Sekten, u.a. Univers. Leben, Scientology u.a.

16.04.17 16:36 #1
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Oregano ist offline
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Seit: 10.01.04
http://www.symptome.ch/vbboard/newth...ewthread&f=213

Die unnahbare Prophetin - Die Sekte "Universelles Leben" in der Pfarrei Michelrieth

https://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_Wittek

Aussteiger - Die Sekte "Universelles Leben" in der Pfarrei Michelrieth

bbs: Aussteiger berichten

http://www.mainpost.de/regional/fran...rt1727,7776213

Dies ist eine Sekte. Aber nicht die einzige in Deutschland und anderen Ländern.
Vorsicht ist immer geboten, wenn man sich an eine solche Vereinigung annähert.

Hier werden Merkmale von Seken gezeigt, auf die man achten sollte:
Religion > Sekten: Sektenmerkmale

Diese Firma gehört zum Universellen Leben:
https://www.lebegesund.de

Liegt das Universelle Leben im Sterben? | m.mainpost.de | MAIN-POST

Ich komme auf dieses Thema, weil gerade eine gute Bekannte von mir gestorben ist, die sich nie von dieser Gemeinschaft erholt hat. Sie ist zwar davon weg gekommen, ist aber nie wirklich in dieser "normalen" Gesellschaft angekommen.

Viele Parallelen sehe ich zu dieser Sekte um "Uriella", die sich im Südschwarzwald niedergelassen hatte:
Sektenparadies
Ibach/Zürich: Uriella hat ihren Sekten-Tempel verkauft | SÜDKURIER Online
https://www.schweizer-illustrierte.c...rankheit-sekte

Grüsse,
Oregano

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Geändert von James (26.09.17 um 20:08 Uhr)

Universelles Leben: eine Sekte im Würzburger Raum

Joh70 ist offline
Beiträge: 946
Seit: 08.10.06
Hallo Oregano,

mich würde interessieren, warum ist sie nie wirklich in die "normale" Gesellschaft zurückgelangt?

Im obigen Link "bbs: Aussteiger berichten" konnte ich eben lesen: "Nach ihrem Aufenthalt sei es wie ein innerer Zwang gewesen, sich immer wieder in den "Dunstkreis" der Sekte zu begeben. Sie habe den Eindruck gehabt, sogenannte "Erleuchtungen" und andere paranormale Phänomene zu erleben."

Erschien ihr das Frühere zu banal? Hielt sie die Leute aus dem Umfeld ihres alten Lebens nicht mehr für ebenbürdig, unwissend, naiv oder vom System irregeführt, etc. Schließlich appelieren viele Sekten am Ego und hinterlassen so auch nach einem Ausstieg ihre Narben.

Wie der Zufall will, habe ich heute auch gelesen, wie sich "King of Queens" Darstellering Leah Remini äußerte, nachdem es ihr gelang, sich von den Scientologen zu lösen. Ich finde, dazu passt ihre Bemerkung:
"Fragesteller: "Wissen die Anführer, dass das alles Schwindel ist oder glauben sie selbst diesen Mist?"
Leah Remini: "Es gibt nur einen Anführer. Und er weiß es definitiv. Aber ich glaube, die Mitglieder tappen im Dunkeln und glauben, dass sie unfassbare Dinge für die Welt tun. Und David Miscavige ist für diesen Betrug verantwortlich.
"
Antworten auf 'Reddit': Das sagt Leah Remini über Scientology

Wie können erwachsene Menschen, die oftmals auch Intelligenz besitzen, sich so verführen lassen? Also ich frage mich das selbst immer wieder, quasi als Selbstkontrolle, als jemand, der von Kindesbeinen an streng religiös erzogen wurde: Wo stehe ich? Bin ich noch im Vollbesitz meiner Willensfreiheit? Wie kann es zu solchen Karrieren in diesen oder jenen Gruppierungen kommen?

Und ich stelle fest, es sind immer die Energien verantwortlich, weniger die gemachten Versprechungen.

Prinzipiell mache ich da keinen Unterschied zwischen Religionen/Sekten oder anderen Gruppenphänomenen, z.B. einer Firma, Verein, Freundeskreis, sozialen Schicht oder sontigen Clique. Es ist immer das selbe: Die Energien bestimmen, wessen Geistes Kind man ist oder wird, bzw. bestimmen wo es einen hinzieht.

