Etwas als verloren aufgeben?

17.03.14 11:38 #1
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Etwas als verloren aufgeben?

Kullerkugel ist offline
Beiträge: 6.671
Seit: 01.06.10
Liebe eshita,

ich hatte keine Kalkschulter .
Hat auch nie jemand nach geschaut. Ich hatte Probleme mit dem Kopfgelenk , mit der HWS und in Folge auch oft Blockierungen in den Schultern.Und LWS ...im Wechsel.Bis hin zu Lähmungen in den Beinen.
Das hat mir in langen Jahren die Physiotherapeutin mit sanften Griffen immer wieder richtig gerückt und ich machte ständig selbst Übungen. Bevor das akut wurde, hatte ich lange Trigenimusneuralgien. Deswegen wurden ständig die Zähne aufgebohrt , aber keine Karies gefunden....es waren gereizte Nerven , denn irgendwann kam ich drauf, das heisse Wärmkissen im Nacken tagelang fürchterlichste Zahnschmerzen einfach wegzaubern konnten. Also nicht mehr Zahnarzt sondern Physiotherapie.
Beseitigt hat das ganze dann erst die spätere hochdosierte Einnahme von B- Vitaminen. Und insgesamt eine andere Ernährung. Und besonders was die Zähne angeht, Vitamin C ( mir reichten 3-5 g täglich nicht aus...)

Meine Nerven lagen einfach blank. Nicht psyschisch gemeint sondern tatsächlich. Im ganzen Körper. Mit entsprechenden Folgen.
Keine der häßlichen Diagnosevorschläge wie Rheuma, MS , Bandscheiben-OP ....bestätigten sich. Es blieb bei Fybromyalgie wegen der ständigen Muskelentzündungen , Verhärtungen und Schmerzen.
Und auch das flüchtete dann recht schnell mit der Einnahme von essentiellen Aminosäuren. Nach ca 15 Jahren Beschwerden und Dauerbehandlung.
Heute traue ich mich dafür kaum noch anderen zu sagen, ich habe diese Probleme alle nicht mehr.
Ich weiß, das es vermutlich bei Manchen gar Gedanken gibt, ich war gar nicht wirklich krank ?
Es ist eben nicht die Regel, wieder gesünder zu werden .....leider.

Aber es geht. Und Dir wünsche ich das auch !


Ich kann auch nicht , immer noch nicht , Nein sagen zu mehr Arbeit , wenn es doch angebracht wäre. Aber ich übe das schon lange .

Was geblieben ist, völlig unbeeindruckt von Allem , ist der Tinnitus. Darüber werde ich mir gelegentlich Gedanken machen....

Ganz liebe Grüße und Wünsche !
__________________
LG K.

Geändert von Kullerkugel (18.03.14 um 22:44 Uhr)

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Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.200
Seit: 26.07.09
Zitat von Kullerkugel Beitrag anzeigen
[ ... ]
Hallo Kullerkugel, ich habe den Eindruck, dass Eshita das, was ich sagte, ganz leicht und einfach genau so verstanden hat, wie ich es sagte. Oder auch fragte.

Nur ein Beispiel nochmal dazu. Der Satz "Mein Vater hat mich mein Leben lang als einen Menschen hingestellt, der zu nichts taugen würde!" beschreibt ja keine körperliche Krankheit. Könnte aber vielleicht und durchaus Hintergrund für seelisch-psychische oder auch psycho-somatische Probleme sein. Unter anderem, und neben all den anderen erwähnten Problemen und Krankheiten.

Ich hatte gefragt " ... ist das mit Deinem Vater nicht ein Punkt, den Du Dir noch mal genauer ansehen solltest?"

Ein Punkt. Nicht d e r eine Punkt.

Gerd
__________________
Die Sinnesorgane der Engel sind unsere Edelsteine. Rudolf Steiner

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Kullerkugel ist offline
Beiträge: 6.671
Seit: 01.06.10
Gerd,

ich verstehe Dich nicht. Ich halte die realen körperlichen Beschwerden für sehr wichtig.
Eine Kalkschulter ist nicht abhängig davon , was ein Vater von seiner Tochter hält.


