Austausch zum Thema Sexualleben Frau/Mann

04.11.11 21:20 #1
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Männlich Bodo
Zitat von Windpferd Beitrag anzeigen
Hallo Bodo, Du lieber Ignorant,
Wieso Ignorant, liebes Windpferd?!

Erstens habe ich Deinen Text dem Roman zugeordnet und Zweitens hat Bachmann dass prosaisch
verdichtet, was beispielsweise eine Romy Schneider schmerzlich und zerstörerisch auslebte.

Dies sind feministisch-biographische Fakten, jenseits von kultur-soziologischer Schnarcherei.




LGB

Geändert von Bodo (06.11.11 um 17:29 Uhr)

Austausch zum Thema Sexualleben Frau/Mann
Männlich Windpferd
Hallo,

ein Buchhinweis, der bestens in diesen Thread paßt: Anastasia Hoppe: "Poesie den Seins. Gedichte". Holzheimer-Verlag Hamburg, Taschenbuch, erschienen September 2011, 11 €.

Inzwischen (!) ist der Verlag bankrott. (Tja, die Bezahlverlage, die machen mit ihren AutorInnen, was sie wollen.) Offiziell ist es nicht mehr lieferbar, vermutlich aber doch noch oder bald wieder über Amazon, Verlag oder Autorin, die man beide im Internet leicht findet.

Das Büchlein sehr kühn. Schon der Titel. Die grundlegende Ruhe im "Sein" und das leidvolle Chaos der Liebe. Mit Zuversicht, Skepsis, Leidenschaft, Verzweiflung, Dankbarkeit geschrieben - mit so ungefähr allem, was frauenmöglich ist. Ein lyrisches Ich, unverkennbar weiblich, das schwer leidet - aber niemals die Männer insgesamt verurteilt. Und manchmal tiefes Glück erlebt. Die Autorin dürfte ziemlich jung sein. Und weise.

