Craniosacrale Therapie mit Traumaarbeit

05.11.12 20:49 #1
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Albatross ist offline
Beiträge: 81
Seit: 11.03.11
Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrung mit craniosacraler Therapie mit Traumaarbeit nach Peter Levine (Somatic Experiencing SE), Michael Shea oder anderen?

Es geht mir um die Behandlung von Prä- und Perinatalem Trauma. Bei der Cranioarbeit mit Frühtraumatisierten werden besonders die alten Hirnareale angesprochen, also das Stammhirn, Limbisches System, die Insulae, ev. auch die nicht ganz so alten wie Amygdalae und der Präfrontaler Cortex.

Psychotherapien die weitgehend Sprache brauchen und benutzen wie Verhaltenstherapie aber auch Gesprächstherapie, Psychoanalyse, KB also katathymes Bilderlaben, und verschiedene andere haben mir nicht weitergeholfen. Auch systemische Therapie (Familiensystem aufstellen) brachte mich nicht weiter.

Ich komme immer wieder auf den Punkt, dass das, was mich immer wieder in die Dissoziation manchmal auch die Derealisation bringt - aber auch tiefliegendes Stressempfinden in nahezu jeder Art von Beziehung, weiterhin diverse Einzelsymptome wie "Daumenlutschen" oder andere Formen der Regression offensichtlich in einer sehr frühen Phase meines Lebens stattgefunden hat.

Vor ein paar Monaten ist mir ein SPIEGEL Artikel in die Hände gefallen, der von Forschungsergebnissen berichtet, die zeigen wie tief und nachhaltig andauernder Stress- oder Angstzustände der Mutter über Stoffaustausch über die Placenta das Ungeborene prägen und dass das ein Leben lang die Art wie dieser Mensch sich und die Welt erlebt, beeinflusst.

Bei Säuglingen und Kleinkindern scheinen die Erfolge zum Lösen solch tief verankerter Blockaden sehr gut zu sein. Bei Erwachsenen wird die craniosacrale Traumarbeit ev. in Verbindung mit dem SE nach Peter Levine auch angewandt, aber da ist mir wenig bekannt, wie lange solche Behandlungen dauern und wie nachhaltig dann ein eventuelles Lösen alter Blockaden ist.

Meine jüngste Vordergrunderkrankung ist sehr schweres mcs. Die nun jahrelang andauernde Wohnungsnot, nichts mehr zu finden was ich auch nur annähernd noch tolerieren kann, macht mich nicht nur körperlich sondern auch psychisch immer mehr mürbe.
Der Lebenswille wird da schon sehr angekratzt, wenn man im Winter alle Fenster offen lassen muß und Heizung aufdrehen nicht geht, weil Möbel, Wände (besonders Duftspender- und Duftkerzengeruch im Putz vom Vorbewohner), Bodenbeläge usw. dann noch mehr ausgasen.
(MCS-Kranke reagieren nicht nur auf Giftstoffe sondern leider auch auf ungiftige Stoffe wie Blumenduft, Zeitungspapier, Zigarettenrauch, Duftkerzen usw. mit qualvollen Entzündungsreaktionen).

Würde mich freuen, wenn jemand seine Erfahrungen mit Craniosacraler Traumaarbeit berichten könnte - oder generell zur Behandlung vorsprachlich erworbener Traumata.


Geändert von Albatross (05.11.12 um 20:53 Uhr) Grund: Ortographie

craniosacrale Therapie mit Traumaarbeit

Oregano ist offline
Beiträge: 63.711
Seit: 10.01.04
Hallo Albatross,

ich halte sehr viel von Therapeuten, die mit IMT arbeiten:
Peter Rauch | Integrative Manual Therapy | Allgemeines

Meistens beherrschen ja Therapeuten nicht nur eine Technik sondern andere auch noch, die dazu passen.

