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Ein Gedicht von Hermann Hesse, dass viele nicht kennen und dass er kurz vor seinem Tod geschrieben hat.
Zerschlagen ist die alte Leier am Felsen, welcher Christus heißt!
Die Leier, die zur bösen Feier bewegt ward von dem bösen Geist,
Die Leier, die zum Aufruhr klang, die Zweifel, Spott und Abfall sang.
O Herr, o Herr, ich kniee nieder, vergib, vergib mir meine Lieder!
Der Kirche ist und ihrem Glauben manch Spottlied frevelhaft erschallt;
Es sollte Zucht und Ordnung rauben durch weicher Töne Truggewalt.
Die freie Rotte triumphieret! Ich hab ihr manchen zugeführet.
O Herr ich schlag die Augen nieder; vergib, vergib mir meine Lieder!
Und als des Märzens Stürme kamen bis zum November trüb und wild,
Da hab ich wilden Aufruhrsamen in süße Lieder eingehüllt.
So manches Herz hab ich betöret, des ew'gen Lebens Glück zerstöret.
Gebeugten Hauptes ruf ich wieder: O Herr, vergib mir meine Lieder!
Zerschmettert ist die alte Leier am Felsen, welcher Christus heißt!
Die Leier, die zur bösen Feier bewegt ward von dem bösen Geist.
Ach schenk mir eine, neu und mild von heil'gem Friedensklang erfüllt;
O, neige segnend Dich hernieder und gib mir neue, neue Lieder!
Es scheint nicht klar zu sein, von wem dieses Gedicht ist, aber es spricht einiges dafür, daß es von Heinrich Heine ist:
Zitat:
Hinweis: Obiges Lied wird meist Heinrich Heine zugeschrieben, der sich am Ende seines Lebens bekehrt und dabei dieses Gedicht geschrieben haben soll. Soweit wir wissen gibt es aber dafür keine Belege.
Hermann Hesse war ja oft krank. Insofern sind diese Gedanken von ihm nicht einfach aus der Luft gegriffen:
Zitat:
"Sie haben eine Krankheit, die leider Mode ist und der man jeden Tag bei intelligenteren Menschen begegnet. Die Ärzte wissen natürlich nichts davon. Es ist mit moral insanity verwandt und könnte auch Individualismus oder eingebildete Einsamkeit genannt werden. Die modernen Bücher sind voll davon. Es hat sich bei Ihnen die Einbildung eingeschlichen, Sie seien vereinsamt, kein Mensch gehe Sie etwas an und kein Mensch verstehe Sie. Ist es nicht so?"
"Ungefähr, ja", gab ich verwundert zurück.
"Sehen Sie. Für den, der die Krankheit einmal hat, genügen ein paar Enttäuschungen, um ihn glauben zu machen, es gebe zwischen ihm und anderen Menschen überhaupt keine Beziehungen, höchstens Mißverständnisse, und es wandle eigentlich jeder Mensch in absoluter Einsamkeit, könne sich den anderen nie recht verständlich machen und nichts mit ihnen teilen und gemeinsam haben. Es kommt auch vor, daß solche Kranke hochmütig werden und alle anderen Gesunden, die einander noch verstehen und lieben können, für Herdenvieh halten. Wenn diese Krankheit allgemein würde, müßte die Menschheit aussterben. Aber sie ist nur in Mitteleuropa und nur in den höheren Ständen zu treffen. Bei jungen Leuten ist sie heilbar, sie gehört sogar schon zu den unumgänglichen Entwicklungskrankheiten der Jugend."
- Hermann Hesse, Gertrud
QUOTE]Ich habe da mal eine Frage als Vater.
Ich habe eine geistig ziemlich reife Tochter. Die hat mir mit ihren dreizehn Jahren verkündet, dass sie Jugendbücher inzwischen für zu durchschaubar hält und die Überlegung geäußert, vielleicht mal ein Erwachsenenbuch lesen zu wollen.
Ich habe erst mal meinen Mund gehalten aber gleich an "Unterm Rad" gedacht. Was denkt Ihr dazu?
[/QUOTE]Ach wäre ich doch damals schon hier eingetragen gewesen, ich hätte dieses Buch von Hesse nicht nur verschlungen wie jetzt, sondern auch noch in mein Leben eingebaut.
Darf ich fragen, ob Du Deiner Tochter damals (2007) das Buch gegeben hast?
Und??? wie ist es bei ihr angekommen?
Ich finde es, (gerade vor 3 Wochen erst gelesen,) hervorragend geeignet, schlauen Kindern ab 13 mal in die Hand zu drücken. Hesse selber hat ja auch als Bub schon die Seemannskiste seiner Großvaters leer gelesen, die über seinem Kopf im Speicher gestanden war und von ihm später hoch gelobt wurde als umfassende Sammlung von Lesekultur.
Danke noch mal für den Tipp, wenn er auch spät kommt.
Übrigens, Tschick von Herrendorf ist auch ein heißer Tipp. Gefällt der Jugend ausnehmend gut. Für Väter ist eher "Sand" von ihm lesenswert.
Ich möchte auch noch auf seinen Fortsetzungsartikel in Google "Arbeit und Struktur" hinweisen, in dem er seinen Kampf gegen den Hirntumor schildert. Ein Beispiel dafür, wie tapfer einer sein Los trägt und trotzdem kreativ bleibt.
Liebe Grüße
Rota
PS Statt link: Arbeit und Struktur, Herrndorf in Goggle aufrufen und die Nr. sechsundzwanzig aufrufen. Damit kann man sich dann vor und zurück scrollen.
Sehr lesenswert.
Geändert von Rota (30.09.12 um 19:20 Uhr)
Alles Gelingen hat seine Gründe, alles Mißlingen hat sein Geheimnis Joachim Kaiser, Musikkritiker