was tun wenn jemand kurz vor Nervenzusammenbruch steht und jede Hilfe verweigert?

06.02.08 12:37 #1
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was tun wenn jemand kurz vor nervenzusammenbruch steht und jede Hilfe verweigert?

Oregano ist offline
Beiträge: 63.676
Seit: 10.01.04
Wenn es um einen ganz normalen Streit geht, bei dem eben auch mal etwas geworfen wird, hast DU sicher recht, zantos und auch Shelley.

Aber hier gibt es doch einen Hintergrund, der ganz anders ist. Und es steht tatsächlich eine Selbstmorddrohung im Raum.
Wenn die dann doch verwirklicht wird, wird jeder sich sagen: hätte ich nur besser zugehört und hingeschaut...

Selbstbestimmung ist nur dann möglich, wenn der Mensch dazu fähig ist. Ist er psychisch krank, ist dies nicht immer möglich! Dann glaubt dieser Mensch zwar, daß er genau weiß, was ihm gut tut und was richtig für ihn ist, aber sein Glaube ist sehr oft irreführend. Oft basteln sich diese Menschen dann eine Wirklichkeit zurecht, die für sie stimmig ist und sie in einem völlig "normalen" Licht darstellt. In Wirklichkeit aber ist das nur Schein und überdeckt mit einer ganz dünnen Schicht die "ver-rückte" Situation.

Gruss,
Uta

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MisterX
Zitat von Uta Beitrag anzeigen
Oft basteln sich diese Menschen dann eine Wirklichkeit zurecht, die für sie stimmig ist und sie in einem völlig "normalen" Licht darstellt.
Ich glaub das machen die meisten "normalen", "glücklichen" Menschen ...
Leute die sich umbringen wollen sind der "Realität" wohl zu nahe - sie haben den Schein also verloren
Daher ist auch eine Schnulli-Argumentation bei diesen Leuten nicht angebracht bzw. nicht erfolgreich!

Da sie sich mit Worten nicht mehr einnebeln lassen, braucht man wohl Psychopharmaka d.h. Drogen - oder man muss eine Schocktherapie anwenden.
Ich würde z.B. jemanden der sich unbedingt umbringen will, aus dem Fenster halten und ihm den Tod möglichst nahe vor Augen führen.
Ich mache jede Wette, dass er ganz schnell wieder erkennt "wie schön" das Leben dann doch ist ...

Auf keinen Fall würde ich "mitjammern" und "gut zureden" - oder den armen Menschen gar einen Psychiater ausliefern.
Damit helfe ich nicht - ich verschlimmere (insbesondere langfristig) die Situation!
Ich habe lediglich mir geholfen, indem ich meine Verantwortung abgegeben habe! Und darum geht es doch vielen Leuten im Grunde ...

Lieben Gruß

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Heather ist offline
Beiträge: 9.809
Seit: 25.09.07
Hallo MisterX,

sorry, ich möchte niemandem zu nahe treten aber ich habe den Eindruck, dass Du absolut keinen Schimmer hast was es bedeutet depressiv zu sein.

In diesem Zustand ist Dein Gehirn gar nicht fähig "Glück" zu empfinden, und das ist keine Einbildung sondern einfach eine Störung in den biochemischen Vorgängen die bei "gesunden" Menschen eben funktionieren.

Ganz grob und einfach erklärt: es fehlen Botenstoffe im Gehirn die ermöglichen, dass eine Gehirnzelle der anderen sagt "das ist toll - du kannst jetzt glücklich sein". Und wenn das halt nicht geht gibt es nun einmal kein Empfinden.

Leider gibt es viele Menschen mit Deiner Einstellung und genau deshalb werden Leute die mal in der Psychiatrie waren als irre abgestempelt. Und genau das ist sehr, sehr schade und für die betroffenen noch viel trauriger.

Ich weiß übrigens von was ich rede.


Heather
__________________
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

(Albert Einstein)

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MisterX
Ich hab mich nur zu einem möglichen Selbstmord geäußert - nicht zu Depris.

Es sind nicht unbedingt Leute mit Depris die Selbstmord begehen! Ich würde sogar sagen, dass die weniger gefährdet sind.
Auch wenn sie immer davon reden - sie tun es nicht!

