Alkoholikerin als Mutter

11.08.10 22:23 #1
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MissGeburt ist offline
Beiträge: 8
Seit: 11.08.10
Hallo, als "Kind" möchte ich hier auch mal meine Geschichte schreiben.
Vielleicht gibt es jemanden, dem es ähnlich geht & der mir mal etwas sagen kann, was evtl. hilft..

Ich bin 17 Jahre alt und ich glaube seit ich ca.12 bin ist meine Mutter alkoholkrank (vllt auch länger, aber wenn man so jung ist kriegt man das ja nur oberflächlich mit..)

Jedenfalls als sie das erste mal so krank war, hat sie immer Schnaps gesoffen. Und.. naja sie macht das heimlich.. sie war wirklich sehr krank, wir wollten sie zwangseinweisen lassen, aber das ging irgendwie ja auch nich.. so eines Tages dann ist sie im Bad umgefallen und hat sich den Kopf aufgeschlagen..es blutete..sie kam ins Krankenhaus (kalter Entzug) , ein halbes Jahr oder so.. Mein Vater hat sie jeden Tag besucht, obwohl er immer lang arbeitete. Der Arzt meinte sie wird es nicht überleben, sie hatte Leberzirrhose.. ich kam sie trotzdem besuchen.. mal war sie auf der Intensivstation, manchmal nicht.. eines Tages besuchte ich sie mit meiner Oma wir mussten Mundschutz und alles mögliche anziehn, weil sie ja so geschwächt..sie lag in ihrer eigenen Scheiße und war ganz abwesend.. als ich zu ihr kam und mit ihr sprach erkannte sie mich nicht mal..das war wohl eins der schlimmsten Momente in meinem Leben.
ja.. sie hat es dann überlebt, laufen gelernt, eine Kur gemacht usw..
Sie hatte wieder Spaß am Leben und jeder wollte ihr helfen, aber seit ich 14 bin oder so fängt es wieder an..
sie drinkt und es ist einfach nur der Horror..Diesmal bekomm ich alles viel schlimmer mit..
Sie wir langsam immer gelber, und ihr Gesicht immer dicker..sie lallt oft, und manchmal fällt sie um.. wenn ich heim komme hat sie nix mehr gekocht oder redet mit mir.. nichts.. sie liegt fast immer auf der Coutch. Sie ist auch vor ein paar Monaten mal die Treppen runter gefallen, dann hab ich ihr aufgeholfen, aber sie kriegt das dann ja alles nie mit, erst wenn sie am nächsten Tag überall tief dunkle Flecken hat. Seit dem ersten Krankenhausaufenthalt schläft mein Vater nicht mehr mit ihr, wenn sie es nicht wie üblich abstreitet, ist das einer der Gründe warum sie drinkt, aber das is immer mal was anderes.
Ich leide sehr unter dieser Krankheit, fast jeden Tag spricht einer unsrere Familie mit ihr darüber vergeblich. Der Arzt sagte ein zweites mal überlebt sie nicht, doch das ist vergessen. Ich habe keine große Angst, dass sie stirbt, ehrlich gesagt hoffe ich es manchmal..die ganze Familie kann nicht mehr.. mir fehlt die Kraft..
und ja.. soweiter und sofort..

es fällt mir nicht sonderlich leicht darüber zu schreiben, doch niemand kann mir helfen, mein Vater nicht, meine Freunde nicht, der Arzt nicht.. niemand kann mir irgendwas sagen was hilft..deswegen versuche ich es jetzt einfach mal hier

grüße

Alkoholikerin als Mutter

Sine ist offline
Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Guten Morgen meine Liebe.
Es ist eine gute Idee, hier zu schreiben und ich kann verstehen, wie sehr dich die Situation belastet.
Es ist möglich, dass deine Mutter die Kurve nicht mehr kriegt, auch wenn ihr täglich mit ihr über die Problematik redet.
Deshalb ist es ganz wichtig dass ihr als Angehörige euch Hilfe holt.
Ganz dringend möchte ich dir und deinem Vater den Besuch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern empfehlen.
Es gibt ein Leben neben den Problemen der Mutter und gerade du als junge Frau hast die Aufgabe, daran teilzunehmen.
Hier ein Link: http://www.symptome.ch/vbboard/alkoh...ern-hilfe.html
Liebe Grüsse, Sine

Alkoholikerin als Mutter

Oregano ist offline
Beiträge: 63.695
Seit: 10.01.04
Hallo Miss Geburt,

ich schreib' den Nick lieber mal auseinander. Da gefällt er mir besser .