Im Arbeitsleben gelangt man mit jeder neuen beruflichen Veränderung in ein neues Umfeld. Selbst dort sind mitunter starke Kräfte wirksam, die einen in diese oder jene Richtung drängen mögen. Noch viel stärker werden wohl die Kräfte in Sekten, Kulte oder Religionen sein, da sie doch umfassendere Ansätze verfolgen und höhere Ansprüche erheben.

Zudem fällt mir auf, daß auch bei Universellem Leben der Einstieg über eine alternativmedizinische und esoterische Schiene gelaufen ist/läuft (Stichwort: Heilfasten, Meditation, einschlägige Literatur in Bio-Naturkostläden).

Obwohl ich eigentlich von Heilpraktikern und Homöopathie nicht viel halte und mir die esoterischen, spiritistisch angehauchten Behandlungsansätze suspekt bis riskant vorkommen, bin ich doch einmal zu einem Heilpraktiker gegangen. Schließlich habe ich 300 EUR für Tinkturen und homöopathische Mittel locker gemacht. Später habe ich mich richtig geärgert und gefragt, wie mir das passieren konnte.

So oder ähnlich stelle ich mir den Einstieg in eine abgeschiedene Welt Andersdenkender vor. Die ganze Aufmachung und Geschäftigkeit dort - einem abgelegenen, historischen Anwesen - war auf Beeinflussung der Entscheidungsfindung ausgelegt, fast schon sektenhaft.

Wie auch immer, vorher wie nachher bin ich überzeugt, daß alle Energien eine Quelle haben. Und gerade Sekten, Kulte, Religionen sind eigentlich immer an irgendeine überiridschen Quelle angekoppelt.

Wenn Energien die Wirkweise oder das Mittel sind, stellen Personen die Quelle dar. Und Geister sind Personen, seien es nun gute oder weniger gute.

Und dies erklärt auch, warum sich Menschen so schwer davon freimachen können, wenn sie unter den Einfluß einer übermenschlichen Macht geraten sind. Die notwendigen Abnabelungsprozesse können mitunter Jahre dauern (Wobei man feststellen muß, wir Menschen sind und bleiben immer irgendwie irgendjemandes "Sklaven". Gerade deswegen suchen wir ja nach Erleuchtung oder Befreiung auf welchen Wegen auch immer).

Und eigentlich ist eine echte Neuorientierung nur möglich, wenn es einem gelingt, eine andere Energie (und damit direkt oder indirekt auch andere Quelle) der unerwünschten entgegenzusetzen. Aus eigener Kraft kann dies nie wirklich gelingen.

Gruß,
Johannes

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ullika ist offline
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Seit: 27.08.13
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen

Dies ist eine Sekte....
was ist der Unterschied zwischen Sekte und Religion?

Universelles Leben: eine Sekte im Würzburger Raum

Oregano ist offline
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Seit: 10.01.04
Hallo ullika,

ich denke, der Übergang von Religion zu einer Sekte ist fließend. Aber ein Unterschied scheint mir klar: eine Sekte schart sich um einen Anführer, und es muß nicht unbedingt um "ethisch-religiöse" Motive dieser Schar gehen. Genauso gut kann es um materielles Wachstum (Scientology), besondere Ernährungsweisen, Ausbeutung, Abhängigkeit gehen.
Hier gibt es ganz gute Antworten:
Religion Forum | Diskussionen, Fragen und Antworten für Hilfe, Ratschläge und Tipps - paradisi.de

Ein ganz wichtiger Punkt, der zu Sekten gehört, scheint mir die Bestimmung über die Entscheidungen der Mitglieder zu sein: wenn Du nicht...., dann ...
Selbstbestimmte Menschen werden eine solche Manipulation nicht lange mitmachen. Eher unsichere und einsame Menschen werden eher in Versuchung geraten, sich in eine Gemeinschaft zu begeben, die für sie bestimmt. Zunächst muß das ein tolles Gefühl sein: endlich bin ich in einer Gemeinschaft aufgehoben, sie ist meine Familie, ihr kann ich vertrauen, sie weiß, was gut für mich ist (und die Gemeinschaft nutzt das aus).

Wenn ich heute aus einer der westlichen christlichen Kirchen austreten möchte, ist das im allgemeinen ohne große Probleme möglich. Bei einer Sekte eher nicht.