Auch sehr weitreichend scheint mir der Behandlungsansatz von Dr. Pohl in Starnberg:
Dr. Helga Pohl

Auch dieser Ansatz ist nicht uninteressant: http://www.hilfe-heute.de/
Hier im Forum findest Du Informationen über das Gupta Amygdala Retraining: http://www.symptome.ch/vbboard/mcs/7...stuetzung.html

Wenn Du MCS hast, dann meine ich, daß Du erst einmal irgendwie lebenswürdig wohnen können solltest. Was sicher schwer ist in Deiner Situation. Wenn Du aber ständig Stoffen ausgesetzt bist, die Dich belasten, wird sich Dein Körper und Deine Seele nicht wirklich erholen können.

Grüsse,
Oregano
__________________
They tried to bury us. They didn't know we were seeds.

Geändert von Oregano (05.11.12 um 21:15 Uhr)

craniosacrale Therapie mit Traumaarbeit

Karde ist offline
Beiträge: 5.057
Seit: 23.05.12
Zitat von Albatross Beitrag anzeigen
Vor ein paar Monaten ist mir ein SPIEGEL Artikel in die Hände gefallen, der von Forschungsergebnissen berichtet, die zeigen wie tief und nachhaltig andauernder Stress- oder Angstzustände der Mutter über Stoffaustausch über die Placenta das Ungeborene prägen und dass das ein Leben lang die Art wie dieser Mensch sich und die Welt erlebt, beeinflusst.
Lieber Albatross (sehr schöner Name)
Ich habe diesen Artikel nicht gelesen, aber mit meiner Mutter vor einigen Wochen darüber gesprochen was sie für traumatische Erlebnisse in der Schwangerschaft hatte, ich komme da auch auf Zusammenhänge im Bezug auf "unbewusste" Verhaltensmechanismen von mir.

Zitat von Albatross Beitrag anzeigen
Meine jüngste Vordergrunderkrankung ist sehr schweres mcs. Die nun jahrelang andauernde Wohnungsnot, nichts mehr zu finden was ich auch nur annähernd noch tolerieren kann, macht mich nicht nur körperlich sondern auch psychisch immer mehr mürbe.
Da kann ich mitfühlen, ich habe das Problem nun seit 2 Jahren und muss mir ein neues Zuhause suchen

Zitat von Albatross Beitrag anzeigen
Der Lebenswille wird da schon sehr angekratzt, wenn man im Winter alle Fenster offen lassen muß und Heizung aufdrehen nicht geht, weil Möbel, Wände (besonders Duftspender- und Duftkerzengeruch im Putz vom Vorbewohner), Bodenbeläge usw. dann noch mehr ausgasen.
(MCS-Kranke reagieren nicht nur auf Giftstoffe sondern leider auch auf ungiftige Stoffe wie Blumenduft, Zeitungspapier, Zigarettenrauch, Duftkerzen usw. mit qualvollen Entzündungsreaktionen).
Ich musste mir infolge dem extremen Konsum von Zigaretten und Duftstoffen meiner neuen Nachbarin einen Luftreiniger kaufen, somit kann ich die Innenluft für mich tollerierbar machen (IQ AIR)
Mir wurde aber dann die Wohnung gekündigt mit der Auffassung, dass die Wohnung nicht mehr für mich geeignet ist.

Zitat von Albatross Beitrag anzeigen
Würde mich freuen, wenn jemand seine Erfahrungen mit Craniosacraler Traumaarbeit berichten könnte - oder generell zur Behandlung vorsprachlich erworbener Traumata.
Auch ich komme immer mehr auf das Thema Traumaarbeit, und es interessiert mich, was Du hier noch für weitere Antworten bekommst.