Das ist eine sehr traurige Geschichte einer Alkoholkrankheit. Traurig von Seiten Deiner Mutter her, aber mindestens genauso traurig, daß die ganze Familie dadurch mit in dieses Elend hineingezogen wird.
Ich glaube nicht, daß man ihr helfen kann: sie ist wirklich krank, und offensichtlich hat der Alkohol ja auch schon massive Veränderungen bewirkt, u.a. an der Leber.

Ich glaube auch nicht, daß sie sich selbst aufrappelt und noch einmal einen Entzug macht. Dazu hat die Sucht sie wohl zu sehr im Griff.

Weißt Du, daß es Angehörigen-Gruppen von Alkoholikern gibt, z.B. diese?:

Die beste Hilfe ist nicht zu helfen. Alles andere verlängert die Krankheit unnötig. Sicher wird dies für Sie schwer zu verstehen sein aber folgendes Beispiel verdeutlicht es:

Die Partnerschaft mit einem Alkoholkranken ist vergleichbar mit einer Fahrt in einem lecken Boot. Angehörige versuchen ständig das eindringende Wasser auszuschöpfen um das Boot vor dem Untergang zu bewahren. Der Alkoholkranke aber schöpft nicht mit, sondern verstärkt (durch sein Trinken) das Leck sogar noch. Darum ist es allemal besser aus dem Boot auszusteigen und an das rettende Ufer zurückzuschwimmen und den Alkoholkranken im Boot allein zu lassen. Wenn plötzlich alle haltgebenden Helfer verschwunden sind und er sich allein gelassen fühlt, verstärkt das gewaltig seine Angst und erhöht seinen Leidensdruck. Denn dadurch spürt er den drohenden Untergang den niemand mehr aufhalten hilft. So erkennt er meistens sehr rasch, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Erst jetzt wird der Alkoholkranke etwas an seiner Situation ändern wollen. Nun ist er bereit, Hilfe anzunehmen und mit dem Trinken aufzuhören .

Solange der trinkende Alkoholkranke sich sicher sein kann, dass "wohlmeinende" Helfer ihm alle unangenehmen Folgen seiner Trinkerei abnehmen oder erleichtern, solange wird er nichts an seinem Trinkverhalten ändern. ....
Hilfe für Angehörige von Alkoholkranken

Auf dieser Seite werden auch Beratungsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz angegeben.

Al-Anon Familiengruppen - Alateen: Startseite
www.alkohol-hilfe.de/SHG/a.htm
Hier werden Selbsthilfegruppen auch für Angehörige nach PLZ geordnet angegeben.

Angehörige sollten sich unbedingt fachliche Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige oder in einer Suchtberatungsstelle holen (Hilfsadressen gibt es hier). Ggf. können auch das örtliche Gesundheitsamt, Jugendamt oder die allgemeinen sozialen Dienste eingeschaltet werden.
www.alkoholratgeber.de/Page10369/page10369.html

Auch das BLAUE KREUZ bietet Hilfe:
Blaues Kreuz Deuschland: Selbsthilfegruppen

Und hier noch einmal ein paar Selbsthilfegruppen für Angehörige:
Kontrolliertes Trinken - Alkohol (Selbst) Bestimmt | Angehörige | Selbsthilfegruppen

Hast Du Dir schon Hilfe geholt? Ich glaube, das wäre sehr wichtig für Dich, damit Du nicht am Ende aus lauter Traurigkeit, Stress und ähnlichen GEfühlen selbst noch in eine Sucht abrutschst.

