Kontra Atomkraft! Was sonst!

16.03.11 09:55 #1
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Kontra Atomkraft! Was sonst!

alibiorangerl ist gerade online
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Seit: 09.09.08
Wuhu,
Zitat von Mike Beitrag anzeigen
... Ich vermute das man hiermit deutlich mehr Geld verdient als mit der Stromgewinnung...
... Verkauf von waffenfähigem Plutonium...
... Ich bleibe dabei das wir dringend, dringend, dringend eine direkte Demokratie brauchen. ...
tja, die traurige Wahrheit...

Vor einiger Zeit war mal eine ARTE-Doku zu sehen (hab ich hier im Forum damals auch verlinkt), wo es um eine Wiederaufbereitugnsanlage in Frankreich ging; Die radioaktiven Abwässer wurden ins Meer geleitet, das ist gesetzlich erlaubt; Genauso ists bei der radioaktiven Abluft; Nicht mehr brauchbares radioaktives Material wird in Fässern nach Russland/Sibirien verkauft und (teilweise auf Bahn- bzw Schiffs-Wegen quer durch Europa!) verfrachtet und dort im Freien (!) aufgestellt...
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» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller

Kontra Atomkraft! Was sonst!

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Hallo Clematis,
ich weiss jedenfalls jetzt schon mehr über Kernkraft und Fukushima, als ich je darüber wissen wollte.

Nischka hat das mit den erhöhten Grenzwerten Radioaktivität für zukünftig importierte Lebens- und Futtermittel aus Japan schon gestern Nachmittag gepostet und ich habe die Verordnung dazu auch gesucht, nachdem ich es gelesen hatte.
Habe es aber gestern nicht posten wollen.

Ich bin mir im Gegensatz zu anderen nämlich nicht sicher, ob sich die EU-Kommission nicht schon darauf eingestellt hat, dass es zu einer langdauernden weltweiten Verstrahlung kommen wird.

Schliesslich kommen insgesamt relativ wenig Lebensmittel aus Japan. Für das Jahr 2010 wurden von den insgesamt 60 Milliarden Euro, die Deutschland letztes Jahr für Güter der Land- und Ernährungswirtschaft aus dem Ausland ausgegeben hat, rund 33 Millionen Euro für Waren aus Japan ausgegeben.
Bei Fisch hat Deutschland im Vorjahr 913.000 Tonnen Fisch eingeführt, von dem nur rund 60 Tonnen aus Japan kamen.

Wenn wir 60 Milliarden für Lebensmittelimporte ausgeben und die Grenzwerte werden erhöht, warum sollte diese Erhöhung dann nur für die paar Produkte aus Japan gelten? Auch wenn das jetzt behauptet wird. Aber wie leicht kann das dann für alle Länder und natürlich auch für unsere Produkte gelten?

Die Verordnung heisst schliesslich VERORDNUNG (EURATOM) DES RATES zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungsmitteln und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notstandssituation

Keine Ahnung, ob das die letzte Fassung des EU-Gesetzes ist, aber ist mit Höchstwerten im Anhang: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/...184:FIN:DE:PDF

Zudem ist es ja nicht so, dass wir hier Milch oder Babynahrung aus Japan importieren würden. Im Gegenteil exportieren wir meines Wissens seit einigen Jahren Milch nach Japan. Und EU-Verordnungen gelten nicht in Asien, sondern nur in der EU.

Viel eher sieht man an diesen Grenzwerten doch, was in etwa auf die verseuchten Länder in Asien zukommen könnte und was vielleicht auf uns alle zukommt.
Dabei gelten in Japan derzeit niedrigere Grenzwerte als bei uns. Heisst die können dann ihre verseuchten Lebensmittel, die für Japan zu hoch belastet sind, immer noch in die EU verkaufen.
Die spinnen doch in der EU. Glaube, nichts demaskiert diese Interessenvereinigung stärker als diese Verordnung.

Jetzt haben sie auch noch Klonfleisch- und -produkte ohne Kennzeichnungpflicht freigegeben.

