Positiver und negativer Narzißmus

03.11.11 20:15 #1
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Positiver und negativer Narzißmus

Anneke ist offline
Beiträge: 267
Seit: 23.02.11
Sicher, auch ein "negativer" oder "pathologischer" Narzissmus ist menschlich. Trotzdem gibt es doch aber irgendwo eine Grenze?

Es gibt Studien, die belegen, dass besonders auf Führungsebene gehäuft Vertreter mit dieser psychischen Konstitution agieren

Viele Unternehmer sind Narzissten, die nach Macht und Härte streben | Pressemitteilungen-online.de

Und auch dies, sehr interessant

Macht, Narzissmus und die Sehnsucht nach dem Führer - Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 11/2007)

Ein "positiver Narzisst", könnte ein Pendant des "negativen Narzissten" sein...Ein Mensch, der keinem etwas tut, der über Empathie verfügt, der aber dennoch sein Selbstwertgefühl aufwerten muss, z. B. fällt mir da das Helfersyndrom ein, Retterphantasien, Menschen in künstlerischen und sozialen Berufen. Auch hier dreht es sich vielleicht nur um Anerkennung, manchmal sicher auch mit Größenphantasien gepaart ...

@ Oregano: "Wissen (bzw. Intelligenz) ist Macht" heißt es ja im Volksmund und aus meiner Sicht wird es auch oft zur "Machtausübung" benutzt, ob nun bewußt oder unbewußt. Damit kann man einem anderen durchaus das Gefühl der Unterlegenheit geben und sich selbst erhöhen - jedoch eigentlich nur, wenn man meint die absolute Wahrheit gefunden zu haben und nichts in Frage stellt, vor allem sich selbst nicht, oder ?

Vielleicht entsteht das von Oregano angesprochene Abschotten in Bezug auf die Intellgenz ja durch die Fähigkeit, auf Grund des Wissens oder der Lebenserfahrung bestimmte Dinge vorhersehen oder vorausberechnen zu können und dadurch in gewisser Weise vor Verletzungen geschützt zu sein. Andersherum sollte dieses Wissen aber auch mein Gegenüber vor Verletzungen schützen können, indem ich weiß, wann ich mich ein wenig zurücknehmen sollte. Das hat sicher auch etwas mit der Fähigkeit zur Empathie zu tun, Intelligenz allein ist an dieser Stelle vielleicht nicht ausreichend?

Und doch wird es immer Menschen geben, die sich gekränkt oder verletzt fühlen, wenn man ihnen einen Rat erteilt, der ihnen nicht gefällt - egal wie man ihn vermittelt. Ich kann mir vorstellen, dass dies auf einem mangelndem Selbstvertrauen beruht und in gewisser Weise auch mehr oder weniger narzistisch (nicht abwertend gemeint) ist. Ein selbstbewußter und selbstbestimmter Mensch, der reflektieren kann und will, der hat nunmal irgendwann nicht mehr so viele wunde Stellen und den haut so leicht nichts mehr um - weder ein gut gemeinter Ratschlag, noch Kritik. Er kann entweder alles so belassen wie es ist oder er handelt, indem er gleichzeitig Verantwortung übernimmt.

Grüße von Anneke

Geändert von Anneke (02.12.11 um 21:01 Uhr)

Positiver und negativer Narzißmus
Alexa Osiris
ihr unterscheidet hier zwischen positivem und negativem narzißmuss, dazu muss ich mir erst einmal eine meinung bilden.. aber eins ist für mich klar: zurzeit haben wir einen echten narzisten im lande, wie er im buche steht, nämlich karl theodor zu guttenberg. und auch wenn ich eine frau bin, bin ich seinem "charme" nicht erlegen! und dass soll auch so bleiben (und das ist auch gut so).



alexa

Geändert von Malve (03.12.11 um 18:11 Uhr)

Positiver und negativer Narzißmus

Kayen ist offline
Beiträge: 5.067
Seit: 14.03.07
Zitat von kopf Beitrag anzeigen
schwierigen charaktere ?

ich schäme mich jedenfalls ,wie ich mit anderen menschen umgegangen bin .es tut mir leid und ekel entsteht immer noch beim denken an vergangenes .wie ich teilweise therapeutisches personal behandelt habe ,finde ich abartig .es ist mir sehr peinlich .ich habe oder hatte zum schluss eine mischdiagnose -emotional-instabil mit narzißtischen anteilen.kombinierte persönlichkeitsstörung.
auch ich habe angeblich einen hohen iq-123 . ich habe diese tests persönlich nie anerkannt und ihre aussagekraft bezweifelt. das wissen darum machte mich eine zeit lang ,noch abgehobener , noch arroganter .
sage einem kaputten er ist auch noch besonders intelligent und er dreht völlig durch .
ich empfinde das für mich als grossen reichtum nicht mehr ganz so zu sein .
jetzt will ich nicht weiter stören !
Grüssle

mich persönlich störst Du überhaupt nicht, wie kommst Du darauf?