Alles Liebe
Windpferd

Austausch zum Thema Sexualleben Frau/Mann

Fremder ist offline
Themenstarter Beiträge: 584
Seit: 21.06.11
Hallo Dedizione

Ich weiß, dass du von mir nichts mehr wissen willst. Trotzdem will ich nochmals auf dein Posting antworten.
Es betrübt wirklich sehr, dass du mich immer noch total falsch interpretierst. Ich bin doch ganz und mit größter Überzeugung dafür, dass jeder Mensch, egal ob Frau oder Mann, sich nicht NICHT unterordnet oder gar unterordnen muss. Es ist wirklich schade, dass du mich nun immer noch nicht verstehen kannst, obwohl ich dachte, mein letztes Posting hat doch recht deutlich gezeigt, wo ich stehe.
Du schreibst ja selbst, dass die Gesellschaft uns geprägt hat. Die Show, welche die Frauen abziehen und von der du meinst, die Männer wollten das und sie sei erwünscht vom Mann (von welchem Mann denn???), ist uns anerzogen worden. Es sind gar nicht DIE Münner, die sind ebenso die Opfer der Prägung wie die Frauen. Wir sind in dieser Weise von der Gesellschaft geformt worden, hier ist doch das Problem. Von Natur aus wären Männer und Frauen ganz anders. Das ist es doch, was ich in meinem Buch sehr ausführlich behandle. Vielleicht solltest du es doch mal lesen, es würde viele versteckte Dinge, die in unserer Gesellschaft geschehen sind in den letzten 2000 Jahren, aufdecken. Und dann wirst du sicher auch eine andere Meinung bekommen.
Frauen sollen und müssen sich nicht unterordnen. Männer natürlich auch nicht. Niemand soll das. Vielmehr sollte man versuchen, sich in der Verschiedenheit zu verstehen. Und daraus dann eine echte Gemeinschaft aufbauen. Das Verstehen setzt aber voraus, dass man keine Vorurteile hat. Selbst wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ich weiß, das ist schwierig, aber vielleicht eben doch nicht unmöglich.
Ich bin kein Verfechter des Patriarchats, ganz im Gegenteil! Ich bin aber auch nicht für ein Matriarchat, denn das würde alles nur umkehren und ansonsten nichts ändern. Was die Zukunft sein sollte, das ist die Gemeinsamkeit. Um das zu erreichen, müssen wir aber festgefahrene Verhaltensmuster ablegen. Und auch Vorurteile. Sonst wird nämlich nie etwas draus.
Dass du dich immer untergeordnet hast, war sehr wahrscheinlich dein Fehler. Aber ich will gar nicht so sehr von Fehler sprechen, denn du warst (und bist wahrscheinlich immer noch) von unserer Gesellschaft und den vielen Jahrhunderten ebenso geprägt wie die Männer, mit denen du zu tun hattest. Also sprechen wir lieber von Ursache und nicht von Fehlern.
Das Wesen der Frau ist NICHT die Unterwürfigkeit. Das Wesen des Mannes ist NICHT der Machtanspruch. Macht ist ohnehin etwas, das Menschen zerstört, selbst diejenigen, welche die Macht ausüben (siehe Hitler und ähnliche Beispiele aus der Geschichte). Das eigentliche Wesen und das aller dringendste Bedürfnis von allen Menschen, also Mann und Frau gleicherweise, ist die Liebe. Ist das Verstehen. Ist die Gemeinsamkeit. Zuverlässigkeit, Beständigkeit. Auch natürlich sexuelle Erfüllung. Aber auch Erfüllung im seelischen Bereich. Da gibt es keinen, aber wirklich gar keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Alles, was uns heute (und was du hier so deutlich ansprichst) unglücklich macht, kommt aus Prägungen einer unguten Zeit, einer Prägung aus Jahrhunderten. Aber Jahrhunderte vergehen auch einmal. Wir stehen jetzt an einer Wende. Vielleicht dauert es immer noch eine Weile, aber es gibt Menschen, die anders denken. Noch sind es wenige, aber ich habe die Hoffnung auch das Gefühl, dass es doch ein klein wenig besser wird. Zwar langsam, aber wenn die kritische Masse einmal erreicht ist, dann könnte es auch plötzlich ganz schnell gehen.
Deshalb stimme ich auch Kullerkugel total zu: Es ist nie zu spät! Wer aufgibt, hat schon verloren.
Du bist verhaftet in der Meinung, für einen Mann sei eine schnelle Befriedung schon alles. Wie Therakk schon schrieb ist das nicht richtig. Nur wissen viele Männer leider immer noch nicht, dass es auch anders sein kann. Aber auch das ist wiederum die Prägung. Und wenn uns niemand sagt, dass es anders sein kann, dann wird das Erlernen von anderen Möglichkeiten nicht so leicht kommen können. Die Männer nun in Bausch und Bogen als lieblos oder machtgierieg abzustempeln, hilft uns allen nicht weiter. Nicht nur nicht den Männern, sondern auch den Frauen hilft es nichts. Denn nur wenn wir uns verstehen und wissen, was alles schief gelaufen ist, dann können wir etwas ändern. Auch in dieser Beziehung (oder sogar ganz besonders in der sexuellen Beziehung) müssen wir zusammen halten, uns gegenseitig unterstützen und helfen, diese schlimmen Prägungen los zu werden. Deshalb, nur deshalb habe ich mein Buch geschrieben. Und dann kommst du, und machst mir die größten Vorwürfe! Das ist schon sehr makaber!
Aber trotzdem kann ich dich verstehen, weil du mit uns allen im gleichen Boot sitzt und ebenso geprägt bist wie wir alle. Du hast nur noch nicht gemerkt, dass wir zusammen darin sitzen!
Ich schreibe dir deshalb nochmals, weil auch ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass du nun doch noch herausfindest, was ich sagen wollte, als ich von "Öffnen" gesprochen habe. Was mir heute plötzlich in den Sinn kam, war folgendes: Es könnte sein, dass man in Deutschland diesen Ausdruck wirklich missversteht. Ich lebe ja in der englischsprachigen Welt nun schon seit fast 23 Jahren. Hier spricht man viel von "Openness". Zum Beispiel spricht von einem "open mind". Man ist auch in Neuseeland tatsächlich viel offener als in Deutschland, das ist mir schon oft aufgefallen. Die Kiwis sind im Prinzip positiv denkende Menschen. Sie erwarten immer das Gute, nicht das Schlechte. In Deutschland ist das eher umgekehrt. Da rechnet man immer mit negativen Dingen. Und dann kommen auch negative Dinge auf einen zu. Vielleicht war mein Ausdruck "Offenheit" für deutsche Leser tatsächlich nicht richtig gewählt. Aber nachdem ich nun wirklich viel erklärt habe, müsste doch dieses Missverständnis allmählich ausgeräumt sein.
Es würde mich ehrlich von ganzem Herzen freuen und dir wünschen, dass du deine Vorurteile abbauen kannst und das Leben noch mit Freude genießen kannst, auch wenn nicht immer alles so glatt abläuft. Auch das gehört zum Leben dazu. Ohne Leid kann es auch keine Freude geben!
Schöne Grüße
Werner