Eigentlich mochte ich nur ungerne schwarz malen. Aber Tschernobyl war kurz und heftig.
Wie wird wohl die weltweite Verstrahlung sein, wenn diese Reaktoren nun für Monate oder Jahre vor sich hindampfen, was mehrere der tatsächlichen Experten bereits geäussert haben?
Ich denke, dass diese Möglichkeit noch nicht so recht in das Bewusstsein der Menschen gedrungen ist und sie immer noch an ein schnelles Ende des Disasters glauben.
Es soll doch jetzt schon mit Tschernobyl vergleichbare Radioaktivität in die Umwelt gelangt sein.

Mit anderen Worten- Wir essen bereits Bestrahltes und Verstrahltes und das wird derzeit täglich noch etwas mehr verstrahlt. Bei uns nur in geringem Mass. Anderswo etwas stärker. Derzeit auf unbestimmte Zeit.

Auch wenn die Industrienationen zu viel davon haben und sie sogar wegwerfen können, weltweit gesehen herrscht ein grosser Mangel an Nahrungsmitteln. Das wird nicht besser werden, wenn grosse Anbauflächen stärker verstrahlt werden, als sie es bereits jetzt schon sind.

Da ist die amerikanische Verharmlosung einer andauernden Verstrahlung, der man eh nicht entgehen kann, eine Option zum Umgang damit, die mMn. auch nur eine plumpe Hilflosigkeit zeigt.

Tut mir leid, aber seit mir gestern Mittag bei meinem letzten Beitrag klar geworden ist, welche Unmengen an Plutonium wahrscheinlich mit der ca. 10-fachen Menge an radioaktiven Substanzen im Vergleich zu Tschernobyl in Fukushima lagern, denke ich einfach, dass die Situation für Japan und die Welt um ein Vielfaches ernster und gefährlicher ist, als sie es jemals zuvor oder bei Tschernobyl mit seinen paar kg Plutonium war.

Schliesslich ist auch betreffend eines Supergaus immer noch alles möglich. Und das gleich mehrfach. Und dabei könnte mit einem Schlag mehr Plutonium auf einmal freigesetzt werden, als insgesamt jemals freigesetzt wurde. Damit könnte nicht nur Japan ganz plötzlich Geschichte werden.

Mike, lies bitte mal das letzte Drittel meines Beitrags von gestern. Es ist doch viel schlimmer, dass die das Plutonium in Mox-Brennstäben entsorgen, als wenn sie es für Waffen nutzen würden, die sie dann irgendwann wieder abrüsten.
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Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Geändert von nicht der papa (30.03.11 um 10:59 Uhr)

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Mike ist offline
Beiträge: 1.855
Seit: 16.02.05
Also, ndP

erstmal ist es so das die nicht Plutonium in MOX Brennstäben entsorgen sondern züchten. D.h. die restreaktionsenergie des Urans wird zur Dotierung von Plutonium benutzt. Ergo haben wir durch dieses "Zuchtverfahren" mehr Plutonium als weltweit überhaupt in der Erde lagert. Dafür aber etwas weniger Uran !

Der Trick an der Sache ist, das Plutonium so dermassen selten ist, das sich die Suche danach nicht rentiert. Zudem man es ja in sog. Abklingbecken auch künstlich erzeugen kann.

Mit wirtschaftlichen Worten sieht es so aus:

Das gewinnen von Plutonium aus der Erde ist sehr kostenintensiv. Das "züchten" im Becken daingegen relativ einfach und fast kostenlos.

Um das Plutonuim nachher zu trennen braucht man Zentrifugen... deshalb haben die weisen Herren mit dem Namen "Experten" ja auch so rumgezetert als der Iran sich Zentrifugen angeschafft hat. Da hies es plötzlich in allen Zeitungen "der Iran wird die Atombombe bauen" und "Sie haben sich jetzt schon etliche Zentrifugen angeschafft".

unter dem Gesichtspunkt der künstlichen Plutoniumherstellung bitte mal Deinen eh schon bedenklichen Satz:

Es ist doch viel schlimmer, dass die das Plutonium in Mox-Brennstäben entsorgen, als wenn sie es für Waffen nutzen würden, die sie dann irgendwann wieder abrüsten.
überarbeiten oder genauer definieren.

wie bereits oben geschrieben wird es leider in den MOX-Brennstäben nicht entsorgt sondern erzeugt.