Grüsse,
Oregano

Alkoholikerin als Mutter

MissGeburt ist offline
Themenstarter Beiträge: 8
Seit: 11.08.10
.. hm Hilfe hab ich bisher nicht geholt. Mein HA hat mir zwar 2 Psychiater empfohlen, aber der eine ist nie zu erreichen und der andere hat keine Termine. Mein Vater hat versprochen sich darum zu kümmern, aber es passiert nichts.. ich denke er will nicht, dass jemand weiß, dass seine Tochter schon zum Seelenklempner muss. Sollte mich wohl einfach mal selbst darum kümmern..

Alkoholikerin als Mutter

Sine ist offline
Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Ob ein Psychiater die richtige Ansprechperson ist für dich?
In einer Selbsthilfegruppe treffen sich Menschen mit den selben Sorgen und Ängsten. Einfach Menschen wie du und ich. Und sie helfen einander, besser mit den Problemen klarzukommen, die sie alle teilen. Das erscheint mir deutlich attraktiver als Einzelgespräche mit einem Psychiater. Lies dich mal in die verschiedenen Links ein und am Besten gibst du die Infos auch an deinen Vater weiter.
Liebe Grüsse, Sine

Alkoholikerin als Mutter

Oregano ist offline
Beiträge: 63.695
Seit: 10.01.04
Ich möchte Dir auch Mut machen, das selbst anzupacken, Miss Geburt. Es wird Dir bestimmt gut tun, mit LeidensgenossInnen zusammen zu kommen und zu merken, daß man etwas für sich selbst tun kann.

Gruss,
Oregano

Alkoholikerin als Mutter

nicht der papa ist offline
Beiträge: 4.533
Seit: 18.11.09
Zitat von MissGeburt Beitrag anzeigen
Vielleicht gibt es jemanden, dem es ähnlich geht & der mir mal etwas sagen kann, was evtl. hilft..

grüße
Hallo Du,
mit deinem Nick werde ich dich anschreiben.
Mir ging es so ähnlich wie dir. Nur das meine Mutter in Maßen heimlich getrunken hat und das von anderen Menschen nicht bemerkt wurde.
Ich habe mit ihr geredet. Ständig. Immer wieder. Aber das war sinnlos und wird auch bei deiner Mutter sinnlos sein.

Es tat sich erst was, als meine Mutter stürzte. Der Arzt diagnostizierte Gehirnerschütterung und Bettruhe. Schließlich kam sie nach mehreren Tagen ohne Alkohol ins Delirium und dann ins Krankenhaus. Dort hat sie sich nach dem Entzug vorgenommen nie wieder zu trinken, hat dann in diesem Krankenhaus ein paar Tage später einen epileptischen Anfall bekommen, kam auf die Intensiv und ist dort gestorben. An Leberzirrhose.

Da war es zu spät. Ich weiß, wie Du dich fühlst. Es ist einfach Scheiße, wenn man das Gefühl hat, man hatte nie eine Mutter, die diesen Namen wirklich verdient.

Wie Du tagtäglich siehst, haben Alkoholiker keinerlei eigenen Antrieb etwas zu verändern, so lange die Bedingungen für sie ok sind und alles da ist, was sie brauchen.
Das bisschen Moralpredigt geht ein Ohr rein und ein Ohr raus. Da kann sie sich heute schon nicht mehr dran erinnern, was gestern gesagt wurde.

Auch ich kann dir nur empfehlen dich zu informieren wo die nächste Selbsthilfegruppe ist und vielleicht mit deinem Vater zusammen da hinzugehen.
Vorab gibt es noch die Möglichkeit sich in einer Beratungsstelle umfassend zu informieren, auch über die Möglichkeiten wie ihr deine Mutter möglichst schnell zum Entzug zwingen könntet.
Falls hier eine Zwangseinweisung in Frage kommt, hätte ich angesichts der jetzt schon lebensbedrohlichen Situation für deine Mutter keinerlei Skrupel.
Denn man muss ehrlich sagen, dass ihre Chancen auch jetzt schon so schlecht stehen, dass sie täglich versterben könnte.
Leberzirrhose - Prognose & Verlauf

Doch glaube mir, wenn Du sie auch nur einen Tag nochmal ohne Alkohol als sie selbst erlebst, dann wirst Du das in deinem ganzen Leben nicht mehr vergessen. Deshalb ist es mMn. für Euch alle wichtig, dass sie entzieht. Egal wie schlecht ihre Prognose ist.