"Mein Vater hat mich mein Leben lang als einen Menschen hingestellt, der zu nichts taugen würde!" beschreibt ja keine körperliche Krankheit.
Natürlich hat mangelnde Anerkennung und andauernde Konflikte Auswirkungen auf die Gesundheit. Weil der Stresspegel ständig hoch ist. Und das hat Folgen.
Aber sicher anders als Du denkst. Das sind auch reale körperliche Probleme wenn die Nebennieren nicht mehr genug Stresshormone produzieren können.

Aber so etwas kann nicht weggeredet werden. Da muss Ruhe einkehren und werden zu Hauf Nährstoffe verbraucht.
__________________
LG K.

Geändert von Kullerkugel (19.03.14 um 06:58 Uhr)

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Eshita ist offline
Themenstarter Beiträge: 743
Seit: 21.11.11
Ist doch ganz einfach:

Bin sicher, dass die Sache mit meinem Vater psychisch eine so große Rolle spielt, dass ich auch körperlich darauf reagiere.

Wobei sie nicht die Hauptrolle spielt.

Die multiblen körperlischen Beschwerden spielen eine so große Rolle,
dass auch die Psyche enorm darunter leidet.

Die Sache mit meinem Vater konnte ich weitgehends mit meinem lieben Ehemann durch viele viele Gespräche "therapieren".
WENN es heute noch schmerzliche Verkrampfungen verursacht, dann nur, wenn ähnliche, erinnerliche "Symtome" auftreten.
Wie z.B. Schneiderei kaputt - hab ich versagt, hat mein Vater doch recht?

Realisiere ich aber, was Kullerkugel schreibt, dann komme ich zu dem Schluß, dass meine "Multis" mich zu dem machen, was aktuell mit mir los ist.
Muß die Begründung nicht in meinem Vater suchen. DAS macht dann die Psyche.

FAZIT: Beides, was Ihr schreibt stimmt. Körperlich überwiegt.

Ihr habt mir aber dabei geholfen das zu erkennen, und dafür möchte ich mich ganz aufrichtig bei Euch bedanken.

Eshita

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.681
Seit: 10.01.04
Wie z.B. Schneiderei kaputt - hab ich versagt, hat mein Vater doch recht?
Hallo Eshita,

man kann das auch ganz anders sehen: Du bist von einer Hobbyschneiderin zu einer Berufsschneiderin mit großem Erfolg geworden. Daß Du so viele anhängliche Kundinnen hattest und hast zeigt doch, daß Du wirklich gut bist. - Und das geht auch durch Deine Erschöpfung/Burn out nicht verloren!

Ich schätze, das verächtliche Verhältnis Deines Vaters zu Dir (war das auch so ein Vater, der lieber einen Sohn gehabt hätte?) hat dazu geführt, daß Du es damals nicht lernen konntest, Grenzen zu erkennen, denn es war wahrscheinlich nie genug - egal, wie Du Dich angestrengt hast. Es ist eine Sissiphus-Arbeit, einen voreingenomnmenen Menschen zufrieden zu stellen, so daß eine baldige Erschöpfung doch vorprogrammiert ist.
Jetzt hast Du nicht nur bewiesen, daß Du gut bist sondern Du hast auch lernen müssen, daß Deine Kräfte nicht unendlich sind und daß man da nichts erzwingen kann. Das war für Dich doch sicherlich wichtig?

Grüsse,
Oregano
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

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Eshita ist offline
Themenstarter Beiträge: 743
Seit: 21.11.11
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
Hallo Eshita,

man kann das auch ganz anders sehen: Du bist von einer Hobbyschneiderin zu einer Berufsschneiderin mit großem Erfolg geworden. Daß Du so viele anhängliche Kundinnen hattest und hast zeigt doch, daß Du wirklich gut bist. - Und das geht auch durch Deine Erschöpfung/Burn out nicht verloren!
Ja? Darf ich das hoffen? Seit 2009 in Verbindung mit dem blockierten Atlas habe ich enorme Denk/Konzentrationsstörungen. Habe in meinem Kopf das Gefühl, jede Menge Berufs-Informationen verloren zu haben. Oder bin ich schon seit Jahren in einer Depression, die das mich so glauben läßt?
Ich stand oft genug vor Arbeiten, in denen ich gedacht habe:
"Mensch, du hast das doch gekonnt. Warum weiß ich denn nicht mehr, wie es geht. Filmriß. Erinnerung einfach weg....Mit sehr viel verkrampften "Biß" habe ich dann die Erinnerung erzwungen bis zur Erschöpfung. Das ist bis zum Tag so geblieben.