Logische Frage zum Schluss und zum Verständnis:

Warum sollte man noch nicht runtergebrannte Kernbrennstäbe, die immer noch Wärme abgeben, in sog. Abklingbecken aufbewaren ? Die könnte man doch auch bis zum Ende fahren...!? Niemand würde die Glut aus dem Ofen holen um dann die noch wärmespendenen Reste im Garten ausglühen zu lassen, oder ?

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Manno ist offline
Beiträge: 1.141
Seit: 09.09.08
Zitat von Mike Beitrag anzeigen
Also, ndP
unter dem Gesichtspunkt der künstlichen Plutoniumherstellung bitte mal Deinen eh schon bedenklichen Satz überarbeiten oder genauer definieren. Wie bereits oben geschrieben wird es leider in den MOX-Brennstäben nicht entsorgt sondern erzeugt.

Plutonium ist ein unvermeidliches Nebenprodukt (ca. 1%) der Energiegewinnung (aus Uran) in Atomkraftwerken. Anfangs wurde Plutonium noch zur militärischen Nutzung abgetrennt, doch nach 2702 atomaren Sprengköpfen (USA) beziehungsweise 4834 (Russland) ergab ein derartiger Overkill keinen Sinn mehr. Plutonium blieb einfach nur noch übrig – stellt seitdem nur noch Abfall dar. Beide Staaten vereinbarten im New-START-Abkommen ihre Sprengköpfe auf je 1550 zu reduzieren bzw. ihr waffenfähiges Plutonium um jeweils 34 Tonnen zu "verringern". Spätestens seitdem stellt sie die Frage: Wohin jetzt mit den weltweit 2000 Tonnen Plutonium ?

Die Technik der MOX-Brennelemente (Mischoxyd) wurde erfunden, das Plutonium wieder in den Energiekreislauf zurückzuführen und im Reaktor zu 'verbrennen', wodurch systematisch immer mehr Plutonium verbrannt als erzeugt wird. Die dazu erforderliche Abtrennung von Plutonium in Wiederaufarbeitungsanlagen wurde als 'Plutoniumwirtschaft' bezeichnet. Um diesen Müll überhaupt wieder beseitigen zu können, muß Plutonium in speziellen Plutonium-Reaktoren - den so genannten Schnellen Brütern - verbrannt werden.

Die Nutzung von Plutonium in den AKWs ist aber nicht nur teurer als die reine Urannutzung, sondern wegen der höheren Strahlung auch weitaus gefährlicher. Die Bevölkerung wehrte sich gegen diese gefährlichen Plutoniumanlagen. In Deutschland wurde die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf nicht realisiert, der "Schnelle Brüter" in Kalkar ging nicht in Betrieb und die Plutonium-Mischoxid-Fertigung (Mox) in Hanau wurde in den 90er Jahren stillgelegt. Die Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield hat in den letzten fünfzig Jahren mehr langlebige radioaktive Substanzen freigesetzt wie die Atomkatastrophe in Tschernobyl.

Wohin mit dem Plutonium?

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zitat von Mike Beitrag anzeigen
erstmal ist es so das die nicht Plutonium in MOX Brennstäben entsorgen sondern züchten.
.......wie bereits oben geschrieben wird es leider in den MOX-Brennstäben nicht entsorgt sondern erzeugt.
Entschuldigung, aber das ist nicht korrekt.
Du vergisst auch, wo das Plutonium aus den MOX-Brennstäben herkommt, wie es entsteht und warum es in die Brennstäbe kam.
Erzeugt wird es durch Uran-238 und entsorgt wird es kurzfristig insofern, als dass man erstmal mit normalen Brennstäben viele Tonnen hochgiftiges Plutonium erzeugt hat, die so nicht irgendwo deponiert werden müssen. Wir haben in D selbst auch durch normale Brennstäbe etliche Tonnen davon erzeugt.
Während ein Urandioxid-Brennstab Plutonium erzeugt, wird das angereicherte Plutonium in einem MOX-Brennstab teilweise durch Kernspaltung abgebaut, waehrend andererseits durch das darin enthaltene Uran wieder neues Plutonium entsteht.