Grüsse,
Oregano
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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 62.176
Seit: 10.01.04
Hallo Joh70,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag.
mich würde interessieren, warum ist sie nie wirklich in die "normale" Gesellschaft zurückgelangt?
Sie war ein liebenswerter Mensch, ständig hilfsbereit, in mehreren sozialen Gruppierungen aktiv (Hospizkreis, Nachbarschaftshilfe ...). Und trotzdem war da immer der Eindruck, daß sie noch am Faden dieser Sekte hing. Das war ihre eigentliche Heimat, auch wenn sie aus der Sekte ausgetreten war.
Als ob sie auf dem geistigen Stand des Kindes hängen geblieben wäre, auf dem sie war, als sie zur Sekte kam.

Dadurch, daß sie jahrelang kostenlos um "Gottes Lohn" gearbeitet hatte, auch als sie schon erwachsen war, hatte sie auch keine Rente, als sie dann im Rentenalter war, was ich schlimm finde, wenn man weiß, wieviel sie für die Sekte gearbeitet hatte.

Fiat Lux mit Uriella mußte ja Geld an ein Mitglied zurück zahlen: https://article.wn.com/view/2000/04/...d_zur_uumlckz/

Grüsse,
Oregano
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Joh70 ist offline
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Seit: 08.10.06
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Als ob sie auf dem geistigen Stand des Kindes hängen geblieben wäre
Würdest Du Leah Remini als geistiges Kleinkind bezeichnen? Vielleicht teilweise, ja. Die sektenhaften Irrwege sind doch ganz ähnlich wie bei UL.

Zitat von Oregano
Zunächst muß das ein tolles Gefühl sein: endlich bin ich in einer Gemeinschaft aufgehoben, sie ist meine Familie
Und wer in die Kurse von Scientology nach eigener Aussage Millionen investiert hat, der muß auch recht naiv gewesen sein.

Aber immerhin konnte Sie den Betrug für sich entdecken und sich nach zähem Ringen doch wieder davon freimachen. Dies spricht dann doch auch für eine gewisse Charakterstärke ("musst kämpfen wie verrückt").

Im Fall von Leah Remini und anderen Promis, die sich unerwarteterweise bei Scientology verloren haben, wird wohl die Komponente Ehrgeiz besonders groß gewesen sein. Denn genau das verspricht der Verein: Durch mysteriöse Methoden über sich hinauswachsen können.

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Joh70 ist offline
Beiträge: 946
Seit: 08.10.06
Zitat von ullika Beitrag anzeigen
was ist der Unterschied zwischen Sekte und Religion?
Religion hat wohl zunächst einen tieferen Grund als eine Sekte. Ob der nun wahr oder falsch ist, sei einmal dahingestellt. Aber Sekten sind einfacher aufgebaut, als Religionen, die ein umfassenderes Sinngebungssystem haben und oftmals historisch gewachsen sind.

Im Christentum sehe ich meine Heimat und bleibe dennoch vorsichtig bei den vielen angeblich christlichen Weltanschauungen.

Im Namen Jesu hat ja auch UL gewirkt. Aber was heißt das schon? Gerade Jesus hat selbst vor solchen falschen Propheten, die auch in seinem Namen kommen, gewarnt.

Seine wahren Nachfolger würde man an der Liebe erkennen, die sie untereinander hätten und daran, daß sie den Willen seines Vaters täten. Nicht daran, daß sie andersartige, sensationelle Weissagungen machen würden und eine Egomanie der Überheblichkeit und Gehirnwäsche (Entmenschlichung) zelebrieren.

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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 62.176
Seit: 10.01.04
Hallo Joh70,

die Falle "Scientology" dürfte - wie Du schon schreibst - mit einem (falschen) Ehrgeiz zusammen hängen. Dazu kommt aber auch noch, daß dort Menschen, die kräftig Geld für Kurse ausgeben und so auf der Beförderungsleiter höher steigen, dieses "Höher-besser-Sein" nicht mehr missen mögen. Vielleicht auch im Bewußtsein, daß sie im "normalen" Leben nie auf eine solche Ebene gelangen würden.
Ja, auch das sehe ich so: wer so viel Geld ausgegeben hat, möchte sich ungern eingestehen, daß das für die Katz war.

Grüsse,
Oregano
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Joh70 ist offline
Beiträge: 946
Seit: 08.10.06
Ja, eine Psychodroge.

Gerade weil intelligente Leute wie Cruise, Remini, Travolta und viele mehr oft über sehr lange Zeiträume auf den Kick einer leeren "Pralinenschachtel" abfahren, muß mehr dahinterstecken, als nur die vor sich hergeschobene Aussicht, was besseres zu werden.