Wünsche Dir alles Gute
KARDE
__________________
Alles was ich anschaue --- schaut zurück

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Albatross ist offline
Themenstarter Beiträge: 81
Seit: 11.03.11
Hier noch der zugehörige SPIEGEL-Artikel 25/2012 (von Julia Koch),
Heft-Titel: Die Geburt des Ich - Neun Monate, die unser ganzes Leben prägen

DER SPIEGEL*25/2012 - Das Leben vor der Geburt

den ich erwähnt habe. (Da geht es um die vorgeburtlichen Einflüsse, Prägungen von der Mutter zum Ungeborenen)
weitere Themen, Fragen im Artikel:

"Die Startlinie für die psychische Entwicklung verschiebt sich bis weit vor die Geburt."
"Brennt sich die mütterliche Stimmung in der Seele des Ungeborenen ein?"

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paule ist offline
Beiträge: 1.060
Seit: 01.02.10
Zur direkten Kombination von caranio-sacraler Arbeit mit SE kann ich nichts sagen.

Ich konnte mitbekommen, dass verschiedene sanfte tiefergehende Behandlungen (Osteopathie, Rolfing, Feldenkreis) im Körper gespeicherte traumatische Erfahrungen "hervorholen" konnten.
Die Kombination mit SE halte ich für sehr sinnvoll. Es kann die "Effektivität" von SE alleine noch unterstützen.

Zur Dauer von SE kann schwer etwas gesagt werden. Ein "einfaches" Trauma (einfach im Sinne von Einzelereignis) kann in einer bis wenigen Sitzungen "gelöst" sein.
Bei Komplex-Traumata kann das länger dauern. Wenn einge Lebensbereiche betroffen sind, könnte je nach Arbeitsweise der SE-Therapeutin auch noch weiter Unterstützung hilfreich sein.

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Albatross ist offline
Themenstarter Beiträge: 81
Seit: 11.03.11
Hallo Oregano,

Dank für Deine Hinweise und Links, da werde ich etwas Zeit brauchen das zu lesen - aber gespannt bin ich jetzt schon.


Zitat von Oregano Beitrag anzeigen

Wenn Du MCS hast, dann meine ich, daß Du erst einmal irgendwie lebenswürdig wohnen können solltest. Was sicher schwer ist in Deiner Situation. Wenn Du aber ständig Stoffen ausgesetzt bist, die Dich belasten, wird sich Dein Körper und Deine Seele nicht wirklich erholen können.

Grüsse,
Oregano
Genau das ist seit einigen Jahren mein Problem. Da beisst sich sozusagen die Katze in den Schwanz.
Selbt das Finden von Therapeuten, die Räume ohne Duftkerzen, Duftöle, ohne Laminat oder gar altem Nikotin in den Wänden haben - ist enorm schwierig. Neulich bin ich mit mcs-Maske zu einer Traumtherapeutin gegangen, aber der Nikotin in den Wänden kam trotzdem durch.
Da soll und will ich mich auf die Therapie einlassen und bin gleichzeitig auf höchster Alarmstufe wegen der Ausdünstungen. Danach war ich drei Tage lang ziemlich irritiert und nach erstmal empfindlicher als vorher. -

Der Körper tut sich offensichtlich sehr schwer, wenn einerseits eine tief vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen wird und andererseits jede Zelle auf sehr hohe Alarmstufe fährt wegen der Duftstoffe.

Ich kann mich auch mit autogenem Training tief entspannen aber wenn gleichzeitig unverträgliche Stoffe im Raum in der Luft sind, zerreist es mich fast und das autogene Training verschlimmert dann eher. Der Organismus kommt offensichtlich mit der widersprüchlichen Situation nicht klar.

Craniosacrale Therapie mit Traumaarbeit

Albatross ist offline
Themenstarter Beiträge: 81
Seit: 11.03.11
Hallo Karde,

danke für Deine Anteilnahme. Du hast es ja wohl auch nicht gerade leicht getroffen.
Ich sehe, du wohnst in der Schweiz.

In Zürich gibt es seit einigen Jahren die "Züricher Traumatage". Das Thema scheint wohl immer mehr an die Oberfläche zu kommen auch bei Therapeuten.