Das Plutonium in den MOX-Brennelementen stammt also üblicherweise aus der Rezyklierung ausgedienter Uranoxid-Brennelemente und zum Teil aus nuklearer Abrüstung. Anderfalls müsste es irgendwo gelagert werden, ist aber noch viel gefährlicher als Uran und sonstiger Atommüll.
Man dachte wohl, wenn man es in MOX-Brennelemente steckt, die nach unterschiedlichen Quellen mit 3,5-7% Plutonium angereichert werden, ist das Entsorgungsproblem kurzfristig gelöst.
Auf diese Weise kann man den erzeugten hochriskanten Stoff loswerden und die Brennleistung der Brennstäbe weiter erhöhen.
Das schien offensichtlich für alle ein guter Deal zu sein.
Angesichts einer bis heute fehlenden Möglichkeit zur dauerhaften sicheren Lagerung des beim Betrieb von Atomkraftwerken anfallenden Atommülls, wurde in Deutschland bis zum Jahr 2005 die Wiederaufarbeitung und Herstellung von MOX-Brennelementen als so genannter Entsorgungsnachweis anerkannt.
Rund die Hälfte unserer 17 AKWs verfügt oder verfügte (da ich keine eindeutige Aussage zu aktuellen Verwendung von MOX-Brennstäben in D gefunden habe) über eine Genehmigung zum Einsatz solcher Brennelemente.
Die taz berichtete allerdings am 12.8.2009, das nach Angaben der britischen Anti-Atom-Organisation CORE der so genannte Grohnde-Vertrag die Herstellung von insgesamt 64 MOX-Brennelementen und deren Lieferung an das niedersächsische AKW regelt. Weitere 44 MOX-Elemente seien in Sellafield für das AKW Brokdorf an der Unterelbe bestellt worden.

Atombomben, von denen die Industriestaaten im Kalten Krieg alle eine Menge hatten, lagen auf Halde und wurden nicht eingesetzt. Ihre Bedrohung war mehr hypothetisch, weil keiner so wahnsinnig war einen Atomkrieg auszulösen, der das Ende der Menschheit bedeutet hätte.

Die MOX-Brennstäbe sind aber eine permanente Gefahr. Nicht nur weil möglicherweise Tonnen davon in Fukushima gelagert sind und das Plutonium aus den Reaktoren in Fukushima eine Bedrohung darstellt. Oder weil ein Gau dadurch um ein Vielfaches gefährlicher und folgenschwerer wird.
Auch abgebrannte MOX-Brennstäbe sind um ein vielfaches gefährlicher als Uranbrennstäbe.

Schon die Herstellung ist nicht sicher. Das Plutonium wird in einem sehr komplexen chemischen Verfahren aus den hochradioaktiven Brennelementen abgetrennt und gegenüber der Herstellung von Brennelementen aus Natur-Uran ist die Verarbeitung von Plutonium besonders gefährlich. Aufgrund der besonders intensiven Alpha-Strahlung des Plutoniums muss die Verarbeitung unter extrem hohen Sicherheitsanforderungen und Abschirmungen erfolgen. Deren Umsetzung muss jedoch schon bezweifelt werden.
Wie im Mai 2005 bekannt wurde, war es in einer Rohrleitung im WAA Sellafield zu einer Leckage gekommen war, die monatelang nicht bemerkt worden ist und erst Wochen nachdem diese entdeckt wurde, der Öffentlichkeit mitteilt wurde. Monatelang waren insgesamt über 80.000 Liter einer hochradioaktiven, aus Salpetersäure, Uran und Plutonium bestehenden Flüssigkeit in einem Teil der Anlage ausgelaufen und führten zu einer erheblichen Kontamination. Mindestens 200 Kilogramm Plutonium haben sich laut Presseberichten in dieser Lösung befunden.

