Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme

20.08.07 20:42 #1
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Piero



Sehr geehrte Damen und Herren,

seid 6 1/2 Jahren leide ich an schweren Depressionen. Habe div. Ebenen von Antidepressiva durchwandert. Seid 5 1/2 Jahren sind es die folgenden Medis täglich: Lithiofor660 2000mg, Aurorix 600mg, Euthyrox75 0,75mg (TSH). Es zeigte sich dann, dass ich Therapieresistent bin. So unterzog ich mich nach reiflicher Überlegung einer Elektrokrampftherapie, die mir sehr gut tat. Zur Unterstützung dieser EKT muss ich nun die Medikamente weiter einnehmen. Die Folgen sind: Extreme Mundtrockenheit, der ich anfänglich mit Pharingorspray und seid ca. einem Halben Jahr mit Glandosanspray entgegen trat. Jetzt hilft mir nichts mehr. Kann jemand helfen?

Herzlichen Dank für alle Lösungsvorschläge

Liebe Grüsse
Piero



Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme

Oregano ist gerade online
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Hallo Piero,
das muss ja grausam sein, wenn man so lange Depressionen hat. Und die Therapie ist ja auch ziemlich anstrengend und mühsam.

Als Nebenwirkungen von Aurorix steht Mundtrockenheit, das weißt Du sicher.
Weißt du das auch:
Es sollte dennoch der übermäßige Verzehr von stark tyraminhaltigen Speisen (z.B. alter reifer Käse) vermieden werden.
Aurorix® 150/-300 Filmtabletten


Lithiofor hat als Nebenwirkung auch Mundtrockenheit. Und es scheint manchmal gar nicht vertragen zu werden:
Unterbrechen Sie sofort Ihre Behandlung mit Lithiofor und informieren Sie oder lassen Sie Ihren Arzt durch einem Dritten unverzüglich informieren, falls Sie eindeutig eines oder mehrere der folgenden Symptomen empfinden:
starken andauernden Durst und dringenden Harndrang, Diarrhoe, Nausea, Bewegungs- und Sprachstörungen, starkes und möglicherweise unregelmässiges Zittern der Hände, Muskelkrämpfe, starke Schläfrigkeit oder Apathie.
ODDB.org: Open Drug Database | Medikamente | Patienteninformation zu Lithiofor.

Ist Deine Schilddrüse denn gut eingestellt? Oder kannst Du das durch die anderen Medikamente, die sicher auch nicht ohne Nebenwirkungen sind, gar nicht merken?

Ich kenne mich leider mit solchen Sprays wegen Mundtrockenheit nicht aus. Nützt denn das Trinken von gutem Wasser nicht etwas?

1. Kannst Du nicht auf Medikamente wechseln, die keine Mundtrockenheit als Nebenwirkung haben?

2. Regelmässiges Kaugummikauen über lange Zeit (Monate) kann die Speichelruhefließrate meßbar erhöhen. Gekaut wurde in einer Studie 2x/Tag.
Durch spezielle "gustatorische" Zusätze kann der Speichelfluß sogar noch gesteigert werden.

3.
Bei einer hochgradigen Xerostomie des Ruhespeichels und des stimulierten Speichels kann eine medikamentös-pharmakologische Speichelstimulation indiziert sein. Nach Abklärung möglicher Wechselwirkungen mit einer bestehenden Medikation und unter Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen vor allem in Bezug auf die Grunderkrankung ist der Einsatz von Pilocarpin, Neostigmin, Nikotinamid oder Bromhexin möglich (Klimek 1995). Weiterhin können künstliche Speichellösungen (zum Beispiel Glandosane, Artisial, Oralube, Siccasan) als aromatisierte oder neutrale Ersatzlösungen sowie Ölspülungen angewandt werden. Die Kunstspeichelspraylösungen enthalten Carboxymethylcellulose oder tierische Muzine als Gleitmittel sowie Mineralsalze und Fluoride zur Kariesprophylaxe
www.zm-online.de/m5a.htm?

Wichtig dabei dürfte auch eine gute Mundhygiene und Zahnversorgung sein.

Ich wünsche Dir alles Gute,
Uta

Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme

pita ist offline
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Seit: 08.04.07
Hallo Piero

Pfefferminz-Tee regt den Speichelfluss an.