Auch die drohende Scham eines Ausstiegs erscheint mir keine ausreichende Erklärung dafür, dass man mit dem (Selbst-)betrug weitermacht. Da muß mehr dahinterstecken. Und das ist die eigentliche Droge (Energie).

So lange jemand am Tropf der Quelle hängt und der Kick funktioniert, wird schön mitgemacht. Sobald das Kartenhaus in sich zusammenfällt, weil überhaupt nichts davon eine Substanz oder tieferen Sinn hatte, wenden sich die Mitglieder in Scharen ab.

Das ist das selbe Schema, wo man hinschaut.

Als die DDR implodierte ist ein ganzes System von Spitzeln in sich zusammengebrochen. Leute, die wohl einen Teil ihrer Motivation aus einer dubiosen Energie von Besser-Sein zogen. Genauso ein Kick, ein besonders gewiefter Stratege/Agent zu sein, Wissen, Kontrolle und Macht über andere zu haben, etc.

Die selben Leute suchen sich dann wieder eine solche verlogene Krücke, mit der sie sich durchs Leben mogeln (manchmal, bis nichts mehr bleibt).

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Oregano ist offline
Themenstarter Beiträge: 62.176
Seit: 10.01.04
Hier noch eine Seite zum Thema "Sekten":

Probleme beim Sektenausstieg - Sekten und Weltanschauungen in Sachsen

Diese beiden Punkte scheinen mir besonders wichtig:

...
Gruppendruck und mangelnde Information
Gruppendruck spielt eine entscheidende Rolle. Viele ehemalige Sektenmitglieder berichten, dass sie sich mit folgenden Überlegungen selbst beruhigen: „Die anderen geben ja auch nicht auf. Das sind doch intelligente Leute. Es muss an mir liegen, ich mache etwas falsch. Ich muss mich einfach mehr anstrengen." Nicht nur der Gruppendruck verhindert, dass Anhänger ihre Situation hinterfragen. Oft erhalten sie auch falsche Informationen: Einige Aktivitäten der Sekte werden verschwiegen, über das Geschehen im Rest der Welt wird ihnen falsch oder einseitig berichtet. Aufgrund dieser mangelnden Information schätzen die Sektenmitglieder ihre eigentliche Situation und die Lebensmöglichkeiten außerhalb der Sekte häufig falsch ein.

Bruch mit der Vergangenheit - soziale Isolation
In den vielen Sekten werden die Mitglieder dazu gebracht, mit Familie, Freunden, Bekannten (soweit sie nicht selbst der Sekte angehören) die Kontakte abzubrechen und möglichst wenig menschliche Kontakte (intensivere Freundschaften) außerhalb der eigenen Gemeinschaft zu pflegen. So kommen sie mit der Außenwelt nur oberflächlich in Berührung. Geht ein Mitglied nach „draußen", so vorrangig, um zu missionieren. In einigen Sekten nehmen die Anhänger neue Namen an und kennen nicht einmal die wirklichen Namen der anderen. Somit bauen sie sich eine neue Identität auf, die ein Ausbrechen aus der Sekte beinahe unmöglich macht.
Wer in einer Umgebung lebt, in der alle gleich denken und handeln, dem fällt es schwer, mit Außenstehenden zu kommunizieren und sich mit deren Ansichten auseinander zu setzen. Falls es doch einmal zu Begegnungen mit der Familie oder alten Freunden kommt, so fühlen sich Sektenanhänger oft entfremdet und nicht verstanden und sind froh, wieder in die kleine, überschaubare und sichere Welt ihrer Sektengemeinschaft zurückkehren zu können.
Auch wenn das Leben in der Sekte oft hart und anstrengend ist, ist es eben vertraut. Der Gedanke, sich von der Sekte zu lösen, wir immer unvorstellbarer. Sie haben Befürchtungen: Was würde sie schon, nachdem alle alten Kontakte abgebrochen wurden, im „normalen Leben" erwarten? Die Leute hätten Vorurteile, würden sie meiden, ihnen keine Arbeit geben. Durch ihre Abgeschlossenheit von der Außenwelt verfallen die Sektenanhänger immer mehr in eine emotionale und psychische Lähmung.
Im Falle eines Austritts verweigern die noch verbliebenen Sektenmitglieder in der Regel jeden Kontakt. Der Aussteiger verliert damit auch seinen gesamten Freundeskreis und steht meist völlig allein da.
...
Grüsse,
Oregano
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