Wir brauchen eigentlich wirklich nicht darüber zu rätseln, woher die immer höhere Krebsrate kommt.
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nicht der papa ist offline
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Seit: 18.11.09
Zitat von Manno Beitrag anzeigen
In Deutschland wurde die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf nicht realisiert, der "Schnelle Brüter" in Kalkar ging nicht in Betrieb und die Plutonium-Mischoxid-Fertigung (Mox) in Hanau wurde in den 90er Jahren stillgelegt. Die Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield hat in den letzten fünfzig Jahren mehr langlebige radioaktive Substanzen freigesetzt wie die Atomkatastrophe in Tschernobyl.

Wohin mit dem Plutonium?
Tja. Zum Glück wurde das alles hier in D gestoppt.
Sonst hätten wir bei uns um die Ecke auch so eine Dreckschleuder wie Sellafield. Wenn man den Bericht der Regierung zur Atomkraft liest, dann ist das Grundwasser in Hanau an den verschiedenen Stellen allerdings immer noch verseucht.
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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zur Frage nach MOX-Brennstäben in D können wir uns ja zum Glück auf unsere Anti-Atomkraftparteien verlassen.
So gab es am 8.04.2010 eine
Antwort

der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dorothee Menzner, Dr. Barbara Höll, Eva Bulling-Schröter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/1067 –

Sicherheit bei Transport, Lagerung und Einsatz von MOX-Brennelementen

die all meine Fragen hinreichend beantwortet und bei der sich jeder aus dem Inhalt der Anfrage selbst ein Bild über die Transportsicherheit von Brennstäben machen kann.
-Die jährlich in Deutschland erzeugte Menge Plutonium hängt von der Menge an bestrahlten Brennelementen ab. Bei einer mittleren jährlichen Entlademenge für bestrahlte Brennelemente von 350 Tonnen Schwermetall in Form von bestrahlten Brennelementen ist im Mittel von etwa 3,5 Tonnen erzeugtem Plutonium pro Jahr auszugehen. Davon entfallen wiederum etwa 60 Prozent auf den Anteil der thermisch spaltbaren Plutonium-Isotope Pu-239 und Pu-241; dies sind etwa 2,1 Tonnen.

-Bis zum 31. Dezember 2008 wurden in deutschen Leistungsreaktoren insgesamt rund 14 500 Tonnen Schwermetall als Brennelemente eingesetzt. Bei einem Plutoniumgehalt von durchschnittlich 1 Prozent bedeutet dies, dass bis Ende 2008 etwa 145 Tonnen Plutonium in den deutschen Leistungsreaktoren erzeugt wurden.

-Aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente im In- und Ausland sind insgesamt etwa 62,4 Tonnen Plutonium zu erwarten. Der weitaus größte Teil davon (ca. 60 Tonnen) wurde bereits separiert. Rund 2,5 Tonnen befinden sich in bestrahlten Brennelementen, die noch nicht wiederaufgearbeitet wurden.

-Bis zum 31. Dezember 2008 sind 838 Tonnen als MOX-Brennelemente entsprechend 50,8 Tonnen Plutonium in deutsche Reaktoren zurückgeführt worden. In den Reaktoren lagerten unbestrahlte MOX-Brennelemente, die für den Einsatz vorgesehen sind, mit etwa 2,1 Tonnen Plutonium.
Demnach wurden bisher also rund 53 Tonnen Plutonium verarbeitet und nach Deutschland geliefert. Der Bestand an bereits verarbeitetem, aber noch in den Brennelement-Fertigungsanlagen im Ausland lagerndem Plutonium ist nicht bekannt.

