Hermann Hesse

19.04.07 23:47 #1

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Hermann Hesse

Oregano ist offline
Beiträge: 52.302
Seit: 10.01.04
Hallo Leòn,
ich habe dieses Buch schon vor ziemlich langer Zeit gelesen, habe es aber als ziemlich deprimierend in Erinnerung. Es hat ja viele autobiographische Bezüge, und diese Zeit im Elternhaus und dann in Maulbrunn waren ja auch sehr schwierig und deprimierend für Hesse.
Unterm Rad - Wikipedia

Da Deine Tochter in einem sehr beeinflussbaren Alter ist, würde ich eher zu Büchern raten, die in eine positive Richtung gehen. Nur fällt mir im Moment absolut kein Titel ein.

Grüsse,
Uta

Geändert von Oregano (21.04.07 um 15:29 Uhr)

Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
Hallo Uta,

ich danke Dir für den Hinweis! - Ja, ich denke, Du hast Recht!
Da meine Tochter sich momentan in der Schule mit chinesischem Buddhismus beschäftigt, habe ich schon an Siddharta Siddhartha (Hesse) - Wikipedia gedacht!

Herzliche Grüße von
Leòn

Hermann Hesse

chiara ist offline
Beiträge: 258
Seit: 22.02.07
Hallo Leòn,

Hermann Hesse ist mit Abstand mein Lieblingsschriftsteller. Mein Lieblingsbuch ist Siddhartha und ich denke, für eine fitte 13-jährige durchaus auch schon geeignet. Hier einige meiner Lieblingspassagen:

"Weisheit ist nicht mittelbar. Weisheit welche ein Weiser mitzuteilen versucht, klingt immer wie Narrheit ... Wissen kann man mitteilen. Weisheit aber nicht. Man kann sie finden, man kann sie leben, man kann von ihr getragen werden, man kann mit ihr Wunder tun, aber sagen und lehren kann man sie nicht."

"Die Welt, Freund Govinda, ist nicht unvollkommen, oder auf einem langsamen Wege zur Vollkommenheit begriffen: nein, sie ist in jedem Augenblick vollkommen, alle Sünde trägt schon die Gnade in sich, alle kleinen Kinder haben schon den Greis in sich, alle Säuglinge den Tod, alle Sterbenden das ewige Leben. Es ist keinem Menschen möglich, vom anderen zu sehen, wie weit er auf seinem Wege sei, im Räuber und im Würfelspieler wartet Buddha, im Brahmanen wartet der Räuber.... darum scheint mir das, was ist, gut, es scheint mit Tod wie Leben, Sünde wie Heiligkeit, Klugheit wie Torheit, alles muß so sein, alles bedarf nur meiner Zustimmung, nur meiner Willigkeit, meines liebenden Einverständnisses, so ist es für mich gut, kann mich nur fördern, kann mir nie schaden. Ich habe an meinem Leibe und an meiner Seele erfahren, dass ich der Sünde sehr bedurfte, ich bedurfte der Wolllust, des Strebens nach Gütern, der Eitelkeit und bedurfte der schmählichsten Verzweiflung, um das Widerstreben aufgeben zu lernen, um die Welt lieben zu lernen, um sie nicht mit irgend einer von mir gewünschten, von mir eingebildeten Welt zu vergleichen, einer von mir ausgedachten Art der vollkommenheit, sondern sie zu lassen, wie sie ist und sie zu lieben und ihr gerne anzugehören."

"... die Liebe, o Govinda, scheint mir von allem die Hauptsache zu sein. Die Welt zu durchschauen, sie zu erklären, sie zu verachten, mag großer Dichter Sache sein. Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, sie nicht zu verachten, sie und mich nicht zu hassen, sie und mich und alle Wesen mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht betrachten zu können."

Ach Gott - ich merke schon - ich muß das Buch mal wieder lesen. Ich habe es bestimmt schon 10 mal gelesen und kann nie genug davon bekommen.

Ach ja - was ich durchaus noch empfehlen kann ist "Der Alchimist" von Paulo Coelho.

Liebe Grüße

Chiara

Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
Hallo Chiara,

ich danke Dir! Meine Lieblingsromane/ -erzählungen sind Der Steppenwolf, Peter Camenzind und Demian!
Ach ja, und die Morgenlandfahrer! - Äh, und Narziß und Goldmund.

