Besonders betroffene Berufsgruppen

09.01.08 23:14 #1
Neues Thema erstellen

Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Ganz offenbar führen immer wieder die Angehörigen sozialer, pädagogischer, medizinischer und pflegerischer Berufe, die Suchtstatistiken an.

Hohe Ich-Ideale, große Verantwortung
.... Das Hauptmerkmal sozialer Berufe ist die ständige Auseinandersetzung
mit menschlichen Problemen – die Gesundheit und
Belastbarkeit des Helfers sind ausschlaggebende Faktoren für die
Qualität der Behandlung. Beeinträchtigungen in diesem Bereich
können mit entsprechend negativen Folgen auch für PatientInnen
verbunden sein. Im Spannungsfeld zwischen Erfüllung der Rollenerwartung
der Gesellschaft, eigener Berufsethik und institutionellen
Vorgaben, deren Anforderungen befriedigende Arbeitsbedingungen
oftmals nur schwer ermöglichen, kommt es
bei vielen Mitarbeitern zu Gefühlen der Überforderung. Die hohe
Verantwortung gegenüber PatientInnen, oftmals bei Zeit- und
Personalmangel, führen zu lang anhaltenden Stresssituationen, die
sich bis hin zu einer Erschöpfungsdepression entwickeln können.
Die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse, Insuffizienzgefühle
und mangelnde Anerkennung führen zu Beginn noch zu
erhöhtem Arbeitseinsatz, um die persönliche Leistungsfähigkeit
zu beweisen. Stufenweise entwickeln sich später Symptome wie
innere Leere, Zynismus gegenüber KollegInnen und PatientInnen
und emotionale Erschöpfung. Schlafstörungen, Krankheitsanfälligkeit
und chronische Müdigkeit sind deutliche Warnzeichen.
Fehlende organisatorische oder individuelle Bewältigungsstrategien
wirken sich auf die Qualität der Arbeit aus.
Um drohende oder tatsächliche Leistungseinbußen zu kompensieren
und bei gleichzeitiger persönlicher Neigung zu
Suchtmittelgebrauch ist der spannungslösende Griff zu Alkohol
oder anderen sedierenden Psychopharmaka schnell erreicht. ...
http://www.frauenfuerfrauen.org/pub/...missbrauch.pdf

Herzliche Grüße von
Leòn

Besonders betroffene Berufsgruppen

meike kraft ist offline
Beiträge: 214
Seit: 12.08.07
lieber leon
genau deshalb find ich auch immer wieder wichtig, schon in der ausbildung nischen zu erarbeiten, wo eine kleine entspannung realisiert werden kann, damit man weiter mit einem patienten arbeiten kann.
und ich persönlich bin der meinung, daß es weniger erschöpfend ist die gefühle einfach zu haben, zu spüren u. ggf. auszudrücken, bzw. einfach MENSCH zu sein, als mich in abgrenzunen usw. zu flüchten und dann auch ganz starr u. nicht mehr fühlbar zu sein für mein gegenüber u. selber daran kaputt zu gehen.
mich hinter einer facette, dem weißen kittel u. der abgrenzung zu verstecken ist dermaßen anstrengend u. es führt dazu, ein emotionaler krüppel zu werden.

wenn ich aber mein menschsein lebe und offen bin und es fließen lasse, muß ich keinen alk usw. einsetzen, um beruf zu überleben.

nur mal so, meike

Bei Suchtverhalten kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich mit einem Suchtverhalten (Medikamentensucht, Spielsucht, Wettsucht uvm.) aufhören möchte, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
mehr
Besonders betroffene Berufsgruppen

Desertflower ist offline
Beiträge: 155
Seit: 31.01.08
Ich glaube ,das ist leider ziemlich klar ,denn bei uns wird wenig in die "Menschwerdung " gesteckt während der Ausbildung.Und wenn dann ein Berufsanfänger merkt in welch enge Maschinerie er gekommen ist.Ich denke da an Pflegepersonal zb. die sicher mit guten Absichten kommen und dann feststellen,Es ist nicht gewünscht sich um die Menschen zu kümmern sondern ein Soll zu erfüllen ist das frustrierend .zB Gerechnet wird bei Alten 5 min zum anziehen , 3 min Haare kämmen, usw . Wenn dann der Pflegende nicht sehr gefestigt ist kann er nur frustriert werden.
Oder im Krh die jungen Ärzte wie oft werden die platt gemacht von den eingesessenen Ärzten von deren leider oft nur Symptombezogenen Vorgehen wie die Galle auf Zimmer 123 .Dazu die grausigen Arbeitszeiten und dadurch dann oft Schwierigkeiten mit den Freunden weil der Rhytmus sich verlagert.Da kann man schon ins Rudern kommen .
Und ich glaub es wird in der Ausbildung zuwenig Wert darauf gelegt ,klar zu machen mitfühlen ja mitleiden nein.Wenn man das mal kapiert hat ist man ein ziemliches Stück weiter .
Gruß Desertflower

Besonders betroffene Berufsgruppen

meike kraft ist offline
Beiträge: 214
Seit: 12.08.07
ja flower
dafür müssen wir schon selber sorgen u. begreifen, daß es nischen braucht, damit man mit patienten gut arbeiten kann u. sich nicht dermaßen zumacht, daß man ein emotionaler krüppel wird.
ich wunder mich nur sehr, wenn schon die jungen leute, die nicht einmal das 40. lebensjahr erreicht haben, von abgrenzung reden u. sich in wirklichkeit noch nie eingelassen haben auf den mensch, sondern lediglich auf ihr handwerk.
UND
flower....klar wird der zeitraum eingegrenzt, wo raum gegeben wird, einen patienten zu versorgen (genau wie du aufzuzeigen weißt)
ABER
kann nicht dennoch währenddessen, wo z.B. ein patient gewaschen wird u. klar auch auf zeitabschnitt angewiesen ist, sehr präsent und liebevoll mit ihm umgegangen werden?
weißt du.... DA stehen mir so die haare zu berge....
verstehst du mich?
ICH hör immer nur "abgrenzung" u. bekomm dann meine patienten traumatisiert wieder zurück u. dann spring ich aber aus der hose. das kannst du mir glauben.

