Welches ist das richtige Potenzmittel?

01.10.12 23:54 #1
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Welches ist das richtige Potenzmittel?
Männlich Windpferd
Hallo NS,

wenn Du so genau und so sicher Bescheid weißt - warum mußt Du Dich denn dann affektiv erhitzen? Abwertend schreiben über Menschen, Ideen, die Du gar nicht kennst?

Und wenn Du so sicher auf Deiner vermeintlichen Selbstbestimmtheit, auf der Unfehlbarkeit Deiner Urteile bestehst - warum stilisierst Du Dich dann als Opfer (von Zahnärzten, Gesundheitspolitikern, sonstigen Ignoranten)?

Schau: wenn wir ein ideales Rechtswesen hätten, dann würdest Du möglicherweise diesen oder jenen Prozeß gewinnen. Aber der Aufgabe, Dich für Deine Geliebte erkennbar zu machen - auch dort, wo's peinlich und damit fruchtbar wird - wärst Du keinen Schritt näher gekommen.

"Existentielle" Sexualtherapie hat's nicht mit Vergangenheit, mit Interpretationen zu tun - sondern mit unserem gegenwärtigen Handeln, mit unseren Entscheidungen. Oder damit, daß wir uns diese Chance verschleiern.

Alles Liebe,
Windpferd

Welches ist das richtige Potenzmittel?
kopf
ich denke , Offenheit kann wirkliche Nähe schaffen und eine herangehensweise mittels therapeutischen gesprächen ist auch gut !
häufig spielen genussmittel eine grosse Rolle . Kaffee etc .

empfehlen zur stofflichen unterstützung kann man wohl Pycnogenol ,auch in kombination mit L-Arginin :

LG kopf

Welches ist das richtige Potenzmittel?
Männlich Windpferd
Hallo Kopf,

tja der Kaffee. Als der zum ersten mal nach Europa kam (durch den expandierenden Seehandel der Venezianer), galt er hier als Aphodisiakum. Während ich heute so runtergekommen bin, daß ich zwei Becher brauche, um richtig wach zu werden.

Ja, man kann allerlei einwerfen. Aber es macht für eine Frau schon einen großen Unterschied, ob die von ihr durchaus geschätzte, machtvolle Erektion von einem PDE-5-Hemmer, vielleicht auch einer Überdosis Arginin kommt - oder aber, ob der Mann reagiert auf sie, die Geliebte, ganz persönlich. Oder ob die Pillen / Kapseln heimlich geschluckt werden, was natürlich einer Lüge gleichkommt. Eine Frau meinte, es sei für sie ein erheblicher Unterschied zwischen einer "echten, lebendigen" und einer "mechanischen, vollautomatischen" (d.h. medikamentös induzierten) Erektion.

(Nebenbei: das schönste Buch über Aprodisiaka stammt von Isabel Allende, "Aphrodite". Es ist eine bebilderte Sammlung - vielfach raffinierter - Rezepte, mit viel amüsanten kulturgeschichtlichen Details, relevanten Mythen, fröhlich und frech erzählt. [Übrigens das erste Buch der Autorin nach "Paula", der Bewältigung des Todes ihrer Tochter. Diese Reihenfolge gibt es immer wieder mal im Werk von Dichtern, Komponisten.])

Ein krankmachender Faktor ist vermutlich die kulturelle Norm, die die Verpflichtung des Lovers regelt. (Sehr streng für den Mann; die Frauen sehen's oft nicht so eng.) Dieser hat erigiert zu sein, mit beliebigem Durchhaltevermögen, der Gefährtin möglichst multiple Orgasmen zu "machen" und, mit deren letztem, in Ekstase zu ejakulieren. Immerdar. Soweit, so unmöglich. Und bei ein wenig Reflexion auch gar nicht wünschenswert - wo bleibt denn da noch Raum für Überraschungen, Erfinderkraft, Androgynie, Spiel? ("Einander erfinden", der schöne Buchtitel eines Gestalttherapeuten.) Ich glaub, dahinter steckt eine vernichtende Angst, "kein richtiger Mann" zu sein. Wenn ich nicht der genannten Norm entspreche. Und dann verlassen zu werden. Allein der Glaube an die Gültigkeit dieser Norm garantiert das Scheitern.