Die Gefahr einer pathologisch diagnostizierten Persönlichkeitsstörung sehe ich immer darin, dass ein Mensch med. be-urteilt wird, dieser vielleicht diese Be-urteilung zu ernst nimmt und sich danach in seinen Gefühlen nicht mehr sicher sieht und diese versucht zu unterdrücken. Im allerschlimmsten Fall werden sie durch Medikamente betäubt. Man würde doch auch kein Kind betäuben, wenn es Unsinn macht, oder?

Du schreibst Du warst abgehoben, arrogant, hast Menschen schlecht behandelt u.s.w.
Diese Art und Weise setzt bestimmte Gefühle z.B. Wut und Aggression voraus. Diese hast Du wahrscheinlich auch immer noch in Dir und melden sich ab und an. Aber Du hast auch eine andere Seite, diese ist sehr mitfühlend (ich denke da an Deinen Supermarktbeitrag mit der armen Frau) und wer mitfühlt, fühlt auch seine Liebe in sich.

Ich denke in erster Linie ist es falsch seine Gefühle (Aggression, Wut oder Zorn) die ja Deine ureigene Geschichte beinhalten zu unterdrücken, bzw. zu schämen. Man muss diese Gefühle erforschen, wo kommt das her, welche Bedürftigkeit steckt dahinter.
Das soll jetzt kein Freibrief für Wutausbrüche und Arroganz sein.
Besser ist es einen Mittelweg zu finden, wenn diese hochkriechen zu denken, hey da seit ihr ja wieder, na und, ich habe auch eine andere Seite in mir und das sind z.B. Mitgefühl und Liebe. Diese Liebe (Liebe ist keine Emotion) ist schlagartig dazu in der Lage, Wut und Zorn zu durchbrechen, man muss sich dem nur bewusst werden und das geht nur durch Übung sich selbst bewusst zu sein und herauszufinden, wo kommt ihr (Gefühle) im ureigentlichen her. Ebenfalls hilft es meiner Erfahrung nach seinen eigenen Gefühlen mit Respekt zu begegnen. Dieser Respekt gibt einen gewissen Abstand zur Situation und macht somit den Kopf klar und unüberlegte Äußerungen, Handlungen bleiben aus.
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Geändert von Kayen (03.12.11 um 09:56 Uhr) Grund: Ergänzung letzter Absatz

Positiver und negativer Narzißmus

Anneke ist offline
Beiträge: 267
Seit: 23.02.11
"Positiver Narzissmus"

Gemeinhin definiert man Narzissten als auf sich selbst bezogene Menschen, die andere vernachlässigen, egoistische und egozentrische Wesensmerkmale zeigen. Eigennutz geht ihnen vor Gemeinwohl. Wenn sie lieben, dann, um geliebt zu werden.
Die negative Punzierung stimmt nicht zu 100 Prozent. Ohne ein wenig Egoismus steht der größte Altruist auf verlorenem Posten Deshalb spricht die Psychologengemeinde vom "positiven Narzissmus": eine positive Einstellung zu sich selbst, die ein stabiles Selbstwertgefühl bewirkt und erhält.

Nervenklinik Linz - Archiv_Mär07_OOEN_Der Narziss als Volksmund

Das Thema ist sehr interessant, gerade weil unsere Gesellschaft ja lt. Studien immer narzisstischer wird. Kein Wunder, dass Narzissmus allmählich zu einer überlebensnotwendigen Eigenschaft legitimiert wird.
Allerdings wird nun - und vor allem wird allein der positive Narzisst zum "guten und gesunden Menschen" stilisiert, weil nur er ein "gesundes Selbstwertgefühl" besitzt und nur er sich selbst liebt...oder nur sich selbst liebt .

