheit entsprechen.
Weiterhin entzieht er sich aus der Erfahrung/Erkenntnis die Situationen am Ende ja so an sich haben und beraubt sich dessen ebenso.

Am Besten man akzeptiert, wie es gerade ist.

Grüsse von Kayen
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Welches ist meine Fluchtfantasie?

Wildaster ist offline
Beiträge: 5.248
Seit: 18.03.12
Liebe Kayen,
ich brauche solche Fluchtfantasien/Orte und schon als Kind flüchtete ich in diese Welt.
Später konnte ich einige Lebenskrisen nur so bewältigen ohne daran zu zerbrechen.
Mir halfen dabei auch Bücher ,Filme und Schicksale die schlimmer als meine waren.
Dadurch fand ich etwas Ruhe,fühlte mich oft getröstet und schöpfte neue Lebenskraft.
Auch heute,wo ich bei mir selbst bin ,also angekommen,gibt es Momente ,wo ich denke es geht nicht weiter.
Dann schnappe ich mir die Kamera und tauche tief in die Natur ein und bin mit ihr eins und komme mit freien Kopf wieder heraus.
Es gibt einen friedlichen Ort,dort bin ich sehr oft( Wolkenbilder)und ich weiß ,dass ich dort ,wenn es soweit ist ,mit offenen Armen empfangen werde.
Daran denke ich sehr oft und es tröstet und stärkt mich zugleich.

Sei lieb gegrüßt von Wildaster
__________________
Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück,Hoffnung und Liebe.( Vincent van Gogh)

Welches ist meine Fluchtfantasie?
Clematis
Zitat von Kayen Beitrag anzeigen
Stirbt diese oder erwacht der Mensch aus dieser sich selbst geschaffenen Fantasie/Lüge, wird der "Flüchtling" wiederum nur enttäuscht, weil seine Gedanken nicht der Wahrheit entsprechen.
Weiterhin entzieht er sich aus der Erfahrung/Erkenntnis die Situationen am Ende ja so an sich haben und beraubt sich dessen ebenso.
Hallo Kayen,

die von Dir beschriebene Situation ist durchaus möglich. Wenn man sich auf Dauer in eine Fantasie flüchtet und da nicht mehr herauskommt, dann kann man sich sehr schaden, weil die Probleme dann gar nicht be- bzw. verarbeitet werden.

Flüchtet man jedoch vor den momentanen Belastungen, weil man das Gefühl hat unter zu gehen, also für einige Zeit, dann entlastet man sich für einige Zeit, kommt auf ganz andere Gedanken, vergißt die eigene Misere. Dann stellt sich die positive Reaktion ein, die Wildaster sehr gut beschreibt. So empfand ich das auch. Hat man wieder Kraft und Mut geschöpft, kann man die Probleme erneut angehen.

Gruß,
Clematis

AW: Welches ist meine Fluchtfantasie?

Kayen ist offline
Beiträge: 4.292
Seit: 14.03.07
Seit auch lieb gegrüßt Ihr Lieben.
Tut mir leid, wenn ich evtl. beim Schreiben so rüberkomme, als würde ich Menschen Vor-schriften machen wollen. Das möchte ich ganz und garnicht und schreibe nur für mich, auch wenn es nicht so deutlich rüberkommt
Jeder natürlich nach seiner Fasson, wie es so schön heißt.

Liebe Grüße von Kayen
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Welches ist meine Fluchtfantasie?

Hexe ist offline
Beiträge: 3.819
Seit: 13.07.07
Hallo Ihr ,
meiner Meinung nach ist es keine "Flucht", wenn man sich - bewusst - etwas Schönem zuwendet um den Unschönen etwas entgegen zu setzen. So kann man wirklich Kraft finden, das ist auch meine Erfahrung. Problematisch wird es wohl dann, wenn man nicht "hinschaut" und nicht wahrhaben will, was an Problem und Schwierigkeiten auch da ist. Sich aber nur auf das Negative zu konzentrieren, das macht mich mürbe und nimmt mir ganz viel Energie.

Liebe Grüße, Hexe

Welches ist meine Fluchtfantasie?

Juliette ist offline
Beiträge: 4.667
Seit: 23.04.06
Dann reihe ich mich an dieser Stelle auch einmal ein.

Für mich ist es auch keine Flucht, etwas zu tun, was einem jetzt gut tut. Ich sehe mein Bewusstsein als schöpferisch kreatives Wesen an.
Habe ich ein Bedürfnis, zum Beispiel um mit einer negativen Situation umzugehen, die ich jetzt nicht ändern kann, dann erfüllt das Bewusstsein mir dieses Bedürfnis, indem es alle Recourcen in Betracht zieht, um mir die Situation zu erleichtern. Ist das Passende gefunden, zu dem ich Ja sagen kann, dann wende ich das auch an. Früher habe ich Bücher gelesen oder Musik gehört, einen inspirierenden Film geschaut. Über viele Jahre bin ich in die Natur gegangen, was ich auch heute noch mache. Und auch wenn ich heute einmal einmal Musik höre oder einen Film schaue, dann merke ich, dass sich mein Geschmack immer wieder verändert. Denn inzwischen habe ich neue Recourcen hinzugewonnen und ich verstehe Vieles anders als früher und entsprechend kann ich mich auch anders damit auseinandersetzen. Je besser ich mich selbst verstehe, desto weniger brauche ich Ablenkungen. Das sehe ich als positiv an.

Auch Süchte helfen manchen Menschen, wobei man hier leider schnell die Kontrolle verlieren kann und die Gesundheit, dass nicht ewig mitmacht.

Grüsse von Juliette

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Gleerndil ist offline
Beiträge: 3.710
Seit: 27.07.09
Zitat von Hexe Beitrag anzeigen
meiner Meinung nach ist es keine "Flucht", wenn man sich - bewusst - etwas Schönem zuwendet um den Unschönen etwas entgegen zu setzen.
Das kam mir auch als Erstes in den Sinn, dass auf-der-Flucht-sein ja Angst und Stress bedeutet.
Aus der Traumatherapie gibt es Begriffe wie Wohlfühlort, Innerer Sicherer Ort oder Innere Helfer.

blumenwiesen.org/imagination

Gruß - Gerd
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Die Sinnesorgane der Engel sind unsere Edelsteine. Rudolf Steiner


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