Aber man sollte chronische Impotenz schon auf der körperlichen Ebene sehr ernst nehmen. Sie korreliert nachweislich signifikant mit dem Risiko, in den folgenden Jahren einen Schlaganfall oder eine koronare Durchblutungsstörung bis zum Infarkt zu erleiden. Vermittelnd vermutlich eine endotheliale Dysfunktion, d.h. ein Verlust der Flexibilität und Weite der Kapillaren. Die natürlich nicht vom "Alter" kommt, sondern von Fehlernährung, Borrelien, Elektrosmog usw. Diese Faktoren muß man ändern - bei Bedarf eine Erektion herbeizuführen, bringt nichts.

(Auch bei den an sich wirksamen NEM ist viel Fachkenntnis erforderlich. L-Arginin in hohen Dosen ist für die Gefäße schon gut - aber es ist das Lieblingsfutter von Herpesviren. Da die Durchseuchung riesig ist, kriegt man mit höherer Wahrscheinlichkeit Rezidive. Vielleicht kann man da mit L-Lysin gegensteuern, aber das ist unsicher. Magnesium - manchmal als Antiendothelin bezeichnet - wird wiederum von Borrelien sehr geschätzt; also nicht oral, nicht parenteral sondern nur transdermal, d.h. eigentlich nur Mg-Chlorid-Hexahydrat. Aber ob ich auf diesem Weg genug kriege? Dies sind, wenn ich mich recht erinnere, Klinghardt-Regeln.)

Zu Offenheit, intimacy oder - gefällt mir am besten - "telling the microscopic truth". Was ja z.T. angeblich nicht verstanden worden ist oder zu "abstrakt" war. (Glaub ich nicht.) Es ist nämlich überaus konkret. Eines von sehr vielen Beispielen: Vielleicht kennt jemand die irritierende Frage während des Zusammenseins: "Woran denkst du denn?" Die stereotype Antwort: "Aber Schätzelein, ich bin doch ganz bei dir." Ist halt nur gelogen, in der Mehrzahl der Fälle. Denn aus mehreren großen Befragungen weiß man, daß ca. 85 % der Männer und ca. 75 % der Frauen eben während des Zusammenseins sehr lebhafte Wachfantasien haben, in denen allerdings andere sexuelle Praktiken ausgeübt werden als in gegenwärtigen Wirklichkeit. Jeweils 10 % weniger gehen soweit, das Zusammensein mit anderen PartnerInnen zu fantasieren. Und dies in den prüden USA. (Vermutlich wären die Werte für Frauen ansonsten noch etwas höher.)

Die Geliebte ist eher nicht entzückt, wenn sie das vom Partner hört. "Soo ...!" Das kann eine Krise geben. Gedämpft in der Regel durch die Vergegenwärtigung, daß es sich bei ihr sehr ähnlich verhält. Eine spannende und fruchtbare Situation. Vor allem dann - das ist wichtig - wenn mit dem erforderlichen, großen Mut detailliert berichtet wird. Sexuelle Interaktion ist nun mal sehr reich an Details. Wobei es natürlich nicht um Sünden geht, die ich nun beichten muß - es sei denn ich lege partout Wert darauf - sondern um bis dahin unbekannte Neuigkeiten, mit denen man einiges anfangen kann. Natürlich nicht psychologisieren, analysieren - das wär pure Faulheit. (Schnarch spricht ja von "existential" und "sexual laziness; die seien eng verwandt.) Man kann die Fantasien in echt "spielen". Spielen, das heißt, ich BIN tatsächlich der, den ich spiele. Nur dann berührt uns das Spiel. (Alles andere ist flach geschauspielert.) Oder, natürlich, ich handle nun so, wie ich es bisher nur in der Fantasie gewagt hab. (Bedarf manchmal der Absprache, klar; es geht nur zu zweit.)

