Liebeskummer ist wie Drogenentzug

31.10.05 12:40 #1
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Liebeskummer ist wie Drogenentzug

Oregano ist gerade online
Themenstarter Beiträge: 63.681
Seit: 10.01.04
Sport und Ablenkung finde ich auch ganz nützlich , wenn man gerade einen Liebes- und Illusionsentzug durchmacht. Denn das ist doch Liebeskummer auch.

Bei Liebeskummer macht man ja auch verschiedene Phasen durch - wie beim Tod eines geliebten Menschen auch:
- Die Welt bricht zusammen, man glaubt, nicht mehr leben zu wollen/können.
- Es kommt Wut auf, daß man verlassen wurde.
- Es kommt Trauer auf, daß man so vieles falsch gemacht hat und so vieles
nicht gesagt und getan hat.
- Es kommt die Erkenntnis auf,d aß es vielleicht auch ein paar positive
Punkte an diesem Verlust gibt.
- Der Alltag beginnt sich wieder einzuschleichen.
So in etwa.

Wenn man schon ein bißchen Erfahrung in Sachen Liebeskummer hat, wird man es schaffen, sich nicht total in sich selbst zu vergraben sondern trotzdem manchmal nach außen zu gehen, an anderen Menschen teilzunehmen usw. - Aber auch das ist eine Sache der Veranlagung, und letzten Endes muss jeder sein eigenes Rezept finden, damit umzugehen.

Gruss,
Uta

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

kaba ist offline
Beiträge: 234
Seit: 16.08.06
Liebeskummer hat auch was mit Angst zu tun.
Angst, vor dem Verlassensein.

In meiner Kindheit hatte ich Angstzustände. Da mir keiner zuhören wollte und ich keine Hilfe erwarten konnte, habe ich instinktiv das Richtige getan.
Wenn ich das Gefühl bekam, die Angst nimmt mich mit, dann bin ich losgelaufen. Einfach gelaufen und gelaufen, bis es besser wurde.

Als ich schon lange erwachsen war, und mir ein Liebeskummer den Boden unter den Füssen wegziehen wollte, da habe ich wieder das Richtige getan. Ich bin gelaufen. Immer wieder gelaufen, bis die Attkacken, die wie in Intervallen kamen, langsam nachließen. Und das Weinen nach 10 Tagen nachließ.
Geblieben ist dann eine große Enttäuschung. Diese Zeit habe ich ohne Alkohol und Drogen, Fressattacken oder sonst was durchgestanden.
Am Ende bin ich gestärkt aus diesem Erlebnis hervorgegangen.

Allerdings bin ich heute vor allzugroßer Eigenblindheit gewarnt.
Meine Ansprüche an mich und an meinen Lebensgefährten sind differenzierter geworden. Ich will auch gefühlsmäßig nicht mehr so aus dem Gleichgewicht geraten und derartige Tiefgänge damit heraufbeschwören.

Vermutlich finden diverse "Kummerdramen" auch in heftigerem Ausmaß statt, wenn es noch um die Vermehrung geht.

Kaba

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

Pius Wihler ist offline
Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Bei Verliebten wurde festgestellt, dass sich im Kopf das selbe wie bei "einer kleine Psychose" abspielt. (Offenbar zu viele Dopaminrezeptoren entstanden)

Liebeskummer hat mit Verlust zu tun. Man kann nur etwas verlieren, das Mann/Frau GLAUBT zu besitzen. Einen anderen Menschen kann aber niemand besitzen, auch wenn es immer wieder versucht wird.

Die Er-lösung liegt nicht im "Loslassen" sondern im ANNEHMEN der Situation.
Schmerz entsteht durch denn inneren Kampf des nicht wahrhaben wollens etc.
__________________
Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

kaba ist offline
Beiträge: 234
Seit: 16.08.06
Hallo Pius

Das stimmt schon... man kann Niemanden besitzen

Es war aber ganz anders bei mir. Nach einigen intensiven Beziehungen in meinem Leben, hatte ich mich gefragt, was wohl falsch gelaufen war, dass sie immer gescheitert waren.
Dann habe ich nachgedacht u. festgestellt, dass wohl mein Anspruch, geliebt werden zu wollen zu hoch angesetzt war.
Da beschloss ich, das nächste mal nur zu geben und selber zu lieben... dann würde ich wohl schon belohnt.

Also habe ich mich auf die Reise der Selbstlosigkeit begeben u. schon tat sich der geeignete Partner auf.

Ich war UNGLAUBLICH verliebt... nur leider hat er sich alles genommen und ist dann gegangen. Er satt, ich leer.
Trotz all meiner guten Vorsätze, hat es so weh getan, wie nie zuvor.

