Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

19.01.14 12:11 #1
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Kate ist offline
Moderatorin
Beiträge: 9.949
Seit: 16.11.04
Hallo zusammen,

ich möchte Euch kurz mit dem Link zu einer 3SAT-Sendung (die noch in der Mediathek verfügbar ist) auf dieses interessante Thema aufmerksam machen: 3sat.online - Mediathek: Was die Seele stark macht

Zur Sendung:
Was die Seele stark macht

Resilienzforschung

Mit der Frage "Was die Seele stark macht" befasst sich seit etwa 50 Jahren die Resilienzforschung. Sie untersucht, welche Fähigkeiten und Einstellungen den Menschen Krisen gut überstehen lassen.
Genetiker sprechen von einer Erbanlage, Bindungsforscher von Vertrauensbildung und Selbstwertgefühl, die sich in den ersten Lebensjahren entwickeln müssen. Aber zur Resilienz gehört mehr: Sie ist nicht unumstößlich schicksalhaft gegeben, sondern umfasst auch Techniken und Strategien, die erlern- und trainierbar sind.

Unsere Gäste:

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Psychologe und Pädagoge
Judith Glück, Psychologin
Raffael Kalisch, Humanbiologe und Neurowissenschaftler
Quelle: Was die Seele stark macht - Resilienzforschung

Die Sendung beleuchtet das Thema differenziert von verschiedenen Seiten. Was mir etwas zu kurz kommt, ist die Resilienzförderung bei Erwachsenen (was sich evtl. nicht nur anders, sondern auch schwieriger gestalten könnte als bei Kindern)

Einen schönen Sonntag wünscht Euch
Kate

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Meine Aussagen basieren auf eigenen Erfahrungen/Recherchen und stellen keinen medizinischen Rat dar.

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 22.402
Seit: 26.04.04
Hallo Kate,

ich habe die Sendung gesehen und schließe mich dem an:
Was mir etwas zu kurz kommt, ist die Resilienzförderung bei Erwachsenen
Hatte mir von der Beleuchtung dieser Thematik mehr versprochen...

Liebe Grüße,
Malve

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

Oregano ist offline
Beiträge: 60.875
Seit: 10.01.04
Noch ein Artikel zum Thema:

Planet Wissen - Resilienz - Was uns stark macht

Grüsse,
Oregano
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Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

ory ist offline
Weiblich ory
Moderatorin
Beiträge: 7.752
Seit: 04.02.09
hallo oregano ,

"Nicht alles ist beherrschbar und manches ist so unerträglich, dass es zynisch wäre, von einem Menschen resilientes Verhalten zu erwarten",
diesen satz aus dem link kann ich nur unterstreichen .

lg ory
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Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen. (Buddhistische Weisheit)

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

Oregano ist offline
Beiträge: 60.875
Seit: 10.01.04
Ich denke, daß das Thema "Resilienz" ein ganz schwieriges und subtiles Thema ist, weil die Voraussetzungen jedes einzelnen Menschen eben zur Resilienz ja verschieden sind, und zwar in vieler Hinsicht:
Vererbung, Geburt, Umfeld, Erziehung, Probleme der Eltern und der Familie überhaupt, kulturelle Einflüsse usw. spielen eine Rolle.

Generell mag das richtig sein:

...Resilienz entsteht meist früh. Aber sie lässt sich auch im späteren Leben noch erlernen. Wer sich nicht gewappnet fühlt für den nächsten Sturm, dem empfiehlt Friedrich Lösel folgende Strategie: "Man sollte sich nicht zu viel zumuten, aber durchaus einigen Anforderungen stellen." An den Erfolgen lerne man, dass schwierige Aufgaben zu meistern sind. Und wer von Anfang an auch Scheitern einkalkuliert, der lernt auch aus Misserfolgen, ohne diese nur negativ zu sehen. "Auf diese Art wächst man an seinen Aufgaben", sagt Lösel. Auch das ist nämlich eine Gabe der seelisch Starken. Sie klammern sich nicht an bestimmte Lebensentwürfe oder Vorstellungen, sondern betreiben "flexible Zielanpassung". Ein Ziel wird hartnäckig verfolgt, aber nur solange, bis sich herausstellt, dass es zwecklos ist.
Psychologie - Die starken Kinder von Kauai - Gesundheit - Süddeutsche.de

Wenn man in die Suchfunktion der SZ "Resilienz" eingibt, finden sich noch etliche Beiträge.