Fast allen sträubt sich das Fell, wenn sie überhaupt nur davon hören. "Ich kann das nicht." - "Das wäre ja unecht." Hmm. Was könnte unecht daran sein, wenn ich mir x-mal ausfantasiere, was für ein Lover ich gern wäre - und dann versuche, der wirklich zu sein? Klar, es steh jedem frei, vor sich, vor der Geliebten davonzulaufen. Aber "Spielen" in diesem Sinn ermöglicht viele Entdeckungen. Daß ich mein Selbstbild bin, ist ein hinderliches Vorurteil. (Das Analoge gilt natürlich auch von meinem Fremdbild.)

Ist das immer noch zu "abstrakt"?

Wie dem auch sei -

alles Liebe,
Windpferd

Welches ist das richtige Potenzmittel?

Worm ist offline
Beiträge: 24
Seit: 25.01.13
Tja, Windpferd! Da muss ich Dir im Großen und Ganzen Recht geben...ich habe in den letzten 6-8 Jahren meiner Ehe sowohl mit den EDs meines Mannes, als auch mit Viagra, die er 2-3 mal ( so weit ich weiss ) nahm, Erfahrung machen müssen.
Am Ende war seine Einstellung zu unserer "gemeinsam" erlebten Sexualität mit ausschlaggebend für meine Trennung. Er war beim Sex nicht mehr anwesend, lag nur da mit geschlossenen Augen und ließ alles passieren..i.e. ich sorgte für seine Erektion bis seine Erregung ausreichte, dass ich ihn "zu Ende" ritt. Damit er das irgendwie hinkriegte war notwendig, dass er sein Kopfkino abspulte und ansonsten passiv blieb. Sobald ich ihn bat selbst mal aktiv zu werden, mich mal anzufassen, ...also im Grunde brauche ich nicht erklären was man tut, wenn man selbst teilhat an Sex...sobald ich also darum bat wahrgenommen zu werden, war es aus, mit der Erektion. In diesem Zusammenhang finde ich den Ausdruck von der "mechanischen, vollautomatischen Erektion" und der "echten, lebendigen" wirklich passend. Denn mit Viagra, dass er dann unbedingt nehmen wollte, hielt er stand, aber ich fühlte mich betrogen.
Langer Rede, kurzer Sinn..mir kommt es darauf an, dass ich begehrt werde; dazu muss ein Mann nicht zwangsläufig harte Fakten präsentieren. Ich habe meinen Mann immer mal gefragt, wie er sich unser Sexleben vorstellt, wenn wir alt sind, aber uns noch wollen. ( War eine rethorische Frage, denn da wollte er mich schon nicht mehr!) Wenn ich im Alter noch begehre und meinem Mann nahe sein will, dann sollte ich das körperliche Zusammensein nicht von einer Erektion abhängig machen. Dann will ich ihn spüren, Haut, seinen Körper, ALLES was möglich ist.. und wenn´s nicht funktioniert, dann soll ich auf das alles verzichten? Nach dem Motto "ALLES ODER NICHTS"? Wenn ich mich zu meinem Liebsten lege, dann will ich IHN und ich weiß wunderbarerweise nie, wohin die Reise geht, aber immer, dass es schön wird...und das reicht.
Für Männer die gesundheitliche Probs haben ist Viagra und Co u.U. ein Segen. Aber ich für meinen Teil möchte den Mann und seine Gefühle für mich, ob mit oder ohne Erektion...

Geändert von Worm (11.02.13 um 13:03 Uhr)

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ns69 ist offline
Beiträge: 76
Seit: 16.07.12
Zitat von Windpferd Beitrag anzeigen
Hallo NS,

wenn Du so genau und so sicher Bescheid weißt - warum mußt Du Dich denn dann affektiv erhitzen? Abwertend schreiben über Menschen, Ideen, die Du gar nicht kennst?

Und wenn Du so sicher auf Deiner vermeintlichen Selbstbestimmtheit, auf der Unfehlbarkeit Deiner Urteile bestehst - warum stilisierst Du Dich dann als Opfer (von Zahnärzten, Gesundheitspolitikern, sonstigen Ignoranten)?

Schau: wenn wir ein ideales Rechtswesen hätten, dann würdest Du möglicherweise diesen oder jenen Prozeß gewinnen. Aber der Aufgabe, Dich für Deine Geliebte erkennbar zu machen - auch dort, wo's peinlich und damit fruchtbar wird - wärst Du keinen Schritt näher gekommen.