Austausch zum Thema Sexualleben Frau/Mann
Weiblich dedizione
Hallo Fremder,

Es betrübt wirklich sehr, dass du mich immer noch total falsch interpretierst. Ich bin doch ganz und mit größter Überzeugung dafür, dass jeder Mensch, egal ob Frau oder Mann, sich nicht NICHT unterordnet oder gar unterordnen muss.
Ich habe deine Meinung wahrgenommen. Schon lange. Leider entspricht deine Meinung nicht der Realität zumindest hier in Deutschland. Trotzdem akzeptiere und respektiere ich deine Meinung.

Du schreibst ja selbst, dass die Gesellschaft uns geprägt hat. Die Show, welche die Frauen abziehen und von der du meinst, die Männer wollten das und sie sei erwünscht vom Mann (von welchem Mann denn???), ist uns anerzogen worden. Es sind gar nicht DIE Münner, die sind ebenso die Opfer der Prägung wie die Frauen.
Na das sehe ich anders. Männer sind immer noch die Gewinner der anerzogenen Show. Sie wollen sie auch haben. Sie sind so geprägt und können nicht ohne Show, vor allen Dingen nicht beim Sex. Und vorerst wird sich daran auch nichts ändern.

Macht ist ohnehin etwas, das Menschen zerstört, selbst diejenigen, welche die Macht ausüben (siehe Hitler und ähnliche Beispiele aus der Geschichte). Das eigentliche Wesen und das aller dringendste Bedürfnis von allen Menschen, also Mann und Frau gleicherweise, ist die Liebe. Ist das Verstehen. Ist die Gemeinsamkeit. Zuverlässigkeit, Beständigkeit. Auch natürlich sexuelle Erfüllung. Aber auch Erfüllung im seelischen Bereich.
Es mag sein, dass das "Wesen" ist - ich weiß jetzt nicht, was du unter "Wesen" verstehst. Der innerste Kern? Keine Ahnung, reine Vermutung... nur, das klappt halt nicht. Erfüllung kriegen nur diejenigen Mitglieder einer Gesellschaft, die die Macht haben. Die anderen haben halt das Nachsehen. Egal, ob das eigentliche Wesen der Menschen nach Liebe strebt.

Du bist verhaftet in der Meinung, für einen Mann sei eine schnelle Befriedung schon alles.
Ja klar ist das alles. Mehr wollten meine ehemaligen nicht.

Nur wissen viele Männer leider immer noch nicht, dass es auch anders sein kann.


und ich soll denen das beibrigen? Da bist du aber auf dem Holzweg! Ich lasse mich nicht mehr benutzen für Männer, die nix wissen.
Das ist ja der Lacher des Abends! You made my day, thank you!

Aber auch das ist wiederum die Prägung. Und wenn uns niemand sagt, dass es anders sein kann, dann wird das Erlernen von anderen Möglichkeiten nicht so leicht kommen können. Die Männer nun in Bausch und Bogen als lieblos oder machtgierieg abzustempeln, hilft uns allen nicht weiter.
ich drücke gleich ein paar Tränchen ab für die armen, unbefriedigten Männer. Mir scheint, du verdrehst ein bisschen die Tatsachen. Die, die benutzen sexuell, sind immer Männer! Und du willst das erklären, weil "sie es nicht besser wissen"? Ja, dann hätten sie sich ja längst schlau machen können! Wenn ihnen so an der Befriedigung der Frau gelegen hätte. Wer hat sie denn daran gehindert, sich schlau zu machen? War das etwa ihre eigene Machtgier, ihr eigener Wille, Frauen jahrhundertelang zu unterdrücken?

Denn nur wenn wir uns verstehen und wissen, was alles schief gelaufen ist, dann können wir etwas ändern.
ich bin sehr für Verständnis und verstehen, aber mich hat noch nie ein Mann verstehen wollen und ich habe auch den Glauben daran aufgegeben, dass Männer überhaupt verstehen wollen (Ausnahmen mag es geben, davon rede ich nicht.). Ausserdem kann ich "die Männer" nicht ändern - die wollen sich nämlich gar nicht ändern.
Ich will auch nichts ändern - schon gar nicht andere Menschen.