Ich schätze, das verächtliche Verhältnis Deines Vaters zu Dir (war das auch so ein Vater, der lieber einen Sohn gehabt hätte?)
Ich bin die 2. Tochter. Nach mir kamen noch 3 Söhne.
Warum er mich immer so "auf dem Kicker" hatte, ist mir bis zum Tag nie klar gewesen. Selbst meine Tanten und Onkels haben ihn immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie er mich im Vergleich zu meinen anderen Geschwistern behandelt.


denn es war wahrscheinlich nie genug - egal, wie Du Dich angestrengt hast.
Ja, genau so kann man das sagen, Oregano. Aber unter diesem Druck haben alle 5 Kinder gelitten. Bei mir wars halt am intensivsten.

Jetzt hast Du nicht nur bewiesen, daß Du gut bist sondern Du hast auch lernen müssen, daß Deine Kräfte nicht unendlich sind und daß man da nichts erzwingen kann. Das war für Dich doch sicherlich wichtig?
Ja, Oregano, es mir wichtig, sagen zu können, dass ich wirklich ALLES versucht habe, mein eigenes "Werkstättle Schneidere" zu erhalten. Und dass ich immer noch hoffe, dass sich der Knoten bald löst.
Wie Rota geschrieben hat:
Es ist nichts verloren, solange man weiß, wo es ist.

Aktivieren ist die andere Sache. DAS kann man erst wieder, wenn alle Ängste und Verspannungen abgebaut sind.

Vielen Dank für Deine wertvollen Gedanken

LG Eshita

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Gleerndil ist offline
Beiträge: 4.200
Seit: 26.07.09
Zitat von Oregano Beitrag anzeigen
... denn es war wahrscheinlich nie genug - egal, wie Du Dich angestrengt hast.
Es ist eine Sissiphus-Arbeit, einen voreingenomnmenen Menschen zufrieden zu stellen, so daß eine baldige Erschöpfung doch vorprogrammiert ist.
Magst Du vielleicht erzählen, Eshita, welche Bemerkungen von Deinem Vater speziell zu Deiner Arbeit und zu Deinen Erfolgen mit der Schneiderei kamen? So wie Du es beschreibst, wird da sicher nicht nur einmal was von ihm gesagt worden sein . . .

Herzliche Grüße, Gerd
__________________
Die Sinnesorgane der Engel sind unsere Edelsteine. Rudolf Steiner

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malk ist offline
Beiträge: 1.188
Seit: 26.08.11
Hallo Eshita,

Noch ein Gedanke von mir, vielleicht kannst du daraus etwas mitnehmen.

Wenn man mich fürher fragte, ob ich in meinem Beruf glücklich bin, sagte ich immer jein. Für mich war mein Beruf interessant, herausfordernd und spannend. Ich habe immer gerne gearbeitet. Jedoch habe ich ihn nicht als Erfüllung empfunden und es war manchmal sehr anstrengend und frustrierend. Auch ich vermute als Ursache dieses Frustes den Umgang meiner Eltern mit mir, so wie du das beschreibst.

Mir war aber schnell klar, dass ich diese Unzufriedenheit irgendwann auch in jedem anderen Beruf haben würde. Daher antwortete ich immer, meine Probleme wären mit einem Jobwechsel nicht gelöst.

Heute weiß ich, dass ich mit dieser Ausage richtig lag. Denn heute weiß ich, dass der Beruf nicht mein Problem war, sondern gesundheitliche (und psychische)Themen. Seit einigen Jahren versuche ich diese Themen zu klären. Vor allem haben meine körperlichen Beschwerden starke psychische Auswirkungen (bis hin zu Kopfnebel, depressiver Verstimmung und Ängsten). Das macht jeden Beruf anstrengend.

