Zeig mir deine Sucht und ich sage dir...

13.02.07 21:32 #1
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Zeig mir deine Sucht und ich sage dir...

Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Zurück zu meiner Grundfrage:
Kann man zu einem Suchtmittel gewisse Defizite eines Menschen zuordnen?
Nehmen wir nur schon mal den Alkohol:
Rotwein, Weisswein, Bier, Schnaps, bei den jungen Leuten Alcopops.
Es gibt da doch Unterschiede zwischen exzessiven Rotweintrinkern und exzessiven Weissweintrinkern.
Ich sehe, das Ganze wird knifflig...
Oder sollte man grundsätzlich in zwei grosse Kategorien einteilen:
Aufputschend und betäubend?
Das könnte vielleicht ein Ansatz sein.
Wie seht ihr das?
Sine

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RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
hallo!

ich denke nicht das man eine zuordnung aus der sucht leiten kann.

aus vielen untersuchungen geht hervor daß menschen mit suchtproblemen weit mehr rezeptoren im gehirn aufweisen als personen ohne suchtkrankheiten.
mehr rezeptoren bedeuten zwangsläufig eine höhere dosis um den gleichen effekt zu erreichen, wie vergleichsweise bei normaler rezeptorenanzahl.
da der krat zwischen normalen umgang und sucht sehr schmal ist, löst ein mehr an "zufriedenzustellenden" rezeptoren, schnell eine suchterkrankung aus. alkohol ist hier wohl ein paradebeispiel, denn der schritt von einem glas, zu einem glas zuviel, ist ein sehr sehr kleiner.

so komme ich zu fogendem schluss:

es ist nur eine frage der zeit bis jemand "seine Sucht" findet.

heute leichter denn je. zum glück kann ich z.B nicht sagen ob ich ein drogensuchtpotential in mir trage, denn ich kam in meiner jugendzeit nie mit solchen in kontakt. heutigen jugendlichen ist dies wohl kaum mehr möglich, wenn schon auf schulhöfen gedealt wird.

ob jemand der mit mehr rezeptoren ausgestattet ist auch wirklich eine chanche hat erfolgreich gegen seine sucht vorzugehen, vor allen dingen mit reiner geistigen leistung, wage ich doch sehr zu bezweifeln. von dieser warte aus betrachtet ist es für mich auch erklärlich, warum auch vernunftbegabte menschen an einer erfolgreichen bewältigung einer sucht immer wieder scheitern.
beispiele gibt es ja unzählige.

das fast ausschließlich negativ über suchtkranke menschen geurteilt wird halte ich seit jeher für ziemlich kurzsichtig.

grüße
richter

Bei Suchtverhalten kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich mit einem Suchtverhalten (Medikamentensucht, Spielsucht, Wettsucht uvm.) aufhören möchte, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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Horaz ist offline
in memoriam
Beiträge: 5.730
Seit: 05.10.06
Liebe Sine,

ich glaube nicht, dass man auf diesem Weg zu Lösungen kommen kann. Kein Mensch funktioniert linear. Defzit A = Suchtmittel A - Beseitigung des Difizites A = Beseitigung des Suchtmittels A.
Jeder Mensch bleibt bei der Verwirklichung von Lebenszielen manchmal bei Ersatzzielen hängen, die Suchtcharakter annehmen können. Suchtmittel haben aber einen sehr unterschiedlichen Auswirkungsgrad. Es kann sich jemand intensiv mit einer ganz bestimmten Richtung einer Religion beschäftigen, was zu einem engagierten Mitglied oder bis zum Aufgehen in einer Sekte führen kann. Lebensbedrohlich ist es aber fürs erste nicht.

Mit dem Suchtmittel "Süsses", von dem wir wissen, dass es einen Mangel an Liebe ausgleichen soll, wird man wahrscheinlich krank, aber damit hängt keiner mit leeren Augen auf Bahnhöfen rum. Fängt jemand zum Saufen an, weil er Konflikte nicht ertragen und nicht auflösen kann, kommen neben den psychischen Problemen materiell wirkende Substanzen hinzu, die den Körper beeinträchtigen und schließlich geraten Körper, Geist und Seele in einen Strudel nach unten.

Wenn jemand meint, mit Heroin (Heros = Held) ungestraft auf Heldenreise gehen zu dürfen, geht der Verfall noch viel schneller von statten. Die Wahl mancher Droge ist oft nicht einmal eine Wahl gewesen, sonder brach über einen Zufall herein, der allerdings durch die individuelle Bereitschaft auf einen unglückselig fruchtbaren Boden fiel.