Du hast nur Verständnis für Männer. Du leidest nicht, dir geht es gut. Ich denke, es macht keinen Sinn mehr, wenn wir uns weiter über das Thema unterhalten. Du hast echt kein Verständnis für Frauen. Ich kann keines erkennen.

v.Grüße dedizione

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Weiblich dedizione
Eine Antwort auf die Frage, die mir hier jemand stellte, und die wie folgt für mich beantworten konnte, weil der folgende Text exakt meine Erfahrungen wiederspiegelt:

Arno Gruen: Der Verrat am Selbst

Die Abstraktion und ihre Auswirkungen auf das Verhältnis Mann – Frau

Ein Mittel, durch das sowohl die Spaltung des Selbst als auch Gewalttätigkeit in unserem Leben entstehen und erhalten werden, ist die Abstraktion. Teilweise ist es die Überschätzung der Intelligenz, die zur Glorifikation des abstrakten Denkens – abgetrennt von Leidenschaft, Enthusiasmus und Aufrichtigkeit – geführt hat. Sören Kierkegaard bemerkte 1846, dass wenn die Intelligenz dergestalt überschätzt wird, sie die Wirklichkeit in gleichsam stellvertretende Ideen hinein transformiert. Diese Verwandlung führt dann dazu, dass Ideen, die von der Logik ihrer eigenen Verhältnisse her als Ideen bestimmt werden, dadurch eine Art höhere „Realität“ beanspruchen, die sich von den wirklichen Vorgängen, denen sie entsprechen sollten, weit entfernen kann.

Auf diese Weise wird unser Leben durch eine Logik bestimmt, die wenig mit der Wirklichkeit der menschlichen Leidenschaft, des Enthusiasmus oder der Aufrichtigkeit zu tun hat. Deshalb schrieb Kierkegaard, dass solche abstrakten Vorgänge „die wirkliche Situation in unwirkliche Tricks und Realität in ein Spiel“ verwandeln. Die Konsequenzen solcher Vorgänge zerstören unseren Geist und unsere Möglichkeiten als Menschen, gerade weil die Abstraktion sich dafür eignet, Gefühle auszufiltern. Dadurch wird Abstraktion selbst zum Mittel unserer Destruktivität und insbesondere unserer verleugneten Destruktivität. Indem Ideen Vorgänge vertreten können, ohne die wirklichen Bedürfnisse und Beweggründe in Betracht zu ziehen, verlieren wir den Zugang zu ihnen, und unser Sicht wird eine reduzierte und eingeschränkte, ohne dass wir uns dessen bewusst sein müssten. Aber eine reduzierte Wahrnehmung – sie mag zwar wissenschaftlich gelten und dem Menschen kurzfristig Erfolg und Beherrschung bringen – muss unvermeidlich destruktiv auf das Leben wirken.


Die Auswirkungen sind rings um uns zu finden. Die Unterdrückung der Frau und die seelische Verarmung des Mannes wären dafür ein grundsätzliches Beispiel. Nur schreiben wir den daraus entstehenden Antagonismus „Instinkten“ zu. In Wirklichkeit sieht der Mann sich selbst und Frauen durch Abstraktionen, die einer Metaphysik der Notwendigkeit von Stärke, des Herrschens und der Macht entsprechen und nicht der eigentlichen Realität des anderen. Grundlegend für das Verhalten des Mannes in unserer Kultur ist die Angst vor Hilflosigkeit, Schwäche und Verwundbarkeit. Er kann sie sich aber nicht eingestehen, da seine Metaphysik des Seins auf Heldentum zielt. Sogar wenn er Heldentum für sich selbst nicht für möglich hält, bleibt es immer noch sein Wertmaßstab. Seine Selbstachtung ruht deswegen auf dem Image seiner Wichtigkeit (also wirklicher oder auch nur eingebildeter Macht), für deren Bestätigung er Bewunderung benötigt. Und dazu dient ihm die Abstraktion der Frau, die in ihrer behaupteten „Minderwertigkeit“ oder zumindest „Unterlegenheit“ die Chance erhält, durch die Anerkennung seiner „Kraft“ und „Überlegenheit“ dieses Image aufzubauen und zu stabilisieren.