Heute weiß ich, dass mein Beruf nicht das Problem ist. Zuerst muss ich mit anderen Themn ins reine kommen, dann erst kann ich überhaubt einen freien Kopf erlangen um über das Thema Beruf nachzudenken. Wobei ich mittlerweile weiß, dass ich einige Dinge in meinem Beruf ändern werde, die ich so nicht mehr haben will, weil ich meine psychischen Schwachpunkte kenne.

Hätte ich damals meinen Beruf gewechselt, wäre ich vielleicht kurzzeitig frisch motiviert gewesen, aber durch meine gesundheitlichen Probleme wäre sicher ziemlich schnell wieder eine Unlust auf den neuen Job gekommen.

Ich habe übrigens meinen Beruf bisher beibehalten, weil ich zumindest damit die Arztrechnungen bezahlen kann.

Ich sage nicht, dass du deinen derzeitigen Beruf behalten oder aufgeben sollst. Ich will damit nur meine Erkenntnis darlegen um dir einen Gedankenanstoß zu geben.

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Eshita ist offline
Themenstarter Beiträge: 743
Seit: 21.11.11
Grüß Dich Gerd,
um Deine Frage beantworten zu können, muß ich leider recht weit ausholen:

Meine Schulnoten in der Hauptschule waren mehr schlecht als recht. Ich schloß die 9. Klasse mit 4,3 ab.
Das war erinnerlich zu 30 % auf jugendliche Faulheit zurückzuführen.
Die anderen 70 % darauf, dass ich schon immer unter einer recht schwachen Vitalität litt.
Meine Schwester war das krasse Gegenteil von mir (sie ist 11 Monate älter als ich). Ihre Noten lagen immer bei 1, max. Note 2.
DAS hielt mein Vater mir ständig unter die Nase.

Meine Schwester machte dann noch die mittlere Reife.
Ich versuchte mit einer 2-jährigen hauswirtschaftlichen Berufsfachschule meine Noten zu verbessern, da mir auf dem Arbeitsamt gesagt wurde, dass ich mit 4,3 keinen Ausbildungsplatz fände.

Und siehe da: Ich büffelte ohne Ende und schloß die zwei Jahre mit einem Durchschnitt von 2,3 ab.
DAS wiederum brachte mir aber großen Ärger mit meinem Vater ein, denn er wollte, dass seine Mädels weder weiter zur Schule gehen, noch eine Ausbildung machen. Außerdem sollten wir zuhause kräftig mithelfen, den 7-köpfigen Haushalt mit in Schuß zu halten.
Von meinem 17. Lebensjahr also dem Beginn meiner Ausbildung bis zu meiner Heirat 1982 sah mein Alltag in etwa so aus:
Morgens um 4 Uhr aufstehen
1-2 h Bügeln
dann zur Fabrik-Arbeit (Akkord, - leider auch in der Ausbildung)
2xwöchentlich ging ich zum Frühbaden, dort trainierte ich meine Ausdauer mit einer Stunde Schnellschwimmen.
Um Kosten zu sparen fuhr ich alles mit dem Fahrrad auch im Winter.
In der Großstadt mitten in der Stadt - jede Menge Abgase...

Abends kam ich gegen 18 Uhr nach Hause, war fix und fertig, dann war aber immer noch irgendwas im Haushalt oder Garten zu tun.

Mein Vater war arbeitslos, und versmogte die Wohnung mit seinen Zigaretten, lag den ganzen Tag auf der Coch mit seinem Alkohol.

Die Ablehnung für die Ausbildung begründete er damit, dass wir ja sowieso heiraten und Kinder bekommen würden, und unseren Beruf dann eh nicht mehr ausüben würden.

Hierzu auch noch der Hinweis, dass mein Vater immer sehr hoch verschuldet war, und seine Finanzkrisen über seine verdienenden Kinder regeln wollte.

Ab Dato unseres Verdienstes, mußte jeder 50% seines Lohnes als „Kostgeld“ abgeben. Auch Kleidung und Essen war ab sofort nicht mehr Elternsache.

Dennoch setzten wir uns durch.

Meine Schwester wurde Chefsekretärin, ich machte die Ausbildung als Schneiderin, schloß auch mit recht guten Noten ab.