(Eigentlich alle)

Herzliche Grüße von
Leòn

Hermann Hesse

Malve ist offline
Moderatorin
Beiträge: 20.004
Seit: 26.04.04
Hermann Hesse hat 1891/92 für ca. ein halbes Jahr das Klosterseminar in Maulbronn besucht. Der Roman "Unterm Rad" basiert auf Erlebnissen und Erfahrungen aus dieser Zeit. Das Kloster Maulbronn war auch Schauplatz in der Erzählung "Narziß und Goldmund", und im späteren Werk "Das Glasperlenspiel" spielt das Klosterleben eine Rolle.

Das Kloster Maulbronn ist eine ehemalige Zisterzienserabtei und und steht seit 1993 auf der Liste der UNESCO als Weltkulturdenkmal.

Im Kreuzgang

Verzaubert in der Jugend grünem Tale
Steh ich am moosigen Säulenschaft gelehnt
Und horche, wie in seiner kühlen Schale
Der Brunnen klingend die Gewölbe dehnt.

Und alles ist so schön und still geblieben.
Nur ich ward älter, und die Leidenschaft,
Der Seele dunkler Quell in Haß und Lieben,
Strömt nicht mehr in der alten wilden Kraft.

Hier ward mein erster Jugendtraum zunichte.,
An schlecht verheilter Wunde litt ich lang.
Nun liegt er fern und ward zum Traumgesichte
Und wird in guter Stunde zum Gesang.

Die Seele, die nach Ewigkeit begehrte,
Trägt nun Vergänglichkeit als liebe Last
Und ist auf der erspürten Jugendfährte
Noch einmal still und ohne Groll zu Gast.

Nun singet, Wasser, tief in eurer Schale.
Mir ward das Leben längst ein flüchtig Kleid.
Nun tummle, Jugend, dich in meinem Tale
Und labe dich am Traum der Ewigkeit!

(Hermann Hesse, 1914)



Kloster Maulbronn: Der Brunnen

LG,

Malve

Hinweis: Moderatoren sorgen für die Rahmenorganisation im Board. Beteiligen sie sich inhaltlich, sollte aus ihrer Moderatorenfunktion keine spezielle fachliche Kompetenz abgeleitet werden.

Geändert von Malve (15.11.11 um 22:52 Uhr)

Hermann Hesse

Oregano ist offline
Beiträge: 52.302
Seit: 10.01.04
Der Maler Hermann Hesse
Hermann Hesse 1877-1962
Im Alter von 40 Jahren - um 1916/17 - hatte Hesse zu malen begonnen. Zeitlich fällt die Hinwendung zu dieser für ihn neuartigen künstlerischen Tätigkeit mit einer psychotherapeutischen Behandlung nach dem Tod seines Vaters und der beginnenden Schizophrenie seiner ersten Frau zusammen. Hesse selbst betonte mehrfach, dass er im Aquarellieren den "Weg nach innen" und eine Zuflucht vor der ihn "enttäuschenden Wirklichkeit" suchte: "es ist so, dass ich längst nicht mehr leben würde, wenn nicht in den schwersten Zeiten meines Lebens die ersten Malversuche mich getröset und gerettet hätten." Die entdeckte Freude am Malen nutzte Hesse während des Ersten Weltkrieges auch zugunsten der "Deutschen Kriegsgefangenen-fürsorge", deren Bücherzentrale in Bern er leitete. Von hier aus wurden bis 1919 unzählige Bücherpakete und Hilfsgüter in die Kriegsgefangenenlager nach England, Frankreich, Russland und Italien gesandt. Finanziell unterstützt wurde diese gegen den Krieg und Chauvinismus gerichtete Aktion auch durch den Erlös aus dem Verkauf von Hesse-Handschriften, die der Dichter mit eigenen Aquarellen geschmückt hatte. In diesem Zusammenhang entstanden Folgen wie "Zwölf Gedichte", wobei den in Sepiatusche geschriebenen Verszeilen eines Gedichtes jeweils eine mit der gleichen Feder gezeichnete und mit Wasserfarben kolorierte kleine Landschaft gegenübergestellt ist. Derartige Bilder-Manuskripte hat Hesse auch später wiederholt geschaffen - oftmals, um in Not und Bedrängnis geratenen Freunden zu helfen, seltener, so während der Inflation, aus Gründen des eigenen Broterwerbs. Im Mai 1919 verliess Hesse die Stadt Bern, um sich in der Einsamkeit seiner Schweizer Wahlheimat, in das oberhalb von Lugano gelegene Bergdorf Montagnola zurückzuziehen. Durch ausgedehnte Fusswanderungen, sportliche Klettertouren und durch zeichnerisches Studium in der Natur machte er sich mit den landschaftlichen Schönheiten des Tessin vertraut. Und erst hier wurde ihm die Malerei zur wahrhaft neuen Gestaltungsform, in der er ebenso beharrlich wie leidenschaftlich, parallel zur Dichtung, seinen künstlerischen Ausdruck suchte: "Das Malen ist wunderschön, es macht einen froher und duldsamer. Man hat nachher nicht wie beim Schreiben schwarze Finger, sondern rote und blaue." Bereits 1920 wurden "Gedichte des Malers" veröffentlicht, im Jahr darauf "Elf Aquarelle aus dem Tessin". 1927 verfasste Hesse einen Aufsatz zum "Aquarellmalen". Das "handwerkliche Rüstzeug" erarbeitete er sich autodidaktisch, mit mehreren Malern tauschte er sich in freundschaftlich-anregender Weise über Komposition, Maltechnik und den Einsatz der Farbe aus.