"Existentielle" Sexualtherapie hat's nicht mit Vergangenheit, mit Interpretationen zu tun - sondern mit unserem gegenwärtigen Handeln, mit unseren Entscheidungen. Oder damit, daß wir uns diese Chance verschleiern.

Alles Liebe,
Windpferd
Hallo Windpferd,
ich habe doch geschrieben dass ich Dich nicht kritisiere. Was heißt ich weiß genau Bescheid ?- ich weiß was der Auslöser für den ganzen Wahnsinn war, schließlich stecke ich ja in meinem Körper und nicht wer anders - heißt aber nicht dass ich allwissend bin, sonst hätte ich das Leid schon im Griff. Nur die Schreiberlinge wissen es noch weniger als ich. Zu der von Dir erwähnten Geliebten kommt es erst gar nicht, weil die überwiegenden Frauen keine Lust auf impotente Männer haben - und ich weiß von was ich spreche. Und das ist kein Vorwurf an die Frauen darin unterscheiden sich die Geschlechter nicht. Natürlich sehe ich mich als Opfer - wenn eine Frau vergewaltigt wird oder ein Mensch durch Fremdverschulden in den Rollstuhl kommt wird ja auch verständlicherweise großes Aufhebens gemacht. Wenn aber sozusagen Nervengifte wie Quecksilber auf Rezept in Form von Amalgam verschrieben werden und dies der Auslöser von Impotenz ist wird dies vertuscht. Vielmehr wird das Opfer noch zum Sündenbock gemacht, damit die Seelendoktoren nach den "wahren" Ursachen forschen können. Was meinst Du mit Chancen verschleiern? Seltsamerweise lerne ich ja interessante Frauen können, also an mangelnder Offenheit kann es wohl nicht liegen - nur mag ich selbst nicht mehr. Der letzten Geliebten habe ich das wie Du sagst Peinliche schon im Vorfeld offenbart und Sie hatte dazu erst mal nicht viel gesagt aber wohl eher Verständnis gezeigt. O.K. Dann ist die Beziehung förmlich eingeschlafen Wir hatten dann nochmals offen gesprochen auch O.K. Aber meinst Du dass solche Erlebnisse mit peinlichen Details gut für das Selbstbewußtsein sind - eher wohl nicht. Da hilft auch Reden nicht mehr. Es macht mich nur traurig und manchmal auch wütend aber nicht auf Menschen, die versuchen einem zu helfen. Vielleicht gehe ich ja zum Therapeuten hauptsächlich um mich "auszukotzen" und nicht damit er mir Rat gibt. Schließlich hat der Therapeut mich nicht versaut. Meine Welt sieht anders aus als Deine

Geändert von ns69 (11.02.13 um 13:38 Uhr)

Welches ist das richtige Potenzmittel?
Männlich Windpferd
Hallo Worm,

ein bißchen out of date - hatte vergessen.

. . . "sowohl mit den EDs meines Mannes, als auch mit Viagra . . ."
Hab eine ganze Weile gegrübelt, was "EDs" sind. Dachte, ich müsse ein Lexikon zu Rate ziehen. Nun fiel's mir ein aus dem Nichts und ich lach aus Entdeckerfreude.

Deine anschließende Beschreibung Euerer Gemeinsamkeit - schwer deprimierend. Dich völlig entwürdigend. "Als gäbe es mich nicht", ein Buchtitel.