Ausserdem gefunden:
Speichelfluss anregen
• Gefrorene, kleine Fruchtstücke zum lutschen reichen z. B. Ananas, Zitrone, Orange, keine Zitrusfrüchte bei Rhagaden.
• Saure Tees z.B. Hagebutte, Malve
• Eiswürfel mit Lieblingsflüssigkeit z.B. Cola, Orangensaft, Bier
• Saure Drops
• Kaugummi (durch kauen entleert sich Ohr- und Speicheldrüsen)
• Aromalampen mit Zitrusoel max. 30 Minuten
• Eine verschnittene Zitrone zum riechen geben
www.pflegebern.ch/de/01_praxis/documents/Standards_Muensingen/mundpflege_Standard_Muensingen.pdf
Ich hoffe, etwas oder eine Kombination davon kann Dir etwas helfen.

Liebe Grüsse
pita

Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme

Oregano ist gerade online
Beiträge: 63.682
Seit: 10.01.04
Hier noch mehr zum Thema:

Woher kommt Mundtrockenheit?"
Das Gefühl des trockenen Mundes entsteht im allgemeinen, wenn die Produktion von Speichel durch die Speicheldrüsen verminderte oder ganz erloschene ist. Der medizinische Ausdruck für Mundtrockenheit ist übrigens "Xerostomie". Ursache dieser Funktionsstörung der Speicheldrüsen sind häufig Medikamente oder Bestrahlung der Speicheldrüsen (z.B. im Rahmen einer Krebsbehandlung). Mundtrockenheit kann aber auch auf ein eigenes Krankheitsbild namens "Sjögren-Syndrom" (medizinisch: Keratokonjunktivitis sicca) hindeuten.
Mundtrockenheit ist als Nebenwirkung vieler Medikamente bekannt: Mittel gegen verschiedene Nerven- und Gemütskrankheiten (Antidepressiva, Neuroleptika, Tegretal, Antiparkinsonmittel), Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Valium, Mittel gegen Juckreiz und Allergien (Antihistaminika), Kortison, Mittel gegen Bluthochdruck (Betablocker, Kalziumantagonisten, Diuretika...), Mittel gegen Magengeschwüre (Antra, Gastrozepin...), Mittel gegen Erbrechen, Penizillin (pelzige Zunge), Mittel gegen Hautkrankheiten (Retinoide). Aber auch Koffein und Nikotin kann den Mund austrocknen. Wohlgemerkt: wie alle Nebenwirkungen wird die Mundtrockenheit nur von sehr wenigen Patienten bemerkt, die meisten nehmen die genannten Mittel ohne jegliche Probleme ein.

"Was sind die Folgen der Mundtrockenheit?"
Die wichtigste Folge ist natürlich das Gefühl der "Trockenheit", daß die Zunge am Gaumen klebt usw. Der Speichelmangel kann aber auch das Kauen, Schlucken, Schmecken, Sprechen und den Schlaf beeinträchtigen. Die Betroffenen wollen vor allem nachts Wasser trinken. Die Empfindlichkeit von Gaumen und Mundschleimhaut gegenüber Verletzungen (z.B. durch die Prothese) nimmt zu. Schleimhautgeschwüre, Mundpilz und Karies sind bei Ihnen vermehrt - sie sollten sich daher möglichst zuckerarm ernähren.


"Was kann ich selbst zusätzlich tun, damit die Mundtrockenheit nachläßt?"
Der Mund sollte häufig befeuchtet werden. Durch Kauen kann der Speichelfluß gefördert werden, also z.B. durch Essen von Karotten, Sellerie oder zuckerfreiem Kaugummi.

"Die Behandlung der Mundtrockenheit"
Falls ein Medikament als Auslöser der Mundtrockenheit verdächtig ist, sollte es abgesetzt bzw ausgetauscht werden - aber nur nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt. Zuweilen ist das Medikament so wichtig und unersetzbar, daß die Mundtrockenheit in Kauf genommen werden muß. Ist ein Medikament tatsächlich die Ursache der Beschwerden, so normalisiert sich die Speichelproduktion oft rasch nach Austausch des Mittels.
In schweren Fällen kann der Arzt versuchen, den Speichelfluß medikamentös zu fördern. Wirksam ist z.B. das Medikament "Pilokarpin" (3 x täglich 5 mg). Mit ihm kann 2 von 3 Patienten geholfen werden. Auch dieses Medikament kann aber Nebenwirkungen haben: Harndrang, Krämpfe, Tränen- und Nasenfließen, Übelkeit...Die Anwendung ist nur sinnvoll, wenn starke Geschmacksreize (z.B. Zitronensaft) noch geschmeckt werden.
Hilfreich ist auch "künstlicher" Speichel: diese synthetischen Mittel kann man mehrfach täglich als Speichelersatz in den Mund einträufeln (z.B. Glandosane).
Mundtrockenheit

