Hermann Hesse

19.04.07 23:47 #1

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Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
So, hier "Im Nebel", für alle, deren Soundkarte auch nicht funktioniert :

Im Nebel

November 1905

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, Im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.


hhesse.de - Das Hermann Hesse Portal - Gedichte

Herzliche Grüße von
Leòn

Hermann Hesse

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 20.018
Seit: 26.04.04
Hermann Hesse liebte es, in der freien Natur zu sein, so pflegte er seine Gärten mit Hingabe

- in Gaienhofen, wo er 1904-1912 lebte:

"Ich baute im Garten einen Schuppen für das Brennholz und das Gartengerät, ich steckte gemeinsam mit einem mich beratenden Bauernsohn Wege und Beete ab, pflanzte Bäume, Kastanien, eine Linde, eine Katalpe, eine Buchenhecke und eine Menge von Beerensträuchern und schönen Obstbäumen... alles gedieh recht schön, und wir hatten damals die Erdbeeren und Himbeeren, den Blumenkohl und die Erbsen und den Salat im Überfluss."
(H. Hesse: "Am Bodensee")
„"Daneben legte ich eine Dahlienzucht an, und eine lange Allee, wo zu beiden Seiten des Weges einige hundert Sonnenblumen von exemplarischer Grösse wuchsen und zu ihren Füssen viele Tausende von Kapuzinern in allen Tönen von Rot und Gelb."("H. Hesse: Beim Einzug in ein neues Haus")
- Montagnola, Tessin (1919-1962)

"....Ich war, wider alles Erwarten, noch einmal seßhaft geworden und besaß, nicht als Eigentum, aber doch als lebenslänglicher Pächter, ein Stück Land! Eben erst hatten wir unser Haus darauf gebaut und waren eingezogen, und jetzt begann für mich, aus vielen Erinnerungen her vertraut, noch einmal ein Stück bäuerlichen Lebens. Ich hatte es damit nicht mehr leidenschaftlich und heftig im Sinn, ich würde es mehr läßlich betreiben, mehr die Muße suchen als die Arbeit, mehr am blauen Herbstfeuerrauche träumen als Wälder roden und Pflanzungen anlegen. Immerhin, ich hatte eine schöne Weißdornhecke gepflanzt und Sträucher und Bäume und viele Blumen, und jetzt brachte ich diese Spätsommer- und Herbsttage, die unvergleichlichen, beinahe ganz im Gras und Garten hin, mit kleinen Arbeiten, mit dem Schneiden der jungen Hecke, dem Vorbereiten eines Gemüsegartens für den Frühling, dem Säubern der Wege, dem Reinigen der Quelle - und bei all diesen kleinen Arbeiten hatte ich ein Feuer auf der Erde brennen, ein Feuer aus Unkraut, aus dürrem Gezweig und Dörnicht, aus grünen und braunwelken Kastanienschalen.
Zuweilen im Leben, mag es im übrigen sein wie es wolle, trifft doch etwas wie Glück ein, etwas wie Erfüllung und Sättigung. Gut vielleicht, daß es nie lange währen darf. Für den Augenblick schmeckt es wundervoll, das Gefühl der Seßhaftigkeit, des Heimathabens, das Gefühl der Freundschaft mit Blumen, Bäumen, Erde, Quelle, das Gefühl der Verantwortlichkeit für ein Stückchen Erde, für fünfzig Bäume, für ein paar Beete Blumen, für Feigen und Pfirsiche."
(Hesse, Tessiner Herbsttag. In: Tessin)
LG,
Malve

Hinweis: Moderatoren sorgen für die Rahmenorganisation im Board. Beteiligen sie sich inhaltlich, sollte aus ihrer Moderatorenfunktion keine spezielle fachliche Kompetenz abgeleitet werden.

Geändert von Malve (15.11.11 um 22:53 Uhr)

Hermann Hesse

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 20.018
Seit: 26.04.04
"Wer seinen Dienst am Dienstag nie
auf Donnerstag vertagt,
der tut mir leid, er ahnt nicht wie
der Mittwoch dann behagt."