Lieben Gruß

PS: Warum sollte ich jemanden abstempeln der in der Psychiatrie war?
Zum einen stemple ich überhaupt niemanden ab - zum anderen halte ich sogenannte Psychiater für außerordentlich gefährlich.
Einmal in den Händen dieser Leute gewesen, hat man doch oft nie wieder eine Chance auf ein normales Leben. Schau doch hin! Für wie viele fängt der Mist er richtig an, nachdem sie dort "behandelt" wurden ...

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zantos ist offline
Beiträge: 499
Seit: 11.05.07
Zitat von MisterX
Es sind nicht unbedingt Leute mit Depris die Selbstmord begehen! Ich würde sogar sagen, dass die weniger gefährdet sind.
Auch wenn sie immer davon reden - sie tun es nicht!
Stimmt IMHO so nicht ganz.

<Zitat>
"Depressive haben ein hohes Sterberisiko", sagt Ulrich Hegerl, Chef der Psychiatrie an der Uniklinik Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression.
Die vermeintliche Ausweglosigkeit treibt Depressive in den Selbstmord. Bei 90 Prozent aller Suizide und Suizidversuche liegt eine psychische Erkrankung, meist eine Depression, zugrunde. Durch Suizid starben bei uns im vergangenen Jahr rund 10.000 Menschen, und damit doppelt so viele wie durch einen Verkehrsunfall. Zehn- bis zwanzigfach höher liegt die Zahl der versuchten Selbsttötungen.
</Zitat>

Zitat von MisterX
Ich mache jede Wette, dass er ganz schnell wieder erkennt "wie schön" das Leben dann doch ist ...
Heather hat Recht, in einer Depression kann man das was Du meinst nicht mehr erkennen. Es ist nur noch dunkel im Tunnel, kein Ausgang in Sicht.
__________________
Ich bin medizinischer Laie. Meine Ausführungen basieren auf eigenen Erfahrungen und Recherchen und ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Heilpraktikers.

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MisterX
Zitat von zantos Beitrag anzeigen
"Depressive haben ein hohes Sterberisiko", sagt Ulrich Hegerl, Chef der Psychiatrie an der Uniklinik Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression.
Die vermeintliche Ausweglosigkeit treibt Depressive in den Selbstmord. Bei 90 Prozent aller Suizide und Suizidversuche liegt eine psychische Erkrankung, meist eine Depression, zugrunde.
Depression ist ein großes Wort - und wird eigentlich immer und zudem völlig pauschal angewendet.
Wenn Psychiater nix zustande bringen, war eben eine schwere Depression Schuld ... wie sollte es auch anders sein???

Ich bleibe dabei: Wer sich umbringt hat das Leben auf das Wenigste reduziert - und kann sich an der "Illusion des Lebens" nicht mehr erfreuen.

Warum sei natürlich dahingestellt. Früher hat man glaub ich noch zwischen endogen und exogen verursachten Depris unterschieden. Heute macht man das m.W. nicht mehr. Offenbar ist die Trennung äußerst schwierig oder gar nicht möglich?!
Aber es gibt vernebelnde Depris - und es gibt Zustände die im Grunde zu klar machen!
Und Leute die völlig zugenebelt/verzweifelt sind bringen sich doch nicht um - dazu fehlt ihnen der Versand, der Mut und die Kraft! (So makaber das auch klingt!)
Sie setzen sich in der Regel in eine Ecke und heulen, beten permanent zu Gott ... oder ähnliches.

Ich bin mir (immer noch) sicher, dass "meine" Therapie was bringen würde, da der größte Teil der Selbstmörder die Tat, kurz nachdem er sie getan hat, bereut!
(Wird von den Leuten hergeleitet bzw. ist von denen bekannt, bei denen der Selbstmord nicht geklappt hat.)

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob nicht manch ein Psychiater den ein oder anderen Menschen nicht erst in den Selbstmord treibt! Am Anfang tun diese Leute ja noch so als könnten sie verstehen. Später dann üben sie immer mehr Druck aus.
Jetzt kann ich mir gut vorstellen, dass die Phase der Hilflosigkeit genau ins Gegenteilige umschlägt und diese gequälten Menschen sich selbst helfen ... Mit dem Tod!

Dann würde das Psychiater-Zitat:
"Die vermeintliche Ausweglosigkeit treibt Depressive in den Selbstmord."
richtig Sinn machen ...
"Ausweglosigkeit" entsteht nur wenn Druck vorhanden ist! Ein Mensch ohne Druck sucht keinen Ausweg!!! Er braucht doch gar keinen ...

Lieben Gruß

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Heather ist offline
Beiträge: 9.809
Seit: 25.09.07
Hallo Zantos,

ich danke Dir für Deine Unterstützung.