Auch noch gefunden:

Saseem® Mundspray
PZN 0325417
60 ml 11,28 €
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Der Einsatz der Akupunktur zur Therapie von krankhafter Mundtrockenheit wurde erstmalig 1981 in der Literatur vorgestellt. In einer Studie aus dem Jahr 1992 (Blom et al.) wurde über eine deutliche Zunahme der Speichelsekretionsrate sowohl während der Akupunkturphase wie auch im Zeitraum nach einer derartigen Therapie berichtet. Die Ursachen werden in einer Stimulation des vegetativen Nervensystems und der Freisetzung von Neuropeptiden vermutet, die zur Steigerung der Sekretionsrate bei gesunden und erkrankten Personen führt, zudem soll der Blutfluss in den Speicheldrüsen angeregt werden.




Akupunktur als sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Maßnahmen

In eigenen Fallstudien konnten die Autoren nachweisen, dass sich durch Akupunktur eine signifikante Steigerung der Speichelsekretionsrate nach Strahlentherapie erzielen lässt. Diese erreicht zwar nicht das Niveau vor Bestrahlung, führte aber dennoch zu einem deutlich verbesserten Befinden der Patienten. Die Autoren betonen daher, dass Akupunktur bei der Behandlung von Patienten mit krankhafter Mundtrockenheit stets in Betracht gezogen werden sollte und eine sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Therapiemaßnahmen darstellen kann.
http://www.special-zahngesundheit.de...ent-159837.htm

Uta

Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme

pita ist offline
Beiträge: 3.121
Seit: 08.04.07
Hallo Piero

Hier geht es zwar um die Mundtrockenheit als Begleiterscheinung von Bestrahlungen, ist aber sicher auch für Dich interessant (S. 6/7):
http://www.irl-institut.de/docs/lite...utschaeden.pdf

Liebe Grüsse
pita

Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme
Piero
Hallo Uta

Hab herzlichen Dank für deine Zuschrift und den ausführlichen medizinischen Erläuterungen.

Mir ist bekannt, dass Aurorix und Lithiofor660, starke Mundtrockenheit auslösen. Ich gehe ca. alle 4-5Wochen zu meinem Psychiater und da sind die Nebenwirkungen immer ein Thema und werden behandelt. Nur im Moment muss ich ein Ausscheiden oder ein Ersetzen von Lithiofor660 und Aurorix ausser Betracht ziehen, da sie mich am Leben erhalten und zumal Aurorix das beste Antidepressivum ist, das ich unter vielen schon geschluckt habe. Ich bin alle Ebenen der Antidepressiva durchgegangen.

Meine Schilddrüse ist bestens eingestellt. Das dazugehörige Medikament Euthyrox75 und Lithiofor660 wird alle 3 Monate getestet: Für die Schilddrüse wird das TSH gemessen. Zugleich wird der Lithiumspiegel ausgelotet. Lebenswichtige Handlungen.

Das Trinken von Wasser befeuchtet den Mund aber nur 10-20Minuten.

Das Kaugummi kauen übte ich über lange Zeit und der Erfolg war gut. Das Kauen hat guten Speichel entwickelt. Doch leider musste ich vor einiger Zeit damit aufhören, da meine Zunge anfing zu brennen. Ich versuchte die Kaugummis zu wechseln. Doch es war immer dasselbe, es brannte.

Glandosan verwendete ich ca. ein dreiviertel Jahr. Leider nützte es mir nicht sehr viel. Eine Sprühdosierung hielt 5-10 Minuten an.

Liebe Grüsse
Piero







Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme
Piero
Hallo pita

Hab herzlichen Dank für deine Zuschrift.

Besonders reizend sind deine Anregungen, um den Speichelfluss anzuregen. Ich habe dies bereits ausprobiert und frischen Ananassaft sowie kleine Stücke frischer Ananas tief gefroren und es fängt an zu funktionieren. Der Speichel bewegt sich. Eins nach dem Anderen werde ich alle Möglichkeiten austesten, ausser Kaugummi. Den kaute ich eine gute Zeit, bis mich dann die Zunge brannte.
Herzlichen Dank auch für dass Dossier "Vorbeugung und Behandlung von Schleimhautschäden und Mundtrockenheit"

Liebe Grüsse
Piero






Schwere Mundtrockenheit bei Antidepressivaeinnahme

pita ist offline
Beiträge: 3.121
Seit: 08.04.07
Das freut mich und ich wünsche Dir weiterhin guten Erfolg .

Liebe Grüsse
pita


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