"Am Ende war seine Einstellung zu unserer "gemeinsam" erlebten Sexualität mit ausschlaggebend für meine Trennung. Er war beim Sex nicht mehr anwesend, lag nur da mit geschlossenen Augen und ließ alles passieren..i.e. ich sorgte für seine Erektion bis seine Erregung ausreichte, dass ich ihn "zu Ende" ritt. Damit er das irgendwie hinkriegte, war notwendig, dass er sein Kopfkino abspulte und ansonsten passiv blieb. Sobald ich ihn bat, selbst mal aktiv zu werden, mich mal anzufassen, sobald ich also darum bat wahrgenommen zu werden, war es aus, mit der Erektion. In diesem Zusammenhang finde ich den Ausdruck von der "mechanischen, vollautomatischen Erektion" und der "echten, lebendigen" wirklich passend. Denn mit Viagra, dass er dann unbedingt nehmen wollte, hielt er stand, aber ich fühlte mich betrogen."
Natürlich könnte man fragen, wie eine Frau was dazu beiträgt, nicht mehr (oder nie) gewollt zu werden? Erster Einfall: sie verlangt viel zu wenig vom Herrscher. Mann will aber überfordert werden. Noch viel genauer: Eine der klügsten Liebenden (Helene) der Weltliteratur erklärt's ihrem Freund (Hans Karl) so: H.: "Die armen Frauen! Sie haben halt nicht die Kraft gehabt für euch beide." - H.K.: "Wie?" - H.: "Begehren ist Ihre Natur. Aber nicht: das - oder das - sondern von einem Wesen - alles - für immer! Es hätte eine die Kraft haben müssen, Sie zu zwingen, daß Sie von ihr immer mehr und mehr begehrt hätten. Bei der wären sie dann geblieben." - H.K.: "Wie Du mich kennst!" - H.: "Nach einer ganz kurzen Zeit waren sie dir alle gleichgültig, und du hast ein rasendes Mitleid gehabt, aber keine große Freundschaft für keine: das war mein Trost." - H.K.: "Wie du alles weißt! Da muß ich mich ja vor dir schämen." - "Schäm ich mich denn vor dir? Ah nein. Die Liebe schneidet ins lebendige Fleisch. Ich hätt nicht den kleinen Finger gerührt, eine solche Frau von dir wegzubringen. Es wär mir nicht dafür gestanden." (Hofmannsthal, "Der Schwierige. Lustspiel in drei Akten")

(Zum Glück ist das hier O.T.)

"...also im Grunde brauche ich nicht erklären was man tut, wenn man selbst teilhat an Sex..."
Es kann schon gut sein, das zu erklären. Im Zentrum steht "Eye-contact" = "I-contact". Dem weichen die weitaus meisten aus, d.h. z.B. sie "schlafen" im Finsteren miteinander, weil das angeblich "romatischer" sei. (Die Romantiker würden sich im Grab umdrehen.) Ca. zwei Drittel, lt. Umfragen von David Schnarch. Aus guten Grund: denn Blickkontakt, wenn man sich darauf einläßt, ist eine heftige Herausforderung. (Fast niemand weiß, wie man das überhaupt anfängt.) Zuerst der "Geist", dann der Körper! (Auch nach den Erfahrungen in kontemplativen Traditionen deszendiert die Energie stufenweis vom Scheitel zum Beckenboden, nicht andersrum.) -- Ein anderes Element: Nicht "Machen" sondern SPÜREN. Gaanz langsam. Zielfrei. Jede Berührung sagt nur DU . . . Spüren braucht langes Training. Auch schon mit "nonsexual touch". Gibt's nicht mehr. (Wenn man den Menschen zuschaut, wie sie einander an den Straßenkreuzungen ihre Streicheleinheiten verabfolgen . . .)

Ich bin darauf mal schockartig aufmerksam geworden. Mit einer Bekannten in einem Lokal. Sie hatte sich ein Knie verletzt und ich legte ihr wohlwollend meine Handfläche auf die schmerzende Stelle. Nach einer kleinen Weile schaute sie mich entgeistert an: "Ja wie berührst du mich denn? So spürst du doch nichts! Meinst du mich denn überhaupt?" Sie war eine hochkarätige Tänzerin; die spüren natürlich alles. Aber sie war geduldig; ließ mich ausprobieren, wie das denn gehe, sie zu "meinen". Nicht einfach - d.h. extrem einfach, aber gerade dadurch schwierig für mich. Am Ende der Blindversuch: mal "meinte" ich sie, mal nicht, in unregelmäßiger Folge. Sie erriet jedesmal, was im mir vorging. Auch sowas kann ein "Potenzmittel" sein. (Was für ein abstruses Wort.)