Grüsse,
Oregano
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Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

philia ist offline
Beiträge: 286
Seit: 13.03.11
Ups, als ich dies Zitat eben oben gelesen hatte...

"Nicht alles ist beherrschbar und manches ist so unerträglich, dass es zynisch wäre, von einem Menschen resilientes Verhalten zu erwarten",

... da musste ich unwillkürlich an das kleine Kind denken, für das es langfristig ums blanke Überleben im Kreise "eigentlich" für es verantwortlicher permanent hohnlachender Spötter ging, die sich aber mit dem Spott nicht nur nicht begnügten, sondern permanent perfideste Fallen stellten. (Anm: Es wusste natürlich, dass es ein Jugendamt gibt, dass es Telefonseelsorge gibt etc. Das Problem war: es wurde überwacht, zensiert, "eingeschlossen", natürlich oft genug auch "bestraft", und Telefonieren war nur im Beisein dieser "Aufsichtspersonen" erlaubt. All das war leider demnach nur blanke Theorie. - Das Weitere lass ich mal...)
In seiner eigenen Art hatte das über Jahre 24 Std. täglich bedrohte Kind sich seine Würde u. a. dadurch zu bewahren gesucht, dass es in seinem zarten Alter bereits zum abgebrühten Zyniker mutierte, um des blanken Überlebens willen, denn mit Körperkräften o. ä. konnte es den Erwachsenen ja nicht Paroli bieten. Es hat aber auch ausdrücklich unterschieden zwischen harmlosen, lieben Erwachsenen, die ihm ja auch dann und wann begegneten und mit denen es ausdrücklich auch anständig und vernünftig redete, während es nur seinen leider sein Leben maßgeblich beeinflussenden Feinden mit kaltem Zynismus begegnete.

Vielleicht ist das ja dann auch eine Art Resilienz

Jedenfalls hat es sich Jahrzehnte später einmal bei einer älteren Dame (liebe Nachbarin) zu dem Thema das Herz erleichtert, wobei die Nachbarin, die noch die Nazizeit miterlebt hatte und durchaus KZs von innen kannte, dann zu ihr sagte: "Was du erlebt hast, war ja schlimmer als bei Hitler!" - Das war der erste Mensch, bei dem das ehemalige Kind wirklich verstanden wurde.

Alle anderen machen am Geburtsdatum des Kindes fest, dass es Schlimmeres als bei Hitler gar nicht erlebt haben kann und lachen es deshalb aus, wenn es nur die Anfänge der Tortur erwähnt...

Manchmal dauert es ziemlich lange...

Geändert von philia (20.04.17 um 14:39 Uhr)

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

Kayen ist offline
Beiträge: 4.425
Seit: 14.03.07
Zitat von philia Beitrag anzeigen

Vielleicht ist das ja dann auch eine Art Resilienz
Es hat aber auch ausdrücklich unterschieden zwischen harmlosen, lieben Erwachsenen, die ihm ja auch dann und wann begegneten und mit denen es ausdrücklich auch anständig und vernünftig redete, während es nur seinen leider sein Leben maßgeblich beeinflussenden Feinden mit kaltem Zynismus begegnete
Hallo philia,

doch, ja, von meinem Gefühl her würde ich sagen, dass es sich um eine Art Resilienz handelt; und Stärke bedeuten kann "die Spreu vom Weizen zu trennen" und dem Guten offen zu begegnen und sich vor allen Anderen zu schützen.
Aber Kinder haben generell ein gutes Gespür für Menschen.

Bei Erwachsenen wird die Resilienz so betrachtet:

"Der Schlüssel liegt in uns selbst!", erklärt die Ärztin und Unternehmensberaterin Dr. Mirriam Prieß.
Jeder kann resilient, also psychisch stark und widerstandsfähig werden, wenn er einige wenige Grundsätze befolgt.
Ohne es zu wissen, begehen die meisten von uns zwei entscheidende Fehler in ihrem Alltag: Wir kämpfen gegen das an, was wir nicht wollen, und wir meinen, uns durch Härte schützen zu können.
Dadurch aber verlieren wir unbemerkt und sukzessive an Kraft.
Anstatt stark zu bleiben und zu wachsen – werden wir immer schwächer und stressanfälliger.
Psychische Stärke entsteht nicht durch Widerstand und Abwehr, sondern durch die Fähigkeit zur Begegnung.
Wenn man dem Leben in seinen Höhen und Tiefen auf Augenhöhe begegnet, Dinge annimmt, wieder abgibt und loslässt.
Nur so kann man im Fluss des Lebens bleiben und das Leben erfolgreich leben."

http://www.mirriampriess.de/buecher/...r-staerke.html


Um auf "Augenhöhe" zu bleiben, bedarf es generell ein "good will" von Beiden Seiten, was das ganze nicht einfach macht. Generell hier von "Fehler" zu sprechen empfinde ich als unrichtig bzw. nicht "weitsichtig" genug.