Für mich klingt das zugegeben auch narzisstisch. So ein bisschen wie ein Freibrief, eine Rechtfertigung, weil man eigentlich nicht weiß, wie man mit dem aufkommenden Narzissmus oder gar mit dem eigenen Narzissmus umgehen soll.

Ich jedenfalls finde es bedenklich, dass der Begriff der Selbstliebe offenbar durch den Begriff des "positiven Narzissmus" ersetzt werden soll.

Für mich wird es weiterhin einen Unterschied zwischen narzisstischer Selbstliebe bzw. "positivem Narzissmus" und der aufrichtigen Liebe zu sich selbst geben, die selbstverständlich auch egoistische Anteile haben muss, die aber bemüht ist, objektiv zu bleiben, sich nicht erheben und selbstcoachen muss, um stabil zu bleiben und die die Liebe zu allen Menschen mit einschließt. Und all das fällt einem nunmal nicht in den Schoß...
Erich Fromm klingt da für mich noch immer am überzeugendsten.


Grüße von Anneke

Positiver und negativer Narzißmus

Kayen ist offline
Beiträge: 5.067
Seit: 14.03.07
Den Ursprung des Narzissmusses findet man in der Mythologie.

Nach der antiken griechischen Mythologie ist Νάρκισσος, (Nárkissos, lateinisch Narcissus, deutsch Narziss) ein 16-jähriger Jüngling, der sich aus Stolz der Liebe der Nymphe Echo entzog. Dafür traf ihn der rächende Fluch, sein eigenes Spiegelbild in jedem Wasser lieben zu müssen, welches sich ihm gleichfalls immer entzog. Er konnte sein Spiegelbild weder berühren noch sich von ihm lösen, verging darüber und verwandelte sich in eine Narzisse. Ursprünglich hatte dieser Mythos die Selbstüberhebung (Hybris) und ihre Strafe zum Thema.
Und tatsächlich werden heute aus Mythen, die Jahrhunderte v. Chr. entstanden sind, pathologische Diagnosen. Bleibt nur zu hoffen, das die Narzissen, deren Verbreitungsschwerpunkt Südwesteuropa und Nordwestafrika ist, nicht wie Unkraut wachsen und dementsprechen auch so angesehen und behandelt werden.
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Anneke ist offline
Beiträge: 267
Seit: 23.02.11
Keine Sorge Kayen, ein "echter Narziss" begibt sich selten in Behandlung und bekommt daher auch selten eine Diagnose. Und falls es doch einmal passieren sollte: er ist und bleibt gesund und lässt sich von so einer lächerlichen Diagnose gewiss nicht beeindrucken.
Nun ja, was die Narzissen anbelangt, so wachsen sie nur dort, wohin man sie gepflanzt hat. Ihnen ist es auf alle Fälle gleich, ob sie bewundert, geachtet oder wie Unkraut behandelt werden.

Positiver und negativer Narzißmus
kopf
Zitat von Kayen Beitrag anzeigen
mich persönlich störst Du überhaupt nicht, wie kommst Du darauf?

Die Gefahr einer pathologisch diagnostizierten Persönlichkeitsstörung sehe ich immer darin, dass ein Mensch med. be-urteilt wird, dieser vielleicht diese Be-urteilung zu ernst nimmt und sich danach in seinen Gefühlen nicht mehr sicher sieht und diese versucht zu unterdrücken. Im allerschlimmsten Fall werden sie durch Medikamente betäubt. Man würde doch auch kein Kind betäuben, wenn es Unsinn macht, oder?

Du schreibst Du warst abgehoben, arrogant, hast Menschen schlecht behandelt u.s.w.
Diese Art und Weise setzt bestimmte Gefühle z.B. Wut und Aggression voraus. Diese hast Du wahrscheinlich auch immer noch in Dir und melden sich ab und an. Aber Du hast auch eine andere Seite, diese ist sehr mitfühlend (ich denke da an Deinen Supermarktbeitrag mit der armen Frau) und wer mitfühlt, fühlt auch seine Liebe in sich.