Ich glaube es war nicht nur der Verlust des Menschen, sondern die Enttäuschung darüber, dass mein Plan nicht aufgegangen war. Es war, als müsse ich in mir Selbst ertrinken, so hat es mich geschnürt.

Das ist eine komplizierte Geschichte.

Die Gefühle und der Verstand. Die laufen nicht immer so harmonisch zusammen, wie man sich das wünscht.

Also das mit dem "Annehmen", das hast Du mir schon mal gesagt.
Aber ich weiß nicht, wie das geht.
Vielleicht tue ich es und weiß es nicht... ?
Annehmen verbinde ich mit Aushalten.
Viele Bewegungen in meinem Leben hätte ich wohl nicht überstehen können, wenn ich sie nicht ausgehalten hätte.
Um etwas aushalten zu können, muss man es doch annehmen, oder?
Um etwas nicht aushalten zu müssen, habe ich mich früher betäubt.

Kaba

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

Sobec ist offline
Beiträge: 35
Seit: 13.09.06
Ich gebe dir Recht das man es annehmen kann aber man mus es nicht. Doch wo bleibt der Reiz des Ganze wen man dies nicht tut? Sich in Hingabe und Aufopferung selbst zu finden, sich dem Traum der Träume zu stellen. Dies ist ein Teil des Lebens dem wir uns alle stellen können.
Warum sollte man es Liebe nennen wen es keine Bedeutung hat oder so einfach aus dem Gedächtnis zu entfährnen ist.
An Feuer kann man sich währmen, doch auch verbrennen, in diesem Muster Strickt sich das ganze Leben zusammen. Das Leben ist hart und ungerecht aber man kann sich darauf verlassen.

Liebe(r) Kaba,

sanne ist offline
Beiträge: 347
Seit: 23.07.06
Viele Bewegungen in meinem Leben hätte ich wohl nicht überstehen können, wenn ich sie nicht ausgehalten hätte.
Um etwas aushalten zu können, muss man es doch annehmen, oder?
Du sprichst wohl von zwei Seiten einer Medaille, von einem "Pluspol und einem Minuspol" (Hasselmann/Schmolke: "Archetypen der Seele").

Ich verstehe Dich so:

"Aushalten" im Sinne von selbstverleugnend, selbstzerstörend, unterwürfig, "Annehmen" im Sinne von aufopfernd, bescheiden, sich unterordnen. Unterordnung ist ein Akt der Freiheit, denn Du selbst wählst, Dich einer Person, einem Umstand unterzuordnen. Unterwerfung hingegen ist ein Akt der Hilflosigkeit, des Hasses und der Wut. Deshalb musstest Du Dich auch fürs Aushalten betäuben.

Vielleicht eine Anregung für Dich?

Licht und Liebe,

Sanne

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

kaba ist offline
Beiträge: 234
Seit: 16.08.06
Liebe Sanne

Ich spreche immer wieder von den 2 Seiten der Medaille. In meinem Leben gibt es fast nichts Anderes. Diese 2 Pole sind meine Wegweiser. So nach dem Prinzip: Sowohl als Auch. Pendeln sich beide Seiten ins Gleichgewicht, dann wird das Leben leichter - könnte fast sagen langweilig - aber sicher.

Vor kurzem habe ich hier schon mal die Frage gestellt:
Auf die Frage, "was fehlt mir?", hörte ich in einem Gebet eine Stimme, die sagte:

"Die Menschen sollen nie denken, eine Sache sei auf der einen Seite das Beste gewesen, wenn sie die andere Seite nicht verstanden haben."

Dieser Satz beschäftigt mich nun sein ca. 2 Jahren und ich versuche herauszufinden, was er für mich zu bedeuten hat.

Annnehmen? Aushalten? Zulassen?

Früher war das bei mir so, dass ich mir meiner mentalen Fähigkeiten gar nicht bewusst war. (Vermutlich Zurückweisungen in der Kindheit) Ich lebte in der Welt meiner Gefühle - negative und positive Gefühle - aber halt nichts weiter.
Ich war mir nicht bewusst, dass ich mit meinen mentalen Kräften meine Gefühle und Triebe beeinflussen kann.
Da ja Gefühle bekanntlich sehr intensiv sein können, blieb mir nichts anderes, als sie in Schach zu halten, damit sie mir nicht allzusehr schaden würden.

Man sagt ja auch, "der Liebeskummer raubt Einem den Verstand". Damit will ich verdeutlichen, wie stark Gefühle werden können, wenn sie nicht regiert werden.

