Kinder aus suchtbelasteten Familien

05.05.07 16:36 #1
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Sine ist offline
Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Kinder, die mit einem oder beiden Elternteilen, die ein Suchtproblem haben, aufwachsen, haben es besonders schwer.
Und es sind eine Menge Kinder, die unter solchen Umständen zu leiden haben.
Wie geht man vor, wenn man weiss oder vermutet, dass ein Kind zu Hause mit diesem Problem konfrontiert wird?
Ein heikles Thema.
Eines ist klar: Wegschauen gilt nicht!

Aus eînem Ratgeber der SFA ( Schweizerische Fachstelle für Alkohol - und andere Drogenprobleme ):
" Als Vertrauensperson, die einem Kind helfen möchte, übernehmen Sie Verantwortung. Die Konfrontation mit dem Thema Sucht ist heikel und erfordert ein geplantes Vorgehen. Es ist häufig sinnvoll, sich von Fachpersonen Unterstützung zu holen, um auch einen Teil der Verantwortung abgeben zu können."

Habt ihr Erfahrungen damit gemacht?
Kennt ihr so ein Kind und wisst nicht, wie ihr euch verhalten sollt?
Seid ihr gar selber in so einer Situation grossgeworden?
Der Erfahrungs - und Meinungsaustausch ist eröffnet!
Herzliche Grüsse, Sine

Kinder aus suchtbelasteten Familien

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Noch ein Zitat aus oben erwähntem Ratgeber:

" Einen suchtkranken Elternteil zu haben heisst, mit einem Menschen zusammenzuleben, den man gleichermassen liebt und fürchtet. Die familiäre Atmosphäre ist geprägt von Spannungen, Konflikten und Instabilität. Ein Kind von suchtkranken Eltern hat häufig Angst, fühlt sich unsicher, einsam, schuldig und ist der elterlichen Willkür ausgesetzt. Aus Loyalität und Liebe zu den Eltern, aber auch aus Scham, verschweigt das Kind gegenüber Aussenstehnden die belastende Situation."

Bei Suchtverhalten kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich mit einem Suchtverhalten (Medikamentensucht, Spielsucht, Wettsucht uvm.) aufhören möchte, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
hi sine,

ja angst ist bei sehr vielen menschen die aus suchtfamilien kommen, ein grundthema.
oft müssen ja die kinder die verantwortung für den erwachsenen elternteil mitübernemen.

aus dieser überforderung erwächst später häufig eine haltung von übergroßem anspruch an die eigenen fähigkeiten und zugleich tiefgreifende versagensängste.
das kann dann auch bis zu panikattacken gehen.

weil kinder natürlich sehr stark am modell der eltern lernen, ist in folge sucht ein regelmäßiges thema.
schon auch allein, weil sie keine lernerfahrung haben mit konflikten anders umzugehen.

die einsamkeit ist ein weiterer punkt der mit tiefem misstrauen oft einhergeht.

menschen mit einem solchen familienhintergrund haben als erwachsene bisweilen einen recht angespannten muskeltonus.
in der therapeutischen arbeit ergibt sich dann häufig das sie sich sozusagen selber halten gelernt haben, da es ja sonst keiner tat.
oft begleitet sie das gefühl einer gewissen bodenlosigkeit
u.a. hat diese erstarrung aber einige z.t. weitreichende "nebenwirkungen" auf körper und psyche.

natürlich sind die konstellationen auch hier immer andere, ein fürsorglicher elternteil der die verantwortung übernahm, oder die sucht begann erst als das kind schon 15j war, über gute ressourcen verfügte, verändert natürlich gleich vieles.


lieber gruß
andreas

Kinder aus suchtbelasteten Familien

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo Andreas.
Danke für deinen Beitrag der zeigt, dass du in diesem Bereich viel Erfahrung hast.
Arbeitest du auch mit Kindern?
Wenn ja, wie kommt es dazu, dass diese Kinder Hilfe bekommen?
Woher kommt meistens der Anstoss, die Verschwiegenheit der Familie zu durchbrechen?
Welche Rolle sollten aussenstehende Erwachsene übernehmen, die solche Missstände bemerken?
Interessierte Grüsse, Sine

Kinder aus suchtbelasteten Familien

Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
hi sine,
ich arbeite in einem haus für suchtkranke, und habe eine ausbildung in körperorientierter psychotherapie.
so kenne ich aus der einzelarbeit mit klienten beide seiten dieser medallie.

was man für kinder tun kann?
da müßte man mehr wissen über den einzelnen fall. im extrem kann man kinder aus solchen familien auch rausholen lassen.
das ist aber auch immer ein schock für die kinder, der sich, wenn es ganz schlimm ist nicht vermeiden läßt.
das muß man abwägen.
das jugendamt (gilt für deutschland ich weiß nicht wie das in der schweiz heißt) ist eine anlaufstelle in solchen fällen.
der anstoß das hilfe passiert kommt in der regel von aussen. meist passiert aber leider nichts.