"Langer Rede, kurzer Sinn..mir kommt es darauf an, dass ich begehrt werde" -
das ist eine der zentralen - obwohl eigentlich simplen - Unterscheidungen bei David Schnarch: "I want you" - das ist etwas grundlegend anderes als "I need you". - " I want to be wanted" - dazu gehört Mut. "I need to be needed" - so ist's, wenn ich schwach bin. (Nicht "erektil schwach", sondern wenn ich mich hängen laß, mich drücke.) Der Mut kann eine Vorstufe sein, die Aufrichtigkeit ein Schritt zur Aufrichtung.

"Dazu muss ein Mann nicht zwangsläufig harte Fakten präsentieren."
Die Gegenmeinung ist primitiv, töricht materialistisch. Damit mein ich nicht eine materialistische Philosophie sondern ein feiges Sich-Verstecken der Person, des Ich hinter irgendwelchen Geschehnissen (oder deren Ausbleiben) im materiellen Körper.

"Ich habe meinen Mann immer mal gefragt, wie er sich unser Sexleben vorstellt, wenn wir alt sind, aber uns noch wollen. ( War eine rhetorische Frage, denn da wollte er mich schon nicht mehr!)"
Vielleicht hat er nie begriffen, was dieses Wollen bedeutet und wie es sich anfühlt. Daß es eben kein Sich-gedrängt, Sich-getrieben-Fühlen ist. Sondern eine immer neue Entscheidung.

Wenn ich im Alter noch begehre und meinem Mann nahe sein will, dann sollte ich das körperliche Zusammensein nicht von einer Erektion abhängig machen.
Was zudem der Gipfel der Antikreativität ist. Was für eine unbegreifliche Absurdität, eine Liebes-Beziehung abhängig zu machen vom Verhalten eines Stückchens Gewebe, das schon recht eindrucksvoll ist im Sich-Aufrichten oder Erschlaffen - aber soo originell und singulär doch auch wieder nicht.

"Und wenn´s nicht funktioniert"
das Wort "funktionieren" stört mich - es bewertet, als gäbe es einen technisch richtigen Ablauf. Faktisch ist aber alles, was geschieht oder ausbleibt, Mitteilung, auch wenn wir sie nicht verstehen (was sowieso die Regel ist). Personen kommunizieren durch ihre Organismen. Und diese schmuggeln - gemein, ja - machmal ganz neue Dinge ins Gespräch ein.

"Wenn ich mich zu meinem Liebsten lege, dann will ich IHN und ich weiß wunderbarerweise nie, wohin die Reise geht, aber immer, dass es schön wird...und das reicht."
Sie kann auch schmerzlich werden. Nicht alles ist vorher gebucht. Kein Reklamationsrecht. Wie in diesem Leben insgesamt.

"Für Männer die gesundheitliche Probs haben, ist Viagra und Co u.U. ein Segen."
An diesem "Segen" hab ich Zweifel. "Probleme" sind unvermeidbar. Sie werden immer schwerer. Manche sind lösbar, aber die Grundstruktur der - lettztlich letalen - Problemanfälligkeit bleibt. Es steht uns frei, uns darüber hinwegzutäuschen. (Neuerdings wird darüber gefaselt, daß der Mensch in absehbarer Zeit unsterblich werde, weil man die Telomere an der DMA wieder verlängern könne.) Aber ist das gut? und wie lang? ("Herr, lehre uns doch, daß es ein Ende mit mir Haben muß und daß ich davon muß . . ." Brahms, Ein Deutsches Requiem.)

Übrigens, ein späteres Werk von David Schnarch ("Resurrecting Sex", nicht übersetzt) beschäftigt sich ausführlich mit dem Bereich krankheitsbedingter sexueller Dysfunktionen, vor allem damit, was der von Dir genannte "Segen" für Rollen spielt in der Kommunikation zwischen Partnern. (Disclaimer: Das ist keine Werbung sondern ein Hinweis auf ein Standardwerk.)

David Schnarch hat in seinen beiden Hauptwerken je ein Schlußkapitel, betitelt "Liebe und Tod". Die sind nahe verwandt - oder eins? Sie haben gemeinsam, daß wir in beiden Situationen am Ende mit unserem Latein sind. Wie mit Sexualität auch, nebenbei. Je mehr wir jemanden lieben, desto schwerer erträglich wird das Unausweichliche: daß wir ihn mit absoluter Sicherheit verlieren werden. Oder er uns.