MisterX,

ich wünsche Dir, und das ist wirklich ehrlich und aufrichtig gemeint, dass Du niemals in eine solch ausweglose Situation gerätst.

Als ich damals, nach meiner Krisenzeit, wieder einigermaßen flott war, kam ein Bericht über Depressionen im Fernsehen. Als mein Mann von den Betroffenen aus deren Munde hörte was sie empfinden war er geschockt. Ich konnte ihm meine Gefühle (wie sagt man so schön "zu tode betrübt") so nie richtig erklären, mir fehlten wohl die richtigen Worte.

Er hatte glücklicherweise von Anfang an sehr viel Verständnis für mich aber die Gewissheit wie es mir wohl wirklich ergangen sein mochte brach ihm fast das Herz.

Ich wäre damals mit wehenden Fahnen freiwillig in eine Klinik gegangen um wieder Ruhe zu finden, und nur wegen meinen Kinder und meinem Mann blieb ich zuhause. Aber auch mein Psychiater hielt es für richtig daheim zu bleiben!!!
Ich bekam damals Medis, welche mir geholfen haben wieder auf die Beine zu kommen. Ohne diese hätte ich das unmöglich durchgestanden!


Heather


PS: Übrigens gab es vor ein paar Jahren mal einen interessanten Versuch die Selbstmordrate bei Männern zu senken (war glaube ich in Nürnberg). Es wurden Plakate angebracht auf denen depressive / psychisch kranke Männer zu sehen waren und ein paar Zeilen zu dieser Krankheit. Und vor allem, dass ein Mann nicht schwach ist wenn er solche Probleme hat. Und tatsächlich sank die Suizidrate dieser Personengruppe signifikant!
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aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

(Albert Einstein)

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Shelley ist offline
Beiträge: 10.451
Seit: 28.09.05
hallo misterx,

Zitat von MisterX Beitrag anzeigen
Und Leute die völlig zugenebelt/verzweifelt sind bringen sich doch nicht um - dazu fehlt ihnen der Versand, der Mut und die Kraft! (So makaber das auch klingt!)
----) da bin ich deiner meinung.


Zitat von MisterX Beitrag anzeigen
Sie setzen sich in der Regel in eine Ecke und heulen, beten permanent zu Gott ... oder ähnliches.
----) oder man hängt sich über das offene fenster und würde sich am liebsten rausfallen lassen.
doch wie du oben schreibst: es fehlt einem die kraft und der mut, sich auch nur fallen zu lassen.
dann ist man enttäuscht, weil man nicht mal mehr zu dem fähig ist.


Zitat von MisterX Beitrag anzeigen
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob nicht manch ein Psychiater den ein oder anderen Menschen nicht erst in den Selbstmord treibt! Am Anfang tun diese Leute ja noch so als könnten sie verstehen. Später dann üben sie immer mehr Druck aus.
Jetzt kann ich mir gut vorstellen, dass die Phase der Hilflosigkeit genau ins Gegenteilige umschlägt und diese Menschen sich selbst helfen ... Mit dem Tod!
----) genau. sie machen einem hoffnungen, und dann zerschlagen sie sie im nächsten moment alle wieder.
da kann man sich echt verlassen fühlen, daran verzweifeln und auf suizidgedanken kommen.

viele liebe grüsse von der shelley
__________________
IchDiskutierNichtMitIdioten.ErstZiehnSieMichAufIhrNiveauRab, DannSchlagen'sMichMitIhrerErfahrung.

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Anne B.
Ich schließe mich dem Posting Nr. 13 von Bodo an. Wer mit Selbstmord droht - der bedroht.

Meine Erfahrungen sind leider die, dass vor allem die stillen Menschen in einen Suizid(versuch) flüchten, ohne ihn anzukündigen.

Anne

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Kathy ist offline
Beiträge: 3.383
Seit: 06.03.07
Zitat von flowerpower Beitrag anzeigen
Ich schließe mich dem Posting Nr. 13 von Bodo an. Wer mit Selbstmord droht - der bedroht.

Meine Erfahrungen sind leider die, dass vor allem die stillen Menschen in einen Suizid(versuch) flüchten, ohne ihn anzukündigen.

Anne
dem stimme ich aus eigener Erfahrung zu. Dem tapferen Kämpfer, der seine Umwelt nicht belasten möchte, kann eines Tages die Kraft für den nächsten Tag abhanden kommen.

Kathy


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