Psychisch krank; eine Modeerscheinung?

07.02.07 04:32 #1
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psychisch krank; eine modeerscheinung?

Leòn ist offline
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Sowohl psychisch wie auch physisch Erkrankte verdienen Respekt - und auch Bewunderung, wenn man erlebt, wie sie ihre Krankheit "meistern".

Psychiatrie - Patienten landen oft in Kliniken, manchmal langzeitig. Manchmal auch in der geschlossenen Unterbringung. Menschen, deren Diagnose - also Ursprung der Erkrankung - unklar ist, werden belächelt, beargwöhnt und auch - je nach Symptomatik: weggesperrt.

Es geht doch eher darum, welche Symptome die Menschen zeigen, nicht welche ursächliche Störung dahinter steckt.

Und damit kann ich Sternchens Satz nur noch einmal wiederholen:

Depressionen sind weder cool noch sonst irgenwie "lustig".
(Und andere psychische und physische Symptome auch nicht).

Alle Menschen die sich krank fühlen, verdienen es, ernst genommen zu werden.
Und Vergleiche, wie " die haben nur einen Schnupfen" und "Ich bin aber wirklich depressiv", oder umgekehrt, sind - nach meiner Auffassung - vollkommen destruktiv! Dies dient nur, die Menschen gegeneinander aufzubringen!


Herzliche Grüße von
Leòn
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psychisch krank; eine modeerscheinung?
Anne B.
So habe ich es auch verstanden Uta, aber wie will man das voneinander trennen?
M. E. bekommen diejenigen die meiste Zuwendung, die am lautesten jammern (z. B. über zu viel Arbeit, Beziehungsprobleme, Schnupfen, Husten...). Gleichzeitig kann man noch seine Neugierde befriedigen und hat was Tolles zum weitertratschen.
Chronisch körperlich Kranke äußern sich doch oft nur noch, wenn es ihnen noch schlechter geht als am Vortag und sie kaum noch handlungsfähig sind. In diesem Fall sind allerdings nicht nur tröstende Worte nötig, sondern eher tatkräftige und überlegte Unterstützung. Nett schwatzen und kluge Ratschläge geben ist dagegen doch viel einfacher, was immer zu Lasten der wirklich Bedürftigen geht.
Im Gesundheitswesen sollte man eigentlich solche Dinge auseinanderhalten können, aber Ärzte und Krankenschwestern sind in den meisten Fällen nunmal keine Psychologen - und nicht wenige haben auch einfach ihren Beruf verfehlt.

Nachtrag:

Alle Menschen die sich krank fühlen, verdienen es, ernst genommen zu werden.
Sicher Leon, das ist doch wohl selbstverständlich. Ein Schnupfen geht jedoch wieder von allein weg, eine chron. Krankheit in den seltensten Fällen. Deshalb brauchen chronisch Kranke grundsätzlich mehr Zuwendung, weshalb man sie leider oft "wegsperrt".

Geändert von Anne B. (09.02.07 um 21:57 Uhr) Grund: Nachtrag eingefügt

psychisch krank; eine modeerscheinung?

Oregano ist gerade online
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Um es mal mit etwas grobem Humor zu sagen: "Die beste Krankheit taugt nix".

Aber im Ernst: Ich habe Shelley so verstanden, daß Menschen mit einer klaren psychiatrischen Diagnose es in Bezug auf die Behandlung durch Ärzte und Mitmenschen leichter haben mögen, eben weil die Diagnose klar ist.

Ich habe mir auch manchmal gewünscht, doch lieber eine eindeutige Diagnose zu haben als viele einzelne Puzzle-Teile, mit denen aber letztlich niemand etwas anfangen kann. Das ganz sichere Gefühl, nicht psychisch krank zu sein und trotzdem immer wieder in dieser Schublade abgelegt zu werden statt sich mit möglichen Diagnostiken zu befassen, hat mich oft wütend und traurig gemacht.

Natürlich ist ein Vergleich von Krankheiten immer idiotisch. Wie gesagt: Die beste Krankheit taugt nix!

Gruss,
Uta

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Leòn ist offline
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Hi Uta,

Was könnten wir denn tun, um das zu verändern?

Herzliche Grüße von Leòn
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Oregano ist gerade online
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Wenn ich das wüsste, Leòn.
Gerade die umweltbedingten Krankheiten werden ja bewußt von den Kassen und Klinikern heruntergespielt, weil sonst wahrscheinlich riesige Kosten auf sie zukämen. Also nimmt man auf Studien Einfluss, damit herauskommt, daß die Mehrzahl der Teilnehmer an umweltmed. STudien letztlich psychosomatische Beschwerden hat und keineswegs durch Gifte ausgelöste Probleme.