Hallo Paule,
darf ich Dich fragen ob das Deine Einschätzung als Therapeut ist, oder hast anderweitige Erfahrungen mit den Methoden - oder kennst Leute, die das gemacht haben?

Auch in der klassischen Homöopathie kommt das Thema vorgeburtlicher und Geburtstraumata immer mehr in den Blickpunkt der Therapeuten.

Ein Buch was mich als Homöopathen sehr interessiert hat ist das von Melissa Assilem: "Muttermittel in der Homöopathie" deutsch 2012.

Darin beschreibt die Autorin wie tiefgreifend diese frühen Mittel wie, Placenta humana, vernix caseosa (die Käseschmiere des Neugeborenen), Umbillicus humanus (Nabelschnur) , Amniotic fluid (Fruchtwasser) und Lac humanum (Muttermilch) sowie Folliculinum wirken können.

Und das nicht nur beim Geburtsprozess sondern auch bei Kindern und Erwachsenen, die in einer der Themen dieser Mittel "feststecken".

Auf den ersten Blick liest sich das Buch etwas "esoterisch" aber ich habe mir die Mühe gemacht und die Originalprüfungsprotokolle soweit ich die gefunden habe zu lesen. Das hat mir doch einige Achtung abgerungen, was für eine wunderbare Leistung und welches Neuland (von Lac hum. abgesehen) diese Autorin betreten hat.

Ja, es scheint mir so, dass aus ganz unterschiedlichen Quellen, das Thema "Blockaden" oder "seelische Erkrankungen" aus der Zeit vorsprachlicher Traumata vermehrt auftaucht.

Vielleicht gibt es hier im Forum ja Leute, die schon von eigenen Erfahrungen oder Erfolgen berichten können.

Craniosacrale Therapie mit Traumaarbeit

paule ist offline
Beiträge: 1.060
Seit: 01.02.10
Zitat von Albatross Beitrag anzeigen
Hallo Paule,
darf ich Dich fragen ob das Deine Einschätzung als Therapeut ist, oder hast anderweitige Erfahrungen mit den Methoden - oder kennst Leute, die das gemacht haben?

das habe ich von Betroffenen mitbekommen und aus Aussagen von (SE-)Therapeuten (u.a. Peter Levine)

Craniosacrale Therapie mit Traumaarbeit
LieberTee
Hallo Paule,

weißt Du vielleicht auch, ob die Methode auch bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung Anwendung finden kann?

Lieber Gruß
LieberTee

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Albatross ist offline
Themenstarter Beiträge: 81
Seit: 11.03.11
Hallo LieberTee,

ich glaube ich kann mit meinem jetzigen Wissen Deine Frage beantworten.
Hatte bis jetzt schon einige Sitzungen und mir die DVD von Peter Levine und Susan Hart "Das Somatic Experiencing Modell - Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Traumata verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt" angeschaut (Narayana Verlag).

Für den craniosacralen Teil der Arbeit ist eine intellektuelle Beeinträchtigung völlig irrelevant. Die Craniositzungen brauchen kaum Sprache.

Beim SE (somatic experiencing) soll man in den Körper hineinspüren lernen, was sich verändert wenn man sich den unangenehmen Themen oder aber auch Bildern und Themen von Geborgenheit nähert . Da ist das Problem eher wie gut man in sich hineinhorchen kann aber das lernt man ja gerade durch die Methode.

Um das dann ggf in Worte zu fassen, braucht es weniger Intellekt (der kann auch ziemlich stören, wenn man zu intellektbetont ist) sondern dass man Worte findet, auch sehr bildhafte Worde sind in Ordnung, mit denen man dass, was man in sich spürt beschreiben kann.

Auf der DVD hatte ich den Einddruck, dass auch typische Elemente der Gestalttherapie (nach Fritz Perls) von Peter Levine verwendet werden. Die Sprache ist hier nicht so bedeutsam wie in klassischen kognitiven Therapien (VT und GT).


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