Eine Gesprächstherapie kann dir sicher (jetzt oder später) ein gutes Stück weit helfen können, diese Probleme zu verabeiten.
Ich wünsche dir gute Freunde. Die können das auch.
__________________
Jeder muß mit den Konsequenzen leben, die sich aus seinen Entscheidungen ergeben. gerold 2.1.11

Alkoholikerin als Mutter

Barbarasch ist offline
Beiträge: 69
Seit: 23.04.10
Hallo MissGeburt,
ich weiss gar nicht so recht was ich schreiben soll.
Es ist sehr traurig was ihr mitmacht. Ich bin auch Alkoholabhängig(jetzt trocken)
und bin total froh darüber . Und das meine Kinder nicht mehr hilflos zuschauen müssen. Es ist auch sehr schwer da raus zukommen gerade wenn man schon soweit ist wie Deine Mama.
Versuch dir Hilfe übers Diakonische Werk(oder was bei Euch an Angeboten da ist) zu holen,die bieten Hilfe für Angehörige an.Ich war selbst auch scon da als ich Angehörige war von einem Alkoholiker,es hat mir sehr geholfen.
Ich wünsch dir viel Glück und Alles Gute
Glg. Bärbel

Alkoholikerin als Mutter

MissGeburt ist offline
Themenstarter Beiträge: 8
Seit: 11.08.10
Hallo ihr alle da..
ich weiß nich ob das hier jetz noch jemand von euch liest, aber jetz nach über einem Jahr ist meine Mutter wieder trocken..das alles hatte sich noch viel mehr zugespitzt, sie hat den Führerschein verloren meine Oma hat sich schlimm verschlagen dann ist sie an einer Bushaltestelle zusammengekrackt und kam auf Intensiv.. wie letztes mal auch hatte ich alle Hoffnung verloren, dass ich je wieder eine normale mutter haben werden (hab dann übrigens echt eine Psychotherapie gemacht die eigentlich viel geholfen hat)..doch nun ist sie schon fast ein halbe Jahr trocken und macht eine MPU, wobei ich sogar das Gefühl hab sie geht da gerne hin.. (sie sprechen da über ihre "probleme" und sie berichtet immer ganz stolz) jedenfalls kann man vorher und nachher fast nicht gegenüberstellen weil es einfach zu krass is.. seit jahren hab ich mal wieder eine Mama die normal redet mit mir lacht usw.. grad jetz an wheinachten..sie is ganz verrückt mit dekorieren und plätzchen backen und so weiter.. mein Problem ist nur, dass ich überhaupt nicht damit umzugehen weiß.. je stärker die Bindung zu ihr wird, je größer auch die Angst dass es wieder so wird.. und ein nächstes mal würde ich das nicht mitmachen können.. letzte woche hab ich ihr sogar gesagt dass ich sie lieb hab, darüber bin ich selbst so erschrocken.. weil ich einfahc nicht weiß ob es richtig oder falsch ist wenn ich wieder eine gute Bindung zu ihr eingehe.. aber plötzlich hab ich halt die Mutter, die cih so nie hatte..

vllt liest das hier ja jemand.. würd mcih auch einfach freuen dass ihr sieht wie die geschichte weiterging.. weil vor nem Jahr war ja alles ziehmlich am abgrund..

ja. wie auch immer ich wünsch euch was

Alkoholikerin als Mutter

Sine ist offline
Beiträge: 3.371
Seit: 15.10.06
Hallo meine Liebe!

Schön, von dir zu lesen, und dann gleich mit so guten Nachrichten!

Ich kann deine Ängste verstehen.
Aber es gibt keine Garantien im Leben! Und wenn man sich das ständig vor Augen halten wollte, dann könnte man sich über gar nichts mehr freuen!

Freude ist ein grosser Kraftspender für schlechte Zeiten!
Freue dich, und nimm die guten Momente mit, damit du in schlechten Momenten daran zurückdenken kannst, um dich zu stärken!

Diese Strategie ist nicht explizit auf die Thematik deiner Mutter bezogen, sondern findet in meinen Augen überall Gültigkeit.

Ich hoffe, du findest diese Sichtweise nützlich!

Liebe Grüsse,
Sine


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