Ich denke in erster Linie ist es falsch seine Gefühle (Aggression, Wut oder Zorn) die ja Deine ureigene Geschichte beinhalten zu unterdrücken, bzw. zu schämen. Man muss diese Gefühle erforschen, wo kommt das her, welche Bedürftigkeit steckt dahinter.
Das soll jetzt kein Freibrief für Wutausbrüche und Arroganz sein.
Besser ist es einen Mittelweg zu finden, wenn diese hochkriechen zu denken, hey da seit ihr ja wieder, na und, ich habe auch eine andere Seite in mir und das sind z.B. Mitgefühl und Liebe. Diese Liebe (Liebe ist keine Emotion) ist schlagartig dazu in der Lage, Wut und Zorn zu durchbrechen, man muss sich dem nur bewusst werden und das geht nur durch Übung sich selbst bewusst zu sein und herauszufinden, wo kommt ihr (Gefühle) im ureigentlichen her. Ebenfalls hilft es meiner Erfahrung nach seinen eigenen Gefühlen mit Respekt zu begegnen. Dieser Respekt gibt einen gewissen Abstand zur Situation und macht somit den Kopf klar und unüberlegte Äußerungen, Handlungen bleiben aus.
ich bin da ergeiziger ,Kayen .ich mag den konflikt lösen.
LG

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Kayen ist offline
Beiträge: 5.067
Seit: 14.03.07
Zitat von Anneke Beitrag anzeigen
Keine Sorge Kayen, ein "echter Narziss" begibt sich selten in Behandlung und bekommt daher auch selten eine Diagnose. Und falls es doch einmal passieren sollte: er ist und bleibt gesund und lässt sich von so einer lächerlichen Diagnose gewiss nicht beeindrucken.
Nun ja, was die Narzissen anbelangt, so wachsen sie nur dort, wohin man sie gepflanzt hat. Ihnen ist es auf alle Fälle gleich, ob sie bewundert, geachtet oder wie Unkraut behandelt werden.


Es gibt ja eine Statistik und diese ist ja irgendwie zu stande gekommen. Also Anneke ich muss da nochmals auf mannos Beispiel zurückkommen.

Nach jeder Provozierung eines Psychologen (Mythos Jüngling ärgert Nymphe) wächst eine Narzisse die trotz allem bewundert und geachtet werden will.
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Alexa Osiris
hallöchen!, also für mich ist vom begriff her "narzißmuss" grundsätzlich negativ besetzt, also als übersteigerte form der selbstbezogenheit beziehungsweise der selbstverliebtheit. hat eigentlich immer auch was neurotisches..



achja.. nochmal danke an malve fürs wiedereinstellen oben! :-)


alexa

Geändert von Alexa Osiris (03.12.11 um 20:00 Uhr) Grund: rechtschreibung

Positiver und negativer Narzißmus

Manno ist offline
Beiträge: 1.141
Seit: 09.09.08
Zitat von Anneke Beitrag anzeigen
Keine Sorge Kayen, ein "echter Narziss" begibt sich selten in Behandlung und bekommt daher auch selten eine Diagnose.
Wie wäre es mit der Diagnose: Burn Out Syndrom ?
4 Wo für 20.000 Euro im Luxus Hotel, ist doch ein Klacks !
(ein Narzißt wird das wohl genauso sehen ...)

14 Tage Regenerationsurlaub kosten den ausgebrannten Gast zwischen 8.100 im Doppelzimmer und 10.000 Euro in der Suite. Das ist wesentlich billiger wie ein Burn-out. Dann nämlich würden Manager oft ein halbes Jahr krank geschrieben, gibt Facharzt Klein zu bedenken. Das werde für Arbeitgeber dann erst richtig teuer – "dagegen sind 8.000 Euro doch echt ein Klacks." Die Hotelleitung macht gerade viel Akquise bei den Personalabteilungen großer Unternehmen, um das Präventionsprogramm bekannt zu machen.

Workaholics [oder Narzißten] werden im Gräflichen Park niemals als "Patienten" bezeichnet, sondern konsequent "Gäste" genannt. Burn-Out Patienten wollen nicht als Kranke in eine normale psychosomatische Klinik gehen, denn das entspricht nicht ihrem Niveau. Also mischen sich die Burnout-Gäste im Hotels Gräflicher Park im westfälischen Bad Driburg unter die normalen Hotelgäste ...
Erschöpfungsdepression: Gut verdienen mit Burn-out | Karriere | ZEIT ONLINE

Aus der Zeit-Printausgabe (01.12.11):
Das Ettikett Burn-Out dient heute [Narzißten] als Entschuldigung für Selbstüberschätzung. Wer zu hoch hinaus wollte, sollte auch die Scham von Niederlage bewältigen können ... [früher sagte man noch: Hochmut kommt vor dem Fall !]


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