Und dann kam es, wie mein Vater gesagt hat:
Wir heiraten.
Meine Schwester bekam Kinder und übte ihren Beruf nicht mehr aus.

Ich bekam zwar keine Kinder, aber ich kränkelte und kränkelte mit meinem multiblen Beschwerdebild. Hatte über viele Jahre hinweg nur kurzfristige Jobs wie Mutterschaftsvertretung in Haushalten oder sonstige Putzstellen.
Meinen Schneiderberuf konnte ich nicht mehr ausüben, da durch Heirat/Umzug in der neuen Umgebung keine entsprechenden Firmen da waren.

Mein Vater erschien bei MEINER Heirat NICHT.

Ich trug noch den restlichen Kredit ab, den ich für ihn auf meinen Namen aufgenommen hatte, und dann sahen wir uns 19 Jahre nicht mehr.
Auch kein Telefonat, nichts.

Irgendwann meldete er sich dann. Im Jahr 2000 dann unser 1. Treffen (ich war damals 39) Es fiel recht frostig aus. Er unterhielt sich mit uns über seine Vergangenheit, entschuldigte sich auch, aber er sprach im Grunde mehr mit meinem Mann.
Ich selbst fühlte mich gar nicht anwesen, er ignorierte mich.
Mein Mann bestätigte später meinen Eindruck.

Die Schneiderei war damals schon recht groß. (Kurz darauf wurde mein Mann arbeitslos.)

Meine Arbeit, meine Erfolge, all das interessierte ihn nicht.

„Ich kann mir vorstellen, dass da bei Euch ganz schöne „der Rubel rollt““, meinte er.

Erst später kapierten wir, was die eigentliche Ursache seines Besuches war: Er sah sich ins Alter kommen, (er war zu dieser Zeit 61 Jahre alt) wußte, dass durch seinen langjährigen Berufsausfall sein Alter alles andere als angenehm werden würde.

Dennoch: Wir ließen den Zutritt zu uns zu. Ich führte dann über mehrere Jahre aufgrund der Entfernung eher Telefonate mit ihm.

In diesen Gesprächen dauerte es jeweils nicht lange, bis es immer wieder zu einer Kette von Vorwürfen kam, wie:
Tja Moni, du warst halt immer unser Sorgenkind.
Was mußten wir wegen Dir alles Regeln!
Deine vielen Unfälle!
Deine schlechten Noten.!
Warst halt auch recht faul!
Hast halt nur gemacht, was Dir Spaß gemacht hat!
Trotz Deiner schlechten Noten mußtest Du ja unbedingt eine Ausbildung machen.
(Die 2 Jahre zählten nicht)
Wenn Du diesen lieben Mann nicht gefunden hättest, dann wärst Du auf der Strecke geblieben.
Deine Schneiderei würdest Du ohne ihn niemals schaffen.
Die Leute mögen Deinen Mann sicherlich sehr.


Letzteres hatte wohl eher was mit seiner Homosexualität zu tun, meint mein Mann.

Tja Gerd, den letzten Kontakt mit meinem Vater hatte ich im Herbst 2013. Da war ich eine Woche bei ihm und habe seine Messi-Wohnung sauber gemacht.
Auf dem Balkon war die reinste Müllhalde.
Da waren Taschen, in denen sich braune Soße bewegt hat. Die reinste Gülle.

Es war ein Kraftakt, diese eine Woche, aber ich wollte wirklich ganz aufrichtig helfen.
Bemühte mich um neue Ordnung, machte Kisten mit Aufschriften.

Am nächsten Tag waren sie alle weggerissen.
„Ich lasse mir doch von DIR nichts vorschreiben!“

Wieder zuhause machte ich beruflich wieder schlapp, weil ich extrem über meine Kräfte gegangen bin.

Wieder im Gespräch mit ihm am Telefon erzählte ich ihm davon, dass ich die Schneiderei kräftemäßig nur noch schwer schaffe.