Beste Grüße von Kayen
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Alles verändert sich - dahinter ruht ein Ewiges

Geändert von Kayen (20.04.17 um 20:21 Uhr) Grund: link eingefügt

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

philia ist offline
Beiträge: 286
Seit: 13.03.11
Kayen, dann habe ich dich richtig verstanden? Du meinst also auch, dass

all das, was für das Kind und später sogar noch in der Jugend (!) die Jahre über keineswegs beherrschbar und wirklich so unerträglich war, bewirkte, dass es zynisch wurde? Wer von einem (kleinen) Menschen (in dieser Situation) resilientes Verhalten erwartete, konnte dem Kind in der Situation mehr als schnuppe sein. Dabei ist es völlig egal, ob es Lehrer in der Schule waren, die davon wußten (!) oder in gerader Linie verwandte verantwortliche, "normalerweise" stets gegenwärtige, Angehörige sind, die das sogar maßgeblich eingefädelt haben. Denn beherrschbar war das für das Kind, u. a. da es damit zu Beginn überrumpelt und im weiteren Verlauf sozusagen gezielt "aus der normalen Welt herausgehalten" wurde, definitiv nicht. Leider scheinen diese Tortur, die für manche Kinder ihr gesamtes Kinderleben lang dauerte, aber viele nicht überlebt zu haben.

Oder geht die Erwartung, resilientes Verhalten zu zeigen, in diesem Zitat gar nicht von einem Elternteil, Erzieher, Therapeuten, Arzt, Lehrer usw. aus und ist auf eine Person gemünzt, die entweder permanent oder regelmäßig in gewissen Abständen mit diesem zusammen ist bzw. sein muss?

"Nicht alles ist beherrschbar und manches ist so unerträglich, dass es zynisch wäre, von einem Menschen resilientes Verhalten zu erwarten",

Denn wenn es völlig Unbeteiligte, Zufallsbekanntschaften oder solche sind, die gar nichts davon wissen und sich nicht vorstellen können, dass es durchaus auf diese Weise Alleingelassene auch heute gibt, die sich quasi nur selbst aus dem Sumpf ziehen können, wenn sie es denn können, dann sind die ja wohl kaum in einer solchen Erwartungshaltung, denke ich mal.

Geändert von philia (21.04.17 um 17:25 Uhr)

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

philia ist offline
Beiträge: 286
Seit: 13.03.11
Nun ja, jedenfalls ist es sicherlich ein interessantes Thema. Als Kind und Jugendlicher "richtig" aufzuwachsen, ist heute schwieriger denn je. Und Resilienz, also das Wort selber, ist mir erst kürzlich das erste Mal überhaupt begegnet. Da habe ich mir 2 Bücher darüber in der Bibliothek ausgeliehen. Sie handeln aber beide davon, wie man Resilienz in Kindern stärkt. Und dabei sind dann eben gerade die Personengruppen, die ich im vorigen Post aufgezählt habe, diejenigen, die das tun sollten.

Und wer von klein auf genau darauf verzichten musste, aber trotzdem heute noch lebt, und das einigermaßen unauffällig und vor allem selbstständig und nicht psychisch angeschlagen oder gar richtig krank, muss ja wohl selber eine Strategie entwickelt haben. Mich würde mal interessieren, ob es dazu auch was zu lesen gibt.

Denn entsprechende Personen, die auf diese Weise Resilienz entwickelt haben, ohne das Wort zu kennen, gibt es sicherlich auch in der Nachbarschaft.

Ich sag nur:

Flüchtlinge,

bitterarme Mehrfachchroniker im reichen Deutschland (die es deswegen sind, weil sie ihre Gesundheitsversorgung zu 99 % aus eigener Tasche zahlen müssen),

Obdachlose,

die immer größer werdende Gruppe der prekär Arbeitenden ohne Aussicht auf ein festes Einkommen, dass auch noch (was für eine unverschämte Forderung, fühlt man sich für D.land zu denken geneigt) den Lebensunterhalt deckt

usw.

