Wer hat Angst vor der Radioaktivität?

14.03.17 13:27 #1
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Indry ist offline
Beiträge: 19
Seit: 13.04.06
Nachdem ich in den vielen Beiträgen fast nur Angst und Panik lese, möchte ich doch auch mal ein paar Fakten nennen. Wahrscheinlich werde ich dafür gesteinigt, gevierteilt und in siedendem Öl gekocht. Denn Fakten über Radioaktivität ist Ketzerei, Häresie - da sind wir zurück im finstersten Mittelalter.

Natürliche Radioaktivität? Ja gibt's denn so was?!? Wie schrecklilch!

Ja. Radioaktivität kommt in der Natur ganz natürlich vor. Ganz ohne Zutun des Menschen. (Darüber schweigen gewisse Umweltorganisationen.)
Radioaktivität ist mit der Erde entstanden. Schon mal was von der Radiokarbonmethode gehört? Man misst den Zerfall von Kohlenstoffen, um das Alter eines Materials zu bestimmen.

Wie gefährlich ist das denn nun wirklich?
Das kommt, wie bei vielem, auf die Dosis an. Ein wenig Belladonna macht schöne Augen und wird für die Heilung von Augenkrankheiten verwendet. Ein wenig mehr ist tödlich.
Bei der Radioaktivität ist es ähnlich: wie viel in welchem Zeitraum. Radioaktivität, bzw. ionisierende Strahlung, gibt es in 3 "Sorten": alpha, beta und gamma Strahlung. (Bei Interesse mehr)

Radioaktivität, bzw. ionisierende Strahlung, gibt es auf der Erde aus verschiedenen natürlichen Quellen: aus dem Kosmos (Sonne, Weltall), aus dem Boden, in den Bergen, im Sand, auch in der Nahrung. Sogar der Mensch selber gibt eine winzige Menge Radioaktivität ab.
Da Radioaktivität in der Natur vorkommt, ist jedes Lebewesen grundsätzlich daran gewöhnt. Die Dosis ist hier wieder die Frage.

Tja. Die Dosis...
Nehmen wir mal die "Todeszone" in Fukushima.
Legt man die Werte der evakuierten Zone als Basis fest, so müsste/n auch folgende Gebiete schnellstens evakuiert werden:
  • der grösste Teil der Schweizer Alpen
  • 550'000 Menschen in Finnland
  • die 150'000 Einwohner aus Guarapari (Brasilien)
  • ganz Kerala (Indien)
  • u.v.m.
Auch im Schwarzwald ist die Radioaktivität erhöht.

Ist das jetzt gefährlich?
Wenn diese Radioaktivität so gefährlich wäre, wie können dann hunderttausende, ja Millionen von Menschen in Gebieten leben, die ein Mehrfaches an Strahlung ausweisen als die "Todeszone"?



Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz, Institut für Geophysik der ETH Zürich, WIKIPEDIA, u.a.
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Oregano ist gerade online
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Seit: 10.01.04
Hallo Indry,

ja, es gibt natürliche Radioaktivität, und es war den Menschen z.B. im Schwarzwald lange Zeit gar nicht klar, in welchem Umfeld sie lebten. Manche Schwarzwälder haben die hübschen uranhaltigen Steine sogar auf dem Nachttisch liegen gehabt ... (http://www.opengeiger.de/GeigerCachi...andBericht.pdf).

Auch Vielflieger bekommen mehr Radioaktivität ab als Nichtflieger.

Aber: Die Dosis macht im Falle "Radioaktivität" das Gift aus. Wenn zur sowieso schon vorhandenen Radioaktivität zusätzlich die aus dem Gau eines KKWs dazu kommt, dann wird es eben doch endgültig gefährlich, und das sollte man doch beachten. Und es ist ja nicht so, daß so ein Gau in Fukushima oder Tschernobyl sich lokal begrenzen. Tschernobyl hatte und hat Auswirkungen bis nach Europa...

Die Region um Fukushiwa ist immer noch hoch belastet. Das Wild und die Böden nach Tschernobyl sind immer noch hoch belastet. Das kann man nicht weg reden.
Die Krebsrate weltweit steigt.
Umwelterkrankungen steigen weltweit an.
Die Menschen werden zwar immer älter, aber sie werden nicht unbedingt immer gesünder.
Schilddrüsenerkrankungen steigen an.
...

https://www.kernenergie.ch/de/uran-u...strahlung.html
Fukushima: Sogar für Roboter eine Todeszone - Strahlung zu stark - Wissen - krone.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Guarapari
http://desireisen.de/index_php_site_...ngen___nu.html
http://www.n-tv.de/wissen/Helsinki-l...e17175626.html
http://www.nachhaltigleben.ch/themen...ngenkrebs-2611

Grüsse,
Oregano
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Geändert von Oregano (14.03.17 um 14:51 Uhr)

Wer hat Angst vor der Radioaktivität?