"Aber ich für meinen Teil möchte den Mann und seine Gefühle für mich, ob mit oder ohne Erektion..."
Dazu fällt mir eine für mich immer noch etwas rätselhafte Geschichte ein. Eines Nachts - ich war noch ziemlich jung - hatte ich, um die schöne Abkürzung nochmal zu verwenden, eine "ED". Zum ersten Mal, ohne erkennbaren Grund. War mir "natürlich" (?) sehr peinlich. Meine Gefährtin, zu meinem tiefen Erstaunen, war freudig berührt - als habe sie nun endlich den langgesuchten Geliebten gefunden. (Dabei hatte sie nichts gegen Erektionen, ganz im Gegenteil.) Vielleicht - eine nachträgliche Interpretation - als sei ich nun endlich "direkt" da, nicht immer "hinter" diesem maskulinen Vorbau.

Eine Hintergrundfrage ist mir geblieben: Was drückt Dein Nickname aus? Er scheint mir wenig zu tun zu haben mit diesem Thema oder der Weise, wie Du schreibst. -- Schon wieder O.T. Aber sorry bin ich nicht.

Liebe Grüße,
Windpferd

Welches ist das richtige Potenzmittel?

Worm ist offline
Beiträge: 24
Seit: 25.01.13
Hallo Windpferd,
sehr interessante Meinungen, die Du mir das kundtust.

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Natürlich könnte man fragen, wie eine Frau was dazu beiträgt, nicht mehr (oder nie) gewollt zu werden? Erster Einfall: sie verlangt viel zu wenig vom Herrscher. Mann will aber überfordert werden. Noch viel genauer: Eine der klügsten Liebenden (Helene) der Weltliteratur erklärt's ihrem Freund (Hans Karl) so: H.: "Die armen Frauen! Sie haben halt nicht die Kraft gehabt für euch beide." - H.K.: "Wie?" - H.: "Begehren ist Ihre Natur. Aber nicht: das - oder das - sondern von einem Wesen - alles - für immer! Es hätte eine die Kraft haben müssen, Sie zu zwingen, daß Sie von ihr immer mehr und mehr begehrt hätten. Bei der wären sie dann geblieben." - H.K.: "Wie Du mich kennst!" - H.: "Nach einer ganz kurzen Zeit waren sie dir alle gleichgültig, und du hast ein rasendes Mitleid gehabt, aber keine große Freundschaft für keine: das war mein Trost." - H.K.: "Wie du alles weißt! Da muß ich mich ja vor dir schämen." - "Schäm ich mich denn vor dir? Ah nein. Die Liebe schneidet ins lebendige Fleisch. Ich hätt nicht den kleinen Finger gerührt, eine solche Frau von dir wegzubringen. Es wär mir nicht dafür gestanden." (Hofmannsthal, "Der Schwierige. Lustspiel in drei Akten")
Das ist mir zu affektiert, was die Helene da von sich gibt. Ich muss auch sagen, dass ich noch nie erlebt habe, dass ein Mann in der Liebe tut, was er nicht will. Also könnte man sagen, Männer wollen "gezwungen" werden zu begehren? Dumm gelaufen...ich habe meinen Mann gewollt, fühlte mich von ihm angezogen, ..und dachte, das es ihm auch so geht, ohne Zwang. Aber er sagte mir am Ende mal, "diese Mischung aus Geilheit und Verliebtheit" mit der ich auf ihn zugegangen wäre, hätte er nie verstanden. Nach 20 Jahren Zusammensein habe ich so auf ihn gewirkt! Das nehme ich als Kompliment und es sagt wohl einiges darüber aus, was er so von der Frau an seiner Seite erwartet.