es gibt auch erstklassige kinder u. jugendtherapeuten. aber hier ist der "schwachpunkt" das sie natürlich auch mit den eltern arbeiten und das fällt ja bei suchtfamilien erfahrungs gemäß meist flach.

lieber gruß
andreas

Kinder aus suchtbelasteten Familien

Cailly ist offline
Beiträge: 261
Seit: 19.11.06
ja das ist eine sehr bekannte Situation für mich...

beide Elternteile schon früh (ich war zwischen 4 und 6 ) Alkoholiker,
mit 11 nen Suizidversuch der Mutter verhindert und danach über Jahre bis zu ihrem Tod immer nen großteil Verantwortung für sie getragen - nebenbei die aggressionen vom Vater gedämpft und natürlich nach Aussen für das "heileweltbild" gesorgt und die Probleme vom älteren Bruder mitgetragen.

Das schlimmste bei der ganzen Geschichte war die ablehnung wenn ich versucht hatte aussen Hilfe zu finden - wenn überhaupt mal einer zugehört hat hieß es anschließend nur: "Du erzählst unsinn, das kann gar nicht sein, sowas gibts nicht!" - meine blauen Flecken (immerhin ein unübersehbarer Beweis) wurden nur mit "bist halt sehr ungeschickt" abgetan.

Deshalb empfehl ich vor allem : den betroffenen Kindern zuhören und zeigen das man ihnen Glaubt!

Ob oder wie man wirklich tatkräftig helfen kann ist dann erst zweitrangig und da gilt eben: wenn man unsicher ist wie - fragen! Jugendamt, AngehörigenGruppen (ALANON - die sind sehr nett), oder so.

Liebe Grüße,
Cailly

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Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
hallo,

ich möchte auch etwas aus meiner geschichte beitragen.
im alter von etwa 5-9 jahren hatte mein vater eine periode in der er viel trank. nun war das bei mir die zeit in der ich noch glaubte mein vater sei der sträkste mann der stadt. (mit fünf jahren bewundern kleine jungs ihre väter)
ich konnte es dann überhaupt nicht zusammen bringen das er bisweilen am boden lag und nicht aufstehen konnte. in mir war sowas wie ein schrei: papa steh doch bitte auf.
ich verstand nicht was passierte. ich erinnere große angst.
auch der häufige agressive streit mit meiner mutter machte mir oft reine panik.

vieleicht arbeite ich ja deshalb im suchtbereich, weil ich will das "papa" wieder aufsteht.

ich hatte insofern glück als das meine mutter für uns da war und es nur ein paar jahre anhielt.
heute glaube ich mein vater hatte mit seinen "dämonen" aus der kriegszeit zu kämpfen. er hatte viel traumatisches erlebt.
dies ist etwas das mich gewissermaßen mit dem erlebten aussöhnt.

lieber gruß
andreas

Kinder aus suchtbelasteten Familien

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo Cailly und Andreas, danke für eure Offenheit!
Auch ich hatte einen Vater, der Alkoholiker war.
Wenn man klein ist und glaubt, die Erwachsenen können und wissen alles,
hofft man, einer dieser " Allmächtigen " würde einen aus dieser Misere herausholen...
Nun, wir sind gross geworden und das Thema beschäftigt uns heute noch.
Die oben genannte Broschüre hat mir alte Zeiten in Erinnerung gerufen und mir ist bewusst geworden, dass es auch im jetztigen Moment viele kleine Sines gibt, die auf Hilfe eines " Allmächtigen " hoffen...
Herzliche Grüsse, Sine

Kinder aus suchtbelasteten Familien

Cailly ist offline
Beiträge: 261
Seit: 19.11.06
Moin Sine,

du hast da etwas sehr wichtiges geschrieben:
Wenn man klein ist und glaubt, die Erwachsenen können und wissen alles,
hofft man, einer dieser " Allmächtigen " würde einen aus dieser Misere herausholen...
Bei mir war dieser Glaube sehr schnell abgetötet worden.
Mein Vater fing mit dem Saufen an nachdem er von dem sex. Missbrauch durch meinen Großvater (Mutters Vater) an mir erfuhr.
Dadurch wurde mir von der Mutter dann auch immer die Schuld für alles was schieflief aufgebürdet. Und auch sie verfiel dann irgendwann dem Alkohol - sie war selbst Missbraucht worden und kam damit nicht klar.

Neben dem Glaubens und Vertrauens Verlust in die Eltern kam dann eben irgendwann auch das ich Niemandem (auch Gott nicht mehr) Vertrauen konnte.

Liebe Grüße,
Cailly

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Holon ist offline
Beiträge: 241
Seit: 04.04.07
ja und mißtrauen macht eben auch einsam....
ich habe gelernt das ich menschen sehr unrecht tue wenn ich sie immer vor dem hintergrund meines kindheitstraumas sehe und bewerte.
mir hat therapie sehr geholfen dabei.
ich denke ich kann sagen das ich wieder offen bin für menschen und habe gemerkt das es sich mit dieser haltung besser leben läßt.

lieber gruß
andreas


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