Süchte sind nicht nach Kategorien zu sortieren und durch Ordnung zu zähmen (das entspräche einer linearen Wissenschaftlichkeit von der wir wissen, dass sie nur bei einfachen Situationen zielführend ist). Sie planmäßig zuzuordnen und - denn das ist ja der Gedanke dabei - sie damit planmäßig zu beseitigen, kann nicht funktionieren, weil sie im Kern ein individuelles Problem darstellen.

Die Auflösung von Süchten kann deshalb nur individuell und parallel erfolgen. Einerseits, je nach Grad der Wirksamkeit einer Droge, auf der körperlichen Ebene. Andererseits über das Aufspüren der Gründe im geistig, seelischen Bereich. Und weil das sehr schwieirg ist, gelingt es nicht allzu häufig.

Gruss, Horaz

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RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
@horaz!

"Fängt jemand zum Saufen an, weil er Konflikte nicht ertragen und nicht auflösen kann, kommen neben den psychischen Problemen materiell wirkende Substanzen hinzu, die den Körper beeinträchtigen und schließlich geraten Körper, Geist und Seele in einen Strudel nach unten."


die alkoholkranken die mit dem saufen aus einer unbewältigten konfliktsituation heraus zu "Saufen" begannen, gehören zu einer sehr kleinen gruppe unter den alkoholikern. die größte gruppe ist diejenige die einfach aus gewohnheit und jahrelangem "gebrauch" von alkohol, in diese sucht geraten sind.

um eine analyse eines bestimmten verhaltens durchzuführen, erscheint mir eine minderheit dafür heranzuziehen als nicht geeignet.

es lässt keine relevanten schlüsse auf die tatsächlichen ursachen zu. damit wird lediglich der eindruck erweckt, dass alle alkoholiker irgendwelche unbewältigten konflikte in sich tragen, die auslöser zu ihrer sucht wurden. dies ist schlichtweg falsch!

grüße
richter

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Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Lieber RRichter!
Ich neige eher zu Horaz' Sicht der Dinge.
Ich habe im engeren Familien- und Bekanntenkreis 3 Alkoholiker und die tragen definitiv unbewältigte Konflikte mit sich herum...
Trotzdem habe ich über deine Ansicht nachgedacht. Ich fragte mich, wie man denn sonst zu gewohnheitsmässigem Trinken kommen kann.
Da kam mir in den Sinn, dass wir zu Hause als Kinder oft " Weinwasser " zu trinken bekommen haben.( Zur " Stärkung ")
Wasser, ein Schuss Rotwein und etwas Zucker. Köstlich, wir haben es geliebt!
Diese liebe Gewohnheit hätte ich weiterziehen können, den Weinanteil erhöhen, usw., bis die körperliche Abhängigkeit erreicht gewesen wäre.
Warum ist das nicht passiert? Eben vielleicht doch, weil mein " innerer Boden "
nicht fruchtbar war für eine Alkoholabhängigkeit?
Eine spannende Diskussion!
Liebe Grüsse, Sine

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RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
oder aber deine körperlichen voraussetzungen für diese art von sucht dir eine gewisse "immunität" geben. es gibt studien von kindern schwerst alkoholabhängiger eltern, die nicht in diesem milieu groß geworden sind, und ein solches auch nie kennengelernt haben. trozdem haben diese im erwachsenenalter ein deutlich erhöhtes risiko, der alkoholsucht zu verfallen.

dies lässt mich unter anderem sehr stark daran zweifeln, das nur der "innere boden" stark genug sein muß, um davor geschützt zu sein.


grüße
richter

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RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
deine aussage nach dem gestärkten "inneren boden" lässt in mir dann gleich folgende frage aufkommen.

wenn der starke "innere boden" ausreicht um nicht der alkoholsucht zu verfallen, dann müßte doch die selbe person gegen alle anderen suchterkrankungen ebenfalls "immun" sein.

wenn mich der "innere boden" vor einer sucht bewahren kann, dan sollte ja nach deiner these die grundlage einer gefäßtigten person gegeben sein. wie kann diese dann überhaupt eine sucht entwickeln.

das der "innere boden" bei einer anderen art von sucht dann nicht mehr stark genug sein soll, kann ich in diesem zusammenhang dann nicht verstehen.

liebe grüße
richter

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Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Lieber RR,
das ist meines Erachtens wie bei dir im Gärtlein ( hast du eines?).
Nicht auf jedem Boden gedeihen alle Dinge gleich gut.
Und somit sind wir wieder bei meiner These, dass verschiedene Menschentypen für verschiedene Suchtmittel empfänglich sind.
Liebe Grüsse, Sine

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RRichter ist offline
Beiträge: 1.312
Seit: 18.12.06
oder auch bei meiner!


grüße
richter

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Sine ist offline
Themenstarter Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06

Friede, RR, stossen wir mal mit einem beruhigenden Milchshake an!
Sine

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