Seine Antwort:
„Hab mir schon gedacht, dass Du das nicht mehr lange durchhältst. Seit Dein Mann wieder arbeitet, entfällt Dir ja Hilfe. Du allein hättest es ja doch nicht geschafft..“

Mein Mann hörte am Telefon zu und meinte: „Jetzt reichts.“

Er führte das letzte Gespräch mit ihm. Aufgrund seiner fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung ist nun eh keine Klärung mehr möglich.

Vielen Dank Gerd
LG
Eshita

Malk,

wie alt bist Du? Bin mir nicht so ganz im klaren, was ich mit meinen 53 Jahren noch erwarten kann.
Nachdem ich dermaßen mein Pulver verschossen habe, tendiere ich Gegenwärtig eher mal zur Schadensbegrenzung.
Fühle mich wie vor einem Scherbenhaufen, bei dem es herauszufinden gilt, was man noch retten kann, was sich noch lohnt, und was wohl eher nicht mehr.

Wenn ich Dich richtig verstehe, dann hattest Du ebenfalls ein Elternhaus, das großen Einfluß auf den Umgang mit Deinem Beruf hatte – egal welcher Beruf es gewesen wäre?

Ja, ich denke in meinem Fall auch, dass jeder andere Beruf irgendwann dieselbe Fragestellung erbracht hätte.

Du hast das für Dich selbst wirklich gut erkannt, meine Hochachtung.

Dann hast Du bis heute an Deinem Beruf nicht wirklich Freude? Er ist eher Mittel zum Zweck, um Kosten decken zu können?

Das ist aber auch nicht gerade toll, oder?

Auch Dir vielen Dank für Dein Schreiben
LG Eshita

Etwas als verloren aufgeben?

Sonora ist offline
Beiträge: 3.012
Seit: 10.09.08
Liebe Eshita!

Als ich deinen Thread eben durchlas, dachte ich als erstes an das Beispiel, wo jemand mit einem Fahrrad viel zu schnell einen Berg runterfährt und feststellt, dass es die falsche Richtung ist. Bevor man den Fehler beheben kann, muss man in diesem Fall erst einmal anhalten, sonst gibt es eine Bruchlandung.

Ich glaube wirklich, dass du erst einmal anhalten musst. Da muss irgendein Schnitt her, damit du neu anfangen kannst, nachdem du dich innerlich sortiert hast. Wie der bei dir aussehen kann, weiß ich nicht. Ich an deiner Stelle würde wahrscheinlich (da dein Mann dich finanziell ja abpuffern kann) völlig aufhören und mich zurückziehen, bis es mir wieder besser geht und ich eine Idee habe, wie ich jetzt weitermachen kann.

Noch ein Wort zu deiner Kalkschulter: Eine OP würde ich nur im äußersten Notfall wagen. Mir hat dies hier sehr geholfen:

Schulterschmerzen Schmerzen in der Schulter behandeln

Die Schulterhilfe bei Schulterschmerzen - Die Schulter-Selbsttherapie

Schulterhilfe im TV - MDR Fernsehbeitrag

Kalkschulter Behandlung - Kalk in der Schulter?

Ich gebe Gerd übrigens Recht, dass die Psyche sehr viel mit allem zu tun hat, was einen krank macht. Bei der Schulter z.B. kann es an einer Fehlhaltung liegen, wie es auch gut in den Beiträgen der Schulterhilfe erklärt wird. Wird man "runtergezogen", durchzieht den ganzen Körper eine Fehlhaltung, die auf Dauer Schäden verursacht. Da hilft alles zusammenreißen nicht, ein trauriger, erschöpfter Körper ist zusammengesackt. Ob das alles allerdings mit deinem Vater zusammenhängen könnte, das ist meiner Meinung nach im Moment zweitrangig. So, wie du es beschrieben hast, wurdest du völlig von der Arbeit aufgerieben und hast viel zu lange versucht, deinen Körper und deine Seele zu ignorieren. Wenn du halbwegs wieder Boden unter den Füßen hast, dann kannst du auch versuchen, langsam herauszufinden, ob dein Vater damit zu tun hat. Jetzt musst du als erstes mal zur Ruhe kommen und Zeit haben, zu dir selber zurückzufinden.

Viele liebe Grüße
Sonora

Geändert von Sonora (22.03.14 um 19:52 Uhr)


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