Scherzgedicht von Hermann Hesse

LG,

Malve

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Geändert von Malve (15.11.11 um 22:53 Uhr)

Hermann Hesse

Oregano ist offline
Beiträge: 52.340
Seit: 10.01.04
Gerade lese ich zum ersten Mal, daß Hesse sich ganz besonders mit der chinesischen Kultur und Philosophie beschäftigt hat. Ich muss gestehen, ich dachte bisher, er wäre der hinduistisch-indischen Kultur und Philosophie näher gestanden:
...Tatsache ist: Mit keinem außereuropäischen Kulturkreis hat sich Hesse so intensiv beschäftigt wie mit China. Weite Teile seines Werkes sind ohne den Einfluss Chinas schlicht nicht denkbar. Vor allem der Taoismus und das Buch der Wandlungen (I-Ging) sind in ihrem Einfluss auf Hesse kaumzu überschätzen. Siddharta, das Buch, das immer krampfhaft und häufig ohne konkrete Bezüge auf Indien bezogen wird, ist laut Hesse ein Dokument „meiner Befreiung von Indien“, die Hauptperson „näher bei Lao tzu als bei Buddha“. Das Glasperlenspiel ist gar in seinem strukturellen Aufbau direkt von der chinesischen Philosophie abhängig. Am Ende seines Lebens denkt Hesse schon fast penetrant in vielen seiner literarischen Äußerungen in zen-buddhistischen Kategorien. Dies alles verdient es, endlich zur Kenntnis genommen zu werden....
Hermann Hesse und China

Hermann Hesse

chiara ist offline
Beiträge: 258
Seit: 22.02.07
Hallo Uta,

wenn, dann hat Hesse der Buddhistischen Kultur und Philosophie nahegestanden. In Siddhartha wird eindeutig der buddhistische Weg geschildert.

Gruß Chiara

Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
Hallo, Ihr drei,

wie man in dem Reisebericht seiner Indien-Reise nachlesen kann, interessierten ihn in Indien die buddhistischen Wurzeln. Wie man manchen seiner Briefe entnehmen kann, dachte er - zumindest in späteren Jahren - eher als Buddhist denn als Christ. In "Politik des Gewissens" findet man einige Aussagen dazu.
Es gibt da zum Beispiel eine Schrift "Sammlung statt Zerstreuung", wenn ich mich recht erinnere!

Herzliche Grüße von
Leòn

Hermann Hesse

Oregano ist offline
Beiträge: 52.340
Seit: 10.01.04
In dem Link von oben steht es anders drin. Deshalb war ich ja so erstaunt...

Uta

Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
Hallo Uta,

ich sehe da gar keinen Widerspruch..... . Es ging ihm bei seiner Beschäftigung mit Indien um den Buddhismus, nicht um den Hinduismus. Seine Beschäftigung mit Indien ist sehr bekannt, weil er die ja literarisch "belegt" hat, durch seinen Indien - Reisebericht und einzelne Stücke, wie zum Beispiel in den Märchen ("Dr. Knölges Ende"). Dass er sich auch mit den chinesischen Formen des Buddhismus befasst hat, ist ja naheliegend. Er hat irgendwo auch mal was über das I GING geschrieben. Dass das aber so bedeutsam und umfangreich gewesen sein soll, habe ich auch nicht gewusst!

Herzliche Grüße von
Leòn

Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
Einen Gruß an alle. Einen schönen Sonntagmorgen wünsche ich.

Ich denke, es ist ist schon deutlich, und macht sicher auch einen Teil der Reize seiner Arbeiten aus, dass Hermann Hesse aus verschiedenen Quellen - eben auch ostasiatischen schöpfte. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ja einen regelrechten Ostasienboom. In "Lieblingslektüre" (das habe ich auch online gefunden Hermann Hesse: Lieblingslektüre ) schreibt Hermann Hesse einiges über sein Verhältnis zur chinesischen Literatur.


Ich bin auf folgendes Buch gestoßen: Adrian Hsia: „Hermann Hesse und China“, Suhrkamp-Taschenbuch-Verlag, 360 Seiten, ISBN 3-518-37173-8.China today¡ªForeigners Exchanges



Herzliche Grüße von
Leòn

Hermann Hesse

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 20.018
Seit: 26.04.04
Zurück in den Garten -

Der Gärtner träumt
(geschrieben für Hesse's dritte Frau Ninon)

Was hat die Traumfee in der Wunderbüchse?
Vor allem ein Gebirg von bestem Mist!
Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse,
Ein Katzenpaar, das keinen Vogel frißt.

Ein Pulver auch, mit dem bestreut alsbald
Blattläuse sich in Rosenflor verwandeln,
Robinien jedoch zum Palmenwald,
Mit dessen Ernte wir gewinnreich handeln.

Oh Fee, und mache daß uns Wasser flösse
An jedem Ort, den wir bepflanzt, besät;
Gib uns Spinat, der nie in Blüten schösse
Und einen Schubkarrn, der von selber geht!

Und Eines noch: ein sicheres Mäusegift,
Den Wetterzauber gegen Hageltücken,
Vom Stall zum Hause einen kleinen Lift,
Und jeden Abend einen neuen Rücken.

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