Zitat von Windpferd Beitrag anzeigen
Es kann schon gut sein, das zu erklären. Im Zentrum steht "Eye-contact" = "I-contact". Dem weichen die weitaus meisten aus, d.h. z.B. sie "schlafen" im Finsteren miteinander, weil das angeblich "romatischer" sei. (Die Romantiker würden sich im Grab umdrehen.) Ca. zwei Drittel, lt. Umfragen von David Schnarch. Aus guten Grund: denn Blickkontakt, wenn man sich darauf einläßt, ist eine heftige Herausforderung. (Fast niemand weiß, wie man das überhaupt anfängt.)
Dass es so traurig um das sexuelle Miteinander von Männern und Frauen bestellt ist, hätte ich nicht gedacht. Ich habe noch jedem Mann, mit dem ich zusammen war in die Augen gesehen. Das hat was mit Hingabe zu tun, ohne die keine Intimität und für mich kaum Befriedigung möglich ist...meiner Meinung nach!


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das Wort "funktionieren" stört mich - es bewertet, als gäbe es einen technisch richtigen Ablauf. Faktisch ist aber alles, was geschieht oder ausbleibt, Mitteilung, auch wenn wir sie nicht verstehen (was sowieso die Regel ist). Personen kommunizieren durch ihre Organismen. Und diese schmuggeln - gemein, ja - machmal ganz neue Dinge ins Gespräch ein.
Ja, das Wort "funktionieren" bewertet..in diesem Zusammenhang auch. Und offensichtlich gibt es für den Konsens einen technische richtigen Ablauf. So, wie es sein sollte... Aus meinem Kontext läßt sich aber erkennen, wie ich zum "Funktionieren" beim Sex stehe, oder

Deine "rätselhafte Geschichte" gefällt mir gut. Ich kann Deine damalige Partnerin verstehen. Es ist Bestandteil der Liebe, Authentizität zu wollen..im besten Fall die Echtheit der Liebe, die der andere für einen empfindet.

Mein Nickname hat nichts mit speziell DIESEM Forum zu tun. Er entspringt auf einem Umweg der Liebe meinem beruflichen Umfeld. Seine Bedeutung preiszugeben würde mich hier meiner Anonymität berauben...


Liebe Grüße
worm

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ns69 ist offline
Beiträge: 76
Seit: 16.07.12
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Hallo Windpferd,
sehr interessante Meinungen, die Du mir das kundtust.

Das ist mir zu affektiert, was die Helene da von sich gibt. Ich muss auch sagen, dass ich noch nie erlebt habe, dass ein Mann in der Liebe tut, was er nicht will. Also könnte man sagen, Männer wollen "gezwungen" werden zu begehren? Dumm gelaufen...ich habe meinen Mann gewollt, fühlte mich von ihm angezogen, ..und dachte, das es ihm auch so geht, ohne Zwang. Aber er sagte mir am Ende mal, "diese Mischung aus Geilheit und Verliebtheit" mit der ich auf ihn zugegangen wäre, hätte er nie verstanden. Nach 20 Jahren Zusammensein habe ich so auf ihn gewirkt! Das nehme ich als Kompliment und es sagt wohl einiges darüber aus, was er so von der Frau an seiner Seite erwartet.
worm
Hallo Worm, dies ist sehr interessant was und wie Du schreibst - so authentisch und ehrlich kommt es mir vor. Damit kann ich was anfangen. LG

Welches ist das richtige Potenzmittel?

Worm ist offline
Beiträge: 24
Seit: 25.01.13
Danke, ns69!

Welches ist das richtige Potenzmittel?

priest ist offline
Beiträge: 56
Seit: 09.05.12
Schon mal an Intoleranzen gedacht? Und das Kalium-Natrium Verhältnis?

Ich kann nicht für andere sprechen aber wenn ich zu wenig Natrium habe (oder zuviel Kalium) dann wird meiner auch nur "halbhart"

Deshalb dachte ich schon mal ohje, jetzt fängts an, ich krieg keinen mehr hoch. Aber wenn ich mich gut ernähre dann ist alles total OK

PS: Das worüber wir reden ist im Prinzip ein Muskel und Kalium entspannt Muskeln bekanntlich, Natrium sorgt für die Spannung. Kann auch passieren wenn man zuviel trinkt und man damit mehr Natrium ausscheidet. Klar, das sind jetzt rein physiologische Gedanken und man muss natürlich schon noch "Lust" spüren.

Geändert von priest (17.03.13 um 17:30 Uhr)


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