-Die Planungen der Energieversorgungsunternehmen sehen im Zeitraum von
2009 bis 2016 den Einsatz von etwa 11,6 Tonnen Plutonium vor.

-Die Energieversorgungsunternehmen haben mit den britischen und französischen Anbietern Verträge zur Herstellung von MOX-Brennelementen abgeschlossen. Demnach sollen etwa 170 Tonnen Schwermetall (dies entspricht etwa 648 MOX-Brennelemente) bis zum Jahr 2016 gefertigt und in den Reaktoren eingesetzt werden. Das genaue Lieferdatum ist nicht bekannt.

-Anlagen zur Fertigung von MOX-Brennelementen für Leichtwasserreaktoren befinden sich in Belgien, Frankreich und Großbritannien. Die von AREVA NP betriebene MOX-Brennelementefabrik MELOX in Marcoule (Frankreich) ist seit 1995 in Betrieb und hatte seit September 2003 eine Kapazität von 145 Tonnen Schwermetall pro Jahr.
Am 26. April 2007 wurde eine Genehmigung zur Erhöhung der Jahresproduktion auf 195 Tonnen Schwermetall pro Jahr erteilt.
Der über die Betriebsjahre 2004 bis 2008 gemittelte Jahresdurchsatz liegt bei 132 Tonnen Schwermetall. In Dessel (Belgien) betreibt die FBFC International (Société Franco-Belge de Fabrication de Combustibles), eine Tochterfirma der AREVA NP, seit 1997 eine Anlage zur Assemblierung von MOX-Brennelementen, deren Kapazität mit 100 Tonnen Schwermetall pro Jahr angegeben wird. Die im Jahr 2002 in Betrieb genommene Sellafield MOX Plant (Betreiber: Sellafield Limited) war ursprünglich für eine Kapazität von 120 Tonnen Schwermetall pro Jahr ausgelegt; dieser Wert wurde jedoch später auf 72 Tonnen Schwermetall pro Jahr revidiert. Die bis Ende des Jahres 2009 insgesamt gefertigte Menge an MOX-Brennstoff beträgt neun Tonnen Schwermetall (entspricht 24 MOX-Brennelementen).

-Die folgenden Kernkraftwerke verfügen über Einsatzgenehmigungen für MOX-Brennelemente (MOX-BE):

Brokdorf
Unterweser
Grohnde
Emsland
Philippsburg 2
Neckarwestheim 1
Neckarwestheim 2
Gundremmingen B
Gundremmingen C
Isar 2
Grafenrheinfeld

-Auf der Grundlage des in § 9a des Atomgesetzes (AtG) geforderten Verwertungsnachweises für das bei der Wiederaufarbeitung abgetrennte Plutonium werden von den Betreibern der Kernkraftwerke jährlich Angaben unter anderen zum Einsatz von MOX-Brennelementen im zurückliegenden Kalenderjahr gemacht.
Angaben über die aktuelle Gesamtbeladung des Kerns mit MOX-Brennelementen sind dabei nicht gefordert. Insofern beschränken sich die nachfolgenden Angaben auf die jährlichen MOX-Nachlademengen. Für den Zeitraum ab 2000 wurden, aufgeschlüsselt nach Kernkraftwerken und Energieversorgungsunternehmen, folgende Mengen an MOX-Brennstoff in den jeweiligen Reaktorkern geladen: (siehe Link)

-Die Bundesregierung kann lediglich Auskunft über die verausgabten Bundesmittel geben. Diesbezüglich lag der Schwerpunkt der Fördertätigkeit zur Entwicklung der Wiederaufarbeitungstechnik (für MOX-Brennstäbe) auf der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe. Für die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe wurden folgenden Bundesmittel verausgabt (Stand: 31. Dezember 2009):

Bau- 30,0 Mio. Euro
Betrieb (1971 bis 1990)- 164,5 Mio. Euro
Rückbau (1991 bis 2009)- 650,4 Mio. Euro
Summe- 844,9 Mio. Euro.