Wir lernen viel über die Auswirkungen solcher abstrakten Begriffe - in deren Sinne Menschen sich bewegen – durch jene Frauen, die hier nicht mitmachen. D.H. Lawrence gibt uns in seinem Roman „Der Regenbogen“ (1915) ein Portrait solch einer Frau in der Person der jungen Lehrerin W. Inger. Er lässt sie sagen: „Die Männer … machen viel Getue und reden, aber in Wirklichkeit sind sie hohl. Sie pressen alles in eine wirkungslose Schablone. Liebe ist für sie eine tote Vorstellung. Sie kommen nicht zu einem und lieben einen, sie kommen zu einer Vorstellung und sagen: „du bist meine Vorstellung“, so lieben sie sich selbst. Als ob ich irgendeines Mannes Vorstellung wäre! Als ob ich existiere, weil ein Mann eine Vorstellung von mir hat! Als ob ich von ihm verraten sein will, ihm meinen Körper als Instrument für seine Vorstellung leihen will, um nur ein Apparat für seine tote Theorie zu sein… Sie können eine Frau nicht nehmen. Sie kommen jedes Mal zu ihrer eigenen Vorstellung und nehmen die statt dessen. Sie gleichen Schlangen, die versuchen, sich selbst zu verschlingen, weil sie hungrig sind.“

Also macht die Abstraktion uns Männer unwirklich, und die Liebe, nach der wir jagen, bleibt außer Reichweite. Statt wahre Intimität zu suchen, zielen wir auf Bewunderung. Die Wirkungen der daraus resultierenden gegenseitigen Bestätigung von Bildern wird Realität genannt. Aber dadurch rührt niemand den anderen an, bleibt unverwundbar, leider aber auch leer. Und die Leere erzeugt Angst, die Angst wiederum Wut, und die Wut Aggression. Und die treibt uns immer weiter in ein abstraktes Verhalten hinein, dass die Abspaltung von den Gefühlen verstärkt.

Viele Frauen machen dieses Spiel mit. Sie nehmen das Image von der Macht des Mannes für bare Münze. Sie akzeptieren seine Vorstellungen, indem sie ihn einerseits bestätigen und dadurch aber auch ihrerseits „Macht“ ausüben. Dadurch wird Sex zum Mittel, über den Besitz des Mannes zu seinen mythisierten Kräften zu gelangen. Dass dies ein Akt der Destruktivität und nicht der Liebe ist, ersehen wir an der verdeckten Rache solcher Frauen, die darauf bestehen, zum Lenker des Schicksals des Mannes zu werden: Sie zwingen ihn, immer und in jeder Lage Held zu bleiben.

Wieder ist es D.H. Lawrence, der uns in „Liebende Frauen“ (1921) in der Gestalt der Gudrun und ihrer Beziehung zu Gerald, dem mächtigen Industriellen, davon ein Bild gibt:
„… sie küsste ihn, obwohl ihre Leidenschaft eine unklare Angst war vor dem, was er darstellte, wobei sie sein Gesicht mit ihren unendlich sanften, fragenden Fingern berührte. Ihre Finger gingen über sein Gesicht, seine Züge. Wie vollkommen und fremdartig er war – ah, wie gefährlich! … Sie küsste ihn und legte ihre Finger über sein Gesicht, seine Augen, seine Nasenflügel… um ihn zu erkennen, ihn durch Berührung zu besitzen… er war ein unaussprechlicher Feind, aber beschienen von unheimlichem weißem Feuer… Ah, wenn sie die kostbare Erkenntnis seines Selbst haben könnte, würde sie erfüllt sein, und nichts könnte sie dessen berauben… Ihre Finger hielten ihn in ihrer Macht. Das bodenlose Begehren, das sie in ihm hervor rufen konnte, war tiefer als der Tod, wo er keine Wahl hatte.“
Lawrence wusste, dass solche Frauen Männer – genauso wie die Männer, von denen sie erzeugt werden – nicht als Individuen sehen, sondern als Abstraktion der Macht, die sie besitzen müssen. Das Faszinierende ist seine Beschreibung von Gudruns Zärtlichkeiten, die vom Haß beflügelt werden, aber sexuell erregend sind – eine scharfsinnige Wahrnehmung der unbewussten Liebe für das Tödliche. Diese Liebe wächst aus der frühkindlichen Abhängigkeit von einem kalten und/oder abweisenden Liebesobjekt.

Ende Zitat aus A. Gruen "Der Verrat am Selbst".

v.Grüße dedizione

Geändert von dedizione (06.11.11 um 22:41 Uhr)

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Männlich Windpferd
Ja, D. H. Lawrence hat geliebt. Und hat aus seiner Liebe gearbeitet. Ohne Abstraktionen über das Problem der Abstraktionen wie Gruen. Und anders als Kiekegaard, der zwar der Begründer der Existenzphilosophie ist, aber einen alttestamentlichen Gott hatte, der ihm keine Verbindung mit einer Frau erlaubte. Der ihn buchstäblich in den Tod trieb.