Galerie Carzaniga Basel - Ausstellungen

Und noch ein LInk: Die Steinkühler Blätter: Steinkuhler Blaetter

Geändert von Oregano (21.04.07 um 19:48 Uhr)

Hermann Hesse

Oregano ist offline
Beiträge: 52.302
Seit: 10.01.04
Hermann Hesse liest Hesses "Im Nebel":
http://www.gss.ucsb.edu/projects/hesse/nebel.wav


Hermann Hesse

chiara ist offline
Beiträge: 258
Seit: 22.02.07
Hallo Leòn,

bis auf Peter Camenzind kenne ich alle genannten Titel. In einem muß ich Uta auch recht geben - es gibt einige Bücher von Hesse die recht deprimierend wirken können. Derzeit lese ich ein Buch von Hesse, dass schon ewig in meinem Bücherschrank weilt. Es hat mich nicht so arg gereizt ob des Kommentars von Kurt Tucholsky: "Wer Hesse lieb hat, den wird dieses Buch sehr interessieren. Es freut einen so sehr daß in "Roßhalde", nachdem man uns über Gebühr mit läppischen Liebesgeschichten gelangweilt hat, einmal wieder der Wert einer rechten Männerfreundschaft aufgezeigt wird". ;-) Wie du der Kommentar schon aufzeigt - es handelt sich um Roßhalde. Jedoch muß ich sagen, schon nach den ersten Seiten hat es mir leid getan, das Buch nicht schon früher gelesen zu haben. Werde dann wohl mal wieder die halben Nächte durchlesen ;-)

Liebe Grüße

Chiara

Geändert von Leòn (21.04.07 um 22:05 Uhr) Grund: habe meinen Fehler korrigiert

Hermann Hesse

chiara ist offline
Beiträge: 258
Seit: 22.02.07
Hallo Uta, danke für die WAV Datei. Mein Mann hat mich gerade gefragt, ob ich eine Rede des Papstes hören würde ;-) Aber als Nicht-Hesse Fan kann er das wohl nicht verstehen.

Liebe Grüße

Chiara

Hermann Hesse

Leòn ist offline
Themenstarter Beiträge: 10.071
Seit: 19.03.06
Hallo Malve,

das Glasperlenspiel ist das einzige Buch Hermann Hesses, das ich trotz mehrfacher Anläufe nicht lesen konnte. Ich kam einfach "nicht hineien". Vielleicht kann ich es heute, in einem "reiferen" Alter noch einmal probieren.

Hallo Uta,

ich finde viele seiner Aquarelle sehr ansprechend. Ich habe eine Bebilderte Ausgabe von "Knulp", mit Skizzen von Hermann Hesse. Auch sehr schön.

Danke auch von mir für den Link. Zu dumm, dass meine Soundkarte den Geist aufgegeben hat. "Im Nebel" ist eines meiner Lieblingsgedichte.


Hallo Chiara,

entschuldige bitte, dass ich versehentlich in Deinen vorletzten Beitrag hineingeschireben habe ! Ich beherrsche die Moderatorentechnik immer noch nicht richtig. Ich werde das gleich in Ordnung bringen.

Beim Zähneputzen habe ich meiner Tochter die ersten fünf Seiten von Siddharta vorgelesen. Sie ist interessiert. Hat sich sofort mit Govinda identifiziert. Ich denke, wir werden das über weite Strecken gemeinsam lesen!

So, hier gehört das hin:
Hallo Chiara,

Roßhalde habe ich gelesen und es ist mir so ähnlich wie bei "Klein und Wagner" gegangen: Es ist nicht viel bei mir hängen geblieben. Aus beiden Büchern nur jeweils eine Szene.

Herzliche Grüße von

Leòn

Geändert von Malve (15.11.11 um 22:52 Uhr)


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