Darüber hinaus ist es nicht auszuschließen, dass die Entwicklung der Wiederaufarbeitungstechnik im Rahmen kleinerer Projektfördermaßnahmen durch Bundesmittel unterstützt wurde. Eine detaillierte Auflistung solcher Maßnahmen würde ein eingehendes Studium aller relevanten Akten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erfordern. Dies wäre nur durch die Beauftragung einer externen Firma darstellbar und daher mit erheblichen Kosten verbunden.
Darüber hinaus ist aufgrund des Ablaufs der zwingenden Aufbewahrungsfrist für Altakten auch dann nicht sichergestellt, dass dies eine vollständige Auflistung der verausgabten Bundesmittel ermöglicht.
Tja klar. Selbst an Hanau kann man sich nicht mehr erinnern.

Meinen Dank an die Abgeordneten Dorothee Menzner, Dr. Barbara Höll, Eva Bulling-Schröter, weitere Abgeordnete und der Fraktion DIE LINKE.
Antwort
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Geändert von nicht der papa (30.03.11 um 17:19 Uhr)

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Clematis
Hallo nicht der papa,

das PDF von Euroatom ist von 2010 - also VOR Fukushima, und diese Grenzwerte sind jetzt nochmals erhöht worden.

Anhang I enthält die Grenzwerte für häufig und viel Gegessenes.
Anhang II - mit über 10-fach höheren Grenzwerten für in kleineren Mengen Gegessenes (kommt allerdings darauf an - Knoblauchfans sind dann stark betroffen)
Anhang III enthält die Grenzwerte für Futtermittel. Hier besonders bedenklich, daß hohe Werte für Cäsium 134 und 137 frei gegeben werden und gerade das strahlt ewig.

Mit einem hast du Recht: wer diese Diskussion verfolgt weiß schon mehr über Radioaktivität als für den Seelenfrieden gut ist. Andererseits ist sie aber auch nötig - das zeigen u.a. die Wahlen in Rheinland-Pfalz, wo die CDU noch zugelegt hat - trotz Laufzeitverlängerung.

Ich hoffe, daß solche Diskussionen und die vielen Informationen, die hier von allen zusammengetragen wurden, so manchen dazu ermuntern sich aktiv gegen diesen Wahnsinn zur Wehr zu setzen. Es sitzen immer noch zu viele im stillen Kämmerlein und tun nichts dagegen, sei es weil sie sich der Tragweite des Problems nicht bewußt sind oder weil sie lieber mit "Augen zu und durch" handeln. Auch dann noch, wenn ihnen die Angst im Nacken sitzt. Im Verdrängen von Unangenehmem sind wir Menschen nun mal Meister. Die Demonstrationen waren zwar sehr gut, gemessen an unserer Bevölkerungszahl waren es aber immer noch viel zu wenige...

Dein Spruch unter Deinen Texten ist somit wieder relevant - nur sind wir als Einzelpersonen allzuoft auch einfach nur Opfer der Entscheidungen anderer, die wir zunächst nicht verhindern konnten oder können, wie jetzt die abermalige Erhöhung der Grenzwerte. Die Entscheidung fiel hinter verschlossenen Türen, aber jetzt kennen wir sie und können gemeinsam dagegen Sturm laufen, dazu bedarf es aber vieler Aktiver, der Einzelne kann da nichts ausrichten.

Difi schreibt, wir sollten nicht nur deutsch denken. Damit hat er zwar Recht, aber ich glaube nicht, daß wir deshalb vergessen, wer im Moment an dieser Katastrophe am schwersten zu tragen hat - die Japaner und Anrainerländer. Wir würden aber im Wolkenkuckucksheim leben, wenn wir meinten, uns beträfe es nicht.

Aufgrund der AKW-Laufzeit-Diskussion war das Thema bei uns schon vor Fukushima hochaktuell und Fukushima führt uns allzu deutlich vor Augen, daß wir in Deutschland SIEBZEHN CHANCEN (17 AKW) haben, gleiches wie in Japan zu erleben. Beide Länder sind sehr dicht besiedelt, folglich ist ein Weglaufen bestenfalls ins Ausland möglich und wer kann oder möchte das schon? Und welches Ausland? Dort stehen solche Biester ebenfalls.