"Ah, Moon of my delight who knowst no wane,
The Moon of Heaven is rising up again.
How oft hereafter rising shall She look
Through this same Garden after us in vain."
Steht auf einer Marmortafel (man muß sie ein wenig suchen) im Park der Villa Cimbrone hoch über Amalfi. Einem der schönsten Parks überhaupt; Blick bis nach Capri im Norden, bis nach Kalabrien im Süden. Im Westen das Tyrrenische Meer, im Osten der Apennin. Ein Text von H. D. Lawrence, in Anlehnung an einen persischen Mathematiker und Mystiker; aus dessen "me" hat L. ein "us" gemacht. Natürlich. Er war nicht alleine da.

Den Text hat er nicht lang vor seinem Tod dort eingravieren lassen.

Zur Liebe gehört auch, das Ende zu bedenken.

(Das, auch das, kann zu Aussöhnung führen.)

Windpferd

Geändert von Windpferd (06.11.11 um 23:35 Uhr)

Austausch zum Thema Sexualleben Frau/Mann

Fremder ist offline
Themenstarter Beiträge: 584
Seit: 21.06.11
Hallo Dedizione

Du kannst oder willst mich nicht verstehen, Mit jeder Zeile kommen neue Missverständnisse. Und leider Vorurteile immer wieder. Woher willst du wissen, dass ich die Frauen nicht verstehe? You did not make my day, you made me very sorry for you!!!

Es wird sicher besser sein, jede weitere Diskussion aufzugeben. Ich sehe ein, es hat keinen Sinn mit jemand zu diskutieren, der alles verdreht und nur Vorurteile hat. Ich habe resigniert!
Machs trotzdem gut und ich wünsche dir, dass du doch noch irgendwann in deinem Leben etwas Glück erleben kannst.
Werner

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Männlich Windpferd
Ihr drolliges Paar,

1) Was ist Glück? Falls es dies oder jenes ist: Belege erbeten.

2) Übrigens gibt es eine ganz einfache Lösung für Euch. Ihr verabredet Euch an einen schönen, ruhigen Ort, den Ihr Beide nicht kennt. Für, sagen wir, 9 Tage. Ihr kommt einander entgegen. Der Mann - der ja einiges stellvertretend für seine Männerkumpanen wiedergutzumachen hat - legt natürlich die größere Stecke zurück. Und nie werdet ihr irgendjemandem über diese Tage berichten. Auch nicht im Forum. Wir, die Zurückbleibenden, werden Euch beneiden - und Glück wünschen. (Auch wenn wir nicht wissen, was das ist.) Dies Meeting dürft ihr jedes Jahr einmal wiederholen. Solange es Euch noch Beide gibt.

3) Normalerweise sind derart lebensverändernde Ratschläge gebührenpflichtig. 3,5-facher GOA-Satz. Für Euch soll's gratis sein. Dies eine Mal.

Auguri
Cavallo del Vento

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Fremder ist offline
Themenstarter Beiträge: 584
Seit: 21.06.11
Hallo du drolliges Windpferd

Du bist ja ganz offensichtlich ein ganz Gescheiter.
Ja, solche Leute brauchen wir. Nicht unbedingt für unser Glück allerdings! Wer das schon hat, der muss auch nirgends wo mehr treffen. Und wer es nicht hat, der braucht auch kein Treffen, denn dort wird man kein Glück finden.
Trotzdem danke für den sehr tiefsinnigen Rat! Habe gar nicht gewusst, dass hier am Board solche tüchtige und weise Menschen sind.
Werner

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Oregano ist offline
Beiträge: 63.737
Seit: 10.01.04
Beim Lesen des Textes von Arno Gruen fällt mir das Thema "Narzißmus" wieder ein:

http://www.symptome.ch/vbboard/psych...arzissmus.html
http://www.symptome.ch/vbboard/famil...iederkehr.html

Meiner Meinung nach ist die "Abstraktion", von der ARno Gruen spricht, ein Ausweg, den sich Narzissten suchen und den sie praktizieren, um nicht unglücklich zu sein wegen ihrer enttäuschten Emotionen. Es ist ein Modell, das im Prinzip sehr gut funktioniert, so lange nicht eben die Abstraktion so weit geht, daß Emotionen und Gefühle gar nicht mehr zum Tragen kommen können.

Grüsse,
Oregano


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