Aushalten habe ich erst können, nachdem ich einen Funken von Verstand in mich einziehen ließ. Aber das ist ein Lernprozess, der vielleicht im Erwachsenenalter langsamer von statten geht, als während der Kindheit auf natürliche Weise.

Heute experimentiere ich mit den Gedanken:

Herzlich Willkommen Du lieber Schmerz, mein guter Freund, ich habe Dich heraufbeschworen, jetzt trage ich dankbar die Konsequenz. Wenn Du Dich an mir schadlos gehalten hast, kannst Du wieder gehen.

Ein neuer Aspekt für mich: Die Einnahme von Betäubungsmitteln waren für mich notwendig. Sie waren "Mothers little helper" Aber dann habe ich sie nicht mehr gebraucht.

Ich hätte gerne mehr Anregungen in Sachen Annehmen.

Frau Kaba

Annehmen und Aushalten (für KABA)

sanne ist offline
Beiträge: 347
Seit: 23.07.06
Liebe Kaba,

noch ein Gedanke, der mir schon vor einiger Zeit durch den Kopf ging und jetzt durch Dich wieder auftauchte:

Steckt vielleicht hinter dem "Aushalten" das Verlangen geliebt zu werden und hinter dem "Annehmen" das Verlangen, die Fähigkeit zu lieben?

Solange man vom Verlangen nach Liebe getrieben wird, ist man bereit Vieles auszuhalten um dieses Gefühl zu erlangen. Ist mein Antrieb aber der Wunsch zu lieben (damit meine ich nicht (nur) die Liebe, die sich auf einen Partner richtet), so bin ich unabhängig von anderen und von bestimmten Umständen. Meine eigene Liebe - auch und vor allem die zu mir selbst - vermag ich immer zu spüren. Ich bin frei. Auch frei, anzunehmen.

Ist das nicht vielleicht überhaupt das, oder zumindest ein Ziel menschlichen Lebens: die Freiheit zu lieben ohne die Anbhängigkeit von anderen geliebt zu werden?

Licht und Liebe für Dich,

Sanne

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

Pius Wihler ist offline
Beiträge: 1.019
Seit: 24.09.04
Sanne, schöne, herzensberrührende Worte...
__________________
Gib einem Hungernden einen Fisch, und er hat zu Essen für einen Tag.
Lehre ihn angeln, so hat er zu Essen für das ganze Leben.

Einen schönen Tag wünscht Dir Pius

Liebeskummer ist wie Drogenentzug

kaba ist offline
Beiträge: 234
Seit: 16.08.06
Hallo Sanne

Irgendwie kreisen meine Gedanken jetzt.
Die vergangenen Erlebnisse sind weit in die Ferne gerückt. In dem Sinne... wie war das noch?
Heute beschäftigt mich eher die Gegenwart. Nicht so in Sachen Beziehung zueinander - das wäre ein ganz anderes Thema.
Es geht mir eher um die Begriffe Annehmen u. Aushalten in Sachen Gesundheit und Krankheit.
Wie hätte ich die 48 Wochen Medikamenteneinnahme schon 47 Wochen lang "aushalten" können, wenn ich sie nicht (für mich) angenommen hätte.
Sicher gibt es Phasen, wo ich besonders unter den NW zu leiden habe, wo sich mir innerlich alles auflehnt u. ich mich frage, hätte ich vielleicht die Krankheit durch den Glauben daran, dass es gar keine Krankheiten gibt, dass Gott mir schon aus dieser Misere heraushilft, dass ein Placeboeffekt vielleicht fast genauso effektiv gewesen sein könnte, wie der Heilungserfolg durch diese starken Medikamente (50-60%) bewältigen können?

Ich bin so frei, mich für die medikamentöse Therapie entschieden zu haben.
Ich nehme die Aussicht an, die heftigsten NW zu ertragen (auszuhalten)
Auch bin ich so frei, die Therapie jederzeit abbrechen zu können.
Und ich bin so frei, dass ich die Angst vor dem Ergebnis annehmen will, um die Konsequenzen dann auszuhalten. So oder so.
Wenn ich nicht bereit bin, etwas auszuhalten, dann kann ich mich in der Selbstliebe auch nicht frei bewegen - denn das Leben in allen seinen Facetten ist ja nicht immer nur Honigkuchen, manchmal ist bittere Medizin auch heilsam.
Es geht mir ja nicht darum, etwas auszuhalten, was Andere mir antun könnten, sondern darum, das auszuhalten, was ich mir selber zufüge.
Ich finde das Wort "aushalten" gar nicht so negativ behaftet...
Es ist für mich ein Zeichen von Stärke.

lg
Kaba


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