Oder sind solche Berichte dann eher unter anderen Stichwörtern als Resilienz zu suchen bzw. zu finden?

Resilienzforschung - zw. Genetik, frühen Erfahrungen u. Training

Kayen ist offline
Beiträge: 4.425
Seit: 14.03.07
Zitat von philia Beitrag anzeigen
Kayen, dann habe ich dich richtig verstanden? Du meinst also auch, dass

all das, was für das Kind und später sogar noch in der Jugend (!) die Jahre über wirklich so unerträglich war, bewirkte, dass es zynisch wurde? Wer von einem (kleinen) Menschen (in dieser Situation) resilientes Verhalten erwartete, konnte dem Kind in der Situation mehr als schnuppe sein. Dabei ist es völlig egal, ob es Lehrer in der Schule waren, die davon wußten (!) oder in gerader Linie verwandte verantwortliche, "normalerweise" stets gegenwärtige, Angehörige sind, die das sogar maßgeblich eingefädelt haben. Denn beherrschbar war das definitiv nicht. Leider scheinen diese Tortur, die für manche Kinder ihr gesamtes Kinderleben lang dauerte, aber viele nicht überlebt zu haben.
Ja, philia, ich meine, dass das eine Art Resilienz ist. Schau mal hier:

Resilienz darf nicht statisch interpretiert werden.
Wie der Prozess der Traumatisierung ist auch die Entwicklung von Resilienz sequentiell interpretierbar. Außerdem können Faktoren oder Strategien, die in einer bestimmten Situation Resilienz fördern, in anderen Situationen eher hinderlich für die Entwicklung von Resilienz sein. Auch können positive Anpassungsleistungen, die als Ausdruck von Resilienz und Wachstum von Ressourcen interpretiert werden, mit Selbstberuhigungs-, Vermeidungs- und Verdrängungsstrategien einhergehen, hinter denen sich erhebliches Leid verbirgt.
Quelle Wikipedia

Und daraus ziehe ich den Umkehrschluss:
Hätte das Kind sich diesen von Dir näher beschriebenen Menschen (Aufsichtspersonen), welches es mit Zynismus begegnete, also gegen seine Natur sich diesen Menschen angepaßt, dann wäre dieser Mensch wahrscheinlich heute gebrochen (Sorry; ich kann hier alles nur vom Gefühl schreiben und habe selbst kein Buch über Kinder und Resilienz gelesen) und das ist für mich dann ebenso eine Überlebensstrategie oder Resilienz (wenn auch nicht direkt sichtbar).


Oder geht die Erwartung, resilientes Verhalten zu zeigen, in diesem Zitat gar nicht von einem Elternteil, Erzieher, Therapeuten, Arzt, Lehrer usw. aus und ist auf eine Person gemünzt, die entweder permanent oder regelmäßig in gewissen Abständen mit diesem zusammen ist bzw. sein muss?

"Nicht alles ist beherrschbar und manches ist so unerträglich, dass es zynisch wäre, von einem Menschen resilientes Verhalten zu erwarten",
Dies Zitat trifft doch den Umkehrschluss ganz gut; Zynismus (in unerträglichen Fällen, wie z.B. von Dir dargestellt) ist eine andere Strategie und vielleicht dann auch eine Art Resilienz.
(ich sehe das Zitat "Allgemein" an)

Denn wenn es völlig Unbeteiligte, Zufallsbekanntschaften oder solche sind, die gar nichts davon wissen und sich nicht vorstellen können, dass es durchaus auf diese Weise Alleingelassene auch heute gibt, die sich quasi nur selbst aus dem Sumpf ziehen können, wenn sie es denn können, dann sind die ja wohl kaum in einer solchen Erwartungshaltung, denke ich mal
Sicherlich wird man als Erwachsener dann nicht sofort lernen, diese fürchterlichen Strapazen abzulegen; jedoch könnte ich mir vorstellen mit der Zeit milder auf Begegnungen zu reagieren. (Wahrscheinlich leichter geschrieben als wirklich getan)


Beste Grüße von Kayen
__________________
Alles verändert sich - dahinter ruht ein Ewiges

Geändert von Kate (21.04.17 um 20:50 Uhr) Grund: Zitatfunktion eingefügt


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