Indry ist offline
Themenstarter Beiträge: 19
Seit: 13.04.06
Die heutigen Werte aus den 2 Unfällen sind wesentlich tiefer als die natürlichen Werte in vielen Regionen der Schweiz und der Welt.

In den Gebieten mit erhöhter Radioaktivität müssten die Leute ja reihenweise an Krebs sterben - tun sie aber nicht. Und wir reden von einem Vielfachen der Fukushima oder Tschernobyl Werte.

Natürlich ist die Radioaktivität messbar. Ich habe Bekannte, die persönlich dort waren. Sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima und sie hatten ihre eigenen Messgeräte dabei. Ergebnis: Sogar im Flachland der Schweiz ist an vielen Orten die natürliche Radioaktivität höher. Wenn man in den Reaktorkern reingehen würde - ja, dort ist die Radioaktivität noch sehr hoch. Doch schon wenige Meter weiter, mit geeigneter Abschirmung, sind die Werte wieder unten.

Studien mit Überlebenden aus Hiroshima und Nagasaki zeigen, dass bei Werten unter 100mSv die Krebsrate gegenüber Kontrollgruppen in anderen Gebieten, mit ähnlichem Lebensstil, keinen Unterschied aufweisen. Man kann nicht beurteilen, was den Krebs ausgelöst hat. (Wade Allison, Radiation and Reason)

In Prypiat und anderen evakuierten Orten um Tschernobyl leben Menschen, die sich geweigert haben, ihre Heimat zu verlassen. Seit dem Unfall wohnen sie in ihrem Häuschen, leben von ihrem Gemüse und trinken ihr eigenes Brunnenwasser. Ohne Krebs. Die Todesfälle gehen schlicht auf Altersschwäche zurück. ("Die Babuschkas von Tschernobyl")
Die Tiere haben gemäss Richtwerten zu hohe radioaktive Werte, sie sind jedoch kerngesund. ("Die Wölfe von Tschernobyl")

In Taiwan landete vor Jahren versehentlich radioaktives Material aus einem Spital in Eisenschrott. Der Schrott wurde für den Bau von von Wohnhäusern verwendet. Nach 20 Jahren wurde das bekannt: 8000 Personen waren einer stark erhöhten Strahlung ausgesetzt worden. Gemäss Krebsstatistik hätten von diesen 8000 Personen ohne Radioaktivität 186 Menschen Krebs entwickeln müssen. Aufgrund der erhöhten Strahlung wurden gemäss linearer Dosis-Wirkungsbeziehung zusätzliche 56 Krebsfälle erwartet, also insgesamt 242. Tatsächlich hatten nur 5 Leute Krebs!
http://www.jpands.org/vol9no1/chen.pdf
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Geändert von Indry (14.03.17 um 16:34 Uhr)

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Oregano ist gerade online
Beiträge: 62.221
Seit: 10.01.04
Hallo Indry,

Du bist sehr überzeugt von Deiner Ansicht. Mich überzeugt sie trotzdem nicht.
Abgesehen davon frage ich mich, was Du erreichen möchtest? Geht es Dir darum, daß die ganze "Angstmacherei und "Hysterie"" völlig dumm ist?

Dann mußt Du Dich ja hier gut verstanden fühlen:
Wir müssen die Alpen sofort evakuieren! | Die Zürcherin
https://www.kkl.ch/fileadmin/seiteni...Dr_W_Ruegg.pdf

Und damit: tschüs .

Grüsse,
Oregano
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Indry ist offline
Themenstarter Beiträge: 19
Seit: 13.04.06
Ich habe grossen Respekt vor Radioaktivität. Ebenso wie vor anderen Dingen, die gefährlich sein können.
Es geht mir darum, die unnötige Angst vor kleineren Dosen abzuschwächen - diese Angst ist unnötig. Und unnötige Angst und Panik ist eine enorme Belastung für den Menschen.

Ich hatte früher grosse Angst vor AKWs und Radioaktivität. So nach und nach ist mir aufgefallen, dass die Aussagen und extremen Warnungen oft nicht mit der Situation vor Ort übereinstimmen.