Es gibt nur eine Chance noch schlimmeres zu verhindern: die Biester müssen weltweit abgeschaltet werden.

Noch ein kleiner Nachtrag zu "Kinderkrebs um AKW":
In AKW-Umgebung 60% erhöhte Krebsrate | Lebenshaus Schwäbische Alb

Vergleicht man diese Daten und die des IPPNW mit jenen des BfS (KiKK-Studie) auf dessen Webseite, berücksichtigt die Aussage im Film "Kinderkrebs um Atomkraftwerke" und "Die Atomlüge" zur Verfälschung der Werte durch das BfS, kann man nur zu einem Ergebnis kommen: Das Bundesministerium für Strahlenschutz beschönigt nicht nur, es belügt die Bevölkerung und insbesondere Eltern derart, daß sich die Balken nicht nur biegen, sondern brechen.

Link zum Film Kinderkrebs um Atomkraftwerken:

Link zum Film Die Atomlüge, Teile 1-5

Gruß,
Clematis23

Kontra Atomkraft! Was sonst!
Clematis
Hallo,

Hier findet man eine ausführliche Analyse:

http://wiki.piratenpartei.de/wiki/im...se-Greiser.pdf

Thema:
Leukämie-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in der Umgebung von Kernkraftwerken in fünf Ländern - Meta-Analyse und Analyse.

Erstellt wurde sie im Auftrage der Bundestagsfraktion B'90/Die Grünen.

Datum: 1. September 2009

Autor: Prof. Dr. med. Eberhard Greiser.

Sie widerlegt die Ergebnisse der BfS-KiKK-Studie. Daten aus Deutschland, Großbritannien, USA, Canada, Frankreich mit zahlreichen Tabellen.

Gruß,
Clematis23

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nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Hallo nicht der papa,

das PDF von Euroatom ist von 2010 - also VOR Fukushima, und diese Grenzwerte sind jetzt nochmals erhöht worden.
Nein. Das denke ich nicht. Ist ja kaum noch möglich.
Die pdf enthält alle Grenzwerte, die irgendwann für alles mögliche festgelegt wurden und ist mMn. quasi eine Zusammenfassung der verschiedenen Verordnungen.

Danach gelten für alle Nahrungsmittel, die nicht in Anhang 2 aufgeführt sind, die Werte, die im Anhang 1 für Andere Nahrungsmittel außer Nahrungsmittel von geringer Bedeutung stehen.
Das sind dann
750 Bq/kg Strontiumisotope
2.000 Bq/kg Jodisotope
80 Bq/kg Alphateilchen emmitierender Plutoniumisotope und Transplutoniumelemente
1.250 Bq/kg alle übrigen Nuklide wie insbesondere Cäsium-134 und 137

Für die im Anhang 2 stehenden Nahrungsmittel von geringer Bedeutung gelten, wie dort steht, die zehnfachen Werte dessen, was in Anhang 1 aufgeführt ist.
Das sind dann
7.500 Bq/kg Strontiumisotope
20.000 Bq/kg Jodisotope
800 Bq/kg Alphateilchen emmitierender Plutoniumisotope und Transplutoniumelemente
12.500 Bq/kg alle übrigen Nuklide wie insbesondere Cäsium-134 und 137
für alle in diesem Abschnitt aufgeführten Lebensmittel wie Tee, Knoblauch, Trüffel, Kapern, Süsskartoffel, Pflanzen, Gewürze, Öle, Kaviar, Kakao, Vitamine, Früchte, Hefen, Mehl, Gemüse, Nüsse, etc.

Das passt dann ganz nebenbei genau zu den 12.500 Bq/kg Cäsiumbelastung die in einigen Medien für Öle und Gewürze thematisiert wurden.
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Geändert von nicht der papa (30.03.11 um 19:07 Uhr)


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