Wenn es stimmt, daß auch in den Psychiatrien oder in den geschlossenen Abteilungen von Pflegeheimen viele Menschen sind, die auch durch Umweltgifte krank geworden sind, dann ist das wohl eine Schnittstelle für beide Arten von Erkrankungen.

Meiner Meinung nach wird sich - wenn überhaupt - erst dann etwas ändern, wenn die Psychiatrien und Heime endgültig aus allen Nähten platzen und nicht mehr finanzierbar sind.
Vielleicht wird dann auch die offizielle Medizin bzw der Medizinapparat daran denken, die umweltmedizinischen Probleme ernsthaft anzugehen.

Im privaten Bereich gilt für mich: jeder, der krank ist oder sich krank fühlt - egal, in welcher Richtung - und der das mitteilen möchte, wird angehört. Allerdings gibt es da Abstufungen. Wenn es mir zu viel wird, entziehe ich mich, damit ich nicht auch noch krank werde.

Gruss,
Uta

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Leòn ist offline
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Ich verstehe. Ich glaube dass wir uns - was den Respekt betrifft - einig sind.

Das solte Shelley auch beherzigen und solche Spitzen, die sie in dem Eingangsposting geschrieben hat, einfach unterlassen!

Mit herzlichen Grüßen

Leòn
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Shelley ist offline
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Zitat von Leòn Beitrag anzeigen
Seit Beginn meiner Berufstätigkeit habe ich ständig mit Personen zu tun, die man als "psychisch krank" , "beeinträchtigt" oder als "psychisch behindert", bezeichnet. Und deren Symptome bedürfen, nach meiner Auffassung, der gleichen Aufmerksamkeit und vor allem: des gleichen Respekts (!!!) - wie die Patienten, die unter Schnupfen leiden!

und warum hat denn der robbie williams durch seine depression den respekt nicht verloren?
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Shelley ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.451
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Zitat von Leòn Beitrag anzeigen
Und Vergleiche, wie " die haben nur einen Schnupfen" und "Ich bin aber wirklich depressiv", oder umgekehrt, sind - nach meiner Auffassung - vollkommen destruktiv! Dies dient nur, die Menschen gegeneinander aufzubringen!

es geht nicht darum, dass man menschen gegeneinader aufhetzt, sondern darum, dass es heisst: "oh! du hast ms? du bist ja nicht ganz dicht! du bist ja krank. mit dir rede ich nicht mehr." gleichzeitig heisst es: "oh! du hast depression? das tut mir aber leid. das ist ja verständlich, bei dem, was du durchmachen musstest. doch das kommt schon wieder! lass dich mal drücken!"
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Shelley ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.451
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Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Aber im Ernst: Ich habe Shelley so verstanden, daß Menschen mit einer klaren psychiatrischen Diagnose es in Bezug auf die Behandlung durch Ärzte und Mitmenschen leichter haben mögen, eben weil die Diagnose klar ist.

genau!
ich komme mit ner körperlichen diagnose in ein krankenhaus. der arzt dort: "sie haben diese krankheit nicht; ihr arzt ist ein scharlatan!" darauf werde ich regelrecht "mit füssen getreten". (bildlich gesprochen.)
meine zimmernachbarin kommt mit der diagnose magersucht. alle finden: "och die arme! die hat es ja so schwer im leben! wir schauen jetzt, dass sie ganz schnell gesund wird."

hat es jemand mit einer körperlichen krankheit so einfach im leben, dass man ihn "mit füsseen treten" kann?
hat er es so viel einfacher als jemand, welcher magersüchtig ist?
hat es jemand mit magersucht schwerer im leben als jemand mit einer körperlichen krankheit?

gerade, wenn man mal bedenkt, dass körper und seele zusammengehören könnten. (um nun doch das anzusprechen, von dem ich finde, dass es in diesem kapitel eigentlich nix verloren hätte...)
also denke man jetzt mal an diese dinge...
dann hiesse es doch, dass es jemand mit einer körperlichen krankhei vielleicht genau so schwer haben könnte, wie jemand mit magersucht. denn die seele hätte dann so verrückt gespielt, dass es zu einer körperlichen krankheit kommen konnte oder die körperliche krankheit ist so blöd, dass die seele darunter "leidet". je nachdem, ob man eher glaubt, dass die seele eine körperliche krankheit hervorruft, oder dass die körperliche krankheit die seele fertig macht.
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Leòn ist offline
Beiträge: 10.064
Seit: 19.03.06
hallo shelley, jetzt verstehe ich Dich besser, sorry!
Es ist genau so! - Danke, für die erhellende Antwort!

Leòn
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