Besonders betroffene Berufsgruppen

pita ist offline
Beiträge: 3.139
Seit: 08.04.07
Zitat von meike kraft Beitrag anzeigen
ICH hör immer nur "abgrenzung" u. bekomm dann meine patienten traumatisiert wieder zurück u. dann spring ich aber aus der hose. das kannst du mir glauben.
Hallo Meike

Darf ich fragen, in welcher Form Du mit Patienten arbeitest und wie Du damit umgehst?

Liebe Grüsse
pita

Besonders betroffene Berufsgruppen

meike kraft ist offline
Beiträge: 214
Seit: 12.08.07
ja pita
darfst du....

sobald meine patienten stat. mal aufgenommen werden müssen, geh ich sie besuchen, damit klinikpersonal mitbekommen, daß da "gesehen wird".... denn oftmal haben sie keine angehörigen......

ich geh in das schwesternzimmer u. stell mich vor, damit sie wissen, daß aufgepaßt wird.

und ich geh, wenn meine patienten denn ins altersheim müssen, sie DA besuchen u. stell mich auch DA vor, damit auch diese leute sehen, daß alles gesehen wird, weil meine patienten oft keine angehörigen haben. da kann man es ja machen mit ihnen.

ich mag auch gerne klartext reden, damit es keine mißverständnisse hier gibt.

ich komme z.B. ans bett meines patienten u. das essen wird nicht angereicht, obschon sie selber nicht mehr essen können.

da wird keine klingel angebracht, obschon sie alleine im zimmer liegen u. sich nicht mehr anderweitig bewerkbar machen können usw. usw.

LG meike

Besonders betroffene Berufsgruppen

Desertflower ist offline
Beiträge: 155
Seit: 31.01.08
Liebe Meike
Ich glaub eben es ist die falsche Abgrenzung die gezogen wird,denn wenn jemand der pflegt mitleidet wird er selbst runtergezogen und verliert an Energie,wenn er aber mitfühlt dann fühlt er nach wie geht es dem Menschen den ich grad versorge .Aber seine Energie bleibt bei dem Pflegenden ,vielleicht hatte ich das nicht klar genug aus gedrückt .So versteh ich jedenfalls die nötige Abgrenzung,indem Moment wo ich pflege bitte voll und ganz für den Menschen da sein aber nicht mit nehmen in mein privates Leben .Das wird in der Ausbildung halt nicht oder zuwenig berücksichtigt.
LG Desertflower

Besonders betroffene Berufsgruppen

meike kraft ist offline
Beiträge: 214
Seit: 12.08.07
ach flower
ich erleb eigentlich weniger, daß leute ihre patienten mit nach hause nehmen (innerlich)......
da bin ich nur sehr wenig besorgt drum.

hab du einen schönen sonntag
meike

Besonders betroffene Berufsgruppen

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
Hallo Meike,

aber um genau die sollte es ja hier gehen! - - Menschen, die - zum Beispiel in einem Altenheim arbeiten - und sehr unter den Belastungen dort leiden. Denn, da bin ich sicher - ergreifen die meisten Menschen den Beruf aus idealistischen Gründen und erleben dann in der Praxis oft einen fürchterlichen Schock.

Aber das ist vermutlich ein eigenes Thema !

Ich finde den Ansatz, den Du darstellst, sich "Nischen zu schaffen" prima. Bei den zeitlichen Belastungen in Sozial- und Gesundheitsberufen frage ich mich nur manchmal: woher soll man denn die Zeit dafür auch noch hernehmen?

Desertflower hat hat das Problem des Schichtdienstes angesprochen: dadurch entfernt man sich immens vom "normalen" Freundeskreis und im Grunde auch vom "normalen Leben". Denn es ist (fast) unmöglich, regelmäßige Termine, wie Vereinstreffen, Volkshochschulkurse und so weiter, einzuhalten.

Dazu kommt die große Verantwortung, die man in diesen Berufen trägt, egal ob als Arzt/ Ärztin, KrankenpflegerIn, AltenpflegerIn, ErzieherIn, SozialarbeiterIn und so weiter.

Das sind Belastungen, mit denen man erst mal fertig werden muss ....

Herzliche Grüße von
Leòn


Besonders betroffene Berufsgruppen

Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.711
Seit: 10.01.04
Dazu kommt die große Verantwortung, die man in diesen Berufen trägt, egal ob als Arzt/ Ärztin, KrankenpflegerIn, AltenpflegerIn, ErzieherIn, SozialarbeiterIn und so weiter.
Zu den und so weiter zählen ja auch und ganz besonders pflegende Angehörige:
Nicht nur, daß sie im allgemeinen endgültig aus dem Beruf herausfallen sondern auch, daß sie rund um die Uhr gefordert sind. Das geht an die Substanz und erklärt auch, warum immer weniger Menschen zu Hause gepflegt werden (können).

Gruss,
Uta


Optionen Suchen


Themenübersicht