Glauben muss man gar nichts.
Nachdenken ist erlaubt.
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Indry ist offline
Themenstarter Beiträge: 19
Seit: 13.04.06
Hab noch was vergessen:
Wir werden seit Jahrzehnten darauf konditioniert, auf das Wort und das Symbol "Radioaktivität" mit Panik zu reagieren.

Wieso wird nicht einmal jemandem geglaubt, der persönlich dort war? Selbst gemessen hat?
Auch nicht mehreren Leuten, die dort waren?
ist doch seltsam...

Wie gesagt, ich kenne inzwichen einige persönlich, weil ich es wissen wollte.

Ich möchte mir auch einen Geigerzähler kaufen und selber Messungen vornehmen, weil ich es wissen will. Ich bin neugierig.

PS: Eine Freundin von mir ist MPA, Röntgenassistentin. Sie hat einmal ihr persönliches Dosimeter mit auf eine Wanderung in den Bergen mitgenommen. Prompt hat sie die Woche darauf einen Anruf erhalten: "Sie haben da eine zu hohe Dosis auf Ihrem Dosimeter!" - "Wann?" - "Datum ..." - "Ja, genau. Das war mein freier Tag und ich war in den Bergen wandern..."

Ist doch eine gute Nachricht, dass es nicht ganz so dramatisch ist.
Dachte ich jedenfalls.
Deshalb mein Beitrag.
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ullika ist offline
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Seit: 27.08.13
Zitat von Indry Beitrag anzeigen
Radioaktivität kommt in der Natur ganz natürlich vor....
vielleicht wirkt die natürliche Radioaktivität ja anders auf den Menschen als die von einem AKW?

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alibiorangerl ist offline
Beiträge: 8.919
Seit: 09.09.08
Wuhu,
das
Zitat von ullika Beitrag anzeigen
... wirkt ... anders auf den Menschen ...
wird wohl so sein - zumindest wird das auch so wissenschaftlich präsentiert;

Das Granit-Gestein über welches man wandert strahlt womöglich stärker als das was ein AKW in die Luft und/oder Wasser emittiert - allerings wird eben Luft eingeatmet, Wasser und Milch von verstrahlten Tieren getrunken, verstrahlte Pflanzen und (freilebende) Tiere gegessen, und gelangt so in den Körper und richtet darin größeren Schaden an als es das von außen kann...
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» Optimismus ist nur ein Mangel an Information. « – Heiner Müller

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Oregano ist gerade online
Beiträge: 62.221
Seit: 10.01.04
Hallo Indry,

ich verstehe Deine Argumentation, schließe mich aber trotzdem weiter nicht an.

Die Diskussion über die Schädlichkeit u.a. von Tschernobyl ist ja nicht zu Ende. Da streiten sich ja auch Vertreter verschiedenster Interessen miteinander: die einen wollen mit Kernkraft Geld verdienen und haben durch ihr Verhalten z.B. in Fukushima ja auch gezeigt, daß ihnen der Schutz von Menschen nicht soooo wichtig war. Die anderen wollen die Gefahren der Atomenergie zeigen und beschränken. Wie immer bei solchen Themen hat man manchmal das GEfühl, daß von total verschiedenen Fakten ausgegangen wird. Wie so oft: wem nützt es ...?

Die Schweizer Alpen können wir nicht abtragen, um deren Radioaktivität zu mindern. Kernkraftwerke können auf jeden Fall zu einem großen Teil vermieden werden und damit auch mögliche Unfälle mit der Freisetzung von Radioaktivität.
Deshalb denke ich, daß wir mit der natürlichen Radioaktivität leben müssen, mit der künstlich erzeugten aber nicht unbedingt.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/82...nd-Vermutungen

Grüsse,
Oregano
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Indry ist offline
Themenstarter Beiträge: 19
Seit: 13.04.06
Ich hatte letztes Jahr die Möglichkeit mit einem Fachmann in Deutschland zu sprechen, der Ausbildungen in Kraftwerken durchführt. Nicht spezifisch Kernkraftwerke, auch Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke.
Den habe ich natürlich gelöchert!

Ich habe ihn gefragt, was der Unterschied zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität ist. "Keiner. Energie ist Energie...."

Übrigens hinterlassen auch Kohlekraftwerke radioaktiven Abfall, sowohl im Rauch als auch in der Schlacke - sogar in grossen Mengen! (siehe z.B. wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlek...ive_Emissionen)
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